Amberger Zeitung 7./8. April.2001

Vom Leben und dem Tod
Schultheatertag am GMG - Über 30 Schüler auf der Bühne im Einsatz

Die Schultheatertruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums präsentierte die Revue eines menschlichen Lebens von der Geburt bis zum Tod, frei nach dem Gedicht von Matthias Claudius.
Bild: Unger

VON PETER RINGEISEN 

Amberg. Kein leichtes Unterfangen, was sich die über dreißig Spielerinnen und 
Spieler mit ihrem Leiter Anton Fütterer vorgenommen hatten: Die Schultheatertruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums präsentierte nichts weniger als die Revue eines menschlichen Lebens von der Geburt bis zum Tod, frei nach dem Gedicht von Matthias Claudius, das denn nicht nur auf dem Programmblatt zitiert wurde, sondern das Spielleiter Fütterer zu Beginn auch vortrug, um das Publikum der gut gefüllten GMG-Aula auf die Thematik des Abends einzustimmen: “Empfangen und genähret / Vom Weibe wunderbar”, so beginnt im Claudius-Gedicht das Leben, und es endet mit dem Verspaar: “Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder, / Und er kömmt nimmer wieder.” - Einen “nicht allzu beschaulichen Abend und viel Spaß” wünschte Studiendirektor Fütterer am Ende seiner Ansprache, und, in der Tat, dieser paradoxe Wunsch ging in Erfüllung.

Zunächst war da der wenig heitere Gegenstand. Am Beginn des Lebens schon wetzt der Tod seine Sense, und das Ende wird mit einer Prozession - Abgang von der Bühne - höchst passend ins Bild gesetzt; dies waren die Eckpunkte. Dazwischen in flottem Tempo, in guter zeitlicher Abstimmung, Elemente des Lebens, die den Spielerinnen und Spielern als prägend erschienen: Schullaufbahn und menschliche Sexualität wurden ebenso problematisiert wie das Schubladendenken vieler Menschen, die BSE-Krise in Verquickung mit der Verrohung, die von den Massenmedien gefördert wird, die Problematik des Alterns. Alles dies keine Schmunzelthemen - und doch gelang es den engagiert agierenden Schülern, die Denkanstöße in die Sorte von bissigem Humor zu verpacken, die sie erst wirksam werden lässt.

So wurde beispielsweise in der Szene “Stempeln” der Mensch nicht nur im übertragenen Sinn mit einem Etikett versehen, sondern wortwörtlich mit großen Etiketten beklebt - vom eher harmlosen bis zum abwertenden, und schließlich wurde er mit einem quadratmetergroßen Stempel zum “Versager” gestempelt. Auch in anderen Szenen wurde der kreative Umgang mit originellen Requisiten zum Vergnügen - der vom Hausmeister geschreinerte “Multi-Funktions-Sarg” kam sogar mehrfach zum Einsatz (als Tür, Tisch und eben als Sarg) und war zudem als konsequentes “memento mori” durchgehend auf der Bühne präsent.

Überhaupt war oft das Bild wichtiger als der Text; so kam die allererste Szeneganz ohne Worte aus: Wie die vier Sensenmänner im Halbdunkel synchron ihren Wetzstein über die Klinge zogen - ratsch, ratsch - das genügte. Eindrucksvolles Theater mit sparsamen Mitteln.

Stellenweise wurde der Text jedoch geradezu genüsslich zelebriert, präzise und ausdrucksstark gesprochen. Verbunden - oder getrennt - wurden die kurzen Szenen durch die einschlägig für das Thema geeignete Figur des Charon, der allerdings, ganz zeitgemäß, eine Sekretärin zur Seite gestellt bekam.

Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Applaus für die kurzweilige, tiefsinnige und doch heitere Revue von Leben und Tod, die den Untertitel trug: “Nur wer stirbt, hat gelebt.” Nur wer nicht da war, hat nicht geklatscht.

 

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Letztes Update: 08.02.2005

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