© Dr. Hj. Biener
Zehlendorf 177 kHz

Der Rundfunkstandort Zehlendorf, etwa 30 km nördlich von Berlin und 10 km östlich von Oranienburg, geht schon in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. In den dreißiger Jahren wurden hier zahlreiche Kurzwellensender errichtet. Ursprünglich sollten zu den Olympischen Spielen 13 Kurzwellensender errichtet werden. Tatsächlich hatte die Anlage dann neun Sender zwischen 150 Watt und 100 kW und 26 Antennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen abgebaut und als Reparationen in die Sowjetunion gebracht.

Von den vier Besatzungszonen Deutschlands erhielt keine auf der Kopenhagener Wellenkonferenz von 1948 eine Langwelle. Trotzdem wurde die Langwelle auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone eingesetzt.

1952 wurde das Gelände als Standort eines neuen Langwellensenders erkoren. Die Bauarbeiten begannen 1956. Man installierte bis Juli 1958 einen 750 kW-Sender des VEB Funkwerk Köpenick. Die ersten Testsendungen wurden im Juli 1958 ausgestrahlt. Der neue "Deutschlandsender" sendete ab 29. September 1959 auf 185 kHz. Zunächst wurde nur mit 500 kW gesendet, da der eigentliche 351-m-Sendemast noch gebaut werden musste. Offizieller Sendebeginn mit 750 kW war am 1. August 1962. Der Antennenmast, 1962 das höchste europäische Bauwerk, stürzte am 18. Mai 1978 ein, als eine sowjetische Mig-21 in ein Halteseil flog und gut 15 km weiter abstürzte. Am 7. Oktober 1979 wurde darum ein neuer 360 m-Mast in Betrieb genommen.
 
Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der zunächst für die nächsten elf Jahre die Frequenzzuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Stimme der DDR sendete nun offiziell aus 182 kHz Oranienburg, 783 kHz Burg und 1359 kHz Berlin. 

In den Jahren wanderte die DDR-Langwelle auf 182, 179 und 177 kHz. Die Frequenzänderungen hängen damit zusammen, dass auf im Prinzip selber Welle aus dem Saarland Europe 1 ein französisch-sprachiges Peripherieprogramm nach Westen ausstrahlt. Durch starke Richtwirkungen bei Europe 1 und leichte Frequenzversetzungen bei beiden Stationen versuchte man, die gegenseitigen Störungen zu vermindern. Ein zeitweise diskutierter Wechsel auf die im Langwellenraster korrekte 180 kHz ist nicht mehr aktuell, da das niederländische Langwellenprojekt für 171 kHz wegen Standortproblemen nicht vorwärtsgeht.

DX-Programm auf Langwelle
Am 9. Februar 1991 begann "Radio Aktuell" die wechselvolle Geschichte eines deutschen DX-Programms mit bundesweitem Anspruch. Hörerbindend sollten dabei nicht nur der oft beschworene "DX-Familien-Geist" und "Ham-Spirit", der DX-Jargon und der familiäre und bisweilen intime Ton des Programms sein.
Westdeutsche Kluboffizielle, die sich stets um eine Öffnung des Rundfunkhobbys für die allgemeine Öffentlichkeit bemüht hatten, bedauerten, dass schon mit der Insidersprache die Chance eines echten Medienprogramms, dass auch Auslandsdienste berücksichtigte, verschenkt wurden.
So beschäftigte sich Hans Werner Lange in der ersten Folge von "DX-Programme unter der Lupe" im ADDX-DX-Programm ("Radio HCJB" am 14.5.1994) kritisch mit "DX aktuell".  Wie er an einem Beispiel erzählen konnte, ist "Frust vorprogrammiert", da durch die kommentarlose Aneinanderreihung der DX-Tips zu hohe Erwartungen genährt würden. Auch sendefertige Senderportraits, so der Rundfunkjournalist, wurden ignoriert. In den Sendungen des folgenden Wochenendes kam ein scharfes Echo: "Bei uns braucht sich Hans-Werner Lange nicht zu entschuldigen, aber bei den Hörern". Der Pressesprecher der ADDX, Jürgen Bast, distanzierte sich ebenfalls deutlich. "Radio HCJB" wurde indirekt zur Zensur aufgefordert. Es verwundere, dass ein christlicher Sender so etwas sende.

In einer Programmdiskussion in "weltweit hören", der Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft DX, wurde das Programm ebenfalls kritisch besprochen. Besonders die langbeinige, stets Mini tragende "Connie" als Objekt von Männerphantasien teilte die Gemüter: Während die in "DX-aktuell" zitierten Hörer Connie zu lieben schienen, fanden andere ihre Rolle entbehrlich und die sexistischen Kommentare ärgerlich. Insider wollen wissen, dass Connie bei der Sendung sowieso nur auf Band präsent war.
Die eingehende Hörerpost rettete das Programm am 31. Dezember 1993 über das Ende von "Radio Aktuell" und "DS-Kultur" hinweg ins "DeutschlandRadio". In der Sendung DX-aktuell vom 10. Juni 1994 wurde schließlich das Ende zum 1. Oktober 1994 bekanntgegeben.
DX-Editor und Sonnenexperte Wolfram Heß gestorben
Wolfram Heß ist am 9. Februar 2007 im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben. Wolfram Hess wurde 1940 geboren und war 1954 als 14-jähriger der jüngste Radioamateur der DDR.Ursprünglich bei Radio Berlin International, wo er das einzige völlig unpolitische Programm des Senders produzierte, wurde er nach der Wende durch seine DX-Programme DX-aktuell und DX-Report einer weiteren Hörerschaft bekannt. Heß starb wenige Wochen vor dem offiziellen Sendeende seines DX-Programms im englischen Dienst der Deutschen Welle am 25./26. Februar. Für den Deutschen Amateur Radio Club erstellte er einen täglichen Sonnen- und Ionosphärenwetterbericht. (DARC Deutschland-Rundspruch 15.2.2007, von Dr. Hj. Biener ergänzt)
Neuer Sender
Für geraume Zeit wurde der Name Deutschlandsender durch die Stimme der DDR ersetzt. In den Jahren der Wende bzw. der Abwicklung der ostdeutschen Radiostationen wurde über viele Verwicklungen aus dem wiedererstandenen Deutschlandsender schließlich das Kulturprogramm des DeutschlandRadio. Nach Aussagen von Zeitzeugen sollte die bis dahin mit voller Leistung von 750 kW betriebene Langwelle 177 kHz ursprünglich mit der Auflösung der "Einrichtung nach Artikel 36 des Einigungsvertrages" zum 31. Dezember 1991 stillgelegt werden.  Ab dem 1. Januar 1992 wurde die Welle jedoch mit dem Programm von "DS Kultur im Auftrag von ARD und ZDF" belegt. Zunächst wurde der 100 kW-Reservesender in Königs Wusterhausen eingesetzt. Später wurde der Sendebetrieb  wieder von der Sendestation Zehlendorf (mit auf 250 kW beschränkter Leistung, vermutlich ab diesem Zeitpunkt über die als Reserve vorhandene Dreieckflächenantenne)  übernommen.
Vom 30. September 1994 bis 1. Januar 1997 wurde mit  100 kW gesendet, erst seit dem 2. Januar 1997  wieder mit den vollen 500 kW. Nach einer Reichweitenkarte der Sendertechnik von Mai 1997 versorgt die Langwelle tagsüber Ost-Deutschland, Süd-Skandinavien und Ostmitteleuropa bis zum Baltikum.
Am 30. März 1999 ersetzte ein neuer volltransistorisierter 500-kW-Sender von Telefunken die Sender aus den fünfziger Jahren. Das Aufmacherfoto auf der Webseite www.telefunken-sendersysteme.de zeigte eine Zeitlang den in Zehlendorf aufgestellten Sender, umringt von den Vorstufenschränken der alten Anlage. Der neue Sender ist für eine zukünftige digitale Nutzung gerüstet und zeichnet sich durch geringen Energieverbrauch und minimale Wartungskosten aus.

Kooperation mit dem Fernsehen
Die Langwelle strahlt an sich das Programm des DeutschlandRadio Berlin aus. Seit kürzerer Zeit kooperiert das Berliner Programm verstärkt auch mit dem Fernsehen. Am 6. September 2000 begann die Vorausstrahlung des "nachtstudio", das vom ZDF dreimal im Monat donnerstags um 0.15 Uhr ausgestrahlt wird. Die von Volker Panzer moderierte Talkrunde wird jeweils am Mittwoch um 22.00 Uhr beim DeutschlandRadio auf den Wellen 153 und 855 kHz gesendet. Im Frühjahr 2001 folgten zwei weitere Übernahmen aus dem Fernsehen auf die beiden genannten Frequenzen. Die ARD-Sendung "Sabine Christiansen" ist seit 1. April sonntags 21.45-22.45 Uhr parallel zur Fernsehausstrahlung im Radio zu hören, seit dem 5. April auch die ZDF-Politik-Talk-Show "Berlin Mitte" mit Maybrit Illner 22.15-23.00 Uhr.

Digitalsendungen
Nach vorausgegangenen Tests wurden im Rahmen der Internationalen Funkausstellung (29. August-3. September 2003)  Sendungen mit neuen Varianten des digitalen DRM-Verfahrens durchgeführt. Vorgestellt wurde eine gleichzeitige Ausstrahlung analoger und digitaler Signalanteile auf der für das DeutschlandRadio Berlin eingesetzten Frequenz 177 kHz. Damit wurde DRM wird zum ersten Mal auf Langwelle und gleich mit gleichzeitiger Ausstrahlung von traditionellen und digitalen Signalen getestet. Da die Lang- und Mittelwellen fest vergeben sind, möchten die Programmveranstalter in diesen Bereichen Simulcast-Betrieb benutzen, um keine der noch verbliebenen Stammhörer zu verlieren. Dies trifft insbesondere die beiden Programme des DeutschlandRadio, die noch nicht flächendeckend auf UKW vertreten sind. Im Simulcast-Betrieb enthielt nur das obere Seitenband das DRM-Signal (11 kbit/sek). Dadurch konnte auch nur die halbe Datenrate verwendet werden. Das untere Seitenband wird im Modulator errechnet, damit die Summe aus oberem und unterem Seitenband die AM-Hüllkurve ergibt. Je besser das gelingt, desto weniger ist vom in verschiedenen Empfängern verschieden intensiv gehörten DRM-Rauschen zu hören. Die Demodulation ist ausschließlich mit dem klassischen Hüllkurven-Demodulator möglich, da es die beim Einseitenbandempfang ausgewerteten Seitenbänder so nicht mehr gibt. Beim Simulcast-Betrieb muss ausserdem die Aussteuerung reduziert werden. Das Hüllkurven-Signal ist deshalb etwas leiser als bei reinem AM-Betrieb.
Die seit 1992 benutzte Dreieckflaechenantenne ist auf 177 kHz mit bis zu 500 kW belastbar, wegen ihrer geringen Bandbreite jedoch für die angestrebten Digitalsendungen nicht geeignet. Deshalb wurde die Zehlendorfer Antennenanlage durch Telefunken Sendersysteme modernisiert. Eine neue, aus sechs Seilen bestehende Langwellenantenne wurde am 357 Meter hohen Mast der alten Hauptantenne angebracht.

Neustart von Deutschlandsender Kultur
Das Programm von DeutschlandRadio Berlin wird am 7. März 2005 als Deutschlandradio Kultur neugestartet. Im Programmheft wird dies vor allem durch die werktäglichen Programmflächen namens „Radiofeuilleton“ sichtbar, die 9.00-12.00 und 14.00-17.00 Uhr ausgestrahlt werden und in einer Stundenuhr :00 Nachrichten, :07 Themen, :20 Musik, :30 Kulturnachrichten, :33 Kritik, :50 einen weiteren Beitrag beinhalten. Die aktuellen Sendungen werden 5.00-9.00, 12.00-13.00 und 17.00-18.00 Uhr ausgestrahlt. Hauptstandorte des neugestarteten Kulturprogramms sind neben den regionalen UKW-Sendern Berlin-Britz 855, 990 und 6005 kHz sowie die Langwelle Oranienburg 177 kHz.
Bei der Gelegenheit werden auch Änderungen im äußeren Erscheinungsbild vorgenommen. So wird zum Beispiel das große Binnen-R in DeutschlandRadio abgeschafft.

DRM-Regelbetrieb
Deutschlandradio Kultur begann am 1. September 2005 offiziell mit dem Regelbetrieb auf der digitalisierten Langwelle. Die Langwelle Oranienburg 177 kHz geht, wie vor zwei Jahren zur Internationalen Funkausstellung in Berlin Ende August, wieder in den DRM-Betrieb. Digital Radio Mondiale wurde entwickelt, um eine großflächige Rundfunkversorgung sicherzustellen und zugleich eine hohe Audioqualität über Lang- und Mittelwelle zu gewährleisten. Der neue Übertragungsweg ermöglicht es, so die Pressemitteilung, die traditionellen Hörfunkwellen praktisch rauschfrei und fast in UKW-Qualität zu empfangen. (www.dradio.de/wir/presse/410934 25.8.2005, Dr. Hj. Biener)
Seit den frühen Morgenstunden des 1. Dezember 2005 wird das Programm des Deutschlandradios Kultur über den Langwellensender Zehlendorf (bei Oranienburg) auf 177 kHz wieder in analoger Amplitudenmodulation ausgestrahlt. Das dort zuvor rund um die Uhr genutzte DRM-Format wird auf dieser Frequenz jetzt nur noch nachts zwischen 02.00 und 05.00 Uhr erprobt. (www.dradio.de/dlf/sendungen/dlf-mw-lw/442429/)
Das Deutschlandradio hatte die Langwelle 177 kHz anläßlich der Internationalen Funkausstellung (IFA) am 29. August 2005 auf den digitalen Betrieb umgestellt. Der Schritt wurde rückgängig gemacht, weil ein Festhalten am DRM-Betrieb nicht mehr zu vermitteln war, nachdem die für das Weihnachtsgeschäft angekündigten DRM-Radios weiterhin nicht erhältlich sind.
 
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