Radio Wolga
Ein Soldatensender
für die Westgruppe
Von den Besatzungszonen
Deutschlands erhielt keine auf der Kopenhagener Wellenkonferenz 1948
eine Langwelle. Trotzdem nutzten die sowjetischen Truppen die Langwelle
für ihren Soldatensender. Sie waren von zuhause die Nutzung der Langwelle
gewohnt, da in der Heimat alle 15 vorhandenen Langwellenkanäle auch
von Sendern belegt waren.
Radio Wolga wurde
1945 als Sender für die in der SBZ und späteren DDR stationierten
sowjetischen Truppen ins Leben gerufen. Die ersten Sendeanlagen waren wohl
in Magdeburg und Stolp.
Die Zentrale war
wahrscheinlich von Anbeginn in der Menzelstraße 5 in Potsdam. Zunächst
sendete man aus Königs Wusterhausen. Ab Juli 1945 nutzte man einen
2,5 kW-Kleinsender auf 283 kHz, der 1948 auf 20 kW verstärkt wurde.
Ab 1946 wurde zeitweise auch der neu in Betrieb gegangene 100-kW-Sender
auf 191 kHz genutzt. Ab 1952 übernahm dieser Sender die reguläre
Abstrahlung von Wolga, nachdem für den Deutschlandsender eine neue
Anlage eingeschaltet worden war.

Ab 7. November 1968,
dem 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, ging Wolga von Burg aus in den
Äther. Ende der sechziger Jahre wurde im Burger Ortsteil Gütter
eine weitere Sendeanlage errichtet, die mit einem 350-Meter-Masten alles
bisher Dagewesene übertraf (Kosten: 27 Millionen Mark). Hörer
aus der Region erinnern sich auch noch an die starke Harmonische Frequenz,
die Radio Wolga Burg 263 kHz auch auf 526 kHz im Mittelwellenbereich hörbar
machte.
Die Freude an dem
Supermast währte jedoch nicht einmal zehn Jahre. Am 18. Februar 1976
sollte Wolga pünktlich ab 6 Uhr über den 200-kW-Langwellensender
gehen. Dazu kam es jedoch nicht. Um 5.46 Uhr stürzte der Antennenmast
ein. Die Mastspitze bohrte sich acht Meter tief in den Erdboden. Lediglich
ein Stummel von 80 Meter Höhe blieb stehen. Ein beschädigter
Haltebolzen gilt als Ursache des Einsturzes. Seit dem galt auch in Burg,
dass Provisorien das Dauerhafteste sind. Der Sender hängt so lange
schon an einem der beiden 210-m-Rohrmasten, die wohl zusammen mit den Mittelwellensendern
gebaut wurden.
Auf der Suche
nach einer deutschen Öffentlichkeit
Gut 500000 sowjetische
Soldaten waren über Jahrzehnte die Zielgruppe von Radio Wolga. Radio
Wolga strahlte Programme des damaligen sowjetischen Rundfunks, mittags
die deutschen Programme von Radio Moskau und für einige Stunden meist
am Abend eigene Produktionen aus.
Mit dem Abzug der
Truppen suchten die 30 Programm-Macher nach neuen Hörern und fanden
sie in der "deutschen Öffentlichkeit". In einem Rückblick überlegten
Verantwortliche von Radio Wolga, dass dieser Schritt möglicherweise
zu spät gekommen war. Ab dem 6. Oktober 1991 warb die Station auch
um deutsche Hörer und Hörerinnen, zuletzt mit sechs Stunden wöchentlich:
"Das Hauptanliegen der deutschen Redaktion besteht darin, die deutsche
Öffentlichkeit über die Vorgänge und den Alltag der Westgruppe
der russischen Streitkräfte zu informieren, über den planmäßigen
Abzug in die Heimat, die zusammen mit den
deutschen Institutionen
organisisierten gesellschaftlichen Aktionen." Deutschsprachige Hörer
über den russischen Truppenabzug zu informieren, war wichtig. Die
Erfolge des Neonationalisten Wladimir Schirinowski bei den russischen Parlamentswahlen
hatten viele Regierungen aufgeschreckt, in deren Ländern noch russische
Truppen standen, und soweit erkennbar, hatten viele Angehörige der
Westgruppe für den russischen Nationalisten gestimmt.
Nachdem Radio Wolga
lange auf Empfangsberichte nicht reagierte, zeigte sich die Station in
den neunziger Jahren DXer-freundlicher als früher und bestätigte
eingehende Empfangsberichte, denen Rückporto beilag, binnen einer
Woche umgehend mit QSL-Brief, Sendeplan und Informationsblatt.
Sendezeitverkauf
an RadioRopa-Info
1992 stellte Radio
Wolga die Ausstrahlung der Auslandsprogramme von Radio Moskau ein und schrieb
Sendezeit zur Miete aus. Man konnte sowohl Sendezeit für Werbespots
in den deutschen und russischen Sendungen mieten als auch längere
Sendeblöcke.
Ab Mitte 1992 mietete
der private Nachrichtensender RadioRopa-Info zunächst sechs, dann
bis zu elf Stunden täglich und sendete damit erstmals nicht nur über
Satellit und Kabel, sondern auch terrestrisch. Durch die Langwelle 261
kHz deckte man vor allem die ostdeutschen Bundesländer ab und erhöhte
die technische Reichweite. Voraussetzung waren allerdings auf Empfängerseite
langwellentaugliche Radios, und die waren in den letzten Jahren eher auf
dem Rückzug. Das deutsche Programm von Radio Wolga wurde sonntags
bis freitags vor den Nachmittagsprogrammen von RadioRopa-Info ausgestrahlt
und mochte auch Hörer finden, die zu früh nach RadioRopa-Info
suchten.
Das Sendeende
von Radio Wolga
Am 31. Juli 1994
kam nach 49 Jahren das Sendeende für Radio Wolga. Die Telekom übernahm
RadioRopa-Info zunächst als Betriebsversuch. Als nach einiger Zeit
kein Vertrag zustande gekommen war, schaltete man ab. Zuletzt einigte man
sich doch noch über die Sendermiete. Zugleich wurde die Sendeleistung
auf 80 bis 90 kW abgesenkt.

Radio Ropa
"Deutschlands
erster privater Nachrichtensender"
Radio Ropa-Info
begann 1990 als Nachrichten-orientierter Satellitensender aus Daun in Rheinland-Pfalz.
Da man sich mit der Landesregierung nicht über die Weiterbenutzung
der UKW- Stützfrequenzen einigen konnte, wurde das Programm aus Daun
aufgegeben. Da Radio Ropa auch Frequenzen in Sachsen hatte, zog man 1996
nach Leipzig. Das sächsische Programm wurde zunächst auch auf
Langwelle übernommen.
Da die Langwelle
nicht mehr auf allen Radios vertreten ist, brachte RadioRopa das Einfrequenzradio
FX-10 auf den Markt, das für 20 DM inklusive Verpackung und Versand
beim Werbezeitenverkauf Regional in Magdeburg zu bestellen war.
Ende Oktober 1996
wurde ein neuer 50-kW-Halbleitersender für die Langwelle Burg ausgeliefert.
Der Sender wurde in einem Container am Fuß des 324-m-Sendemastes
aufgestellt, der früher für die Mittelwelle eingesetzt worden
war. Ab dem 16. Dezember 1996 strahlte er 5.00-22.00 Uhr RadioRopa aus.
Der Empfang der Station war auch jenseits des eigentlichen Sendegebiets
"Ost-Nord" bis hin zu den Alpen befriedigend.
Neuformatierung
des Langwellenprogramms durch Komplettübernahmen von deutschsprachigen
Auslandsprogrammen
Mit der Aufspaltung
in Radio Ropa 261 und ein neuformatiertes Radio Ropa Sachsen wollte man
finanziell besser über die Runden kommen. 1998 wurde das Programm
neu formatiert. Am 29. Januar 1998 startete der Testbetrieb von Radio Ropa
2-6-1 auf Langwelle und im Astra Digital Radio Transponder 6,66 MHz. Offiziell
zum 1. März 1998 brachte man dann eine Mischung aus Eigenprogrammen
und Komplettübernahmen deutschsprachiger Auslandsdienste, so von BBC
London, Radio France Internationale, Radio Finnland und Radio Österreich
International. 6 bis 7 Stunden Eigenprogramm wurden in Kooperation mit
der Nachrichtenagentur ADN in Magdeburg produziert. Die Beiträge wurden
per ISDN nach Luxemburg überspielt, dort mit den Auslandsdiensten
zusammengeführt und über Astra Digital Radio zur Langwelle zugespielt.
Das Sendeende
von Radio Ropa 2 6 1
Zum 31. Dezember
2000 wurde der Betrieb eingestellt. Zur Begründung nannte Geschäftsführer
Marcus Körner die Erfolglosigkeit der Bemühungen um eine Zuweisung
von UKW-Frequenzen. Nur über Langwelle und Astra-Digital-Radio sei
ein wirtschaftlicher Betrieb des Senders nicht möglich. Es habe sich
als Fehler erwiesen, die Station in Sachsen-Anhalt anzusiedeln.
Europe 1
Für das seit
längerem geplante deutschsprachige Programm des französischen
Veranstalters Europe 1 auf der Langwelle Burg 261 kHz stellt das Projektbüro
Digitaler Rundfunk der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (www.digitalerrundfunk.de)
jetzt den Beginn von Ausstrahlungen im digitalen DRM-Verfahren noch für
2004 in Aussicht.
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Dr. Hansjörg Biener 0104
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