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Burg 657 kHz (1978-1991)

Das ältere Senderhaus von Burg beherbergt die ursprünglichen beiden 250 kW Mittelwellensender (1953 Funkwerk Köpenick, bauartgleich mit Wilsdruff). Bis in die siebziger Jahre brachte einer den Deutschlandsender bzw. die Stimme der DDR auf 782 kHz; der andere wurde bis zum deutsch-deutschen Grundlagenvertrag für den Deutschen Freiheitssender 904 (anfangs 904, später 908 kHz) und den Deutschen Soldatensender 935 (935 kHz) eingesetzt. Als die Stimme der DDR einen 1000-kW-Sender bekam, brachten die beiden 250-kW-Sender ab 1978 auf 657 kHz den Berliner Rundfunk und auf 1575 kHz abends und nachts Radio Berlin International bzw. Stimme der DDR.

Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der zunächst für die nächsten elf Jahre die Frequenzzuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Der Berliner Rundfunk sendete nun offiziell aus 657 kHz Burg (250 kW), 693 kHz Berlin, 999 kHz Schwerin und Weimar, 1170 kHz Plauen und 1575 kHz Dresden und Keula. 657 und 1575 kHz waren ursprünglich für Neubrandenburg vorgesehen, wo man nachts mit 500 kW auf 1575 kHz und tagsüber mit 2000 kW auf 657 kHz senden wollte. Aber die neue Sendeanlage wurde nicht gebaut und man betrieb die Frequenzen mit 250 kW aus Burg. Tatsächlich wurden auf 657 kHz mehrere Sender eingesetzt, die dann ab 1987 das Jugendradio DT64 ausstrahlten.

In der Wendezeit wurde Mittelwelle 657 kHz in den verschiedenen Regionen des Landes mit verschiedenen Programmen belegt, wodurch sich etwa DT 64 aus Burg und Radio Aktuell aus Helpterberg gegenseitig zunichte machten. Die Frequenz in Burg ging im Frühjahr 1990 von DT 64 an das Hallenser Radio Sachsen-Anhalt, das zum 31. Dezember 1991 dann vom Mitteldeutschen Rundfunk abgelöst wurde. Nach einer Aufstellung aus der Nalepastraße von 1991  wurde der Nachtbetrieb 19.00-5.00 Uhr über den 20-kW-Sender Bernburg abgewickelt. Das dürfte mit Hinblick auf eine brauchbare Nachtversorgung des Raumes Magdeburg/Dessau/Halle geschehen sein, da die Mittelwelle bis zum 26. Mai 1991 aus Helpterberg mit Radio Aktuell belegt wurde.

Helpterberg 657 kHz (-1996)

NDR
Am 1. Januar 1992 übernahm der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit vier Programmen die Rundfunkversorgung von Mecklenburg-Vorpommern. Da man aber Flächendeckung auf UKW hatte, wurden die Mittelwellensender nach und nach abgeschaltet und für private Anbieter ausgeschrieben.Zum 31. Dezember 1996 gab NDR-4 die Mittelwelle Helpterberg 657 kHz auf.
Nur einmal war ihr noch einmal besondere Bedeutung zugekommen. Nach langen Vorbereitungen und einem Probebetrieb ab 11. März 1994 startete am 4. April 1994, 16.44 Uhr, das NDR-Jugendradio N-Joy-Radio. Probleme warf hier, noch mehr als bei NDR 4, die Frequenzplanung auf. Eingesetzt wurden neu koordinierte Frequenzen, aber auch Sender, die aus anderen Programmen übernommen wurden. Beim Sendestart war die NDR-Jugendwelle in weiten Teilen Schleswig Holsteins und Niedersachens über UKW zu hören. Zur vollen Flächendeckung wurden bis zum 1. August 1994 tagsüber auch die NDR-4-Mittelwellen eingesetzt.

Kurze Mittelwelleneuphorie
Der Rückzug des NDR machte den Weg für eine Ausschreibung an private Anbieter frei.
Als erste wurden die Mittelwellen 576 kHz (bis 1994 Schwerin) und 1017 kHz (bis 1991 Greifswald) für private Anbieter ausgeschrieben. Schon Anfang April 1997 sollte Mega-Radio Mecklenburg-Vorpommern den Betrieb aufnehmen und Mecklenburg-Vorpommern zum dritten Bundesland nach Berlin und Sachsen machen, in dem kommerzielle Sender auf Mittelwelle senden würden. Tatsächlich dauerte es mehr als drei Jahre bis zur Aktivierung der Mittelwelle 576 kHz für ein reguläres Programm.
Da sich fünf Bewerber für die erste Senderkette interessiert hatten, wurde eine zweite Mittelwellenkette aus folgenden Standorten ausgeschrieben: Rostock-Stadtheide 558 kHz, Helpterberg 657 kHz und Putbus 729 kHz sowie Schwerin 999 kHz. Um die Mittelwellenkette bewarben sich drei Anbieter: Die Radio Starlet Programm- und Werbegesellschaft mbH aus Herzogenaurach bei Fürth, die schon Erfahrungen aus dem mittelfränkischen Regionalrundfunk hatte, plante ein Countrystar-Programm. Die Thimme und Schmidt GbR wollte mit Power Mecklenburg-Vorpommern eine Hörerschicht zwischen 14 und 39 ansprechen, und Armin Kämpf aus Berlin wollte mit Radio Nordost ein Ostseeradio machen. Die Kette sollte mit Power-Radio Mecklenburg-Vorpommern belegt werden, die Schwesterstation von Power-Radio Kiel 612 kHz, brachte aber nur ein Testprogramm auf 999 kHz in den Äther, weshalb ihr die Landesrundfunkzentrale am 28. Februar 2001 die Lizenz entzog.
 
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