© Dr. Hj. Biener
Hof 684 kHz

Vom DIAS zum Sender für Berlin und Ost-Deutschland
Die Geschichte der Mittelwelle Hof beginnt mit dem RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor), der sich aus einem Berliner Drahtsender nach 1948 zu einem Programm entwickelte, das Berlin und ganz Ostdeutschland versorgen sollte. Die Sendungen aus Hof begannen am 1. November 1948 mit einem 20-kW-Mobilsender. Bayern gehörte zu den von den amerikanischen Alliierten besetzten Gebieten, zudem konnte von diesem Standort aus der Süden der Ostzone gut versorgt werden.

Auf Mittelwelle für Thüringen und Sachsen
Es versteht sich, dass die Hofer Mittelwelle in den ersten Bandplänen nicht angemeldet war, so dass die Amerikaner erst einmal eine passende Frequenz besetzen mussten. Die ersten Hofer Frequenzen waren 629 kHz, im März 1950 719 kHz, ab April 1950 693 kHz. Der erste Sender war 1941 als "Sender Gustav" von der Wehrmacht im Osten eingesetzt worden, diente 1943 als Ersatzsender in Berlin-Tegel und wurde 1945-1947 für Radio Frankfurt eingesetzt. 1950 wurde der Mobilsender in Hof durch einen neuen 40-kW-Telefunken-Sender abgelöst. Seine Geschichte verliert sich, je nach Quelle stand er vor der Verschrottung noch eine Weile in Hof oder in Ismaning.

Bis 1978 war die Mittelwelle eines komplizierten Wechselspiels von bis zu drei Mittelwellen, die aus Berlin und Hof mit verschiedenen Sendeleistungen belegt wurden. Dies sei im Folgenden nur schlaglichtartig mit  Meldungen aus der Zeitschrift des Hamburger Hans-Bredow-Instituts belegt, wobei nicht immer klar ist, ob nicht auch die Berichterstatter verwirrt waren.


 In den siebziger Jahren sendete der 40 kW-Sender aus Hof RIAS-1 tagsüber auf 854 kHz und nachts auf 683 kHz, während in Berlin-Britz tagsüber auf 683 kHz und nachts auf 854 kHz RIAS-2 ausgestrahlt wurde

684/990 kHz für RIAS 1
Am 23. November 1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft, der zunächst für elf Jahre die Zuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Das Hauptprogramm belegte nun die Mittelwellen Berlin 990 kHz und Hof 684/990 kHz, und die Programmalternative RIAS 2 hatte nun die Mittelwelle Berlin 855 kHz. Ende 1989 wurde in Hof ein neuer 50kW-Mittelwellen-Halbleitersender von Nautel in Betrieb genommen. Der abgelöste 42 Jahre alte Röhrensender war nun Reserve.

Abwicklung des RIAS und Übergabe an DeutschlandRadio Berlin
Nach der Wende konnte der RIAS keine Friedensdividende einfahren, sondern ging in der Umgestaltung der ostdeutschen Rundfunklandschaft unter. Mit dem 1. Juli 1992 wurde das erfolgreiche zweite Programm privatisiert. Zum 1. Juli 1992 war der Hofer Sender nur noch tagsüber 8.00-18.00 Uhr auf 684 kHz im Betrieb.
Im Januar 1994 vereinigte nach vielen Querelen das DeutschlandRadio die drei Programme DS-Kultur, RIAS und Deutschlandfunk. Im September 1994 kam das Sendeende für die Anlage in Hof, die wenig später abgerissen wurde.
 
© Dr. Hansjörg Biener 0308
letzte Bearbeitung 0808
Eingangsseite
Portraits: AM-Rundfunksender in Mitteleuropa
Portraits: deutschsprachige Auslandsdienste
Nachrichten: allgemeiner Auslandsfunk
Nachrichten: religiöse Sender