© Dr. Hj. Biener
Die Frequenz 693 kHz war ursprünglich in Thüringen (Inbetriebnahme zuerst in Erfurt, ab 1959 dann Einsatz vom neuen Großsender Wachenbrunn bei Themar) und gelangte durch einen Frequenztausch in den Raum Berlin. Im Gegenzug arbeitet der Sender Wachenbrunn seit den achtziger Jahren auf der zuvor aus Königs Wusterhausen genutzten Frequenz 882 kHz. Betrieben wurde die Frequenz 693 kHz fortan auf der Sendestation Berlin-Köpenick, die sich in der Dammheide zwischen Uhlenhorst und Mahlsdorf Süd befand. Sie übertrug hier hier mit einer Leistung von 250 kW das Programm des Berliner Rundunks.

Erfurt-Holzhausen 692 kHz

1957 berichtete die Chronik (16.10.-31.1.1957), in: Rundfunk und Fernsehen 5,1957,1, S. 77-98, S. 85, vom Frequenzwechsel Thüringer Sender: "Seit dem 13. Januar 1957 haben die Rundfunksender Erfurt und Suhl neue Frequenzen zugewiesen bekommen: Sender Erfurt 692 kHz (bisher 854 kHz), Sender Suhl 1052 kHz (bisher 688 kHz).“  Eigentlich hatte der Kopenhagener Bandplan die Mittelwelle 692 kHz Moorside Edge (150 kW9 und Nikosia (10 kW) zugeordnet, so dass es sich um eine Frequenzeroberung handelte. Der Erfurter 20-kW-Sender war der Platzhalter für den schon im Aufbau befindlichen 250 kW-Köpenick Sender in Wachenbrunn bei Themar. Dieser strahlte dann ab 7. Oktober 1959 das Programm des Deutschlandsenders aus, während Erfurt-Holzhausen am selben Tag auf 629 kHz wechselte (mit Innsbruck und Dornbirn gleichwellig).

Wachenbrunn 692/693 kHz

Vom 7. Oktober 1959 bis 19. Juni 1984 wurde die Frequenz von einem 250-kW-Sender in Wachenbrunn belegt. Von seinem vergleichsweise grenznahen Standort in Thüringen aus war der Deutschlandsender bzw. die Stimme der DDR in fast ganz Süddeutschland gut zu hören.

Köpenick/Uhlenhorst 693 kHz

Am 23. November 1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Der Berliner Rundfunk sendete nun offiziell aus 657 kHz Burg, 693 kHz Berlin, 999 kHz Schwerin und Weimar, 1170 kHz Plauen, 1575 kHz Dresden und Keula. Im Juni 1984 wurde die Frequenz im Rahmen eines Frequenztausches 693-882 kHz in den Großraum Berlin nach Köpenick verlagert, wo sie nun den Berliner Rundfunk ausstrahlte. Weitere Frequenznutzer waren neben einer von Moorside Edge (300 kW) geführten Gleichwelle Nikosia (600 kW), sowie Kleinsender in Portugal und Rumänien.

Antenne Brandenburg aus Uhlenhorst und Königs Wusterhausen
Parallel zum Beginn der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wurde zum 1. Juli 1990 auch die
Rundfunklandschaft der DDR umorganisiert. So wurden die bisherigen Regionalsender zu Vollprogrammen
ausgebaut und entstand bei den Regionalsendern Potsdam, Cottbus und  Frankfurt (Oder) die „Antenne Brandenburg", die vom Berliner Rundfunk die Mittelwelle 693 kHz übernahm.
1992 und 1993 strahlte der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg das Programm aber nicht mehr über die zu kostspieligen 250 kW in Uhlenhorst aus, sondern aus Königs Wusterhausen mit 2x20 kW (Tesla). Zeitweise gab es außer der Antenne Brandenburg  auf der Mittelwelle auch Sonderprogramme in Serbokroatisch, die  für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien bestimmt waren. Kurz bevor im Juli 1993 aus Kostengründen die Mittelwelle abgeschaltet wurde, hatte man noch eine Art Reichweitenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem Hörer und Hörerinnen aus ihren Urlaubsgebieten den Empfang bestätigen sollten.

Radio Ropa-Info
Zum 1. November 1993 vergab die Medienanstalt Berlin-Brandenburg erstmals Mittelwellen an private Anbieter, die umgehend auf Sendung gingen. RadioRopa, dessen Sendestart für 08.00 Uhr MEZ angekündigt worden war, konnte am 1. November 1993 auf 693 kHz (5 kW) parallel zu 261 kHz nur erahnt werden, da die Frequenz von BBC Radio 5 dominiert wurde. Am 31. Dezember 1994 wurde die Station wieder abgeschaltet, denn RadioRopa-Info suchte seine Zukunft nun auf der Langwelle.
Radioropa-Info, das sich zunächst aus Studios in Daun (Eifel) als privater Nachrichtenkanal etablieren wollte, hatte ab 1992 stundenweise  Sendungen auf der Langwelle des russischen Soldatensenders und war 1994 der einzige Bewerber für die Langwelle 261 kHz aus Burg bei Magdeburg. Am 7. Dezember 1994 lizensierte der Landesrundfunkausschuss von Sachsen-Anhalt RadioRopa-Info als dritten privaten Hörfunksender des Landes.

1996-2001 Radio Moskau
Ab dem 1. März 1996 sendete der russische Auslandsdienst parallel zur Thüringer Mittelwelle Wachenbrunn 1323 kHz auch auf der Uhlenhorster Mittelwelle 693 kHz. Die Frequenz wurde wie zuvor Radio Ropa der Stimme Russlands auf Basis einer Einjahreslizenz gegeben und dann inoffiziell weitergenutzt.
Anfangs waren die Sendungen fast nur in Deutsch (11.00-13.00, 17.00-21.00 Uhr) und Englisch. Überraschend war, dass es auf der Mittelwelle nicht mehr russische Programme gab. Immerhin lebten Ende der neunziger Jahre 100000 russische Emigranten in Groß-Berlin. Der Sendeplan hing aber damit zusammen, dass man dieselbe Programmzufuhr wie die Mittelwelle Wachenbrunn hatte und dieser Großsender eben für die Versorgung Westeuropas bestimmt war. Nach einer Zeit des Parallelbetriebs auf den Mittelwellen Uhlenhorst 693 kHz und Zehlendorf 603 kHz, wechselte die Stimme Russlands auf die neue Frequenz und gab im Frühjahr 2001 Uhlenhorst 693 kHz auf.

2002 Ende der Sendeanlage Uhlenhorst
Die Abschaltung der Stimme Russlands markierte zugleich das Ende der Sendestation in der Dammheide insgesamt. Die Reste der Sendeanlage (693, 891, 1359 kHz, 93,1 MHz) wurden ab Ende 2002 abgerissen. In den Gebäuden fand eine Asbestentsorgung statt, danach wurden beim 210-m-Mast offenbar die Halteseile von den Fundamenten gesprengt. Ende Januar 2003 gab es nur noch geschnittenen Stahlschrott und Ziegelberge zu sehen.

Zehlendorf 693 kHz

Mega-Radio aus Zehlendorf

Die Frequenz 693 kHz ging 2000 an Mega-Radio, das einen jugendorientiertes Musikformat auf Mittelwelle etablieren wollte und sich in diesen Jahren zahlreiche große und kleine Mittelwellen in Deutschland sicherte.
Da der Berliner Senat die Nutzung von Großsendern am Standort untersagte, sollten die Sendungen nun von Zehlendorf (etwa 10 km östlich von Oranienburg) kommen. Für Mega-Radio wurde ein Telefunken TRAM-200-kW Sender modifiziert und aufgestellt. Der Sender steht in derselben Halle wie die Sender für  603 kHz (TRAM 50, betrieben mit 20 kW) und 177 kHz (TRAM 500). Die Mittelwellen 693 und 603 kHz nutzen dieselbe Antenne, die eben für die Mittelwellenoperationen aus Zehlendorf gebaut wurde.

Mega-Radio kündigte einen Sendebetrieb aus Zehlendorf ab 1. Dezember 2000 an, tatsächlich begannen die Sendungen erst am 18. Oktober 2001 gegen 16.00 Uhr Ortszeit. Damit wurde neben der Langwelle und verschiedenen UKW-Frequenzen erstmals auch eine Mittelwelle von diesem Standort belegt. Das Programm von Mega-Radio bestand aus jugendorientierter Dance- und Technomusik und nur wenigen Zusatzangeboten; für Zehlendorf wurde auch ein täglich einstündiges Fensterprogramm "Szene Berlin Brandenburg" ausgewiesen. Vor allem aber gab es kaum Werbung, aus der sich der Sender finanzieren konnte. Im Januar 2002 waren deutliche Veränderungen im Programm von Megaradio zu hören. Die Musikpalette war breiter angelegt, die Station hatte neue Jingles und neu auch Nachrichten zur vollen Stunde. Die Sendungen wurden nun nicht mehr in Schwerin produziert, sondern wie angekündigt in Zusammenarbeit mit der Antenne Bayern. Obwohl man zuletzt mit McDonald's einen bekannten Werbepartner gewonnen hatte, musste Megaradio am 17. März 2003 Insolvenz anmelden. Das Programm wurde am 4. April 2003 kurz vor 13.00 Uhr Ortszeit kurzfristig beendet.

2003 DRM-Demonstration
Nach der Einstellung von Mega-Radio wurde dieser Sender während der Internationalen Funkausstellung 2003  für Demonstrationen digitaler Sendungen benutzt. Nach Testsendungen wurde die Mittelwelle 693 kHz (60 kW, Rundstrahlung) während der Berliner Funkausstellung (29. August-3. September 2003) rund um die Uhr mit einem bislang unbekannten Verschlüsselungssystem HECA belegt. 20 kbit/s mono bedeuteten für Musik akzeptable Audioqualität, wie man sie bisher auch auf typischen tragbaren Radios hätte. Allerdings waren bei Sprache auch Artefakte wahrzunehmen.
Da der digitale Datenstrom in herkömmlichen Radiogeräten nur Rauschen erzeugt, wurden die Testsendungen von britischen Hörern als besondere Störung ihres BBC Radio 5 wahrgenommen. Nachdem die Mittelwelle fast ein Jahrzehnt nicht mehr mit starken deutschen Sendern belegt worden war, waren die 40 Jahre Gleichkanalstörungen leistungsstarker Sender aus Großbritannien und der DDR längst vergessen.

2004 analog-digitaler Mischbetrieb für die Stimme Russlands
Ab den 20. Dezember 2004 wurden auf der Mittelwelle Zehlendorf 693 kHz wieder Digitalsendungen beobachtet. Die Sendeanlage verfügt seit 2001 über einen 250 kW-Telefunken-Sender, der in traditionellem AM, in DRM und in einem Parallelbetrieb von AM und DRM arbeiten kann. Wie schon zu Zeiten, als die Mittelwelle von DDR-Großsendern belegt wurde, gab es umgehend Klagen über Interferenz in Großbritannien, wo in der Dunkelheit der Empfang von BBC Radio 5 Live beeinträchtigt wird.
Übertragen wird das regulär auf 603 kHz verbreitete Programm der Stimme Russlands. Durch die Signalaufbereitung für den Hybridmodus ergab sich jedoch gegenüber den analogen Mittelwellensendern ein Zeitversatz von 11 Sekunden.
Beim derzeit auf 693 kHz laufenden Mischbetrieb steht für den digitalen Signalanteil nur eine Bandbreite von 4,5 kHz zur Verfügung. Hierdurch ist die übertragbare Bitrate auf 11 kbit/s beschränkt, die eine eine Decodierung erst ab einem SNR von ca. 14 dB ermöglicht und höchstens Telefonqualität bietet. Der analoge Signalanteil ist in seiner Tonqualität gegenüber konventioneller Amplitudenmodulation ebenfalls deutlich eingeschränkt. Überdies macht sich die Digitalkomponente des Signals, die unter Laborbedingungen unhörbar ist, in der Praxis meist als mehr oder weniger deutliches Hintergrundzischen bemerkbar.
Die praktischen Erfahrungen mit diesem Hybridmodus blieben eher negativ; das ohnehin qualitätsgeminderte Digitalsignal ist mit entsprechenden Empfängern nur schwer zu empfangen, während die Qualität der Analogkomponente gegenüber einem klassischen AM-Betrieb ebenfalls  spürbar leidet. Dieser Versuchsbetrieb dürfte aufgegeben werden, wenn die Stimme Russlands 603 kHz endgültig aufgibt.

2007
Der Medienrat der MABB hat  am 7. Dez 2007 die Mittelwellen 567, 693 und 1359 kHz ausgeschrieben. Sie könnten kurz- bzw. bei 1359 kHz mittelfristig in Oranienburg im Umfang von täglich vierundzwanzig Stunden verfügbar sein. Auf  693 kHz veranstaltet derzeit T-systems analoge und digitale Testsendungen unter Nutzung des regulär auf 603 kHz verbreiteten Programms Stimme Russlands. Die Sendeerlaubnis der Stimme Russlands läuft am 8. April 2008 aus, sie möchte gerne von 603 nach 693 kHz wechseln. Wegen der unterschiedlichen Reichweiten der Frequenzen ist dies nicht ohne Ausschreibung möglich, was dem Veranstalter auch mitgeteilt worden ist. Die Mittelwelle 567 kHz ist Ende 2005 vom rbb aufgegeben worden, 1359 kHz schon länger unbelegt. Die Ausschlussfrist wurde auf den 20. Februar 2008, 12.00 Uhr (Eingang bei der Medienanstalt) festgesetzt. (MABB Pressemeldung vom 11.12.2007 Ausschreibung von Mittelwellenfrequenzen www.mabb.de/start.cfm?content=Presse&template=pressemeldungsanzeige&id=1370)
 

Die Stimme Russlands nutzt ihre deutschen Mittelwellen bis 28. März 2009 nach folgendem Sendeplan:
630 (Braunschweig 100 kW) 693 (Oranienburg 250 kW) 1431 (Dresden 250 kW) 1575 (Burg 100 kW)
05.00-10.00: Englisch
10.00-13.00: Deutsch
13.00-16.00: International Russian Radio
16.00-18.00: Deutsch, außer Donnerstag 16.00-17.00
18.00-19.00: Russian World Service
19.00-20.00: Deutsch
21.00-22.00: International Russian Radio
22.00-23.00: GUS-Programm
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)
 
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