Erfurt-Holzhausen 692 kHz
1957 berichtete die Chronik (16.10.-31.1.1957), in: Rundfunk und Fernsehen 5,1957,1, S. 77-98, S. 85, vom Frequenzwechsel Thüringer Sender: "Seit dem 13. Januar 1957 haben die Rundfunksender Erfurt und Suhl neue Frequenzen zugewiesen bekommen: Sender Erfurt 692 kHz (bisher 854 kHz), Sender Suhl 1052 kHz (bisher 688 kHz).“ Eigentlich hatte der Kopenhagener Bandplan die Mittelwelle 692 kHz Moorside Edge (150 kW9 und Nikosia (10 kW) zugeordnet, so dass es sich um eine Frequenzeroberung handelte. Der Erfurter 20-kW-Sender war der Platzhalter für den schon im Aufbau befindlichen 250 kW-Köpenick Sender in Wachenbrunn bei Themar. Dieser strahlte dann ab 7. Oktober 1959 das Programm des Deutschlandsenders aus, während Erfurt-Holzhausen am selben Tag auf 629 kHz wechselte (mit Innsbruck und Dornbirn gleichwellig).
Wachenbrunn 692/693 kHz
Vom 7. Oktober 1959 bis 19. Juni 1984 wurde die Frequenz von einem 250-kW-Sender in Wachenbrunn belegt. Von seinem vergleichsweise grenznahen Standort in Thüringen aus war der Deutschlandsender bzw. die Stimme der DDR in fast ganz Süddeutschland gut zu hören.
Köpenick/Uhlenhorst 693 kHz
Am 23. November 1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Der Berliner Rundfunk sendete nun offiziell aus 657 kHz Burg, 693 kHz Berlin, 999 kHz Schwerin und Weimar, 1170 kHz Plauen, 1575 kHz Dresden und Keula. Im Juni 1984 wurde die Frequenz im Rahmen eines Frequenztausches 693-882 kHz in den Großraum Berlin nach Köpenick verlagert, wo sie nun den Berliner Rundfunk ausstrahlte. Weitere Frequenznutzer waren neben einer von Moorside Edge (300 kW) geführten Gleichwelle Nikosia (600 kW), sowie Kleinsender in Portugal und Rumänien.
Antenne Brandenburg
aus Uhlenhorst und Königs Wusterhausen
Parallel zum Beginn
der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wurde zum 1. Juli 1990
auch die
Rundfunklandschaft
der DDR umorganisiert. So wurden die bisherigen Regionalsender zu Vollprogrammen
ausgebaut und entstand
bei den Regionalsendern Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) die
„Antenne Brandenburg", die vom Berliner Rundfunk die Mittelwelle 693 kHz
übernahm.
1992 und 1993 strahlte
der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg das Programm aber nicht mehr über
die zu kostspieligen 250 kW in Uhlenhorst aus, sondern aus Königs
Wusterhausen mit 2x20 kW (Tesla). Zeitweise gab es außer der Antenne
Brandenburg auf der Mittelwelle auch Sonderprogramme in Serbokroatisch,
die für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien bestimmt
waren. Kurz bevor im Juli 1993 aus Kostengründen die Mittelwelle abgeschaltet
wurde, hatte man noch eine Art Reichweitenwettbewerb ausgeschrieben, bei
dem Hörer und Hörerinnen aus ihren Urlaubsgebieten den Empfang
bestätigen sollten.
Radio Ropa-Info
Zum 1. November
1993 vergab die Medienanstalt Berlin-Brandenburg erstmals Mittelwellen
an private Anbieter, die umgehend auf Sendung gingen. RadioRopa, dessen
Sendestart für 08.00 Uhr MEZ angekündigt worden war, konnte am
1. November 1993 auf 693 kHz (5 kW) parallel zu 261 kHz nur erahnt werden,
da die Frequenz von BBC Radio 5 dominiert wurde. Am 31. Dezember 1994 wurde
die Station wieder abgeschaltet, denn RadioRopa-Info suchte seine Zukunft
nun auf der Langwelle.
Radioropa-Info,
das sich zunächst aus Studios in Daun (Eifel) als privater Nachrichtenkanal
etablieren wollte, hatte ab 1992 stundenweise Sendungen auf der Langwelle
des russischen Soldatensenders und war 1994 der einzige Bewerber für
die Langwelle 261 kHz aus Burg bei Magdeburg. Am 7. Dezember 1994 lizensierte
der Landesrundfunkausschuss von Sachsen-Anhalt RadioRopa-Info als dritten
privaten Hörfunksender des Landes.
1996-2001 Radio
Moskau
Ab dem 1. März
1996 sendete der russische Auslandsdienst parallel zur Thüringer Mittelwelle
Wachenbrunn 1323 kHz auch auf der Uhlenhorster Mittelwelle 693 kHz. Die
Frequenz wurde wie zuvor Radio Ropa der Stimme Russlands auf Basis einer
Einjahreslizenz gegeben und dann inoffiziell weitergenutzt.
Anfangs waren die
Sendungen fast nur in Deutsch (11.00-13.00, 17.00-21.00 Uhr) und Englisch.
Überraschend war, dass es auf der Mittelwelle nicht mehr russische
Programme gab. Immerhin lebten Ende der neunziger Jahre 100000 russische
Emigranten in Groß-Berlin. Der Sendeplan hing aber damit zusammen,
dass man dieselbe Programmzufuhr wie die Mittelwelle Wachenbrunn hatte
und dieser Großsender eben für die Versorgung Westeuropas bestimmt
war. Nach einer Zeit des Parallelbetriebs auf den Mittelwellen Uhlenhorst
693 kHz und Zehlendorf 603 kHz, wechselte die Stimme Russlands auf die
neue Frequenz und gab im Frühjahr 2001 Uhlenhorst 693 kHz auf.
2002 Ende der
Sendeanlage Uhlenhorst
Die Abschaltung
der Stimme Russlands markierte zugleich das Ende der Sendestation in der
Dammheide insgesamt. Die Reste der Sendeanlage (693, 891, 1359 kHz, 93,1
MHz) wurden ab Ende 2002 abgerissen. In den Gebäuden fand eine Asbestentsorgung
statt, danach wurden beim 210-m-Mast offenbar die Halteseile von den Fundamenten
gesprengt. Ende Januar 2003 gab es nur noch geschnittenen Stahlschrott
und Ziegelberge zu sehen.
Mega-Radio aus Zehlendorf
Die Frequenz 693 kHz ging 2000 an Mega-Radio,
das einen jugendorientiertes Musikformat auf Mittelwelle etablieren wollte
und sich in diesen Jahren zahlreiche große
und kleine Mittelwellen in Deutschland sicherte.
Da der Berliner Senat die Nutzung von
Großsendern am Standort untersagte, sollten die Sendungen nun von
Zehlendorf (etwa 10 km östlich von Oranienburg) kommen. Für Mega-Radio
wurde ein Telefunken TRAM-200-kW Sender modifiziert und aufgestellt. Der
Sender steht in derselben Halle wie die Sender für 603 kHz (TRAM
50, betrieben mit 20 kW) und 177 kHz (TRAM 500). Die Mittelwellen 693 und
603 kHz nutzen dieselbe Antenne, die eben für die Mittelwellenoperationen
aus Zehlendorf gebaut wurde.
Mega-Radio kündigte einen Sendebetrieb aus Zehlendorf ab 1. Dezember 2000 an, tatsächlich begannen die Sendungen erst am 18. Oktober 2001 gegen 16.00 Uhr Ortszeit. Damit wurde neben der Langwelle und verschiedenen UKW-Frequenzen erstmals auch eine Mittelwelle von diesem Standort belegt. Das Programm von Mega-Radio bestand aus jugendorientierter Dance- und Technomusik und nur wenigen Zusatzangeboten; für Zehlendorf wurde auch ein täglich einstündiges Fensterprogramm "Szene Berlin Brandenburg" ausgewiesen. Vor allem aber gab es kaum Werbung, aus der sich der Sender finanzieren konnte. Im Januar 2002 waren deutliche Veränderungen im Programm von Megaradio zu hören. Die Musikpalette war breiter angelegt, die Station hatte neue Jingles und neu auch Nachrichten zur vollen Stunde. Die Sendungen wurden nun nicht mehr in Schwerin produziert, sondern wie angekündigt in Zusammenarbeit mit der Antenne Bayern. Obwohl man zuletzt mit McDonald's einen bekannten Werbepartner gewonnen hatte, musste Megaradio am 17. März 2003 Insolvenz anmelden. Das Programm wurde am 4. April 2003 kurz vor 13.00 Uhr Ortszeit kurzfristig beendet.
2003 DRM-Demonstration
Nach der Einstellung von Mega-Radio wurde
dieser Sender während der Internationalen Funkausstellung 2003
für Demonstrationen digitaler Sendungen benutzt. Nach Testsendungen
wurde die Mittelwelle 693 kHz (60 kW, Rundstrahlung) während der Berliner
Funkausstellung (29. August-3. September 2003) rund um die Uhr mit einem
bislang unbekannten Verschlüsselungssystem HECA belegt. 20 kbit/s
mono bedeuteten für Musik akzeptable Audioqualität, wie man sie
bisher auch auf typischen tragbaren Radios hätte. Allerdings waren
bei Sprache auch Artefakte wahrzunehmen.
Da der digitale Datenstrom in herkömmlichen
Radiogeräten nur Rauschen erzeugt, wurden die Testsendungen von britischen
Hörern als besondere Störung ihres BBC Radio 5 wahrgenommen.
Nachdem die Mittelwelle fast ein Jahrzehnt nicht mehr mit starken deutschen
Sendern belegt worden war, waren die 40 Jahre Gleichkanalstörungen
leistungsstarker Sender aus Großbritannien und der DDR längst
vergessen.
2004 analog-digitaler
Mischbetrieb für die Stimme Russlands
Ab den 20. Dezember 2004 wurden auf der
Mittelwelle Zehlendorf 693 kHz wieder Digitalsendungen beobachtet. Die
Sendeanlage verfügt seit 2001 über einen 250 kW-Telefunken-Sender,
der in traditionellem AM, in DRM und in einem Parallelbetrieb von AM und
DRM arbeiten kann. Wie schon zu Zeiten, als die Mittelwelle von DDR-Großsendern
belegt wurde, gab es umgehend Klagen über Interferenz in Großbritannien,
wo in der Dunkelheit der Empfang von BBC Radio 5 Live beeinträchtigt
wird.
Übertragen wird das regulär
auf 603 kHz verbreitete Programm der Stimme Russlands. Durch die Signalaufbereitung
für den Hybridmodus ergab sich jedoch gegenüber den analogen
Mittelwellensendern ein Zeitversatz von 11 Sekunden.
Beim derzeit auf 693 kHz laufenden Mischbetrieb
steht für den digitalen Signalanteil nur eine Bandbreite von 4,5 kHz
zur Verfügung. Hierdurch ist die übertragbare Bitrate auf 11
kbit/s beschränkt, die eine eine Decodierung erst ab einem SNR von
ca. 14 dB ermöglicht und höchstens Telefonqualität bietet.
Der analoge Signalanteil ist in seiner Tonqualität gegenüber
konventioneller Amplitudenmodulation ebenfalls deutlich eingeschränkt.
Überdies macht sich die Digitalkomponente des Signals, die unter Laborbedingungen
unhörbar ist, in der Praxis meist als mehr oder weniger deutliches
Hintergrundzischen bemerkbar.
Die praktischen Erfahrungen mit diesem
Hybridmodus blieben eher negativ; das ohnehin qualitätsgeminderte
Digitalsignal ist mit entsprechenden Empfängern nur schwer zu empfangen,
während die Qualität der Analogkomponente gegenüber einem
klassischen AM-Betrieb ebenfalls spürbar leidet. Dieser Versuchsbetrieb
dürfte aufgegeben werden, wenn die Stimme Russlands 603 kHz endgültig
aufgibt.
2007
Der Medienrat der MABB hat am 7.
Dez 2007 die Mittelwellen 567, 693 und 1359 kHz ausgeschrieben. Sie könnten
kurz- bzw. bei 1359 kHz mittelfristig in Oranienburg im Umfang von täglich
vierundzwanzig Stunden verfügbar sein. Auf 693 kHz veranstaltet
derzeit T-systems analoge und digitale Testsendungen unter Nutzung des
regulär auf 603 kHz verbreiteten Programms Stimme Russlands. Die Sendeerlaubnis
der Stimme Russlands läuft am 8. April 2008 aus, sie möchte gerne
von 603 nach 693 kHz wechseln. Wegen der unterschiedlichen Reichweiten
der Frequenzen ist dies nicht ohne Ausschreibung möglich, was dem
Veranstalter auch mitgeteilt worden ist. Die Mittelwelle 567 kHz ist Ende
2005 vom rbb aufgegeben worden, 1359 kHz schon länger unbelegt. Die
Ausschlussfrist wurde auf den 20. Februar 2008, 12.00 Uhr (Eingang bei
der Medienanstalt) festgesetzt. (MABB Pressemeldung vom 11.12.2007 Ausschreibung
von Mittelwellenfrequenzen www.mabb.de/start.cfm?content=Presse&template=pressemeldungsanzeige&id=1370)
Die Stimme Russlands nutzt ihre deutschen
Mittelwellen bis 28. März 2009 nach folgendem Sendeplan:
630 (Braunschweig 100 kW) 693 (Oranienburg
250 kW) 1431 (Dresden 250 kW) 1575 (Burg 100 kW)
05.00-10.00: Englisch
10.00-13.00: Deutsch
13.00-16.00: International Russian Radio
16.00-18.00: Deutsch, außer Donnerstag
16.00-17.00
18.00-19.00: Russian World Service
19.00-20.00: Deutsch
21.00-22.00: International Russian Radio
22.00-23.00: GUS-Programm
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)
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