Der Kopenhagener Wellenplan
1950 trat der Kopenhagener Wellenplan
in Kraft, der die Nutzung von Lang- und Mittelwellen im Nachkriegseuropa
und darüber hinaus koordinieren sollte. Das in Besatzungszonen aufgeteilte
Deutschland war auf der Konferenz 1948 nicht vertreten und verlor nicht
nur die Langwelle, sondern auch die Hälfte der bisherigen Mittelwellen.
Während die Amerikaner die Verhandlungsergebnisse nicht akzeptierten,
weil der Ostblock für sich zu viel herausgeholt habe, stimmten Briten
und Franzosen insgesamt zu und setzten den Wellenplan auch in ihren Zonen
um.
Gleichwellennetz
des NWDR bzw. WDR
Die "Wellen-Demontage" des Kopenhagener
Wellenplans hatte zwei direkte Folgen für die deutschen Rundfunkanstalten:
Zum einen wurden die Versorgungsbereiche der Hauptsender mit zahlreichen
kleinen Mittelwellensendern abgerundet. Zum anderen kümmerte man sich
um einen zügigen Aufbau von UKW-Netzen.
Als der WDR mit einem vom 22. Dezember
1956 bis 6. Januar 1957 am Abend ausgestrahltem zweiten UKW-Programm eine
dritte UKW-Kette in Betrieb nahm, gab es in Nordrhein-Westfalen nach Angaben
der Chronik (16.10.-31.1.1957), in: Rundfunk und Fernsehen 5,1957,1, S.
77-98, S. 84, folgende Mittelwellensender:
701 kHz Aachen, Herford
755 kHz Siegen
971 kHz Langenberg (Hauptsender)
1502 kHz Münster
1586 kHz Bonn, Kleve
Ihr Programm wurde auch auf der UKW-Kette
I ausgestrahlt.
Von diesem Stützsendernetz ist in Nordrhein-Westfalen nur noch der Sender Bonn übriggeblieben, der heute auf 774 kHz (5 kW) arbeitet. Zu den zeitweilig vom NWDR bzw. späteren WDR benutzten Frequenzen gehörte die Mittelwelle 701 kHz, bzw. nach dem Genfer Wellenplan ab 1978 702 kHz. Die ersten WDR-Sender auf 701 kHz waren am 15. März 1950 Herford (2 kW, Antennenmast von 104 m) und am 1. Juni 1951 Aachen-Donnerberg (2 kW). Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Die Mittelwelle 702 kHz sollte nun von Kleinsendern in Aachen (5 kW), Herford (2 kW) und Siegen (2 kW) belegt werden, später wurde auch die Kleinwelle Kleve (3 kW) dazugenommen. Die Sendungen aus Siegen und Kleve wurden am 31. Dezember 1993 eingestellt.
Der Standort Siegen
Am 1. Dezember 1950 nahm der Mittelwellensender
Siegen-Giersberg seine Sendungen auf 755 kHz (2 kW) auf.
Obwohl Siegen Standort eines Mittelwellensenders
war, gab es hier lange keine größere Niederlassung des WDR.
Den Auftakt bildete 1968 ein erster Korrespondentenplatz in einer für
den WDR-Hörfunk noch kaum erschlossenen Region. Mit der Regionalisierung
und Dezentralisierung in den achtziger Jahren wuchs auch die Bedeutung
des Studio Siegen. Am 4.Juni 1984 starteten fünf Regionalsendungen
im Hörfunk, Guten Morgen aus ... Bielefeld, Düsseldorf, Essen,
Köln und Münster, mit einem fast dreistündigen Morgenmagazin.
Am 1. Dezember 1987 bekam auch das Studio Essen eine eigene Hörfunksendung
für etwa 1,5 Mio. Menschen in der flächenmäßig größten
Senderegion des WDR.
Jülich 702 kHz
1999 - erste Ausschreibung
Im Oktober 1999 schrieb die Landesanstalt
für Rundfunk Nordrhein-Westfalens die Mittelwellen Jülich 702
kHz (5 kW) und Nordkirchen 855 kHz (5 kW) aus. Die Sender sollten an Standorten
der Deutschen Telekom aufgestellt werden und eine Versorgung des bevölkerungsreichsten
Gebiets Münster - Ruhrgebiet - Köln sicherstellen. Auf 702 kHz
hatten früher mehrere Kleinsender des WDR gesendet. Die Frequenz 855
kHz wurde neu für einen Einsatz in Nordrhein-Westfalen koordiniert.
2000
- Lizenz für gemeinsames Projekt Radio NRW und Viva
Ende August 2000 bekamen Radio NRW (www.radionrw.de)
und den Fernsehsender VIVA den Zuschlag. Als Gegenstück zum
TV-Format sollte Viva-Radio ein "peppig-frech-aggressives" Programm für
Hörer und Hörerinnen zwischen 12 und 19 Jahren ausstrahlen. Als
Studiostandort war Oberhausen vorgesehen, von wo aus Radio NRW auch die
Lokalradios in NRW mit dem Rahmenprogramm versorgt. Laut Radio NRW stand
einem schnellen Start nichts im Wege, konkrete Termine wurden jedoch zunächst
nicht genannt. Der Sendestart wurde aber immer wieder verschoben.
Im September 2002 zog sich VIVA aus dem Projekt zurück.
Installation eines
Mittelwellensenders auf dem Geländer der Kurzwellenstation
Seit etwa Anfang
2002 steht bei der Sendestelle Jülich der Deutschen Telekom AG ein
Halbleitersender mit 5 kW Nennleistung. Die neue Mittelwellenantenne ist
am ersten Mast der Aachener Wand, direkt neben den Betriebsgebäuden,
fast vertikal nach unten gespannt und abgestimmt. Die Einspeisung erfolgt
am oberen Ende vom Dach der Gebäude aus.
Im Dezember 2002
wurden auf der Mittelwelle Jülich 702 kHz Musikprogramme ohne jegliche
Ansagen beobachtet. Die Hintergründe der Tests blieben unbekannt,
sie wiesen aber nach, dass dort ein betriebsbereiter Sender auf Kundschaft
wartete.
2004 - neue Ausschreibung
Die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalens
(www.lfm-nrw.de) hat die Mittelwellen Jülich 702 kHz und Nordkirchen
855 kHz ausgeschrieben. Die Antragsfrist endet am 3. März 2004, 12.00
Uhr. Für die zur Neuvergabe anstehenden Frequenzen wurden auf der
Kurzwellenstation Jülich bzw. der ansonsten auf 549 kHz aktiven Mittelwellenstation
Nordkirchen Sender mit einer Leistung von 5 kW installiert und bereits
kurzzeitig getestet.
| Truck
Radio
starlet media AG Karolinenstraße 32 90763 Fürth Telefon: 0911/74 90 911 Telefax: 0911/74 90 922 E-Mail: info@starletmediaag.de Internet: www.truckradio.de Internet: www.starletmediaag.de |
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Das Hörfunkprogramm Truck Radio kann
in NRW künftig über zwei Mittelwellen senden. Dies beschloss
die Medienkommission der Landesanstalt für Medien (LfM NRW) in ihrer
Sitzung am 16. Juli 2004 in Düsseldorf.
Truck Radio, ein deutschsprachiges 24-Stunden-Country-Programm,
will im Herbst mit dem Sendebetrieb auf Mittelwelle in Nordrhein-Westfalen
beginnen. "Der genaue Termin steht noch nicht fest, es sind noch einige
Fragen der Signalzuführung zu klären",
sagte Michael Meister, Vorstand der Betreibergesellschaft Starlet Media
AG in Fürth. Zunächst soll das Programm von den Standorten Jülich
702 kHz und Nordkirchen 855 kHz mit jeweils 5 kW Leistung abgestrahlt werden.
"Das reicht für die flächendeckende Tagesversorgung in Nordrhein-Westfalen.
Die zunächst noch analoge Ausstrahlung soll uns erst einmal in NRW
bekannt machen",
so Michael Meister. "Mittelfristig wollen
wir aber digital senden, rund um die Uhr, dann auch über die Telekom-Kurzwellensendeanlage
in Jülich. Die Mittelwellenausstrahlung wird beibehalten und wird
als Füllsender dienen." Die Starlet Media AG wurde im Dezember 2000
in München gegründet und finanziert sich durch private Investoren,
teils aus der Logistikbranche.
2004-2008 Truck Radio
Die Starlet Media AG hat am 6. Dezember 2004 die 5-kW-Mittelwellen Jülich 702 kHz (um 17.21 Uhr) und Nordkirchen 855 kHz (um 17.20 Uhr) für das Truck-Radio in Betrieb genommen. Nach eigenen Angaben kann das Programm tagsüber in nahezu gesamt Nordrhein-Westfalen und in der Nacht im Großraum Köln / Aachen / Düsseldorf gehört werden. Dementsprechend wird die Welle Jülich 702 kHz in Stationsansagen wie "Truckradio. In Düsseldorf / Köln / etc. auf Mittelwelle 702 kHz" beworben. Das Programm ist terrestrisch auch in Kärnten im Raum Spittal an der Drau auf UKW 102,5 sowie in Sachsen-Anhalt als Digital Radio (seit 15. August 2004 im DAB L-Band in Halle und Magdeburg) zu hören.
Das moderierte Radioprogramm wird täglich 24 Stunden ausgestrahlt. Als Besonderheit startet 2005 im Zuge der deutschlandweiten Ausbreitung die live-moderierte TruckNight, die Fernfahrer auch im nächtlichen Strassenverkehr bei Stimmung halten soll. Beim Verkehrsfunk will man in besonderer Weise die Fernfahrer mit einbeziehen. Die Musikpalette umfasst ur klassische Country-Musik, sondern auch Künstler wie Shania Twain, Anastacia oder Uncle Kracker. Vorgesehen sind mobile Mehrwertdienste und Diskussionen über Verkehrsfragen und alles, was der Zielgruppe Langzeitautofahrer, Berufskraftfahrer und Vielreisende auf dem Herzen liegt.
Die starlet media AG strebt kurzfristig eine terrestrische Verbreitung im gesamten deutschsprachigen Raum sowie mittelfristig entlang aller wichtigen europäischen Fernrouten an. Auf der Homepage www.truckradio.de/default.aspx?page=standort werden mit Planungsstand Ende Dezember 2004 weitere Standorte für einen Sendebeginn 2005 ausgewiesen: 531 kHz (Burg?) für Nordostdeutschland, 1080 kHz (Weißkirchen?) für Hessen, 1386 kHz (Würzburg) für Franken sowie 585, 1026 und 1475 kHz für Österreich. Man könnte auch an weitere zum Beispiel von Megaradio früher benutzte Frequenzen denken, ob schon der bisher ausgewiesene Plan realisiert wird, bleibt abzuwarten.
Nach einem Monat Testbetrieb nahm TruckRadio zum 1. Juli den Regelbetrieb über Astra 19,2° Ost (12.663 GHz h) auf. „Mit der Inbetriebnahme unserer Satellitenfrequenz verfolgen wir konsequent unser Ziel, Radio für den gesamten deutsprachigen Raum sowie entlang der wichtigsten europäischen Fernrouten zu machen“, erklärt Michael Meister, Initiator und Geschäftsführer von TruckRadio, das als Radioprogramm für Fern- und Vielfahrer konzipiert ist. Zum selben Zeitpunkt begann die live moderierte TruckNight zwischen 21.00 und 3.00 Uhr. In dieser Zeit begleitet die Moderatorin Susanne Hofmann-Fraser die Fahrer mit Hits aus Modern Country, Classic- und Southern Rock, Rock-Balladen sowie Meldungen aus der Trucker-Welt durch die Nacht. Staumeldungen sowie persönliche Grüße und Musikwünsche der Fernfahrer nimmt der „Engel der Nacht“ unter 0700-TRUCKTEL (+49-700-878 258 35) an.
Truckradio, das als Spartenprogramm für
Berufskraftfahrer gedacht war, hat Mitte Mai 2008 Insolvenz angemeldet
und seine Sendungen auf Mittelwelle eingestellt. Die hinter dem Programm
stehende Radio Starlet Programm- und Werbegesellschaft mbH war seit 1985
im privaten Hörfunk (damals Radio Starlet Fürth auf einer der
mittelfränkischen Privatwellen) tätig. Truckradio hatte folgende
deutsche Mittelwellen aktiviert:
2004 Jülich 702 kHz und Nordkirchen
855 kHz (5 kW)
2005 Stuttgart-Hirschlanden 738 kHz (5
kW)
2006 Burg 531 kHz (10 kW)
Die Landesanstalt für Medien von Nordrhein-Westfalen
hat am 17. Okt. 2008 die Zuweisung der Mittelwellen Jülich 702 kHz
und Nordkirchen 855 kHz an Truckradio widerrufen, nachdem hier seit Mai
2008 kein Sendebetrieb mehr stattfindet. Nach der Insolvenz seiner ursprünglichen
Betreibergesellschaft (Starlet Media AG) hatte Truckradio alle Ausstrahlungen
auf Mittelwelle (eingeschlossen das Zuspielsignal auf dem Satelliten Astra
3A) wie auch über das Digitalradiosystem DAB eingestellt. Übrig
blieb ein Audiostream im Internet, während neue Investoren für
dieses Projekt gesucht werden.
Im Juli 2008 hatte Truckradio-Geschäftsführer
Michael Meister in einem Interview für den Branchendienst "Medienbote"
diese Entwicklung auf die unzureichende technische Versorgung und daraus
resultierende mangelnde Akzeptanz von DAB zurückgeführt. Die
Verbreitung von DAB sei bei weitem nicht so gut wie von den Sendernetzbetreibern
behauptet; DAB sei "in Deutschland tot". Für den angestrebten Neustart
setze man als Verbreitungswege deshalb auf das Internet und das für
die AM-Bereiche bestimmte System Digital Radio Mondiale (DRM). Gedacht
sei dabei an Ausstrahlungen sowohl auf Mittel- als auch auf Kurzwelle,
gegebenenfalls auch über Sendeanlagen im Ausland. Vor diesem Hintergrund
hat Truckradio seine medienrechtlichen Zulassungen für die Mittelwellenfrequenzen
und DAB-Sendeplätze nach der Einstellung des Sendebetriebs ausdrücklich
nicht zurückgegeben. Mit dem Entzug der Lizenz für die Mittelwellen
in Jülich und Nordkirchen ist die angedachte Option, sie künftig
digital zu nutzen, jedoch nicht mehr ohne weiteres umsetzbar. (Kai Ludwig
RBB-Medienmagazin 23.10.2008)
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