Kleinsender zur
Ergänzung von Mühlacker
Durch den auch im Rundfunk ausgetragenen
Weltkrieg und die neue weltpolitische Lage in der Nachkriegszeit war der
Luzerner Wellenplan obsolet und stand eine Neuregelung dringend an. 1950 trat
der Kopenhagener Wellenplan in Kraft, der die Nutzung von Lang- und Mittelwellen
im Nachkriegseuropa und darüber hinaus koordinieren sollte. Das in
Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland war auf der Konferenz 1948 nicht
vertreten und verlor durch die damals sogenannte "Wellendemontage"
nicht nur die Langwelle, sondern auch viele Mittelwellen. Überschattet vom
beginnenden Kalten Krieg war der Kopenhagener Wellenplan nur so etwas wie ein
erster Orientierungsrahmen mit einem groben Interessensausgleich. Die
US-Amerikaner beispielsweise setzten in ihren Besatzungszonen einen eigenen
Wellenplan um, der die Kopenhagener Ergebnisse in Teilen berücksichtigte, aber
auch weitere Wellen belegte.
In Südwestdeutschland sah der Kopenhagener Wellenplan von 1950 für den Großsender Mühlacker die Mittelwelle 575 kHz vor, aber schon in der "Ostzone" sendete auf selber Welle die Konkurrenz. Dies war natürlich mit Bedacht, um den Empfang dieses westdeutschen Senders in der DDR zu verhindern; behindert wurde der Empfang allerdings auch im Westen. Deshalb rundete der Süddeutsche Rundfunk in den fünfziger Jahren den Versorgungsbereich für das erste Programm durch Kleinsender auf 998, 1169, 1412 und 1484 kHz ab. Da Mühlacker seine Sendungen "in Richtung Riga" abschirmen musste, war auch der Heilbronner Raum unterversorgt. Obereisesheim wurde 1952 Standort für die Mittelwelle 1169 kHz, die ab 1955 ganztägig belegt wurde.
1973 Regionalstudio
Heilbronn
Am 2. April 1973 nahm das Heilbronner
Studio seine Tätigkeit auf. Ein Jahrzehnt war es nur Zulieferer für die Stuttgarter Zentrale,
dann wurde es zu einem Hauptbrennpunkt der medienpolitischen
Auseinandersetzungen in Baden-Württemberg.
Auf der einen Seite standen die Befürworter von Privatfunk, auf der
anderen Seite der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der zeigen wollte,
dass er auch für Regionalradio kompetent war. Beim zehnjährigen
Jubiläum sah man die SDR-Niederlassung in der Hauszeitschrift "gerüstet
auch für größere Aufgaben in der Zukunft: 'eigene Regionalsendungen',
wie sie die Studios in Heidelberg, in Karlsruhe und in Ulm und Radio Stuttgart
für 'ihre Regionen' bereits anbieten. Noch fehlen in Heilbronn dafür
die notwendigen UKW-Frequenzen". (10 Jahre SDR-Studio Heilbronn, in: Südfunk
1983,5 (Mai 1983), S. 3) Am 26. Mai 1985 startete der Süddeutsche
Rundfunk anlässlich der in Heilbronn veranstalteten sechsten
Landesgartenschau das Frankenradio. (Wagner, Lutz: Frankenradio Heilbronn
auf der Landesgartenschau, in: Südfunk 1985,5 (Mai 1985), S. 3. In
diesem Kontext erschien auch die Broschüre Süddeutscher Rundfunk:
Regionalisierung im Hörfunk, Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk,
1985 (Südfunk-Hefte 11)) Zuerst kam das Programm nur sonntags 16.04-17.00
Uhr, dann ab Juli 1985 montags bis freitags. Es wurde in Heilbronn
mit 50 Watt auf 99,5 MHz für einen Umkreis von 20 km ausgestrahlt - und über die landesweite 300-kW-Mittelwelle Mühlacker auf 576
kHz. Letzteres war eine Provokation der Politik, die die Freigabe von drei
verfügbaren Regionalfrequenzen blockiere. "Die Ausstrahlung des Frankenradio
über Mittelwelle kann nämlich nur als eine Übergangslösung
angesehen werden, da sie in großen Teilen des SDR-Sendegebiets zu
einer dauerhaften 'Falschversorgung' führen würde." (Frankenradio
Heilbronn jetzt auch werktags, in: Südfunk 1985,7 (Juli 1985), S.
2.) Nach Angaben des Südfunks hätten schon lange UKW-Frequenzen
für ein regionales Frankenradio zur Verfügung gestanden, die
nur aus politischen Gründen blockiert wurden. (Licht im Frequenz-Dschungel,
in: Südfunk 1985,5 (Mai 1985), S. 2.) Mit dem Ende der Landesgartenschau
musste das Frankenradio am 8. September 1985 seine Sendungen wieder einstellen,
doch hatte der SDR aus seiner Perspektive gezeigt, was mit der nötigen
Unterstützung durch die Zuweisung von Frequenzen möglich war.
(Wagner, Lutz: Gartenschauradio adé, in: Südfunk 1985,9 (Sept.
1985), S. 2; Abschiedsbrief an die Freunde des Frankenradios, in: Südfunk
1985,10 (Okt. 1985), S. 2) Schon damals zeigte allerdings die Hörerforschung,
dass das Frankenradio überwiegend auf der UKW-Sonderfrequenz gehört
worden war und nicht auf Mittelwelle. (Die Hörfunk-Regionalprogramme
des SDR (II),
in: Südfunk
1985,11 (Nov. 1985), S.4-5, S. 5) Artikel über das Warten auf Frequenzfreigaben
für regionale Fensterprogramme des Südfunks beherrschten in diesen
Jahren die Hauszeitschrift des Süddeutschen Rundfunks. Erst 1987 kam
es dann zum Sendebeginn eines Frankenradio Heilbronn im Verbund
der regionalen Subprogramme des Südfunks.
1978 Obereisesheim auf der Gleichwelle
711 kHz
1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft.
Auch jetzt musste sich der Süddeutsche Rundfunk die Hauptmittelwelle Mühlacker
576 kHz mit starken Sendern im
Osten teilen, und so stützte der Süddeutsche Rundfunk die Versorgung
über Sender auf 711, 1413 und 1485 kHz ab. Längst aber lief das wachsende
Angebot von UKW-Programmen in besserer Audioqualität der Mittelwelle den Rang
ab. Im Lauf der Jahrzehnte wurden die Kleinsender
aufgegeben bzw. auf die Gleichwelle 711 kHz konsolidiert. Bei der Wellenkonferenz hatte der von SDR-Mitarbeitern gebaute
Sender in Obereisesheim von vorneherein die Mittelwelle 711 kHz zugewiesen bekommen,
während andere SDR-Sender später hierher wechselten. Nach dem
Sendeende von
Bad Mergentheim 1999 und Dossenheim
2004 bestand sie in den vergangenen Jahren nur noch aus Sendern in Obereisesheim und Ulm-Jungingen.
Sie strahlten meist Südfunk 1 aus, in den achtziger Jahren tagsüber auch das dritte Programm. Nach der Fusion von SDR und SWF wurde zunächst das Landesprogramm SWR-1 Baden-Württemberg ausgestrahlt und ab Juli 2002 der Info-Sender SWR ContRa. Abends 19.00-22.20 Uhr Ortszeit kam bis Ende 2002 das Ausländerprogramm. Zu diesem Zeitpunkt ließ der SWR die fremdsprachigen Sendungen auslaufen und verlängerte SWR Contra.

Obereisesheim
Der dreifach abgespannte 70 m hohe Mast
der Sendeanlage ist von der Autobahn A6 gut zu sehen und von der Autobahnausfahrt
Heilbronn/Untereisesheim aus leicht zu erreichen, wenn man Richtung
Ober- und Untereisesheim fährt und bei der nächsten Ampel links
Richtung Biberach abbiegt. Gegenüber einem Autohaus folgt man dem
Vorwegweiser einige Kurven bergaufwärts ins "Wohngebiet Sender Obereisesheim".
Wer dorthin zieht, kann sich kaum beklagen, er hätte von nichts gewusst.
Der Sender steht gut eingezäunt auf einem vielleicht 2000 qm großen
Gelände am Ende der Lindenstraße auf freiem Feld gut 100 m von
den Wohnhäusern weg.

Bei Dauerhören von SWR Cont.Ra fällt auf, dass in Stationsansagen die Gleichwelle 711 kHz nicht genannt wird. So wird kollektiv auf die Großsender 567, 666 und 1017 kHz und die Mittelwelle Freiburg 828 kHz hingewiesen (z. B. 6.25, 16.59 MESZ), gelegentlich auch einzeln auf die großen Mittelwellen für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Da bei den Gleichwellenstandorten Bad Mergentheim und Dossenheim ein kompletter Rückbau erfolgte, gab das Anlass zur Nachfrage über die Zukunft der Standorte Ulm-Jungingen und Neckarsulm-Obereisesheim. Manfred Bornschein (SWR-cont.ra / Zentrale Information) antwortete damals so: "Wir haben drei große MW-Frequenzen mit großen Reichweiten, den Rheinsender Mainz Wolfsheim 1017 kHz, Mühlacker 576 kHz und den Bodenseesender 666 kHz. mit diesen drei Frequenzen können Sie cont.ra von Zürich bis Düsseldorf empfangen. Alle anderen Frequenzen sind lokale Frequenzen: die 711 in Ulm und Heilbronn, die 1485 in Baden-Baden und die 828 in Freiburg. Das sind wichtige Frequenzen für diese Städte, aber wir propagieren sie nicht im Gesamtprogramm. (Manfred Bornschein 29.6.2005)
2010 Hoffnungen auf "DRM"
Nach dem Fall der Mauer kam es bei zahlreichen Sendern zur Leistungsreduktion oder gar Abschaltung. Im Fall der SWR-Hauptwelle Mühlacker 576 kHz beispielsweise fiel der alte Störenfried aus Schwerin weg, 1994 vom NDR abgeschaltet und nach einer kurzen privaten Nutzung durch Mega Radio 2000-2003 endgültig verstummt. Da das Mittelwellenprogramm SWR cont.ra im Raum Heilbronn problemlos über Mühlacker zu hören war, wurde die Sendeanlage in Obereisesheim für Tests in Digitalradio umgebaut. Im März 2010 wurde die Gleichwelle 711 kHz aufgelöst; der Sender Ulm-Jungingen arbeitete nun auf 1413 kHz. Nachdem es schon zu Pfingsten eine entsprechende Meldung gab, sendete der Südwestrundfunk ab dem 31. Mai 2010 auf der Mittelwelle Obereisesheim 711 kHz regulär im Digitalmodus von Digital Radio Mondiale.
"Digital Radio Mondiale" soll schon seit geraumer Zeit den traditionellen Wellenbereichen Lang-, Mittel- und Kurzwelle mit UKW-naher Audioqualität und zusätzlichen Datendiensten neues Leben einhauchen. Obwohl das 1998 organisierte DRM-Konsortium an die 100 Partner (Technikentwickler, Radiostationen, Dienstleister) umfasst und vom Studio bis zum Sender inzwischen alles digitalisiert ist, ist der Marktdurchbruch nicht gekommen, da es an marktfähigen Radiogeräten mangelt.
2011 Sendeende aus Heilbronn
"Der Südwestrundfunk stellte am 1. Juli 2011 um 10.00 Uhr die Verbreitung seines Informationsradios SWR cont.ra über die digitale Betriebsart DRM (Digital Radio Mondial) vom Sender Heilbronn-Obereisesheim (711 kHz) ein. SWR cont.ra ist im Großraum Heilbronn weiterhin über Digitalradio (DAB), Internet, Satellit, digitales Kabel und Mittelwelle (576 kHz - Sender Mühlacker) zu empfangen." (www.swr.de/frequenzen/-/id=3786/nid=3786/did=707822/mpdid=7934332/1ksbrlk/index.html) Der SWR sieht in DAB+, dem zum 1. August 2011 gestarteten Nachfolger von DAB, und nicht in DRM die Zukunft für ein digitales Radio. Zum 31. Dezember 2011 will der SWR ohnehin alle Ausstrahlungen auf Mittelwelle einstellen. Die Ende 2010 gefallene Entscheidung dürfte als eher kurzfristige Sparmaßnahme zu interpretieren sein, da die Sendestation Mühlacker erst wenige Monate zuvor mit einer neuen Senderanlage modernisiert wurde. (Kai Ludwig 10.7.2011 RBB)
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