Füllsender nach der Wellendemontage
Über viele Jahrzehnte hinweg betrieb
der Bayerische Rundfunk auf 520 kHz 200-Watt-Füllsender zur Ergänzung
seiner Hauptwellen in Ismaning und Dillberg. Die Frequenz, die in
den Nachkriegsjahren eine Notmaßnahme der durch den Kopenhagener
Bandplan (1948/50) benachteiligten deutschen Sender war, lag unterhalb
des eigentlichen Mittelwellenbereiches und kann von vielen modernen Radios
(zum Beispiel dem Grundig Satellit 700) nicht empfangen werden. Bei der
Einführung des Genfer Wellenplans zum 23. Nov. 1978 verstummte der
Sender Passau, während die Sender in Hof und Würzburg eigentlich
auf 1485 kHz wechseln sollten. Dieser Wechsel blieb freilich aus.
| Zum Sender Hof ist es nur ein kleiner Abstecher von der A 9. Von der Ausfahrt Hof fährt man auf der B 15 nach Hof und hat schon kurz nach dem Ortsschild auf der linken Seite den Blick auf die Sendeanlage(an der Hohensaas (50°18'47" N, 11°52' 32" O). Wer von anderen Richtungen kommt, sollte nach der "Kulmbacher Straße" suchen. Die BR-Anlage liegt in einem Industriegebiet neben dem Deutschen Wetterdienst gegenüber von einem Autohaus und dem Kreisbauhof. | ![]() |
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1991-2000 B5-aktuell
Ob die Kleinsender wirklich für Bayern 1 gebraucht wurden, mochte angesichts der UKW-Flächendeckung fraglich sein. Aber: Am 6. Mai 1991 begann auf einigen UKW-Sendern und auf Mittelwelle B5-aktuell als erstes Spartenprogramm Information im deutschen Hörfunk. Nach dem Vorbild von B5-aktuell wurde später die 24-Stunden-Infowelle MDR-Info modelliert, die auf den Mittelwellen des Mitteldeutschen Rundfunks ausgestrahlt wurde. Gut ein Jahr vor dem Sendestart hatte der Bayerische Medienrat die beantragten UKW-Frequenzen verweigert, und Wolf Dieter Ring von der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien hatte dem BR sogar vorgeworfen, er betreibe vorsorgliche Frequenzbesetzung, um den Privatsendern das Leben schwer zu machen. So nahm der Bayerischen Rundfunk die Mittelwellen für die flächendeckende Versorgung. Da die Hauptwelle 801 kHz für die Ausländerprogramme benötigt wurde, kehrten die Sender München und Nürnberg zum 1. März 1993 zu Bayern 1 bzw. abends den Auslandsprogrammen zurück. Auf den Kleinsendern hingegen blieb das Nachrichtenradio erhalten. Ab Aug. 2000 strahlt der Bayerische Rundfunk über seine Kleinsender in Hof und Würzburg wieder das Programm von Bayern 1 mit den auch auf der Hauptfrequenz 801 kHz und über ADR verbreiteten Sondersendungen aus. |
| 1999 Wechsel von 520 nach 729 kHz
Der in den neunziger Jahren angekündigte Wechsel auf 729 kHz wurde erst 1999 Wirklichkeit. Zum 1. Juli 1999 wechselte der Sender Würzburg-Frankenwarte, der seit 1959 BR-Standort war, von 520 auf 729 kHz. So ergab sich für DXer die Gelegenheit, die Mittelwellen Hof und Würzburg getrennt bestätigt zu bekommen. Im November 1999 verstummte der Sender Hof zur Aufrichtung eines neuen, 74 m hohen Sendemastes. Interessant ist die Einspeisung: Der ursprünglich in Ismaning stehende Mast ist am Fußpunkt geerdet und wird über die Abspanndrähte im unteren Drittel gespeist. Dadurch entsteht eine Art "Reusenantenne" mit größerer Bandbreite und leichterer Anpassung. Beim Sendestart am 17. Dezember gab es Anlaufschwierigkeiten. Der Sender lief mit starken Leistungsschwankungen und wurde deshalb gegen Mittag wieder abgeschaltet. Ab dem 20. Dez. 1999 sendete er stabil auf 729 kHz. |
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2007 Neues Jugendprogramm auf Mittelwelle
Der Bayerische Rundfunk hat am 8. Okt.
2007 die ersten Elemente eines neuen multimedialen Jugendangebots gestartet.
In diesem Zusammenhang wurden auch die Mittelwellen 729 und 801 kHz mit
einem neuen Jugendprogramm belegt, das außerdem via DAB, Internet-Livestream
und Satellit ausgestrahlt wird. Die Grundsatzentscheidung zum Start dieses
Angebots hatte der Rundfunkrat des BR bereits am 7. Dez. 2006 getroffen.
Im Vorfeld dieser Entscheidung hatte es eine heftige Diskussion um Bestrebungen
gegeben, für das neu zu schaffende Jugendprogramm die UKW-Frequenzen
der Klassikwelle Bayern 4 zu nutzen.
Montags bis freitags 16.00-19.00 Uhr Ortszeit
gibt es ein interaktives Livemagazin „Bavarian Open Radio“. Der Namen knüpft
an eingeführte Aktionen des BR-Zündfunks an. In der restlichen
Sendezeit kommt Musik non stop und Stationsansagen bzw. Hinweise auf die
Downloadbarkeit von Titeln.
Neues aus Bayern stehen auf der Playlist
gleichberechtigt neben den auch sonst gehörten Titeln. "Wir spielen
die bayerischen Bands nicht in irgendwelchen Nischen", so Michael Bartle,
der für die Musikauswahl verantwortlich ist. 20 Prozent der Neuheiten
in der Medium-Rotation sollen von einheimischen Musikschaffenden kommen.
40 Prozent der Musik wird nicht älter sein als sechs Monate. Dennoch
ist Bavarian Open Radio kein reiner Independent-Sender, denn wie für
das Bavarian Open Festival gilt auch im Radio das Huckepack-Prinzip: Bekannte
Künstler schaffen die Aufmerksamkeit für Newcomer. Die vier Moderatorinnen
und Moderatoren für die erste Phase kommen aus unterschiedlichen bayerischen
Szenen, haben bereits Radioerfahrung und sind auch im Internet zuhause.
Im Bayerischen Fernsehen kommt werktags
15.00-16.00 Uhr das von jungen Leuten gestaltete Programm „Südwild“,
für das BR-Mitarbeitende sich nur in der Begleiterrolle sehen. In
BR-alpha starten im Januar 2008 der Nachfolger des Jugendmagazins "blaateen"
und das Ausbildungsmagazin "Ich mach's!". Parallel zum Sendestart in Hörfunk
und Fernsehen können im Internet Audios und Videos abgerufen, Themen
diskutiert und vertieft, Programmvorschläge gemacht oder schlicht
Musik von Nachwuchsbands gehört werden. "Unser multimediales Radioprogramm
nimmt junge Menschen ernst", sagt Ulrike Ebenbeck, Leiterin des BR-Jugendfunks
und Programmchefin des neuen Angebots. "Jugendkultur hat sich in Bayern
gerade auch abseits der ausgetretenen Pfade entwickelt. Wir möchten
im Radio wie im Internet junge Menschen zusammenführen, mit ihnen
gemeinsam Programm gestalten und Veranstaltungen durchführen."
Seit dem 5. Mai 2008 sendet Bavarian Open Radio als on3radio.
2011 Bayern Plus
Seit dem 10. Januar 2011 überträgt der Bayerische Rundfunk auf seinen Mittelwellen statt des Jugendprogramms on3-radio die Schlager- und Volksmusikwelle Bayern plus. Der BR betreibt vier Mittelwellensender auf zwei verschiedenen Frequenzen.
729 kHz Würzburg 1 kW, Hof 0,2 kW
801 kHz München-Ismaning 100 kW, Dillberg 17 kW
Ulrike Ebenbeck, Programmchefin on3, teilte zu der Entscheidung mit: "Die Mittelwelle wird intensiver von älteren Hörern genutzt, sie sind damit auch vertrauter. Aufgrund dieses Hörerschwerpunkts wurde die Veränderung vorgenommen. Vor kurzem hat die Medienforschung des BR 1500 bayerische Bürger ab 14 Jahren nach ihrer Nutzung der Mittelwelle befragt. Das Ergebnis: Bei jungen Menschen gab es keine nennenswerte Nutzung der Mittelwelle." Vor der BR-Jugendwelle, die im Oktober 2007 auf die Mittelwellen kam, war dort Bayern 1 zu hören. Sondersendungen (z. B. Live-Debatten aus dem Bundes- oder Landtag), die ebenfalls auf der Mittelwelle kamen, kommen seit 2007 auf B5 plus (DAB, Satellit, Kabel). Die Volksmusikwelle Bayern Plus startete 2008, nachdem Bayern 1 die volkstümliche Musik / Volksmusik zugunsten von "wir lieben Oldies" zurückgefahren hat.
Der BR hat auf der Frankenwarte einen neuen Fachwerk-Gittermasten aufgebaut und den alten Masten aus den fünfziger Jahren abgerissen. Abgesehen davon, dass die erwarteten Renovierungskosten in einem Neubau besser angelegt erscheinen, ist der neue Mast freistehend und entfallen somit die Kosten für die teure Wartung der Abspannseile entfallen. Der neue Mast strahlt auch wieder die 729 kHz Mittelwelle ab, so dass man hoffen kann, dass der BR nicht so schnell aus der Mittelwelle aussteigt.
Komplette Dokumentation der Bauphase im Radioforum ab 2008 bis heute bietet: http://forum.mysnip.de/read.php?8773,634797,page=1>. Die Würzburger Main-Post berichtet unter www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Alten-Sendemast-gesprengt;art736,6173635. (Radioforum 3.6.2011 via Wolfgang Büschel BCDX)
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