© Dr. Hj. Biener
Burg 783 kHz (1953-1995)

Anfang der fünfziger Jahre legte die DDR ein Bauprogramm für neue Sendeanlagen auf, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Auf dem Burger Brehm wurden  zwei 250 kW-Mittelwellensender installiert (1953 Funkwerk Köpenick, bauartgleich mit Wilsdruff). Einer diente ab dem 21. Dezember 1953 (Stalins Geburtstag) zur Ausstrahlung des Deutschlandsenders (später Stimme der DDR) auf 782 kHz. Der andere Sender wurde für die Sonderprogramme Deutscher Freiheitssender 904 und Deutscher Soldatensender 935  auf den gleichnamigen Frequenzen (abgesehen von zeitweisen Verlagerungen des Deutschen Freiheitssenders auf 908 kHz) genutzt. 50 km von der deutsch-deutschen Grenze  entfernt lag die Burger Anlage nah genug am Westen und gleichzeitig weit genug entfernt, um im "Ernstfall" nicht gleich in "Feindeshand" zu fallen.  Die Sonderprogramme, die unter konspirativen Umständen hauptsächlich in einem Objekt in Bestensee bei Königs Wusterhausen produziert wurden, endeten nach dem deutsch-deutschen Grundlagenvertrag in den siebziger Jahren.

1953 Neuer Großsender der Ostzone
in: Nürnberger Nachrichten / Erlanger Nachrichten / Fürther Nachrichten 1951,170 (2.11.1951), S. 4.
Ende 1951 berichteten die Nürnberger Nachrichten von einem „neuen Großsender der Ostzone“: „Im Osten Berlins, in Köpenick, soll ein neuer ostzonaler Großsender aufgestellt werden, der mit seiner Stärke von 300
Kilowatt die westlichen Rundfunksendungen für die Ostzone und Osteuropa übertönen könnte.“ Mitberichtet wurden amerikanische Befürchtungen, der Sender werde gegen den RIAS, die Stimme Amerikas oder Radio Free Europe positioniert werden. Um etwa den RIAS-Sender entsprechend aufzurüsten, wären „mindestens drei Millionen Dollar“ nötig. „Die neue Sendeanlage, die nach modernsten Gesichtspunkten konstruiert wurde, soll voraussichtlich am 21. Dezember, dem Geburtstag Stalins, in Betrieb genommen werden. Der Sender soll zunächst mit einer normalen Stärke von 50 oder 100 Kilowatt arbeiten und erst im Frühjahr auf die geplante Stärke von 300 Kilowatt gebracht werden. Damit wäre er der stärkste Sender in Europa, mit Ausnahme von Radio Moskau.“

Untergrundsender für Westdeutschland
Die geographische Lage machte das Areal auf dem Burger Brehm nicht nur für die Versorgung der DDR interessant. 

Am Tag des Verbots der KPD durch das westdeutsche Verfassungsgericht ging am 17. August 1956 der Deutsche Freiheitssender 904 auf Sendung. Als "einziger Sender, der nicht unter Kontrolle der Bundesregierung steht", gab der Freiheitssender sich den Anstrich eines westdeutschen Untergrundsenders.
Verantwortet wurden die Programme von  einem gemeinsamen Arbeitsausschuss von KPD West und SED. Die ersten Sendungen wurden in der Berliner Nalepastraße produziert, nach einigen Zwischenstationen dann gut zehn Jahre lang in Bestensee, etwa 10 km südlich von Königs Wusterhausen entfernt. Mit frecher Moderation und flotter Musik eroberte sich der Deutsche Freiheitssender 904, der abends 20.00-21.00 und 22.00-23.00 Uhr sendete,  bald ein Publikum. Die Musiktitel waren in der Regel mit hochwertigen Geräten bei Sendungen von RIAS Berlin und Sender Freies  Berlin mitgeschnitten worden. Probleme gab es immer dann, wenn die Hörerschaft nach Titeln fragte, die im Westen populär, aber nicht ausgestrahlt wurden. Die konspirativen Durchsagen machten ein Teil des Kultstatus aus, gaben aber den Geheimdiensten auch Anlass zu Spekulationen. Einige hatten wohl tatsächlich Adressaten, andere waren frei erfunden. Große Probleme für die politischen Kommentare bereitete zum Beispiel der Ungarn-Aufstand im Oktober 1956, und  auch beim Grubenunglück von Lengede und der Ermordung Kennedys verfehlte man das Publikum deutlich. Dieses hörte die Musik und überhörte die Propaganda. Um die „Weststimmen“ zu schützen, sendeten die Mitarbeitenden des Freiheitssenders unter „Kampfnamen“. Trotz aller Konspiration: Die Postadresse (Werner Schütz, Postfach 116, Berlin W 8) war alles andere als konspirativ. "W 8" lag in Ostberlin.

Dong, dong, dong, dong - "Hier spricht der deutsche Soldatensender, wir senden täglich um 6 Uhr 15, 12 Uhr 30, 18 Uhr, 20 Uhr 15 und um 23 Uhr 30."  Am 1. Oktober 1960 begann ein Programm in Verantwortung der Nationalen Volksarmee, das unter den Angehörigen der Bundeswehr agitieren sollte, aber nicht nur von diesen gehört wurde. Für die Propaganda in Richtung Westen gedacht, wurde der Soldatensender mit seinem Programm aus heißen Westtiteln zum Sender der ostdeutschen Jugend. Allein im Jahr 1966 erreichten den Soldatensender 31871 Briefe aus der Bundesrepublik und 24079 aus der DDR. Dazu kamen 487 aus anderen Ländern. Der Soldatensender sendete aus dem Funkhaus in Berlin-Grünau.

Die meisten Hörer hatten die beiden von der DDR betriebenen Sender wohl Mitte der sechziger Jahre. In einer Zuschrift am 7. Januar 2011 erinnert sich Gerhard Hildebrandt so an diese Zeit:

"Bis 1967 lebte ich in meiner Geburtsstadt Kassel, wo beide Sender zu empfangen waren. Von der Westgrenze weit entfernt, wo Radio Luxemburg und Europawelle Saar angesagt waren, waren diese Sender für uns damals Jugendliche neben AFN eine willkommene Alternative zum eher dünnen Angebot der Landesrundfunkanstalten.

Wie Sie richtig feststellen, hatten die angegebenen Sender die meisten Hörer Mitte der sechziger Jahre und insbesondere 1966. Woran dies lag möchte ich Ihnen mitteilen, denn Mitte 1966 gab es einen Streit zwischen den Rundfunksanstalten und der GEMA, die damals sehr viel mehr Geld von den Anstalten haben wollte. Deswegen beschlossen die Landesrundfunkanstalten mit Ausnahme des SR wegen der Konkurrenz zu Radio Luxemburg und des Deutschlandfunks ab August 1966 auf die Ausstrahlung von Musik der Plattenindustrie vollkommen zu verzichten und sendeten Eigenproduktionen. Wir Jugendliche nahe der Grenze zur DDR hörten in diesen Monaten 1966 vermehrt diese beiden Sender, insbesondere 935, mangels Alternativen, die sich ansonsten nur in AFN und wenige Stunden in der Woche vom DLF fanden.

Dieser Streit, den es heutzutage aufgrund der veränderten Radiolandschaft wohl kaum mehr geben wird, war zum Jahreswechsel beendet. Die meisten Anstalten rüsteten um und sendeten für uns junge Leute nicht mehr eine Stunde in der Woche, sondern eine Stunde am Tag, und dies nicht gleichzeitig, weswegen man dann hin - und herschaltete. Dadurch wurden diese DDR Sender, ohnehin nur auf Mittelwelle in zufriedenstellender bis mäßiger Qualität empfangbar, allmählich überflüssig.

Für das Abschalten gab es m. E. 3 Gründe: 1. die Entspannungspolitik, 2. den Wechsel von Ulbricht auf Honecker, der andere Vorstellungen wie sein Vorgänger in solchen Angelegenheiten hatte und 3. das allmählich immer bessere Angebot der Landesrundfunkanstalten mit zunächst drei Programmen für jede Anstalt, was die Radiohörer dann immer enger an diese gebunden hatte und auch langfristig das Aus für Radio Luxemburg bedeutete."

Ebenso überraschend wie sie aufgetaucht waren, verschwanden ohne jede Ankündigung der Freiheitssender am 30. September 1971 und der Soldatensender am 30. Juni 1972 aus dem Äther. Die Mitarbeitenden wurden zum Schweigen verpflichtet.

783 kHz: Stimme der DDR  mit 1000 kW

Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der zunächst für die nächsten elf Jahre die Frequenzzuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Die Stimme der DDR sendete nun offiziell aus 182 kHz Oranienburg, 783 kHz Burg und 1359 kHz Berlin.

Ende der siebziger Jahre wurden noch einmal 60 Millionen Mark in den Sendekomplex investiert. Schon im Juli 1978 wurde die Sendeleistung auf 783 kHz von 250 auf 1000 kW erhöht. Die Stimme der DDR hatte nun einen neuen 1000-kW-Mittelwellensender (Kominterna Leningrad UdSSR). Die 324 Meter hohe Antenne galt als effektivste deutsche Mittelwellenantenne. Die Strahlungsleistung war so groß, dass oft der Luxemburg- Effekt auftrat und sich Burger Signale beim Nachtbetrieb mit anderen Mittelwellen an der Reflexionsschicht mischten.
Ein 250 kW-Sender brachte auf 657 kHz zunächst den Berliner Rundfunk bzw. ab 1987 das Jugendradio DT64, während der zweite auf 1575 kHz Radio Berlin International und nachts 0.00-4.00 Uhr die Stimme der DDR ausstrahlte.

Nach der Wende in der DDR sendete die Mittelwelle ab Frühjahr 1990 Radio Aktuell, doch am 26. Mai 1991, 24.00 Uhr MESZ, wurde der Megawattsender  außer Betrieb gesetzt.

MDR Info

Am 1. Januar 1992 übernahm der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) die Rundfunkversorgung von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der MDR richtete neben einem dritten Fernsehprogramm drei Hörfunkprogramme für den gesamten Versorgungsbereich und jeweils eines pro Bundesland ein. Besonders innovativ verfuhr man mit den Mittelwellen, über die rund um die Uhr eine Nachrichtenwelle ausgestrahlt wurde. Der Erfinder von MDR-Info und MDR-Intendant Udo Reiter war früher beim Bayerischen Rundfunk und hatte dort B5-aktuell als Vorbild.

Zunächst kam MDR-info tagsüber mit 250 kW (ex 657 kHz), nachts und später auch tagsüber nur noch mit 20 kW. Hierfür wurde ein mobiler Sender eingesetzt, der früher Radio DDR auf 1044 und ab 1987 auf 1089 kHz ausgestrahlt hatte.


Wiederau 783 (1995-)
 
23 km vor Leipzig führt die B-2 in einer großen Schleife um die Sendeanlage in Wiederau herum. Richtung Leipzig findet sich auch ein Parkplatz, wo man halten und fotografieren kann. Gut sichtbar sind zwei große Masten, knapp über den Bäumen zu sehen sind aber auch zwei kleinere Dipolantennen an jeweils drei Masten. Der Mittelwellenstandort Wiederau ging 1932 in Betrieb. 1942-1993 war die Station auch Kurzwellenstandort. Darüber hinaus wurde Wiederau ab 1959/60 Standort für Fernsehen und UKW. 

Am 1. August 1995 tauschten die Sender Wiederau 531 kHz und Burg 783 kHz die Frequenzen.

1998 wurde der verbliebene Köpenick-Schranksender  durch einen neuen Halbleitersender (Thomson 100 kW) ersetzt. Für das Einmessen wurde der Sendebetrieb auf 783 kHz am 27. Juli 1998 ab 20.05 Uhr für kurze Zeit unterbrochen. Unglücklicherweise ist der Sendebetrieb nicht ganz problemlos, und immer wieder einmal musste auf den alten Sender zurückgegriffen werden. Auf jeden Fall aber ist die Mittelwelle 783 kHz die Hauptwelle für MDR-Info. Laut einer MDR-Reichweitenkarte wird sie aber nicht nur für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen empfohlen, sondern deckt sie auch fast ganz Berlin-Brandenburg, das südöstliche Niedersachen, Osthessen und Oberfranken ab.
 
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