© Dr. Hj. Biener
Freiburg 828 kHz

Freiburg gehört zu den historischen Stätten des deutschen Rundfunks. Nachdem sich abzeichnete, dass die Reichspost die Versorgung des Südwestens aus Stuttgart plante, traten die Badener mit eigenen Wünschen an die Post heran. Allerdings konkurrierten hier Karlsruher, Mannheimer und Freiburger Interessen und schwächten so die Position gegenüber Stuttgart. Am 8. Oktober 1925 erhielt Freiburg die Zusage für einen Zwischensender. Am 28. November 1928 meldete sich die Nebenstelle Freiburg sich mit markiger Ansage und Beethovens Leonoren-Ouvertüren erstmals im Äther. Fast zwei Stunden dauerte damals das mittägliche Einweihungsprogramm, mit der Baden in  das Programm des Südfunks eintrat. Gesendet wurde damals mit 700 Watt auf "Welle 577". Zeitweise gab es auch getrennte Programme aus Freiburg und Stuttgart. Die Badener bestanden auf der Ansage "Südfunk Stuttgart und Freiburg im Breisgau", was die Württemberger in den folgenden Jahren aber immer mehr ignorierten, die die Freiburger in den Status eines Zulieferers drückten.

Im Herbst 1932 begann die Reichspost mit dem Aufbau eines 5-kW-Senders in Freiburg, der auf Gleichwelle mit Frankfurt senden sollte. Unter nationalsozialistischer Regie lief der Sender nach seinem Sendebeginn 1934 bis 1939 als Nebensender des Reichssender Frankfurt.

Südwestfunk
Ein Erbe der Besatzungszeit wurde der komplizierte Zuschnitt des Rundfunks im Südwesten, wo es später zwei öffentlich-rechtliche Sender gab: Neben dem Stuttgarter Süddeutschen Rundfunk, der wesentlich Württemberg und Nordbaden versorgte, sendete der Südwestfunk für Südwürttemberg und -baden sowie Rheinland-Pfalz, die frühere französische Besatzungszone. Nach dem dritten Zonenprotokoll vom 26. Juni 1945 erstreckte sich das französische Besatzungsgebiet über den südlichen Teil der Rheinprovinz, Teile von Nassau, Rheinhessen, das Saarland, die Pfalz, Südbaden, Südwürttemberg, Hohenzollern. und den bayerischen Kreis Lindau. Abgesehen von dem Reichssender Saarbrücken lag in der französischen Besatzungszone kein früher eigenständiger Sender. Die in ihrem Bereich liegenden Nebensender der Reichssender Stuttgart und Frankfurt waren zerstört oder schwer beschädigt. Immerhin konnte über den stehen gebliebenen 107 m hohen Sendeturm in Koblenz ein erster Sendebetrieb organisiert werden.
Mit Mittel- und Kurzwellensender in Freiburg begann 1946 die Geschichte des Südwestfunks und des späteren Landesstudios Freiburg. Am 31. März begannen der wieder hergestellte Mittelwellensender (10 kW) und ein fahrbarer Kurzwellensender (1 kW) der französischen Militärregierung mit Sendungen für den Südwestfunk. Am selben Tag wurde der Sender Koblenz dem Programm zugeschaltet, das aus Provisorien in Baden-Baden und Freiburg produziert wurde. Eben am 31. März war auch das langjährige Pausenzeichen des Südwestfunks "Bald prangt, den Morgen zu verkünden" aus Mozarts Zauberflöte erstmals zu hören.Regelmäßige Programmbestandteile waren vom ersten Tag an die französischen Auflagesendungen aus Paris: täglich zweimal "Frankreich spricht zum deutschen Volk" und dreimal täglich ein Nachrichtendienst in Französisch. Französischer Sprachunterricht, Konzertübernahmen aus Paris, die Begegnung mit französischer Literatur waren im Kontext der Nachkriegszeit durchaus naheliegend.

1947 sendeten in der französischen Zone folgende Stationen:
291 m Koblenz (50 kW)
205 m Kaiserslautern (2 kW)
222 m Saarbrücken (2 kW)
362 m Freiburg (10 kW)  für das südliche Baden und Sigmaringen (5 kW) für das südliche Württemberg
Kurzwelle Baden-Baden (1 kW)

1950 Kopenhagener Wellenplan
Auf der Kopenhagener Wellenkonferenz 1948 wurden der Französischen Zone die Mittelwellen 1196 und 1538 kHz zugewiesen. Da die mit 70 kW für die Flächendeckung vorgesehene Frequenz 1196 kHz von der Stimme Amerikas in München besetzt war, musste die Rundfunkversorgung in der französischen Zone anders geregelt werden. Der stärkste Sender Koblenz wechselte beim Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplans im März 1950 auf die eigentlich Istambul zugewiesene 1016 kHz, wo er später vom Rheinsender beerbt wurde. Die Sender Baden-Baden, Freiburg und Sigmaringen blieben auf der alten Gleichwelle 827 kHz. Kaiserslautern sendete auf der internationalen Gemeinschaftswelle 1484 kHz und Reutlingen auf der tatsächlich der Zone zugewiesenen 1538 kHz.

1978 Genfer Wellenplan
Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Verteilung 10000 Lang- und Mittelwellensendern in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Der damalige Südwestfunk sendete nun über den Bodenseesender 666 kHz und den Rheinsender 1017 kHz und rundete das Gebiet mit den Mittelwellen Freiburg-Lehen 828 kHz (48°00‘48“N  07°47‘37“O)  und Baden-Baden 1485 kHz ab. Die Freiburger Mittelwelle darf mit maximal 50 kW betrieben werden. Der Standort gab darum seinen 100-kW-Sender an den Rheinsender ab. Da der alte Reservesender nicht mehr für den Dauerbetrieb zu gebrauchen war, arbeitet jetzt in Freiburg ein 10 kW-PDM-Sender von Nautel, der früher in Rohrdorf stand.

1991 S4-Radio Breisgau
Mit der weiteren Regionalisierung des Rundfunks kamen neue Aufgaben auf das Landesstudio zu. In den achtziger Jahren, als in Baden-Württemberg  auf den Privatfunk zuging, rief der SWF als Echo zu einem privaten Stadtradio-Experiment Radio Breisgau ins Leben, das erste SWF-Regionalprogramm.
In jenen Jahren gehörte die Mittelwelle Freiburg noch dem ersten SWF-Programm.
S4-Radio Breisgau war ab 1. Januar 1991 eines der Fensterprogramme des gemeinsamen SDR-SWF-Programms S4-Baden-Württemberg. Es meldete sich schließlich 6.30-18.30 Uhr immer zur halben Stunde mit Nachrichten und Informationen aus Südbaden sowie zu weiteren Zeiten mit eigenen Programmen. An sich war das Regionalprogramm vor allem auf UKW zu hören, zur Schließung von Versorgungslücken wurde es aber auch auf der Freiburger Mittelwelle 828 kHz ausgestrahlt. Diese Praxis wurde auch nach der Fusion von SWF und SDR zunächst beibehalten.

2004 Übergabe der Mittelwelle an SWR ContRa
Ab dem  4. Oktober 2004 wurde der Mittelwellensender Freiburg 828 kHz an das Programm SWR cont.ra übergeben. Das seit dem 1. Juli 2002 in Baden-Baden produzierte „Content-Radio für informations- und kulturinteressierte Hörer und Hörerinnen“ sollte eigentlich die Akzeptanz der digitalen Rundfunks fördern, kam nun aber zuerst auf Mittelwelle. Zu den Haupthörzeiten des Tages bietet cont.ra aktuelle Informationen zum Tagesgeschehen aus aller Welt, Deutschland und den Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dazu kommen Übernahmen aus den anderen Hörfunkprogrammen. Derzeit sind die Betriebszeiten der Mittelwelle Freiburg 828 kHz: Mo-Fr 5.00-23.00 Uhr sowie Sa. und So. 7.00-23.00 Uhr.
 
© Dr. Hansjörg Biener 0104
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