© Dr. Hj. Biener
Berlin-Britz 855 kHz
 

Die Anfänge
Bei der Teilung Berlins gab es zunächt nur einen lokalen Sender für die Westberliner: den von den Amerikanern gegründeten RIAS. Aus der ehemaligen britischen Zone wurde der NWDR übernommen, der sich bald in NDR und WDR teilte. Im Juni 1954 bekamen die Westberliner dann auch den "Sender Freies Berlin".
Die Geschichte der Mittelwelle Berlin Britz 855 kHz beginnt mit dem RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor), der sich aus einem Berliner Drahtsender nach 1948 zu einem Programm entwickelte, das Berlin und ganz Ostdeutschland versorgen sollte. Am 1. November 1953 begann der RIAS Berlin mit einem zweiten Programm, das wesentlich in der zweiten Tageshälfte ausgestrahlt wurde.
Bis 1978 war die Mittelwelle 854 kHz Teil eines komplizierten Wechselspiels von drei Mittelwellen, die aus Berlin und Hof mit verschiedenen Sendeleistungen belegt wurden. Als Ergänzung zur Berliner Hauptwelle 989 kHz, die mit Leistungen zwischen 100 und 300 kW belegt wurde, brachte der 40 kW-Sender in Hof tagsüber auf 854 kHz das Programm RIAS-1. Nachts hingegen wurde auf 854 kHz mit 100 kW RIAS-2 aus Berlin ausgestrahlt.

Nach dem Genfer Wellenplan: RIAS 2
Am 23. November 1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Die Mittelwelle 855 kHz war nun in Berlin und ganz der Programmalternative RIAS 2 zugeordnet. Am 30. September 1985 wurde RIAS 2 zur jungen Welle umformatiert, und die beiden Programme waren nun kontrastierende Vollprogramme. Da alles aus demselben Budget zu verwirklichen war, blieben Pläne für ein drittes Programm am Wochenende in der Schublade.

Nach der Wende: keine Dividende
Nach der Wende konnte der RIAS keine Friedensdividende einfahren, sondern ging in der Umgestaltung der ostdeutschen Rundfunklandschaft unter. Zum 1. Juli 1992 wurde das erfolgreiche zweite Programm privatisiert. Ein Echo früherer Praxis waren abends vereinzelte Programmalternativen auf 855 kHz.

DeutschlandRadio
Die 16 ha-Anlage in Berlin-Britz ging im Januar 1994 an das neue Deutschlandradio, das hier die Mittelwellen 855 und 990 kHz, die Kurzwellen 6005 und 6190 kHz sowie die UKW-Frequenz 89,6 MHz betreibt. Die Mittelwellenanlage besteht aus zwei Masten für 855 und 990 kHz, die bei entsprechender Speisung auf 855 kHz die in Dämmerung und Dunkelheit nötige Ausblendung Richtung Bukarest besorgten. Der früher aktive Einzug in Richtung Südosten ist bei der niedrigeren Sendeleistung von 25 statt 100 kW nicht mehr nötig.

855 kHz als Sonderkanal
Ab Mitte der neunziger Jahre wurde die Mittelwelle 855 kHz nur noch für Parlamentsübertragungen oder Feierstunden belegt. Ein typischer Termine für Sondersendungen ist auch die Buchmesse.
Kooperationen des DeutschlandRadio Berlin mit dem Fernsehen verhalfen der 855 kHz zu weiteren Sondersendungen. Am 6. September 2000 begann die Vorausstrahlung des ZDF-"nachtstudio". Die von Volker Panzer moderierte Talkrunde kommt nun dreimal im Monat am Mittwoch um 22.00 Uhr. Im Frühjahr 2001 folgten weitere Übernahmen aus dem Fernsehen. "Sabine Christiansen" ist seit 1. April sonntags 21.45-22.45 Uhr MESZ parallel zum ARD-Fernsehen im Radio zu hören, seit dem 5. April auch die ZDF-Politik-Talkshow "Berlin Mitte" mit Maybrit Illner 22.15-23.00 Uhr.
Die Sondersendungen werden mit 25 kW ausgestrahlt, so dass guter Empfang nur in Berlin-Brandenburg garantiert ist. Wenn man  berücksichtigt, dass der Sender nicht bloß für 45 oder 60 Minuten angeschaltet wird, kommt man doch auf eine Betriebsdauer von gut 25 Prozent der gesamtmöglichen Zeit.

Digitale Mittelwelle als Hoffnungsträger
Zur Internationalen Funkausstellung 1997 wurde auf 855 kHz erstmals ein digitales Sendeverfahren vorgeführt, 2001 ein weiteres. Die Hoffnungen auf die digitalen Verfahren ist gerade beim DeutschlandRadio groß. Da der "nationale Hörfunk" die Nation nicht landesweit auf UKW versorgen kann, haben Lang- und Mittelwelle bleibende Bedeutung für die Grundversorgung und die Digitalisierung könnte Qualitätsnachteile gegenüber UKW aufholen. Gerade bei einem in der Stadt gelegenen Standort wie Berlin-Britz ist es verheißungsvoll, wenn man mit deutlich niedrigeren Sendeleistungen digital denselben Effekt erzielt wie bei traditionellen AM-Verfahren. Dies bedeutet geringere Stromrechnungen, vermindert aber auch die Akzeptanzprobleme von Großsendeanlagen in der Bevölkerung.

DRM-Welle
Bei der offiziellen Einführung von Digital Radio Mondiale am 16. Juni 2003 war auch das DeutschlandRadio dabei. Der Termin bezog sich auf eine Veranstaltung auf der Funkverwaltungskonferenz in Genf, auf der das DRM-Konsortium aus seiner Sicht das System offiziell einführen wollte. Der Kreis teilnehmender Stationen beschränkte sich allerdings auf Radio Nederland Wereldomroep, Radio Schweden, die Deutsche Welle und eben das Deutschlandradio.
Doch vorerst ist das Henne-Ei-Problem zu lösen. Solange keine Empfänger da sind, lohnen die Investitionen für die Senderseite nicht, solange keine Programme da sind, kauft sich keiner einen neuen Empfänger. Auch nach dem Start als DRM-Frequenz strahlt die Mittelwelle Berlin-Britz 855 kHz weiter nach Bedarf Sondersendungen in der traditionellen AM-Betriebsart aus. Informationen zu den Sondersendungen des Deutschlandradio Berlin findet man unter www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-mw-lw-berlin/date/next50days/.

2005 DRM-Regelbetrieb für den Deutschlandfunk
Der Deutschlandfunk beginnt am 29. August zur Internationalen Funkausstellung in Berlin mit dem Regelbetrieb auf der digitalisierten Mittelwelle. Dafür wechselt die immer wieder im DRM-Modus getestete Mittelwelle Berlin-Britz 855 kHz vom Deutschlandradio Kultur zum Deutschlandfunk. Das Kölner Informationsprogramm strahlt dort sein Hauptprogramm, sowie bei Bedarf Sonderprogramme aus. Bei entsprechender Resonanz sollen weitere Sender umgestellt werden. Auch die Mittelwellensender für die DLF-Gleichwellen 549 und 756 kHz sind bereits DRM-tauglich.
Digital Radio Mondiale wurde entwickelt, um eine großflächige Rundfunkversorgung sicherzustellen und zugleich eine hohe Audioqualität über Lang- und Mittelwelle zu gewährleisten. Der neue Übertragungsweg ermöglicht es, so die Pressemitteilung, die traditionellen Hörfunkwellen praktisch rauschfrei und fast in UKW-Qualität zu empfangen. (www.dradio.de/wir/presse/410934/ 25.8.2005, Dr. Hj. Biener)

2010 DRadio Wissen
Das DeutschlandRadio hat am 18. Januar 2010 mit einem multimedialen Zusatzangebot für eine „junge Erwachsenen Generation“ begonnen: DRadio Wissen. Bereits am 14. Januar 2010 begann die Ausstrahlung von Info-Trailern auf der in der Pressemitteilung nicht erwähnten DRM-Mittelwelle Berlin 855 kHz. (18,7 kBit/s EEP AAC+ und P-Stereo).
 
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