Das American Forces' Network ist ein Kind des zweiten Weltkriegs. Auf allen Kriegsschauplätzen begleiteten transportable Sender die US-GIs mit Musik, Zerstreuung, Nachrichten und mit religiösen Sendungen. Die meisten arbeiteten mit bis zu 1000 Watt auf Mittelwellen zwischen 1300 und 1500 kHz. In einigen Regionen bekam man auch Sendezeit von den nationalen Sendern zur Verfügung gestellt. Am 4.Juli 1943 wurde in London der Sender begründet, der die US-amerikanischen Luft- und Bodentruppen unterhalten sollte. Die Gründung war nicht ganz reibungslos, denn die British Broadcasting Corporation wachte über ihr Rundfunkmonopol. Sie fürchtete zu Recht, dass sie Hörer an eventuell auf der Insel arbeitende US-Soldatensender verlieren würde, eine Erfahrung, die nach ihr noch viele andere europäische Stationen machen sollten. Im Vergleich zur amerikanischen Moderationsweise wirkten die Europäer immer etwas bieder, und die amerikanische Unterhaltungsmusik schlug die europäische ohnehin.
Mit dem Einmarsch der US-Truppen in Deutschland wurde in den amerikanischen Besatzungsgebieten eine festere Rundfunkversorgung für die Soldaten aufgebaut und fortgeführt, als die GIs nicht mehr als Besatzer, sondern als Verbündete im Land waren. So erinnerte bis in die neunziger Jahre die Verteilung der AFN-Sender an die alten Besatzungszonen der Amerikaner. In Bayern arbeiteten die Kopfstationen München und Nürnberg, in Baden-Württemberg AFN Stuttgart, in Hessen die Zentrale AFN Frankfurt, in Berlin AFN Berlin und in Bremen, das als Hafen der US-Truppen diente, AFN Bremerhaven. Eine Ausnahme war AFN Kaiserslautern in der ehemaligen französischen Zone. In den ersten Jahrzehnten war AFN die Musikalternative zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. AFNer wie Bill Ramsey oder Ron Williams wurden zu Stars, US-Radio-Formate wie die legendäre Wolfman-Jack-Show waren durch den Truppensender diesseits des großen Teichs überhaupt empfangbar.
AFN begann unmitttelbar nach Kriegsende im Mai 1945 in der Main-Metropole mit der Ausstrahlung seines Radioprogramms. Im August 1945 wurde das AFN-Hauptquartier von London nach Frankfurt verlegt. Während sich die Studios der AFN-Zentrale für zwei Jahrzehnte in Frankfurt-Höchst und ab 1963 in der Frankfurter Bertramstraße befanden, wurde der Hauptsender in Oberursel- Weißkirchen, nördlich von Frankfurt errichtet.
Die AFN-Masten sind direkt an der A5 gut zu sehen, aber es gibt keine direkte Ausfahrt, so dass die Anfahrt etwas kompliziert ist.
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Durch die aufwändige Konstruktion mit drei Masten im Abstand von etwa 140 m, können die Hauptstrahl- bzw. Ausblendrichtungen sehr gut eingestellt werden. In der Regel wird auf 873 kHz mit Ausblendung in 60° (Längsachse) gearbeitet. ![]() |
Seit Anfang der fünfziger Jahre ist die Mittelwelle 872 bzw. seit 1978 873 kHz Hauptwelle des American Forces Network. In einer e-Mail-Zuschrift berichtet Hans Freise (22.8.2006): "Ich war von 1954 bis 64 begeisterter AFN-Hörer in Frankfurt und danach von AFN Zaragoza und Torrejon (Madrid). Zu Halloween 1960 sendete AFN Frankfurt um 18.00 in Stereo, obwohl es diese Technik noch gar nicht gab. Der Trick war dabei einen Kanal auf MW und den anderen auf UKW zu legen. Natürlich benötigte man entsprechend 2 Empfänger. Wochenlang hatte es diesbezügliche Hinweise gegeben wie und wo die Empfänger aufzustellen waren und wo man sich selbst zu positionieren hatte. Das Erlebnis war lediglich mit der ersten Landung einer B707 auf dem Frankfurter Flughafen vergleichbar."
1990 hatte das American Forces' Network in Deutschland 50 Radio- und 110 TV-Sender im Betrieb. Seit der Einführung des Genfer Wellenplans 1978 sendeten die meisten Mittelwellenstationen in Gleichwelle auf 1107, 1143 und 1485 kHz. Nur die 150-kW-Station der Zentrale Frankfurt sendet auf der Exklusivfrequenz 873 kHz. Längst hatte AFN auf Mittelwelle und den meisten UKW-Sendern getrennte Formate: Auf Mittelwelle das AFN-Hauptprogramm, auf UKW ein classic-gold-Format. Insbesondere die Umformatierung des Mittelwellenprogramms in Richtung Talkradio machte den Sender uninteressant, da einer europäischen Hörerschaft der Verständnishorizont für die konservativen Kommentare etwa eines Rush Limbaugh oder die konservativen Erziehungsstrategien eines Dr. James Dobsen fehlt. Schon zuvor hatte durch die Privatfunkformate und Popwellen der öffentlich-rechtlichen Anstalten die Bedeutung von AFN als Musiksender abgenommen.
Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und den vereinbarten Truppenabzügen verstummten in vielen Regionen die US-Sender. 1992 schloss die AFN München, 1993 AFN Bremerhaven, 1994 AFN Berlin. Die Hauptstation AFN Frankfurt 873 kHz hingegen erhielt 1994 einen neuen 150-kW-Sender, und wurde auch erhalten, als der Militärstandort in Frankfurt aufgegeben wurde. Bis Ende 2005 soll nach 60 Jahren auch die Rhein-Main Airbase mit ihren rund 3000 Beschäftigten aufgegeben werden. Bereits am 10. Oktober 2005 wurde das Ende der Nutzung in einer Feierstunde begangen.
Insofern wird AFN wohl noch nicht sofort auf die Mittelwellenanlage verzichten. Anfang des neuen Jahrtausends sollte für Weißkirchen noch die Mittelwelle 1080 kHz koordiniert und für einen privaten Anbieter ausgeschrieben werden. Da es aber Einsprüche aus Polen gab und man den Kleinsender näher am Frankfurter Zielgebiet unterbringen wollte, wurde nichts aus dem Projekt.
Nachdem der Wegzug der AFN-Zentrale aus Frankfurt am Main schon für 1999 angekündigt worden war, sendete AFN erst ab Ende 2004 aus Mannheim und übergab 2005 das Funkhausgelände an den Hessischen Rundfunk. Das Gelände gehörte immer dem HR und war nur seit 40 Jahren auf dem Wege eines Erbbaurechts der Bundesrepublik überlassen worden, die 1963 für den AFN das Gebäude errichtet und den Amerikanern seitdem zur Verfügung gestellt hatte. Nach gründlicher Prüfung wurde entschieden, das Gebäude zu sanieren und für eigene Zwecke zu nutzen. Einziehen sollen dort vor allem die hr-werbung und ARD-Gemeinschaftseinrichtungen, die zum Teil in extern angemieteten Räumen untergebracht sind. Zunächst wird das im hinteren Teil des Geländes liegende Garagengebäude saniert und zu einem Lager für Beleuchtungsgeräte umgebaut. Voraussichtlich im Februar 2007 beginnen die Arbeiten im Hauptgebäude, dessen innenliegende Studioflächen abgerissen und bis 2008 durch einen neuen Büroraumkern mit Lichthof ersetzt werden.
Im Raum Heidelberg/Mannheim ist das Hauptquartier des US-Heeres für Europa, und mit dem pfälzischen Ramstein ist der größte US-Luftwaffenstützpunkt in Europa nur etwa 60 Kilometer entfernt. Die Verlegung des Senders, bei dem 70 Amerikaner und vier Deutsche beschäftigt sind, soll den US-Streitkräften jährliche Einsparungen in Millionenhöhe bringen. Rund 13 Mio. Mark sollen in die neue AFN-Zentrale, die Hörfunk- und Fernsehprogramme für alle US-Truppenteile in Europa produziert, investiert werden. Seit dem 29. Oktober 2004, sechs Uhr Ortszeit, sendet das American Forces‘ Network sein Europa-Programm aus den Coleman-Kasernen in Mannheim.
Der Umzug des AFN Europe von Frankfurt nach Mannheim ist Teil des rund 300 Millionen Euro teuren „Masterplans“ des Pentagon für den Standort Coleman. Die neue Europa-Zentrale befindet sich in einem für rund sechseinhalb Millionen entkernten und umgebauten ehemaligen Kantinen-Gebäude unmittelbar am Flugfeld der Armee-Kasernen im Stadtteil Sandhofen. Die Coleman-Kaserne, in der die neuen Studios untergebracht sind, direkt nördlich der A6 an der Ausfahrt Mannheim-Sandhofen. In der neuen Sendezentrale betreuen etwa 60 Beschäftigte eine Fernseh- und zwei Hörfunk-Schienen, wobei man sich auf Eigenprogramme und US-amerikanische Zulieferungen stützt. Das baden-württembergische UKW-Programm Hot FM (AFN Heidelberg) für Mannheim, Heidelberg und Stuttgart wird nach wie vor in der Hammonds-Kaserne in Mannheim-Seckenheim produziert. Diese Kaserne im Süden Mannheims wird von Heidelberg aus verwaltet, daher AFN Heidelberg. AFN Hessen sendet bereits seit Mai 2004 aus neuen Studios in Wiesbaden.
Während das US-Militär seine Präsenz in Europa seit Jahren abbaut, wird das American Forces Network Europe als Verbindung zu den US-Truppen auch außerhalb Europas immer wichtiger. Der gelernte Rundfunkjournalist, einer der wenigen Zivilisten, ist seit 18 Jahren dabei. Derzeit strahlt AFN Europe verschlüsselt oder unverschlüsselt 16 Radiokanäle und sieben TV-Programme aus. Allein in Europa kann AFN mit Radio und Fernsehen von knapp 350 000 Soldaten und ihren Familienangehörigen empfangen werden. Elf europäische AFN-Stationen liefern für einige dieser Kanäle Nachrichten und Programme aus den örtlichen Militärgemeinden zu. Zweimal täglich werden in Frankfurt auch eigene TV-Nachrichten für die Truppen produziert. Annähernd 30 000 US-Soldaten aus Deutschland sind derzeit im Irak stationiert, während sich ihre Angehörigen in den Garnisonen zur Hause Sorgen machen.
Das American Forces’ Network produziert viele verschiedene Programme, z.T. mit Lokalsendungen der jeweiligen AFN-Filiale (Frankfurt, Heidelberg, Grafenwöhr, K-Town usw.). Grundsätzlich gibt es zwei Programmtypen: Das eher wortorientierte Power Network, das hauptsächlich auf Mittelwelle zu finden ist, hier und da mit lokalen Spots - Das musikorientierte The Eagle, das meist auf UKW zu finden ist, z.T. mit ausgedehnten Lokalshows der jeweiligen AFN Filiale. Es gibt aber auch Ausnahmen wie AFN Bavaria, wo genau andersherum The Eagle auf Mittelwelle (1107 kHz) kommt und Power Network auf UKW. Und an manchen Standorten werden Mischprogramme aus beiden Typen ausgestrahlt.
AFN Kaiserslautern hat die Versorgung
der Garnison Baumholder (40 km nordwestlich von „K-Town“) in Rheinland-Pfalz
übernommen. Sie war bisher Einheiten der US-Streitkräfte im hessischen
Hanau unterstellt, die aber bis zum kommenden Jahr abgezogen werden. Erst
zum Jahresanfang 2006 hatte AFN Hessen erstmals UKW-Sendungen in Baumholder
aufgenommen. Der auf 106,1 MHz arbeitende Sender überträgt jetzt
AFN Kaiserslautern, während ein zweiter Sender auf 98,7 MHz in Birkenfeld
wieder abgeschaltet wurde. Nach unbestätigten Gerüchten soll
die Frequenz in Birkenfeld demnächst von einem anderen Veranstalter
genutzt werden. (Kai Ludwig Radio Eins Medienmagazin 17.9.2007)
Der Abzug US-amerikanischer Truppen aus Hessen wird auch 2007/08 fortgesetzt. Nach Gießen, wo die AFN-Mittelwelle 1143 kHz bereits abgestellt wurde, folgen Darmstadt und Hanau. Es bleibt abzuwarten, ob AFN auf längere Sicht auf die Nutzung der reichweitenstarken Frequenzen Oberursel 873 kHz und Großer Feldberg auf 98,7 MHz bestehen wird, obwohl es nach den bislang vorliegenden Informationen in Hessen künftig keine Einheiten der US-Streitkräfte außerhalb von Wiesbaden mehr geben dürfte. Mehr als für die Mittelwelle dürfte man sich für die UKW-Frequenz interessieren. (Kai Ludwig Radio Eins Medienmagazin 17.9.2007)
Bei Wartungsarbeiten am AFN-Mittelwellensender
Weiskirchen 873 kHz gab es am 1. April mittags eine Explosion. Drei Verletzte
wurden nach medizinischer Behandlung im Krankenhaus bald wieder entlassen.
Die Mittelwelle des Power Network blieb in den ersten Tagen leer und wurde
dann am 4. April wieder, mit niedrigerer Leistung (50 kW) belegt. Unbeeinflusst
blieb der Betrieb von AFN-The Eagle FM 98.7.
Das Rhein-Main-Gebiet war einmal ein Hauptstationierungsgebiet
US-amerikanischer Truppen. Mittlerweile waren vom Ausfall der Mittelwelle
vielleicht 90.000 GIs und ihre Angehörigen betroffen, die aber auch
die Mittelwellen Kaiserslautern 1107 kHz und Mannheim 1143 kHz hätten
empfangen können. Nach Angaben von <http://hessen.afneurope.net/>
wird die Mittelwellenanlage bis September 2008 überholt. (Blast knocks
AFN Germany off the air on 873 kHz www.stripes.com/article.asp?section=104&article=53798,
AFN goes back on air after power panel fire www.stripes.com/article.asp?section=104&article=53849)
2011 Abschaltung der Mittelwelle für den Monat Juni
Das American Forces‘ Network wird seinen Mittelwellensender in Weißkirchen bei Oberursel für die Dauer des Monats Juni abschalten.
Nach eigenen Angaben wurde AFN hierum von "deutschen Telekommunikations-Beamten" gebeten, da in der Nähe der Sendeanlage vom 10. bis 19. Juni 2011 der "Hessentag 2011" stattfindet. Für die Großveranstaltung wird in unmittelbarer Nachbarschaft des Senders ein Parkplatz eingerichtet. Im Bereich der Bühnen selbst wäre der Sender nicht nur wegen möglicher Einstrahlungen in die Tontechnik problematisch, sondern auch für den vor und nach der Veranstaltung laufenden Auf- und Abbau mit Kränen, in denen hohe Spannungen entstehen würden.
Als Ersatz betreibt AFN im Juni einen 1 kW-Stadtsender in Wiesbaden, aber nicht auf der Weißkirchen-Frequenz 873 kHz, sondern auf 1143 kHz. Für amerikanische Pendler aus Frankfurt, Darmstadt, Hanau und Gießen, für die der 150 kW starke Sender in Weißkirchen bis heute beibehalten wird, gibt es in diesem Zeitraum keine Empfangsmöglichkeit für das Mittelwellenprogramm AFN Power Network.
Am "Hessentag" beteiligt sich die Landesmedienanstalt LPR bereits seit Jahren mit einem Sonderprogramm, das die in Hessen aktiven nichtkommerziellen Lokalsender gestalten. Ausgestrahlt wird es jeweils auf einer temporären Sonderfrequenz; diesmal in Oberursel auf 96,1 MHz. (Kai Ludwig 29. Mai 2011 RBB)
Nach dem Hessentag ist die AFN-Mittelwelle Oberursel-Weißkirchen 873 kHz umgehend am 22. Juni wieder in Betrieb gegangen. Der Ersatzsender auf 1143 kHz sendete nicht von der Airbase in Wiesbaden-Erbenheim, sondern aus den nahe des Ortes Wackernheim auf der rheinland-pfälzischen Seite gelegenen Mc-Cully-Barracks. Auf dem Kasernengelände war in dieser Zeit auch ein ca. 50-80m hoher Schiebemast zu erkennen. Während der Sender den US-Standort Wiesbaden gut versorgen konnte, wurden die Zielorte Frankfurt, Hanau und Darmstadt in dieser Zeit über die Mittelwelle nur unzureichend abgedeckt. Mit einigen - vermutlich ungewollten - Unterbrechungen war der Sender etwa 14 Junitage in der Luft und ist inzwischen wieder verstummt. (Klaus Hirschelmann 29.6.2011 ADDX)
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