Der Ort Wachenbrunn ist vier Kilometer südwestlich von Themar entfernt, das an der B 89 zwischen Hildburghausen und Thüringen liegt, und gehört zu den bedeutendsten Mittelwellenstandorten der DDR. Als Heimat von bis zu vier Mittelwellen kamen von hier nicht nur Sendungen des DDR-Rundfunks, hier stand schließlich auch ein Großsender für die Moskauer Auslandsdienste.
Der erste Sender in Wachenbrunn war ein 5-kW-Sender von 1947, der den Deutschlandsender, die spätere Stimme der DDR, übertrug. Dieser Sender wurde in den fünfziger Jahren durch einen 250-kW-Sender ersetzt, diente dann als Reserve und später für den Berliner Rundfunk. Im August 1995 wurde er endgültig aus dem Betrieb genommen.
Der 250-kW-Sender wurde ursprünglich auf 692 kHz eingesetzt, während 881 kHz aus Königs Wusterhausen belegt wurde. Erst später wechselte Wachenbrunn auf 882 kHz, Königs Wusterhausen auf 603 kHz, und 693 kHz wurde nun aus Berlin betrieben (statt 611 kHz). Zuletzt strahlte er bis September 1995 auf 882 kHz die Infowelle des MDR aus, wenngleich mit verminderter Leistung von 150 kW.
Parallel zum Beginn der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wurde zum 1. Juli 1990 auch die Rundfunklandschaft der DDR umorganisiert. So wurden die bisherigen Regionalsender zu Vollprogrammen ausgebaut. Der Sender Weimar sendete nun als Thüringen Eins 15 Stunden täglich. Gleichzeitig endete die Beschränkung auf ausschließlich regionale Themen.
MDR
Am 1. Januar 1992 übernahm der Mitteldeutsche
Rundfunk die Rundfunkversorgung von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Der MDR richtete neben einem Fernsehprogramm drei Hörfunkprogramme
für den gesamten Versorgungsbereich und drei Länderprogramme.
Für die Mittelwelle konzipierte man mit der 24-stündigen Nachrichtenwelle
MDR-Info eine eigene Nutzung. Gelegentlich schert die Mittelwelle Wachenbrunn
auch aus dem Programm aus, um Sitzungen des Erfurter Landesparlaments zu
übertragen. In den Sitzungspausen kommt dann "MDR 1 - Radio Thüringen".

Am 5. Mai 1998 wurde in Wachenbrunn auf 882 kHz ein neuer 20 kW-Halbleitersender in Betrieb genommen. Er steht in einem Container zu Füßen der beiden Sendemasten. Eine MDR-Reichweitenkarte empfiehlt die Mittelwelle im Bereich Thüringen und weit ins angrenzende Ober- und Unterfranken.
2011 Sendeende
Der MDR stellte kurzfristig zum 1. Juli 2011 die
Mittelwelle Wachenbrunn 882 kHz von MDR Info ein. Der Sender wurde noch einige
Tage mit einer Informationsschleife betrieben und dann abgeschaltet. Nur
wenige Tage nach der Abschaltung der Sendeanlage wurden die beiden Sendemasten
umgelegt. Nicht betroffen ist die Mittelwelle 1323 kHz (800 kW) der Stimme Russlands,
deren Sendeanlage etwa 1 km entfernt ist.
Die Mittelwelle hatte bis zum 30. Juni MDR Info ausgestrahlt und bis zum 4. Juli
2011 gegen 10.00 Uhr eine Ansageschleife, die über eine gesonderte
Übertragungsleitung aus der MDR-Hörfunkzentrale in Halle/Saale kam. Am 4. Juli
2011 wurde umgehend damit begonnen, den Sender von der Antenne abzutrennen, an
der bereits ein Erdungsstab angebracht war. Zwei Tage später war der Leichtbau,
in dem sich der seit 1998 auf 882 kHz verwendete Sender des Typs Thomson M2W
befand, bereits abtransportiert und ein Abrissbagger damit beschäftigt, seine
Bodenplatte zu zertrümmern. Am 14. Juli 2011 wurden die 142 m hohen Masten
gegen 13.00 Uhr gesprengt. Nach Aussage von Einwohnern soll das Gelände der
Sendestation verkauft worden sein; Gerüchte sprechen von Planungen für ein
Solarkraftwerk.
Der MDR
verweist seine Hörerschaft in Südwestthüringen auf UKW, DAB+ und Satellit. In
weiten Teilen Thüringens ist auch Empfang über die Leipziger Mittelwelle 783
kHz möglich. Für MDR-Info verbleiben zunächst die Mittelwellen
Leipzig-Wiederau 783 kHz, Dresden-Wilsdruff 1044 kHz und Reichenbach 1188 kHz.
Beim Mitteldeutschen Rundfunk gingen einige Dutzend Anfragen zur Abschaltung
dieser Frequenz ein. Bemerkenswert ist eine in nennenswertem Umfang zu
verzeichnende Nutzung durch Hörer in Hessen. Sie griffen offensichtlich auf MDR
Info zurück, nachdem der Hessische Rundfunk die Mittelwellensender auf 594 kHz
zum Jahresende 2009 abgeschaltet hatte und die UKW-Versorgung mit hr-info in den
ländlichen Regionen von Hessen lückenhaft ist. (Kai Ludwig 10., 17.7.2011 RBB)
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Dr. Hansjörg Biener 0104
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