Vom DIAS zum Sender
für Berlin und Ost-Deutschland
Die Geschichte der Mittelwelle Berlin
Britz 990 kHz beginnt mit dem RIAS. Am Nachmittag des 7. Februar 1946 sendete
der Rundfunk im amerikanischen Sektor erstmals im Berliner Telefonnetz,
ab dem 5. September auch mit 2,5 kW auf Mittelwelle. Sehr schnell entwickelte
sich der RIAS Berlin einem Sender, der Deutsche in Ost und West gleichermaßen
in ihrem politischen und kulturellen Denken beeinflusste. Er verstand sich
als »die freie Stimme der freien Welt«. Dabei ging es nicht
nur um demokratischen Journalismus, sondern auch im Unterhaltung, stark
geprägt beispielsweise von Hans Rosenthal, nach dem der Platz am Funkhaus
heute benannt ist. Der RIAS brachte ebenso »Onkel Tobias« wie
Elvis Presley, »Die Insulaner« und die Stones, ebenso Hörspiele,
Literatur und Konzerte, Sendungen für Kinder, für junge und alte
Menschen.
Am 15. März 1950 trat der Kopenhagener Wellenplan in Kraft, der die Nutzung von Lang- und Mittelwellen im Nachkriegseuropa und darüber hinaus koordinieren sollte. Das in Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland war auf der Konferenz 1948 nicht vertreten und verlor nicht nur die Langwelle 191 kHz, sondern auch die Hälfte der bisherigen Mittelwellen. Während die Briten und Franzosen insgesamt zugestimmt hatten und den Wellenplan in ihren Zonen im Prinzip umsetzten, hatten die Amerikaner die Verhandlungsergebnisse von vorneherein nicht akzeptiert und implementierten einen eigenen Plan. In den amerikanischen Ländern Bremen, Bayern, Württemberg-Baden und Hessen sowie Berlin hätten sich die bestehenden 5 "deutschen" Sender nach dem Kopenhagener Wellenplan die Wellen 989 und 1602 kHz teilen müssen, wobei das American Forces' Network und die Voice of America noch unversorgt geblieben wären. In der Folge nahmen die Amerikaner die beste Welle 989 kHz für den Rundfunk im Amerikanischen Sektor.
Chronik (1.7.52-28.2.53), in: Rundfunk und Fernsehen 1953,2, S. 77-100, S. 84: „Am 15.1.53 wurde eine neue 200-kW-Sendeanlage in Britz eingeweiht, die in Verbindung mit dem bereits bestehenden 100-kW-Sender eine Gesamtleistung von 300 kW aufbringt.“
Am 1. November 1953 begann der RIAS Berlin mit einem zweiten Programm, das wesentlich in der zweiten Tageshälfte ausgestrahlt wurde. Die Chronik (15.9.-15.12.1953), in: Rundfunk und Fernsehen 1954,1, S. 85-100, S. 90, berichtet: „Mit Wirkung vom 1. November 1953 wurde das Winter-Rahmenprogramm des RIAS wirksam. Das wichtigste Merkmal dieses neuen Programmschemas ist die Einführung des Programms RIAS II, das an Sonntagen von 14.00 bis 24.00 Uhr und an Werktagen von 18.00 bis 24.00 Uhr über Mittelwelle Hof 407 m = 737 kHz, über Kurzwelle 49,94 m = 6005 kHz, über Ultrakurzwelle 93,6 MHz und über Langwelle 1224 m = 245 kHz im Drahtfunknetz der Berliner Westsektoren ausgestrahlt wird. Über die Wellen 303 m = 989 kHz und 439 m = 683 kHz ist vom 1.11.53 an nur das Programm RIAS I zu empfangen. Die Aufteilung des Gesamtprogramms in RIAS I und RIAS II geschah mit Rücksicht auf die Hörer im sowjetisch besetzten Gebiet, um durch verschiedene Sendezeiten den Empfangsstörungen und Stromsperren auszuweichen.“ Außerdem wurden nun alle Wellen rund um die Uhr betrieben.
Bis 1978 war die Mittelwelle 989 kHz Teil eines komplizierten Wechselspiels von drei Mittelwellen, die aus Berlin und Hof mit verschiedenen Sendeleistungen belegt wurden.

990 kHz für
RIAS 1
Am 23. November 1978 trat der Genfer Wellenplan
in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für
10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien
regelte. Das Hauptprogramm belegte nun die Mittelwelle 990 kHz aus Berlin
und Hof, die Programmalternative RIAS 2 die Mittelwelle Berlin 855 kHz.
1979 kam dann für RIAS 1 der neue 300-kW-Sender, der erste ausgelieferte
PDM-Sender von Telefunken. Am 30. September 1985 wurde RIAS 2 zur jungen
Welle umformatiert, und die beiden Programme wurden kontrastierende
Vollprogramme. Da alles aus demselben Budget zu verwirklichen war, blieben
Pläne für ein drittes Programm am Wochenende in der Schublade.

Abwicklung des
RIAS und Übergabe an DeutschlandRadio Berlin
Nach der Wende konnte der RIAS keine Friedensdividende
einfahren, sondern ging in der Umgestaltung der ostdeutschen Rundfunklandschaft
unter. Mit dem 1. Juli 1992 wurde das erfolgreiche zweite Programm privatisiert.
Die 16 ha-Anlage in Berlin-Britz ging
im Januar 1994 an das neue Deutschlandradio, das von hier aus die Mittelwellen
855 und 990 kHz, die Kurzwellen 6005 und 6190 kHz sowie die UKW-Frequenz
89,6 MHz betreibt. Seit dem 28. September 1995 wird die Mittelwelle 990
kHz nur noch mit 100 kW belegt, um Elektrosmogbedenken Rechnung zu tragen.

Vermutlich infolge von Witterungseinflüssen
ist am 22. Dezember 2004 eine seitliche Abspannung (Pardune) des 160 Meter
hohen Mittelwellen-Sendemastes in Britz gerissen. Da die Stabilität
des Sendemastes nicht voll gewährleistet war, wurden in Zusammenarbeit
mit Polizei und Feuerwehr die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung
eingeleitet. (DeutschlandRadio Pressemitteilung 23.12.2004 www.dradio.de/wir/presse/334179/)
Nach telefonischer Auskunft der RegTP vom 19. Januar 2005 fand man ein
weiteres Seil, das ebenfalls repariert werden musste. Die Verbreitung des
Programms von DeutschlandRadio Berlin auf 990 kHz wurde bis zur Behebung
des Schadens Anfang Februar 2005 ausgesetzt. Der Sendemast war an sich
vor einem Jahr komplett saniert worden. Ab dem 4. Februar 2005 war die
Mittelwelle 990 kHz dann wieder für das DeutschlandRadio in Betrieb.
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Dr. Hansjörg Biener 0104
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