© Dr. Hj. Biener
 Gleichwelle 1143 kHz AFN nutzt die Gleichwelle an verschiedenen Standorten mit einmal 10 kW, dreimal 1 kW und sechs Mal 300 Watt.
1143 G AFN Heidelberg
1143 G AFN Stuttgart-Hirschlanden

Das American Forces' Network ist ein Kind des zweiten Weltkriegs. Auf allen Kriegsschauplätzen begleiteten transportable Sender die US-GIs mit Musik, Zerstreuung, Nachrichten und religiösen Sendungen. Die meisten arbeiteten mit bis zu 1000 Watt auf Mittelwellen zwischen 1300 und 1500 kHz. In einigen Regionen bekam man auch Sendezeit von den nationalen Sendern zur Verfügung gestellt.

Am 4.7.1943 wurde in London der Sender begründet, der die US-amerikanischen Luft- und Bodentruppen in Europa unterhalten sollte. Die Gründung war nicht ganz reibungslos, denn die British Broadcasting Corporation wachte über ihr Rundfunkmonopol. Sie fürchtete zu Recht, dass sie Hörer an den Soldatensender verlieren würde, eine Erfahrung, die nach ihr noch viele andere europäische Stationen machen sollten. Im Vergleich zur amerikanischen Moderationsweise wirkten die Europäer immer etwas bieder, und die amerikanische Unterhaltungsmusik schlug die europäische ohnehin.

Mit dem Einmarsch der US-Truppen in Deutschland wurde in den amerikanischen Besatzungsgebieten eine festere Rundfunkversorgung für die Soldaten aufgebaut und fortgeführt, als die GIs nicht mehr als Besatzer, sondern als Verbündete im Land waren. So erinnerte bis in die neunziger Jahre die Verteilung der AFN-Sender an die alten Besatzungszonen der Amerikaner. In Bayern arbeiteten die Kopfstationen München und Nürnberg, in Baden-Württemberg AFN Stuttgart, in Hessen die Zentrale AFN Frankfurt, in Berlin AFN Berlin und in Bremen, das als Hafen der US-Truppen diente, AFN Bremerhaven. Eine Ausnahme war AFN Kaiserslautern in der ehemaligen französischen Zone.

1990 hatte das American Forces' Network in Deutschland 50 Radio- und 110 TV-Sender im Betrieb. Seit der Einführung des Genfer Wellenplans 1978 sendeten die meisten Mittelwellenstationen im Gleichwellenbetrieb auf 1107, 1143 und 1485 kHz. Nur die 150-kW-Station der Zentrale Frankfurt hatte  mit 873 kHz eine Exklusivfrequenz. Längst fuhr man auf Mittelwelle und den meisten UKW-Sendern getrennte Formate: Auf Mittelwelle das AFN-Hauptprogramm, auf UKW ein classic-gold-Format.

Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und den vereinbarten Truppenabzügen verstummten in vielen Regionen die US-Sender. 1992 schloss die AFN München, 1993 AFN Bremerhaven, AFN Stuttgart, 1994 AFN Berlin.

Das American Forces’ Network produziert viele verschiedene Programme, z.T. mit Lokalsendungen der jeweiligen AFN-Filiale (Frankfurt, Heidelberg, Grafenwöhr, K-Town usw.). Grundsätzlich gibt es zwei Programmtypen: Das eher wortorientierte Power Network, das hauptsächlich auf Mittelwelle zu finden ist, hi und da mit lokalen Spots - Das musikorientierte The Eagle, das meist auf UKW zu finden ist, z.T. mit ausgedehnten Lokalshows der jeweiligen AFN Filiale. Es gibt aber auch Ausnahmen wie AFN Bavaria, wo genau andersherum The Eagle auf Mittelwelle (1107 kHz) kommt und Power Network auf UKW. Und an manchen Standorten werden Mischprogramme aus beiden Typen ausgestrahlt.


Stuttgart-
Hirschlanden

738 
2002-2003 Mega-Radio 
2005- Truckradio

Am 28. November 1945 begann AFN Stuttgart mit Sendungen aus Mühlacker, dem Standort des ersten deutschen Großsenders. Anfangs teilte man sich die Mittelwelle 1249 kHz mit AFN Munich. Laut dem Kopenhagener Wellenplan wollte man ab dem 15. März 1950 auf 1554 kHz senden. Aus technischen Problemen setzte man dann allerdings 1061 kHz (50 kW) ein, und ab dem 1. Januar 1952 die langjährige AFN-Frequenz 1106 kHz. 1963 verließ das American Forces Network den Standort Mühlacker, und AFN sendete für den Großraum Stuttgart ab dem 28.Oktober 1963 aus Stuttgart-Hirschlanden (48°49’43 N  09°02’11 O). Hauptfrequenz wurde 1142 kHz bzw. nach dem Genfer Wellenplan 1143 kHz
Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und den vereinbarten Truppenabzügen verstummten in vielen Regionen die US-Sender. Damit kam auch das Ende des Programms aus Stuttgart, wenngleich die Sendestation in Hirschlanden erhalten blieb, um gut 14000 US-Amerikaner in der Region zu versorgen. Die Programmproduktion zog am 16.4.1993 in die Hammonds Barracks nach Mannheim-Seckenheim um, änderte den Namen aber zu AFN Heidelberg.
Die Sendeanlage steht mitten in Feldern und ist mit Zäunen um das Senderhaus, um den 50 m entfernten Mast und Container zur Antenneneinspeisung und die drei Abspannfundamente auf dem Feld abgetrennt. Das eigentliche Senderhaus von 1963 sieht wie ein kleines Schrebergartenclubheim aus. Die Sicherung hinderte jugendliche Spayer jedoch nicht, sich in mehreren Farben und Designformaten direkt am Senderhaus zu verewigen. Vom Senderhaus läuft zum neuen Antennen-Container ein unterirdischer Leitungsschacht, der nach dem Abmähen direkt aus dem Grasfeld hervor sticht.
Da ab 2002 auch Mega-Radio aus Hirschlanden senden wollte, wurde 2001 der 40-m-Mast durch eine Dachkapazität modifiziert, die auch niedrigere Sendefrequenzen ermöglichen sollte. Vom 16. Januar 2002 bis zum 4. April 2003 kam  das jugendorientierte Mittelwellenprogramm auf 738 kHz.

Heidelberg-Wieblingen
Im Nordwesten der Stadt Heidelberg liegt der Stadtteil Wieblingen und in dessen Norden am Sandhofer Weg die Sendeanlage von AFN Heidelberg. Das Gelände wird begrenzt im Norden vom Klärwerk, im Osten vom Neckar, im Süden von der Wohnbebauung am Sandhofer Weg und im Westen von einer Kleingartenanlage. Etwas über zwei Kilometer von hier entfernt kann man auch die Antenne des SWR-Mittelwellensenders in Dossenheim sehen. Auf Mittelwelle 1143 kHz kommt das Informationsprogramm PowerNetwork, das über viele Mittelwellensender des American Forces Network verbreitet wird. Als Antenne wird ein selbststrahlender Stahlrohrmast verwendet. Die Leistung des Senders wird mit 1 kW angegeben. Der mitgenommene Feldstärkemesser zeigte maximal 5 V/m an, denn man kann nur bis etwa 100 m an die Antenne heran. Im oberen Bereich des Mittelwellen-Antennenmastes sind seitlich drei UKW-Doppeldipole angebracht. Über diese Antennen wird das Musikprogramm "HMS" (Heidelberg - Mannheim - Stuttgart) auf 104,6 MHz verbeitet, das in Mannheim -Seckenheim produziert wird.

 
 
© Dr. Hansjörg Biener, © Text und Photos zu AFN Heidelberg Bernhard Weiskopf 0107
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