Die Geschichte des Rundfunks an der Saar ist eng mit der Geschichte des Saarlands zwischen Frankreich und Deutschland verknüpft. Nach dem 1. und 2. Weltkrieg hatte das Gebiet zweimal für viele Jahre einen Sonderstatus. Die Sendeanlagen von Heusweiler sind seit Anfang an Teil der saarländischen Rundfunkgeschichte
Der deutsch-französische Kampf
um die Lufthoheit
Da die Briten und US-Amerikaner die Annexion
des Saarlands durch Frankreich verhindert hatten, wurde das Saargebiet
gemäß dem Versailler Vertrag 1920 für 15 Jahre der Treuhand
des Völkerbundes unterstellt.
Der Saar-Radio-Klub forderte seit seiner
Gründung im Dezember 1923 die Errichtung eines deutschsprachigen Radiosenders
an der Saar. Die unter französischem Vorsitz stehende Regierungskommission
des Saargebietes erteilte jedoch keine Genehmigung dafür, denn ein
deutschsprachiger Sender hätte die französischen Interessen an
der Saar behindert. Die Genehmigung für einen deutschsprachigen Sender
wurde bis 1935 nicht erteilt.
Um den Radioempfang im Saarraum zu verbessern,
beantragte die deutsche Reichsregierung bei der Interalliierten Rheinland-Oberkommission
die Genehmigung eines Senders bei Kaiserslautern.
Sie wurde nach langen Verhandlungen 1926
erteilt. Der Sender war jedoch so schwach, dass man ihn nach dem Sendebeginn
1928 nur im östlichen Saarraum empfangen konnte. Zahlreiche Übertragungen
sogenannter Saar-Treue-Kundgebungen wurden ab 1928 von den Saarvereinen
im Reich veranstaltet und von verschiedenen deutschen Radiosendern ausgestrahlt.
Auf diese Weise versuchten die deutsche Regierung und die ihr unterstellten
Rundfunksender, sowohl im Reich die Solidarität mit dem Saargebiet
zu stärken als auch die Saarbevölkerung politisch bei der Stange
zu halten.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme
am 30. Januar 1933 wurde der Ton immer schärfer. Der von Hitler als
Reichskommissar für das Saargebiet eingesetzte Franz von Papen beklagte
bald, dass die Sendeleistung der Reichssender zu schwach sei, um im Saargebiet
Wirkung zu erzielen. Der französische Sender Straßburg sei dagegen
überall zu empfangen, was im Hinblick auf die kommende Abstimmung
eine sehr ungünstige Ausgangssituation darstelle. Von Papens Bemühungen
hatten jedenfalls den Erfolg, dass der seit 1930 für das Saarland
mitzuständige Sender Mühlacker von 60 auf 100 kW aufgestockt
wurde. Im Kampf um die Zukunft des Saarlands gab es auch diesbezügliche
Sendungen der deutschen Redaktion von Radio Straßburg, deren Tonfall
jedoch weit von den Hetzreden auf den deutschen Sendern entfernt war.
1935 Reichssender Saarbrücken
1935 entschied sich die Bevölkerung
des Saargebiets zu 90 Prozent für den Anschluss an Deutschland. Das
Saarland bildete bis 1945 mit der Pfalz die Saarpfalz bzw. ab 1940 die
Westmark.
Im Lauf des Jahres 1935 nahm der Reichssender
Saarbrücken unter Leitung des Intendanten Adolf Raskin als erster
Radiosender des Saarlandes seine Arbeit auf. Mit der feierlichen Eröffnung
am 4. Dezember 1935 im großen Festsaal der Wartburg, damals der größte
Festsaal des Landes, endete die Aufbauphase.
1935 begann auch die Geschichte des Sendestandorts
Heusweiler, wohin der ehemalige Sender Langenberg 1 verlegt wurde. Am 23.
Dezember 1935 erfolgte die Inbetriebnahme des Senders, nun mit einer Leistung
von 17 kW. Die Antenne wurde von zwei Holzmasten (35 und 31 m) getragen.
Der 2. Weltkrieg verhinderte einen geordneten
Ausbau des Rundfunks an der Saar. So wurde Personal und Material 1939 abgezogen
und an den neuen Reichssendern Danzig und Prag eingesetzt. Im Lauf des
Weltkriegs gingen die Zeugnisse der Frühzeit verloren und wurden die
Produktions- und Sendestätten zerstört, so auch Heusweiler im
März 1945.
1945 Besatzung und Sonderstatus
Die französische Militärregierung,
die ihren Sitz in Baden-Baden genommen hatte, richtete im Saarland ihre
erste Sendezentrale ein, da Saarbrücken zu diesem Zeitpunkt der einzige
halbwegs nutzbare Standort war. Die Rundfunkabteilung der französischen
Armee sorgte für die technische Ausrüstung zur Wiederherstellung
des Funkhauses. Die Radiodiffusion Française stellte leihweise einen
fahrbaren amerikanischen Militärsender mit 2 kW Leistung und 30 m
hoher T-Antenne bereit, der im Hof des Funkhauses installiert wurde. Eine
erste Versuchssendung fand am 7. Dezember 1945 statt.
Am 17. März 1946 um 19.10 h nahm
die Radiodiffusion Sarroise ihren Betrieb auf. Die Einleitung zur ersten
Sendung bildete die Marseillaise, dann folgte die deutschsprachige Ansage.
Die Sonderinteressen an der Saar sorgten dafür, dass der Rundfunk
an der Saar eine eigene Gliederung hatte, obwohl er programmlich dann doch
eng mit dem Rundfunk der übrigen Besatzungszone verbunden war.
Da auch nach dem 2. Weltkrieg der Anschluss
an Frankreich am Widerstand der anderen Westalliierten und auch der jungen
Bundesrepublik Deutschlands scheiterte, kam es zwar zu engeren wirtschaftlichen
Verbindungen, ansonsten aber "nur" zu einem eigenen Saarstaat. Ab 1948
konnte die Regierung des autonomen Saarlandes auf den Verwaltungsrat des
Senders Einfluß nehmen, was sich auf verschiedenen Ebenen auswirkte.
Das tägliche Programm trug zunehmend saarländische Züge,
wenngleich eine besondere Verbindung zu Frankreich zum bleibenden Programmelement
wurde. Es begann und schloß ab 1949 mit der Saarhymne.
Am 19. Juni 1946 wurden die Anlagen in
Heusweiler mit einer Senderleistung von 2 kW wieder in Betrieb genommen.
1948 berichtete die Zeitschrift "Rundfunk und Fernsehen" : "Der Sender
Saarbrücken wechselte von 236,8 m (1267 kHz) auf 226,6 (1348 kHz);
französische Firmen bauen in Saarbrücken einen 20-Kw[!]-Sender,
der Ende 1948 in Betrieb genommen werden soll." (Im Querschnitt, in: Rundfunk
und Fernsehen 1948,1, S. 53-58, S. 56)
Im Juli 1948 erhielt Radio Saarbrücken
von Radio Nancy einen 20 kW-Sender mit einem 120 m hohen Sendemast als
Leihgabe. Auf der Kopenhagener Mittelwellenkonferenz, auf der der deutsche
Rundfunk auch eine Wellendemontage erlebte, wurden die Interessen
das Saarrundfunks durch die Franzosen vertreten. Heusweiler bekam die Frequenz
1421 kHz zugeteilt, die am 15. März 1950 dann auch in Betrieb genommen
wurde.
1955 Übergangszeit zur Bundesrepublik
Die Sondersituation des Saargebietes spiegelte
sich unter anderem auch in einer privatrechtlichen Organisation des Rundfunks,
deren Echo noch Europe 1 ist, das als Peripheriesender auf Langwelle aus
dem Saarland nach Frankreich sendet. Privatrechtlich war der Rundfunk jedoch
nur der rechtlichen Konstruktion nach, hielten doch das Saarland und Frankreich
die Anteile der 1952 gegründeten Saarländischen Rundfunk GmbH.
Nach der Ablehnung des Saarstatuts 1955 bildete die Übergangsregierung
unter Ministerpräsident Welsch einen neuen vierköpfigen Aufsichtsrat
für den Rundfunk, der Professor Dr. Eugen Meyer zum vorläufigen
neuen Geschäftsführer ernannte. 1957 wurde das Saarland Teil
der Bundesrepublik.
Am 27. November 1957 wurde vom Landtag
das Gesetz verabschiedet, demzufolge der Saarländische Rundfunk zum
1. Januar 1957 alle Rechte und Pflichten der früheren GmbH übernahm.
Das relativ kleine Einzugsgebiet
des nun öffentlich-rechtlich strukturierten Senders sorgte für
ein chronische Finanzproblem, das auch durch den Finanzausgleich zwischen
den kleinen und großen Anstalten der ARD, in die der SR im Mai 1959
aufgenommen wurde, nie wirklich ausgeglichen wurde.
1964 Europawelle
Saar
Anfang 1964 wurde die Sendeleistung von
100 auf 300 kW erhöht. Zugleich gab der damalige SR-Intendant Franz
Mai am 2. Januar 1964 den Startschuss für ein völlig neues Radioprogramm,
mit dem der Saarländische Rundfunk auf die fröhlichen Wellen
von Radio Luxemburg reagierte. Vormittags blieb das Programm auf das Saarland
orientiert, 12.00-24.00 Uhr aber sendete man die Europawelle Saar, was
dem Sender den ergebnislosen Protest des Deutschlandfunks eintrug. Der
DLF reklamierte aufgrund seines Programmauftrags, "für Deutschland
und Europa" zu senden. Die Europawelle Saar wurde zur Heimat später
auch im Fernsehen bekannter Moderatoren wie Manfred Sexauer oder Dieter
Thomas Heck.
Ab 1973 standen in Heusweiler bis zu 1,2
MW Senderleistung zur Verfügung. Zum Schutz vor elektromagnetischen
Störungen wurde über der nahegelegenen Autobahn 8 ein riesiges
Metall-Netz installiert. Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan
in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für
10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte.
Der Saarländische Rundfunk brachte sein Programm nun auf der leicht
erhöhten Frequenz 1422 kHz. 1976 und 1993 wurde die Station bei laufendem
Betrieb saniert, wobei man tagsüber auf einen 100-kW-Reservesender
und den 50-m- Reservemast zurückgriff, während nachts mit 600
kW gesendet wurde.
Bei einer Tagesreichweite von 400 km war
die Europawelle Saar in West- und Südwestdeutschland für viele
Jahre eine öffentlich-rechtliche Konkurrenz zu den fröhlichen
Wellen von Radio Luxemburg auf der fast benachbarten Mittelwelle 1439/1440
kHz. Zeitweise gab es sogar Kofferradios, die diese beiden Programme per
Taste anwählen ließen. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden
war die Saarländer Mittelwelle von Italien bis Skandinavien und in
weiten Teilen Osteuropas gut zu empfangen. Kein Wunder, dass man sich besonders
auch an Fernfahrer richtete. Selbst aus Asien und Australien kamen regelmäßig
Empfangsberichte.
Zunächst als
zu kommerziell befehdet, wurde das Programmformat der Europawelle schließlich
auch in anderen ARD-Sendern zum Vorbild. Als sich der UKW-Rundfunk gegen
die Mittelwelle durchgesetzt hatte, die fröhlichen Wellen von Luxemburg
nur noch plätscherten und private Konkurrenz dazugekommen war, erübrigte
sich jedoch die Mittelwelle für den Saarländischen Rundfunk immer
mehr. Als kleine ARD-Anstalt musste sich der Saarländische Rundfunk
ohnehin mit dem politischen Vorwurf auseinandersetzen, weshalb man sich
eine so überdimensionierte Mittelwelle leisten wollte. Seit
Ende der 1980er Jahre wird die auf DAM umgerüstete Senderanlage in
passiver Reserve mit maximal 600 kW betrieben. Im
Oktober 1994 gab der Saarländische Rundfunk die Mittelwelle ganz auf.

1995 Der Deutschlandfunk aus Heusweiler"Treffpunkt von Millionen Hörern... SR 1 europawelle saar"
Mit dieser längst historischen Karte bedankte sich der Saarländische Rundfunk 1978 für einen Empfangsbericht.
2007 Ausschreibung
neuer Sender
Der Saarländische
Rundfunk hat im Supplement zum Amtsblatt der EU unter Nr. 2007/S 53-065414
(16.03.2007) und im Internet (www.sr-online.de/dersr/2251/621408.html)
die Erneuerung der Mittelwellenanlage Heusweiler ausgeschrieben. Der Gesamtumfang
beinhaltet Planung, Lieferung, Montage, Inbetriebnahme der Mittelwellensender-Doppelanlage,
Standortabnahme, Stromversorgungseinrichtung, luftgeprüfte Prüflast,
Anpassung der Richtantenne für DRM-Betrieb.
Die in den siebziger
Jahren errichtete Doppelsenderanlage für 1422 kHz hat bisher zwei
600-kW-Einzelsender von Thomcast und zwei 120-meter-Masten. Das Reservesystem
besteht aus einem 100-kW-Sender und einer separaten Hilfsantenne. Diese
Antenne wird tagsüber zur Aussendung der Antenne Saar auf 1179 kHz
mittels eines 10-kW-Halbleitersenders genutzt.
Ohne Unterbrechung
des Betriebs sind die beiden 600 kW-Sender bis zum 30. November 2007 abzubauen
und am gleichen Aufbauort durch eine DRM-taugliche 2x200 kW-Anlage in aktiver
Reserve zu ersetzen. Außerdem soll die Antenneneinspeisung so modifziert
werden, dass die Hauptsender die Reserveantenne und der Reservesender die
Hauptantenne speisen können. Für die Montage können tägliche
Arbeitszeiten von Montag bis Freitag zwischen 6.00 Uhr und 19.00 Uhr vereinbart
werden. Unvermeidliche Totalabschaltungen können nur in den Nachtstunden
(0.00-5.00 Uhr) stattfinden und müssen jeweils in der Vorwoche mit
dem SR vereinbart werden. Da die neue Senderanlage am selben Platz aufgebaut
werden muss, auf dem einer der beiden vorhandenen Sender betrieben wird,
ist nur eine Montage „Zug um Zug“ möglich. Vorab ist der 100 kW-Reservesender
HF-seitig über Umschalteinrichtung an den Antennenwahlschalter anzuschließen,
um eine ganztägige Reserve zu garantieren. Danach kann der Sender
2 abgebaut werden.
Ausschreibungsunterlagen
sind bis zum 20.04.2007 erhältlich bei: Saarländischer Rundfunk,
Fachbereich Einkauf, Elke Kunzler ekunzler @ sr-online.de. Angebote sind
bis zum 11. Mai 2007, 09.00 Uhr zu richten an: Saarländischer Rundfunk,
Fachbereich Einkauf, Frau Elke Kunzler, Franz-Mai-Straße, 66121 Saarbrücken.
Die Sendeanlage
hat 2006 schon eine DRM-Modifizierung am östlichen Strahlermast bekommen.
Bisher wurde er mit klassischer Fußpunktspeisung betrieben. An drei
Seiten um den Mast wurden Drähte gezogen, die den Strahlerdurchmesser
vergrößern. Sie laufen isoliert vom Mast und speisen ihn im
oberen Drittel in 80 m Höhe. Unten wird die Reuse in 6 m Höhe
an einen Ring geführt. Dadurch kann der Mast jetzt am Fußpunkt
geerdet werden. Der Strahler wurde umgebaut, um die Bandbreite der Antenne
zu vergrößern, denn DRM benötigt mindestens 10-12 kHz Bandbreite.
Der westliche Reflektormast wurde nicht verändert, denn er wird nicht
gespeist, sondern hat nur passive Abstimmmittel im Antennenhaus.
2008 erneuerte Sendeanlage in Betrieb
Anfang März
2008 wurde die aus dem Jahre 1973 stammende Röhrensenderanlage des
französischen Herstellers Thomson durch eine neue Halbleiteranlage
der Berliner Firma Transradio ersetzt. Bemerkt wurde dies zuerst durch
eine veränderte Audiocharakteristik. Die Sendeleistung auf 1422 kHz
beträgt jetzt 400 kW, nachdem die ursprünglich 1200 kW Mitte
der 80er und 2000er Jahre auf 600 bzw. 300 kW reduziert worden waren. Mit
der neuen Sendetechnik hat sich die Übertragungsqualität auf
1422 kHz spürbar verbessert, was sowohl den Sendern selbst als auch
einer neuen Modulationsaufbereitung (Orban Optimod AM 9400) zugeschrieben
wird.
Offiziell in Betrieb
genommen wurde die erneuerte Anlage am 15. Mai 2008 durch die Intendanten
von Deutschlandradio und Saarländischem Rundfunk, Ernst Elitz und
Fritz Raff. Deutschlandradio nutzt die Senderanlage des SR, um über
die Mittelwelle 1422 kHz den Deutschlandfunk auszustrahlen. SR-Intendant
Fritz Raff:„Die neue Senderanlage löst eine Anlage ab, die über
35 Jahre ihren Dienst tat. Der Mittelwellensender Heusweiler war wesentlicher
Bestandteil eines für die damalige Zeit völlig neuen Radiokonzeptes
des Saarländischen Rundfunks, der Europawelle Saar. Seit nunmehr 14
Jahren arbeiten wir auf der Mittelwelle mit Deutschlandradio erfolgreich
zusammen. Wir freuen uns, dass diese Kooperation mit der modernen Anlage
an diesem traditionsreichen Standort fortgeführt werden kann – vielleicht
auch in einer digitalen Zukunft der Mittelwelle.“
| ©
Dr. Hansjörg Biener 0103
jüngste Bearbeitung 1002 Eingangsseite |
Portraits:
AM-Rundfunksender in Mitteleuropa
Portraits: deutschsprachige Auslandsdienste Nachrichten: allgemeiner Auslandsfunk Nachrichten: religiöse Sender |