| Wien-Bisamberg 1476 kHz |
Radiogeschichte
am Bisamberg
Am 28. Mai 1933 ging knapp nördlich
der Wiener Stadtgrenze auf dem Bisamberg (359 m) der erste 100-kW-Großsender
Österreichs in Betrieb. Für eine bessere Versorgung Österreichs
wurde eine Zwei-Mast-Anlage gebaut, die in westliche Richtung abstrahlte.
115 m vom 130 m hohen Sendemast entfernt wurde ein baugleicher Reflektormast
errichtet.
Am 13. April 1945 sprengten abziehende
SS-Truppen die Sendeanlage. Das Sendergebäude und die Antennen wurden
dabei zerstört. Nur die Dieselgeneratoren für die autarke Stromversorgung
blieben unbeschädigt, weil Mitarbeitende des Senders im letzten Moment
die Zündschnüre trennten.
1950 ging auf dem Bisamberg wieder ein
Sender mit 35 kW Leistung in Betrieb. Am 17. August 1959 konnten vier 120-kW-Sender
in Betrieb genommen werden. Die Trägerleistung kann bis auf 60 kW
heruntergefahren werden, was heute, aber nicht damals Bedeutung hatte.
Immer zwei Sender wurden zu 240 kW gekoppelt und auf den Mittelwellen 585
und 1476 kHz eingesetzt. Die früher für 585 kHz genutzten Sender
sind heute stillgelegt und dienen als Ersatzteillager.
Um im Wettbewerb der Sendestärken
nicht unterzugehen, wurde am 1. Mai 1975 ein 600-kW-Sender in Betrieb genommen.
Dieser Sender konnte sowohl auf 585 und 1476 kHz eingesetzt und auch mit
halber Leistung betrieben werden.
Das vorläufige
Sendeende
Mit der flächendeckenden Verbreitung
von UKW-Programmen und ihrer überlegenen Klangqualität nahm die
Bedeutung der Mittelwellenversorgung ab. In den 90er Jahren wurden immer
mehr Mittelwellen abgeschaltet. Als letzter aktiver Sender verstummte zum
1. Januar 1995 die Mittelwelle Bisamberg 1476 kHz.
Radio 1476
Nach zwei Jahren Sendepause ging die Mittelwelle
Wien-Bisamberg 1476 kHz am 18. März 1997 wieder auf Sendung. Nach
Tests mit dem Kulturprogramm Ö-1 begann am 21. März 1997 ein
Mischprogramm in Verantwortung des ORF, das abends mit 60 kW ausgestrahlt
wurde. Radio 1476 ist nach eigenen Angaben "zu einem inzwischen nachgewiesen
erfolgreichen Experimentierfeld für Radiomacher geworden". So gab
es bereits zweimal den Andreas-Reischek-Preis, den Mitteleuropa-Preis sowie
eine lobende Erwähnung beim Prix Europa in Berlin.
Beteiligt an Radio 1476 waren zum Beispiel
die Wien Weite Welle (Internet), Uniradio (publizistisches Institut der
Universität Wien), Freak Radio, das Institut für Technikfolgenabschätzung,
Radio Schöpfwerk, die Tribüne Afrikas, das Polycollege Stöbergasse
(Volkshochschule), Radiotheater, das Romano Centro (Roma und Sinti), Verein
Freies Radio Wien und die Europäische Journalismus Akademie. Der ORF
steuerte Sendungen aus seinen Inlandsprogrammen und von Radio Österreich
International bei.
1999 Sonderprogramm
Nachbar in Not
Wegen der Balkankrise sendete der ORF
vom 26. April bis 31. Oktober 1999 statt Radio 1476 das Sonderprogramm
Nachbar in Not. Die Schwerpunkte für das Sonderprogramm waren: 1.
Stunde Nachrichten, 2. Stunde humanitäre Hilfe, 3. Stunde Presse,
4. Stunde Gast, 5. Stunde Zusammenfassung.
Das Sonderprogramm zur Kosovo-Krise kam
auf der Mittelwelle 1467 kHz und Kurzwelle 5945 kHz. Am 3. Mai 1999 wurde
sogar am Bisamberg dafür sogar der 600-kW-Sender wieder in Betrieb
genommen. Nach Angaben der Sendetechniker war es gar nicht so leicht, den
Sender wieder zum Leben zu erwecken.
2001 große
Programmreform
Mit dem Beginn der Winterzeit hat der
ORF hat sein multikultuelles Programm Radio 1476 (http://1476.orf.at/)
auf der gleichnamigen Mittelwelle neu strukturiert. Der "donaudialog",
der sich auf Mittel- und Südosteuropa bezieht und die Stadt Wien als
ein europäischen Kommunikationsknotenpunkt positionieren soll, wird
seit dem 28. Oktober 2000 täglich 21.30 bis 23.00 Uhr MEZ ausgestrahlt.
Zusätzlich wird der "donaudialog" abends 22.05-23.00 Uhr MEZ auch
auf der Kurzwelle 5945 kHz von Radio Österreich International übertragen.
Als "klares Statement für die Verständigung
zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen" will man auch die Ausweitung
der "Tribüne Afrikas" (AT-1160 Wien, Heigerleinstrasse 7, Tel/Fax
+43-(0)1- 49 44 033, e-mail: radio.afrikas@sil.at, http://africa.sil.at/)
verstanden wissen. Die österreichisch-afrikanischen Sendungen sind
jetzt täglich außer sonntags 23.00-24.00 Uhr MEZ zu hören,
außerdem mehrere Stunden auf Kurzwelle.
Ein von Schülern und Schülerinnen
gemachtes Radioprogramm ist künftig an jedem Wochentag vertreten,
ein Studentenradio einmal pro Woche. Wöchentlich kommen das deutsch-tschechische
Radioprogramm von GymRadio Hollabrunn, der Slowenisch-Sprachkurs von Radio
Agora, Sendungen des Polycollege, eine Esperanto-Sendung sowie "Freak-Radio",
das von Behinderten und Nicht-Behinderten produziert wird.
Österreich: Die Sendungen des Österreichischen
Rundfunks (ORF) auf Mittel- und Kurzwelle stehen offenbar zur Disposition.
Die Wiener Zeitung „Der Standard“ zitiert hierzu den ORF-Stiftungsratsvorsitzenden
Klaus Pekarek mit der Formulierung, diese Dienste sollen „überprüft“
werden. Hintergrund sind Forderungen nach Einsparungen, die der österreichische
Rechnungshof an den ORF gerichtet hat. Zu den Maßnahmen, die dafür
im Gespräch sind, gehören ein möglicher Verzicht auf übermäßig
kostspielige Fernsehrechte für Spielfilme und Sport, der Abbau von
250 Arbeitsplätzen sowie Ausgliederungen, die unter anderem das Sinfonieorchester
und technische Bereiche des ORF betreffen könnten. Seine Sendetechnik
hatte der ORF bereits 2004 in eine Tochterfirma überführt.
Diskussionen über eine mögliche
Abschaltung gab es bislang nur bei den Ausstrahlungen auf Kurzwelle; im
Juli 2007 ließ der ORF hierzu einen Sprecher formulieren, ihre Einstellung
sei „aktuell kein Plan der Geschäftsführung“. Übertragen
wird auf Kurzwelle das um wenige Sonderbeiträge ergänzte Programm
Österreich 1, seit Radio Österreich International Ende Juni 2003
geschlossen wurde.
Seine Mittelwellensender hatte der ORF
zum Jahresende 1994 bereits stillgelegt. Im März 1997 ging die Frequenz
1476 kHz für völlig neue Angebote wieder in Betrieb. Ausgestrahlt
werden hier unter dem Titel „Radio 1476“ unter anderem Produktionen verschiedener
Schüler- und Studentengruppen, fremdsprachige Beiträge sowie
das Projekt Radio Afrika International, das seit der Abwicklung von Radio
Österreich International nicht mehr über Kurzwelle nach Afrika
selbst gesendet werden kann. Hinzu kamen zeitweise besondere Programme
für den Balkan, wofür während des Kosovokriegs 1999 nochmals
ein 600 kW starker Großsender eingeschaltet wurde. Heute laufen die
Ausstrahlungen auf 1476 kHz über einen modernen Halbleitersender,
wobei aus Kostengründen die Sendezeit auf 18.00-00.08 Uhr Ortszeit
und die Leistung auf 60 kW beschränkt bleiben. (Kai Ludwig Radio-News
RBB 16.6.2008)
Österreich: Der ORF stellt, wohl zum
Jahresende, die Mittelwellensendungenvon Radio 1476 (ORF - Radio 1476,
Argentinierstr. 30a, A-1040 Wien, http://1476.orf.at/) ein. Nach dem regulären
Sendeende für ein ORF-Hauptprogramm wurde die Mittelwelle für
Spezialprogramme eingesetzt. Gegenwärtig sendet der ORF auf Mittelwelle
18.00-00.08 (Sa So 0.05) Uhr Ortszeit das Programm „Radio 1476“, das neben
Übernahmen von Österreich 1 und den Volksgruppensendungen des
ORF auch Produktionen von Schüler- und Studentengruppen sowie der
Initiative Radio Afrika International beinhaltet. Diese Sendungen werden
in Zukunft nur noch über das Internet angeboten, wobei ein weiterer
Ausbau möglich wäre.
Wie der Senderbetreiber ORS dem Vorsitzenden
des österreichischen Hörerverbandes ADXB-OE, Harals Süss,
mitteilte, wird die Sendeanlage auf dem Bisamberg allerdings zunächst
nur verkleinert. Der erneuerungsbedürftige Nordmast für 585 kHz,
der mit 265 Metern das höchste Bauwerk von Österreich darstellt,
wird abgebaut. Die Sendeanlage für 1476 kHz wird zunächst vorgehalten,
falls ein anderer Nutzer die Welle belegen will. (Kai Ludwig 6.12.2008
via Gl. Hauser DXLD und Wg. Büschel BCDX, Kai Ludwig RBB-Radionews
14.12.2008)
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