© Dr. Hj. Biener
Außer einheimischen Stationen bemühen sich gut 40 internationale Rundfunksender um eine deutschsprachige Hörerschaft. So hat man oft das Ohr am Pulsschlag der Welt, auch wenn man nicht Englisch, Französisch oder eine andere Weltsprache spricht. Über aktuelle Entwicklungen berichten neben Hobbyfachzeitschriften verschiedene Mailinglisten und Homepages. Aktuelle Meldungen von Dr. Hansjörg Biener finden sich bei  www.kwrs.de bzw. werden über die e-Group Medien aktuell: Weltempfang verschickt.

Mühlacker 6030 kHz
 
Der SWR-Stützpunkt Mühlacker (Senderstraße 70, D-75417 Mühlacker, Fax 07041- 85299) ist durch die Antennenmasten schon von weitem zu erkennen und über die Bundesstraße 10 leicht zu erreichen. Wer dann am Vorwegweiser »Wohngebiet Senderhöhe« abbiegt, befindet sich bereits in der »Senderstraße«. Auf dem Sendergelände selber leben sechs Familien, mit gewissen Einschränkungen, denn die allgegenwärtige Hochspannung macht Unwetter im Umfeld zum Abenteuer. 33000 qm sind umzäunt und gesichert, aber auch Gelände außerhalb gehört dem Südwestrundfunk.

Anfahrt zur Illinger Höhe

1947 Beginn der Kurzwellensendungen
Mühlacker war schon ein traditionsreicher Standort, als am 14. September 1947 der erste Kurzwellensender seine Sendungen auf nahm. Er übertrug 11.30-14.30 und 16.30-23.30 Uhr Ortszeit auf 6160 kHz Radio Stuttgart, das Programm der US-amerikanischen Militärregierung, das vom selben Standort auf Mittelwelle ausgestrahlt wurde.

Die Zeit der Eigenbauten
Der Kurzwellensender war ein Eigenbau in sechs Stufen und wurde in den folgenden Jahren immer wieder umgebaut und verstärkt. Als Antenne diente 1947-1949 ein Horizontaldipol, der zwischen einem 16 m hohen Holzmast und einem Mast der AFN-Mittelwelle gespannt war.
Am 28. März 1948 wurde der Kurzwellensender durch eine zusätzliche Endstufe auf 10 kW verstärkt. Gleichzeitig erweiterte man die Antenne zu einer Drei-Element-Richtantenne mit Hauptstrahlrichtung 37°, also Richtung Sowjetzone. Wie andere Sender in Westdeutschland wollte man der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR Programmalternativen bieten.

Am 16. Februar 1949 wechselte Radio Stuttgart auf die Traditionsfrequenz 6030 kHz. Anfangs wurde nur zehn Stunden am Tag gesendet. Vom 4. Juni 1951 an arbeitete der Kurzwellensender ganztags. Eine weitere Senderverstärkung verdoppelte die Leistung am 24. Juni 1952 auf 20 kW. 1954 wurde eine zweite Drei-Element-Richtantenne aufgebaut. Sie hatte den gleichen mechanischen und elektrischen Aufbau wie die erste Antenne, doch nun war die Hauptsenderichtung Südeuropa. Statt der DDR waren ihre Zielgebiete also die wichtigsten Urlaubsländer des Wirtschaftswunderlandes. Diese Antenne wurde 1969 wieder abgebaut. Ab dem 4. Oktober 1967 bestand die Kurzwellenantenne nur noch aus einem Horizontaldipol mit den Hauptsenderichtungen Nord und Süd.

Mit dieser inzwischen historischen QSL-Karte bestätigte der damalige Betreiber der Kurzwelle Mühlacker 6030 kHz einen korrekten Empfangsbericht.

1997 neuer Kurzwellensender
In den sechziger und siebziger Jahren veränderte und vereinfachte man mehrfach den Aufbau des Senders. In den neunziger Jahren war die Zeit der Eigenbauten  vorbei. Der 20 kW-Sender wurde durch einen Halbleitersender der kroatischen Firma RIZ Zagreb ersetzt und dient nur noch als Reservesender. Am Markt war 1997 nur RIZ in der Lage, einen 20 kW-Sender zu liefern. Alle anderen Anbieter hatten nur entweder 10 oder 100 kW-Typen im Angebot. Der RIZ-Sender wird durch Prozessoren gesteuert und hat nur noch eine einzige Endstufenröhre. Spötter bezeichneten ihn deshalb als »Computer mit Röhre«. Ab Februar 1998 war er 6.00-0.05 Uhr Ortszeit im Betrieb und erwies sich als problemloses Gerät. Der Sender trägt die Seriennummer 101, war also der erste Sender dieser Bauart, der bei einem Kunden stand.

Das Programm
Die Kurzwelle 6030 kHz brachte traditionell das erste Programm des Süddeutschen Rundfunks. Dank der Kurzwelle war es tagsüber in weiten Teilen Europas, insbesondere Nord- und Südeuropa, bis hin nach Afrika zu hören. Während der Nachtstunden war der Empfang aber durch Sender, die auf dem gleichen oder benachbarten Kanälen arbeiten, beeinträchtigt. Im Gegensatz zu den Registrierungen der Auslandsdienste erhielten die ARD-Heimatsender bei den Frequenzkonferenzen keinen Störabstands-Schutz.
Ab dem 20. Juli 1985 experimentierte der Südfunk mit der Programmstruktur auf 6030 kHz und präsentierte eine Auswahl von Sendungen aller drei Hauptprogramme. Nach der Fusion von SDR und SWF kam auf 6030 kHz das Programm SWR-3 Metro Stuttgart.

2004 Sendeende auf Kurzwelle
Am 19. Oktober 2004 schaltete der SWR seine Kurzwellen ab. Der Schritt wurde mit den finanziellen Einsparungen und den nunmehr bestehenden Alternativen begründet. Die Programme SWR 3 und Cont.Ra, die bisher auf 6030 bzw. 7265 kHz verbreitet wurden, seien außerhalb des Sendegebietes des SWR weiter europaweit über Satellit ASTRA und ADR empfangbar, ab Mitte 2005 auch im DVB-S Modus über den geplanten Hörfunktransponder der ARD. Außerdem stünden beide Programme im Internet als Livestream (www.swr3.de bzw. www.swr.de/contra) zur Verfügung.
Während der Rohrdorfer Kurzwellensender im Herbst 2005 nach Madagaskar verkauft wurde, war die Zukunft des Kurzwellensenders von Mühlacker noch offen. Offensichtlich war man aber der Meinung, dass auch
dieser Sender zu schade für den Schrottplatz ist.

Der 1997 bis 2004 auf 6030 kHz eingesetzte Kurzwellensender des Südwestrundfunks ist bei einem Betriebsversuch irreparabel beschädigt worden. Dies ergab ein Besuch von Wolfgang Büschel in Mühlacker. Der von RIZ Zagreb gelieferte Sender wurde 2004 im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen abgeschaltet. Zuvor hatte er absolut verlässlich 5.00-23.00 Uhr seinen Dienst getan. Es wurde überlegt, den Sender aufgrund seiner wenigen Betriebsjahre in die dritte Welt abzugeben, doch kam das Projekt aus welchen Gründen auch immer nicht voran. Nach drei Jahren Stillstand war er dann nicht mehr betriebsfähig. (Wolfgang Büschel 27.4.2010)
 
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