Mühlacker
6030 kHz
| Der SWR-Stützpunkt Mühlacker (Senderstraße 70, D-75417 Mühlacker, Fax 07041- 85299) ist durch die Antennenmasten schon von weitem zu erkennen und über die Bundesstraße 10 leicht zu erreichen. Wer dann am Vorwegweiser »Wohngebiet Senderhöhe« abbiegt, befindet sich bereits in der »Senderstraße«. Auf dem Sendergelände selber leben sechs Familien, mit gewissen Einschränkungen, denn die allgegenwärtige Hochspannung macht Unwetter im Umfeld zum Abenteuer. 33000 qm sind umzäunt und gesichert, aber auch Gelände außerhalb gehört dem Südwestrundfunk. |
Anfahrt zur Illinger Höhe |
1947 Beginn der Kurzwellensendungen
Mühlacker war schon ein traditionsreicher
Standort, als am 14. September 1947 der erste Kurzwellensender seine Sendungen
auf nahm. Er übertrug 11.30-14.30 und 16.30-23.30 Uhr Ortszeit auf
6160 kHz Radio Stuttgart, das Programm der US-amerikanischen Militärregierung,
das vom selben Standort auf Mittelwelle ausgestrahlt wurde.
Die Zeit der Eigenbauten
Der Kurzwellensender war ein Eigenbau
in sechs Stufen und wurde in den folgenden Jahren immer wieder umgebaut
und verstärkt. Als Antenne diente 1947-1949 ein Horizontaldipol, der
zwischen einem 16 m hohen Holzmast und einem Mast der AFN-Mittelwelle gespannt
war.
Am 28. März 1948 wurde der Kurzwellensender
durch eine zusätzliche Endstufe auf 10 kW verstärkt. Gleichzeitig
erweiterte man die Antenne zu einer Drei-Element-Richtantenne mit Hauptstrahlrichtung
37°, also Richtung Sowjetzone. Wie andere Sender in Westdeutschland
wollte man der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR Programmalternativen
bieten.
Am 16. Februar 1949 wechselte Radio Stuttgart auf die Traditionsfrequenz 6030 kHz. Anfangs wurde nur zehn Stunden am Tag gesendet. Vom 4. Juni 1951 an arbeitete der Kurzwellensender ganztags. Eine weitere Senderverstärkung verdoppelte die Leistung am 24. Juni 1952 auf 20 kW. 1954 wurde eine zweite Drei-Element-Richtantenne aufgebaut. Sie hatte den gleichen mechanischen und elektrischen Aufbau wie die erste Antenne, doch nun war die Hauptsenderichtung Südeuropa. Statt der DDR waren ihre Zielgebiete also die wichtigsten Urlaubsländer des Wirtschaftswunderlandes. Diese Antenne wurde 1969 wieder abgebaut. Ab dem 4. Oktober 1967 bestand die Kurzwellenantenne nur noch aus einem Horizontaldipol mit den Hauptsenderichtungen Nord und Süd.

1997 neuer Kurzwellensender
In den sechziger und siebziger Jahren
veränderte und vereinfachte man mehrfach den Aufbau des Senders. In
den neunziger Jahren war die Zeit der Eigenbauten vorbei. Der 20
kW-Sender wurde durch einen Halbleitersender der kroatischen Firma RIZ
Zagreb ersetzt und dient nur noch als Reservesender. Am Markt war 1997
nur RIZ in der Lage, einen 20 kW-Sender zu liefern. Alle anderen Anbieter
hatten nur entweder 10 oder 100 kW-Typen im Angebot. Der RIZ-Sender wird
durch Prozessoren gesteuert und hat nur noch eine einzige Endstufenröhre.
Spötter bezeichneten ihn deshalb als »Computer mit Röhre«.
Ab Februar 1998 war er 6.00-0.05 Uhr Ortszeit im Betrieb und erwies sich
als problemloses Gerät. Der Sender trägt die Seriennummer 101,
war also der erste Sender dieser Bauart, der bei einem Kunden stand.
Das Programm
Die Kurzwelle 6030 kHz brachte traditionell
das erste Programm des Süddeutschen Rundfunks. Dank der Kurzwelle
war es tagsüber in weiten Teilen Europas, insbesondere Nord- und Südeuropa,
bis hin nach Afrika zu hören. Während der Nachtstunden war der
Empfang aber durch Sender, die auf dem gleichen oder benachbarten Kanälen
arbeiten, beeinträchtigt. Im Gegensatz zu den Registrierungen der
Auslandsdienste erhielten die ARD-Heimatsender bei den Frequenzkonferenzen
keinen Störabstands-Schutz.
Ab dem 20. Juli 1985 experimentierte der
Südfunk mit der Programmstruktur auf 6030 kHz und präsentierte
eine Auswahl von Sendungen aller drei Hauptprogramme. Nach der Fusion von
SDR und SWF kam auf 6030 kHz das Programm SWR-3 Metro Stuttgart.
2004 Sendeende auf Kurzwelle
Am 19. Oktober 2004 schaltete der SWR
seine Kurzwellen ab. Der Schritt wurde mit den finanziellen Einsparungen
und den nunmehr bestehenden Alternativen begründet. Die Programme
SWR 3 und Cont.Ra, die bisher auf 6030 bzw. 7265 kHz verbreitet wurden,
seien außerhalb des Sendegebietes des SWR weiter europaweit über
Satellit ASTRA und ADR empfangbar, ab Mitte 2005 auch im DVB-S Modus über
den geplanten Hörfunktransponder der ARD. Außerdem stünden
beide Programme im Internet als Livestream (www.swr3.de bzw. www.swr.de/contra)
zur Verfügung.
Während der Rohrdorfer Kurzwellensender
im Herbst 2005 nach Madagaskar verkauft wurde, war die Zukunft des Kurzwellensenders
von Mühlacker noch offen. Offensichtlich war man aber der Meinung,
dass auch
dieser Sender zu schade für den Schrottplatz
ist.
Der 1997 bis 2004 auf 6030 kHz eingesetzte
Kurzwellensender des Südwestrundfunks ist bei einem Betriebsversuch
irreparabel beschädigt worden. Dies ergab ein Besuch von Wolfgang
Büschel in Mühlacker. Der von RIZ Zagreb gelieferte Sender wurde
2004 im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen abgeschaltet. Zuvor hatte
er absolut verlässlich 5.00-23.00 Uhr seinen Dienst getan. Es wurde
überlegt, den Sender aufgrund seiner wenigen Betriebsjahre in die
dritte Welt abzugeben, doch kam das Projekt aus welchen Gründen auch
immer nicht voran. Nach drei Jahren Stillstand war er dann nicht mehr betriebsfähig.
(Wolfgang Büschel 27.4.2010)
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