© Dr. Hj. Biener
Ismaning 6085 kHz

Die Geschichte des Standorts Ismaning beginnt am 3. Dezember 1932 mit einem 60 kW- Mittelwellensender. Aber auch Kurzwellensender fanden dort ihre Heimat. Die Amerikaner kannten den Wert der deutschen Sendeanlagen und haben die sofortige Sicherung betrieben.

Ab 1. März 1946 brachte ein Kurzwellensender 6320 kHz das Programm von Radio München, dem Sender der US-amerikanischen Besatzung in Bayern. Er stand auf dem Gelände des späteren Fernsehstudios Freimann, wo sich eine Sendestelle der Reichsflugsicherung befand. Im Februar 1948 wurde er auf das Gelände des Großrundfunksenders Ismaning verlegt. Zugleich wurde die Frequenz auf 6160 kHz geändert.

Ismaning

Jeweils im Sommer 2000 und 2001 öffnete der BR seine Großsendeanlage für einen Tag der Offenen Tür.
Die Anfahrt nach Ismaning wird eigentlich erst nach der A9-Abfahrt Garching zum Geduldspiel, wenn man nämlich auf der B-388 Richtung Moosinning fährt und die Sendetürme schon immer sieht und nur auf die Abfahrt zum »Großsender« wartet.

Antennenwald in Ismaning auf einer QSL-Karte des Bayerischen Rundfunks 1999. Nach Angaben von 1999 bekommt der Bayerische Rundfunk für seine Kurzwellensendungen jährlich etwa 600 Empfangsberichte aus aller Welt.

Als Radio München am 25. Januar 1949 in deutsche Hände überging, kam auch der Kurzwellensender in deutschen Besitz. Man schaltete ihm neue Endstufen nach und erhöhte so die Leistung auf 10 kW. Am 23. Mai 1949 wurde er offiziell für das Programm des Bayerischen Rundfunks in Betrieb genommen. Am 3. April 1958 erfolgte die Umstellung auf die heutige Hausfrequenz 6085 kHz. Nach mehr als zehnjähriger Betriebszeit wurde der Sender am 24. November 1960 durch einen weiteren Eigenbau ersetzt, der heute als Reservesender dient.
Die Genfer Funkverwaltungskonferenz von 1975 sorgte beim Bayerischen Rundfunk für neues Interesse an der Kurzwelle. Durch den dort beschlossenen Wellenplan für Lang- und Mittelwelle verlor der Bayerische Rundfunk im November 1978 die für den nächtlichen Fernempfang besonders geeignete Mittelwelle 1602 kHz. Der Bayerische Rundfunk reagierte mit Investitionen in die Kurzwelle. Zunächst mietete man einen Sender der benachbarten VoA-Relaisstation an. 1983 bekam Ismaning einen 500-kW-Sender, der aber leistungsreduziert mit 100 kW sendet. Spötter  brachten die Leistungserhöhungen mit der Afrika-Liebe von Franz Josef Strauß in Verbindung. Der langjährige CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident reiste regelmäßig zu politischen Besuchen in afrikanische Länder. So habe der Bayer nie auf seinen Haussender verzichten müssen.
Die Geschichte der Kurzwellenantennen ist noch vielfältiger als die Sendergeschichte. 1984 wurde an drei Masten die heutige, 500 kW-taugliche Antenne errichtet. Ursprünglich hatte sie je zwei in 30 und 55 m Höhe angebrachte Dipole im 90°-Winkel. Jeder Dipol wurde einzeln gespeist, so dass durch Phasenverschiebungen verschiedene Richtcharakteristiken möglich waren. In den 90er Jahren gab man das Experimentieren auf und baute auch eine Dipolreihe ab.

Traditionell wurde auf der Kurzwelle das Hauptprogramm Bayern 1 ausgestrahlt. Jahrelang wurde es durch Übernahmen aus anderen BR- Programmen ergänzt, so Bayern 3 ab 1970 und B 5-aktuell ab 1992. Seit 1. Juli 1999 jedoch bringt die Kurzwelle des BR hauptsächlich B 5, worin dann Programme von Bayern 2 Radio und Bayern 1 eingebracht wurden. Ab 2003 kam dann ganz B5 aktuell.

Im BR - Bayerischer Rundfunk - Senderverzeichnis 2003/2004 steht der Kurzwellensender Ismaning als Titelbild im Vordergrund; eine große Detailaufnahme eines Reusen-Ausschnitts der Kurzwellenantenne. Der Text dazu klingt eher nach klassischer Kurzwelle wie z. B. Versorgung der Strände rund ums Mittelmeer, Empfangsberichte aus aller Welt. DRM wird im Dokument nicht erwähnt . In der letzten Ausgabe (09/2002) war hier noch von Einstellung und späterer Wiederaufnahme mit Option DRM die Rede. (www.br-online.de/br-intern/technik/sv_2004.pdf)

Übergang zu Digital Radio Mondiale
Der Bayerische Rundfunk bereitet seine Kurzwelle Ismaning 6085 kHz auf digitale Sendungen vor. Entsprechende Testsendungen wurden beispielsweise am 17. und 23. Februar ausgestrahlt. Der BR wird voraussichtlich am 2. Mai 2005 seinen Sendebetrieb auf DRM umstellen. Grund für die Verzögerung ist ein weiterer Umbau am Sender (Trägerunterdrückung).
Der Bayerische Rundfunk sendet seit dem 2. Mai 2005 auf 6085 kHz in digitaler Kurzwelle. Die Sendezeit bleibt 06.00-00.05 Uhr ME(S)Z. (www.br-online.de/news/bayerntext/live-daten/464_08.html) Als Sendeleistung werden 10 kW genannt (www.br-online.de/br-intern/thema/rundfunktechnik/2-3-radio-kurzwelle.xml). Das erscheint aber bei einem abgespeckten 500 kW-Sender nicht sehr effizient, so dass DXer eher von 40 bis 50 kW sprechen, zumal ja auf 6095 kHz Radio Luxemburg in DRM sendet.

Der Umbau des Senders Ismaning 6085 kHz ist weitgehend abgeschlossen. Bayern 5 kommt hier künftig in reinem DRM, ohne Träger. Die DRM-Sendeleistung beträgt 50 kW. (Klaus Schneider 24.6.) Kurzwellenhörer beklagen eine Beinträchtigung des Bereichs von 6075 bis 6105 kHz, da neben dem BR 6085 kHz auch RTL 6095 kHz in DRM sendet, das von bisherigen Radiogeräten nicht verarbeitet werden kann. (N. R. Green 29.6.2005 via Wg. Büschel BCDX)



"Per Zufall bin ich über Ihre Internetseite und die sehr schönen Senderportrais gestolpert. Man erkennt, daß sie mit viel Fach- und Hintergrundwissen erstellt wurden. Herzlichen Glückwunsch dazu! (...) Es ist immer schön, wenn man sich unter dem Senderstandort auch etwas vorstellen kann, und man nicht nur die trockenen technischen Daten vor sich hat." (Stefan Teuscher Bayerischer Rundfunk Abt. Rundfunkvertriebsentwicklung, 14.9.2001)
 
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