© Dr. Hj. Biener
Schweizer Radio International

Schweizer Radio International hat seine Sendungen aufgeben. Aber auch so schon ist diese Grußkarte von 1978 zur Bedankung für Empfangsberichte "historisch".

 

Zur Geschichte

Die ersten Rundfunksender der Schweiz standen 1922 in Lausanne, 1924 in Zürich, 1925 in Genf und in Bern. In den dreißiger Jahren begann das Schweizer Radio einen internationalen Programmaustausch im Dienst der Landeswerbung. 1935 sendete die Radio Schweiz AG über den 20-kW-Kurzwellensender des Völkerbundes, der 1932 in Prangins eingerichtet worden war. Ausgestrahlt wurden damals Sendungen in Deutsch, Französisch und Italienisch aus dem Inlandsdienst.

Am 27. April 1938 stimmte das Schweizer Parlament dem Bau des ersten Kurzwellenzentrums in Schwarzenburg zu. Nach dem Weltkrieg folgten weitere Standorte in anderen Regionen der Schweiz. Auch wenn Rätoromanisch erst 1971 ins Programm kam, war der Schweizer Auslandsfunk doch zur Mehrsprachigkeit prädestiniert. Nach den inländischen Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch folgten bald weitere Sprachdienste.

In den besten Zeiten standen dem Auslandsdienst in Schwarzenburg sechs Sender mit 100 oder 250 kW für den Überseedienst zur Verfügung und in Sottens ein 500-kW-Sender mit Drehstandantenne. Weitere 250- kW-Sender standen in Beromünster, Lenk und Sarnen, wobei die beiden letztgenannten Standorte vor allem für Sendungen nach Europa eingesetzt wurden. Mit dem gestiegenen Umweltbewußtsein nahm  freilich die Akzeptanz leistungsstarker Kurzwellensender ab, und deshalb machte man sich auf die Suche nach Ersatzstandorten. Vergeblich. Die logische Konsequenz war zunächst die Nutzung von Standorten in Übersee. Im Inland wurden bis 1998 die Standorte Beromünster, Sarnen, Schwarzenburg und Lenk aufgegeben. Den Weg zum Satellitenrundfunk machte 1991 ein Rundfunkgesetz frei, das die Beschränkung von »Schweizer Radio International« auf die Kurzwelle aufhob. Und schließlich engagierte man sich im Internet, in dem nun die neue Zukunft gesehen wird.

Am 3. März 2001 wurde die Abwicklung von Schweizer Radio International als Radiostation bekanntgegeben. Für die Entscheidung werden drei Gründe geltend gemacht: (1) In Europa, wo der größte Teil der Auslandsschweizer und -schweizerinnen lebt, sei es ein Leichtes, durch Rundfunk, Fernsehen, Satellit und andere Medien mit der Schweiz in Kontakt zu bleiben. (2) Weltweit ist das Internet auf dem Vormarsch. (3) Die begrenzten finanziellen Möglichkeiten machten eine Prioritätensetzung nötig, und bei der Kosten-Nutzen-Analyse erscheinen Kurzwellensendungen zu teuer. Schon jetzt war nur noch ein Sender in Sottens in Betrieb, während man sonst Standorte im Ausland anmietet.
In drei Jahren sollte schrittweise der Kurzwellendienst ab- und die Multimediaplattform www.swissinfo.org ausgebaut werden. Sie bot 2001 Informationen in acht Sprachen. Als jüngstes Angebot startete am 1. Februar 2001 Arabisch.

Am Ostermontag, 12. April 2004, wurden letztmals Sendungen in Englisch ausgestrahlt, nachdem deren Redakteure zu den 26 Mitarbeitern gehören, die bereits entlassen wurden. In den letzten Programmen wurden nochmals Archivaufnahmen vorgestellt, die Höhepunkte der 1941 ins Leben gerufenen englischen Sendungen des damaligen Schweizer Kurzwellendienstes dokumentieren. Vom 13. April bis zur endgültigen Einstellung des Sendebetriebs am 31. Oktober 2004 wurden die vakanten Sendeplätze mit Musik gefüllt.

Der Schweizer Auslandssender stellt am 30. Oktober nach 70 Jahren seinen Radiodienst auf Kurzwelle und Satellit ein. Auslandsschweizer und andere am Land Interessierte können sich dann nur noch durch andere Anbieter oder im Internet über das Land informieren. Beim im März 1999 gestarteten Nachfolgemedium www.swissinfo.org findet sich ein Angebot in neun Sprachen: Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch. Insgesamt arbeiten rund 200 Mitarbeiter aus 24 Nationen bei swissinfo.  Unklar ist die Zukunft des letzten aktiven Kurzwellensenders auf Schweizer Boden. Bislang wird erwartet, dass der Sender in Sottens nach der Einstellung von SRI am 31. Oktober 2004 demontiert wird.
 
Schwarzenburg

Am März 1998 gab Schweizer Radio International den Standort Schwarzenburg auf und beendete damit fast 60 Jahre Rundfunkgeschichte am Standort. Vor allem aber ging ein Jahrzehnt der Querelen zu Ende. Mit dem Sendeende wicht man dem innenpolitischen Druck, nachdem jetzt von der Bevölkerung vor Ort auch Krebs auf den Elektrosmog der Sender zurückgeführt wurde. 

 

Am 27.4.1938 stimmte das Schweizer Parlament dem Bau des ersten Kurzwellenzentrums in Schwarzenburg zu. Im Mai 1939 stand ein 25-kW-Sender zur Verfügung, aber wenig später hatte der Sender einen Defekt und brannte aus. So konnte Schwarzenburg erst 1940 den regelmäßigen Betrieb gewährleisten. 1946 wurden erstmals zwei 100-kW-Sender installiert. 
In den besten Zeiten hatte Schwarzenburg sechs Sender mit 100 oder 250 kW für den Überseedienst. Doch geriet der Standort in den 90er Jahren immer tiefer in ökologisch und weltanschaulich motivierte Konflikte. Anwohnende führten Tagebuch über Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Konzentrationsstörungen und andere Beschwerden, die sie dem Elektrosmog des Senders zuschrieben. Nach der vergeblichen Suche nach alternativen Standorten im Inland setzte der Schweizer Auslandsdienst in den folgenden Jahren immer mehr auf Satellitensendungen und, wo überhaupt nötig, auf Kurzwellensender im Ausland.  Im März 1998 gab Schweizer Radio International den Standort Schwarzenburg auf. 

Swissinfo, der 1999 gestartete Nachfolger des Kurzwellenprogramms im Internet wird weitgehend eingestellt. Dies gab die Leitung am 22. März 2005 den 120 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bekannt. Der Schnitt soll 16 Mio. SFR (13,6 Mio. Euro) einsparen, da die Regierung die Finanzierung von Swissinfo einstellt. Bisher gab es ein eigenständiges Angebot in Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch, Japanisch und Chinesisch. Davon soll nur Englisch bleiben, während Deutsch, Französisch und Italienisch
künftig im Rahmen der online-Angebote von den regionalen Inlandsdiensten mitbetreut werden. Damit werden achtzig Stellen wegfallen, die sozialverträglich durch neue Aufträge innerhalb des Schweizer Rundfunks oder durch Abfindungen abgebaut werden sollen. 2004 waren bereits 26 Stellen gestrichen worden. Ein genaues Datum für die neuen Streichungsmaßnahmen steht noch nicht fest. Die Gewerkschaft SSM hat entschiedenen Widerstand angekündigt, Protest kam auch vom Verband der Auslandsschweizer.
Ursprünglich galt die Internetpräsenz als der Zukunftsweg nach Ablösung der Kurzwellen- und Satellitensendungen von Swiss Radio International. Am 30. Oktober 2004 wurden nach siebzig Jahren die letzten Kurzwellensendungen eingestellt. Swissinfo brachte es auf bislang sechs.
(www.swissinfo.org/sde/swissinfo.html?siteSect=113&sid=5618285)
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letzte Bearbeitung 0504
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