Traditionsstandort der deutschen Sendergeschichte
Der Traditionsstandort Nauen, 40 km westlich von Berlin, ist seit 1906 mit der Entwicklung der drahtlosen Telegraphie verbunden. In diesem Jahr errichtete die Firma Telefunken 4,5 km nördlich der Stadt Nauen in einem Holzschuppen eine Versuchsstation. Am 19. August 1906 nahm Telefunken die Anlage in Betrieb. 1910 wurde aus der Versuchstation nahe der havelländischen Stadt eine Betriebstation. Ab dem 5. Januar 1917 bis zur Einstellung des Sendebetriebes "Fester Funk" am 22. April 1991 wurde zweimal täglich das Nauener Zeitzeichen gesendet. Es scheint aber, dass Rundfunksendungen erst nach dem Zweiten Weltkrieg ausgestrahlt wurden.
Radio Berlin International
Am 17. April 1945 wurde die Funkstation durch ein Bombenabwurf auf den Antennenwahlschalter betriebsunfähig. Die letzten Reste wurden 1945 von sowjetischen Truppen uerstört.
Ab 1955 wurde die Funkstation wieder aufgebaut. Ab 1958 war Nauen der Kurzwellenstandort für Radio Berlin International, den Auslandssender der DDR.
Am 2. Februar 1964 nahm ein 100 kW-Sender vom Funkwerk Koepenick den Betrieb über eine der modernsten dreh- und schwenkbaren Antennen der Welt auf. Sie war vom Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt entwickelt worden. Obwohl weitere Antennen geplant waren, blieb sie die einzige ihrer Art. 1994 generalüberholt konnte sie mit 250 kW auf Frequenzen zwischen 5,8 und 18,8 MHz in jeder gewünschte Richtung senden.
1972 bis 1981 wurde das Kurzwellenzentrum um drei 500-kW-Sender und 20 Vorhangantennen erweitert. (1972 Brown Boveri, 1978 und 1981 sowjetische Sender) Zu DDR-Zeiten konnten auch Westdeutsche von der Zuglinie Berlin-Hamburg noch einen Blick auf die riesigen Vorhangantennen erhaschen. Seit 1999 stehen diese nicht mehr, aber dafür gibt es in der Graf-Arco-Str. 154, Nauen, regelmäßig Tage der Offenen Tür. Mit den Sendeanlagen des westdeutschen Auslandsdienstes in Jülich und Wertachtal konnte der Ausbau aber nicht Schritt halten.
Standort für die Deutsche Welle...
Mit der deutsch-deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 wechselte der Besitzstand in die Deutsche Bundespost Telekom. Statt Radio Berlin International wurden nun die Auslandsprogramme der Deutschen Welle ausgestrahlt. Außerdem beinhaltete der Vertrag eine grundlegende Modernisierung des Standorts. Die Sendetechnik aus der Sowjetunion wurde durch vier neue 500-kW-Sender ersetzt, die jeweils fest mit einer drehbaren Antenne verbunden sind.
Ab 1995 wurden auf dem historischen Gelände Telefunken-Sender (S4105) und vier Alliss-Drehantennen der Firma Thomcast errichtet. Die Sender und Antennen sind dezentral als operative Einheit aufgebaut: Jeder Sender ist in dem Fundamentgebäude einer Drehantenne installiert. Gesteuert werden Sender und Antenne von einem im Leitplatz befindlichen Prozessrechner. Im historischen, seit 1981 unter Denkmalschutz stehenden Muthesius-Gebäude ist nur der Kontrollraum für den Betriebsablauf untergebracht, der große Sendersaal steht leer.
Ein 100 kW starker Sender des Funkwerks Köpenick blieb für die Deutsche Welle und Radio Nederland Wereldomroep noch bis Oktober 1998 im Einsatz. Bei Parallelbetrieb klang der Sender (auf 6140 kHz) trotz der gleichen Programmquelle weicher als die Telefunkensender.
Am 25. April 1997 nahm die Deutsche Telekom
in Nauen die nun modernste Kurzwellenstation Europas für täglich
39 Programmstunden der Deutschen Welle in Betrieb. Nachdem die alten 500-kW-Sender
schon länger stillgelegt waren, verstummte nun auch der 100-kW-Sender
aus DDR-Zeiten. Mittlerweile ist die dreh- und
schwenkbare RBI-Antenne seit Anfang 2006
mit einem aus Jülich umgesetzten Sender wieder in Betrieb. Darüber
laufen die DRM-Sendungen von RTL und außerhalb von deren Sendezeit
auch verschiedene
AM-Ausstrahlungen mit 100 kW. Die neueren
500 kW-Sender lassen sich nicht weiter als bis auf 125 kW zurücknehmen;
der Wirkungsgrad ist dabei wohl noch durchaus brauchbar, aber von vornherein
einen kleineren Sender zu nehmen ist trotzdem wirtschaftlicher.

Der Sendeplan der Deutschen Welle für
die Winterperiode ab dem 26.10.2003 verzeichnet für ihre Stammfrequenz
6075 kHz erstmals auch den Einsatz eines Senders in Nauen, und zwar in
den Zeiträumen 02.00-04.00 und 18.00-20.00 Uhr. Die Frequenz wird
für das deutsche Programm sonst rund um die Uhr aus dem Wertachtal
sowie 18.00-08.00 Uhr auch von der portugiesischen Sendestation Sines genutzt.
Mit Nauen ist damit zeitweise dann noch ein dritter Sender im Gleichwellenbetrieb
auf dieser Frequenz aktiv.
Insgesamt werden aus Nauen ab dem 26.10.2003
folgende Sendungen (MEZ) für die Deutsche Welle ausgestrahlt:
in Deutsch
03.00-05.00 6075 kHz
07.00-11.00 11795 kHz
07.00-23.00 9545 kHz
11.00-13.00 21840 kHz
13.00-15.00 13780 kHz
13.00-15.00 17650 kHz
15.00-17.00 15275 kHz
17.00-19.00 13780 kHz
19.00-21.00 6075 kHz
19.00-23.00 11795 kHz
Fremdsprachen
00.00-00.50 6090 kHz Chinesisch
03.00-05.00 5905 kHz Russisch
07.00-07.30 7195 kHz Bulgarisch
07.30-08.30 7195 kHz Albanisch, Bosnisch,
Serbisch
11.30-14.00 11970 kHz Bulgarisch, Rumänisch
15.00-16.00 17485 kHz Arabisch
16.30-17.00 9790 kHz Türkisch
17.00-17.30 9745 kHz Arabisch
19.00-20.00 7175 kHz Persisch
21.00-22.30 6130 9495 kHz Arabisch
22.00-22.15 7245 kHz Serbisch
... und für
andere Anbieter
Mit dem 28. Oktober 2001 nutzte die Deutsche
Telekom ihre neuen Kurzwellensender nördlich von Nauen erstmals auch
für Programme anderer Anbieter als der Deutschen Welle. Die Nauener
Sender wurden für Sendungen des religiösen Anbieters Trans World
Radio und den Oppositionssender Sagalee Bilisummaa Oromoo der Oromo-Befreiungsfront
ausgestrahlt, da die eigentlich zuständige Sendestation in Jülich
ausgelastet war.
2007 Sendeende
der Deutschen Welle aus Nauen
Die Deutsche Welle gab am 30. April 2007
die Nutzung von Nauen auf. Nauen war nach Königs Wusterhausen und
Leipzig-Wiederau (bis 1993), Jülich (bis 1996) und Wertachtal (bis
2006) der letzte Sendestandort der Deutschen Welle in Deutschland. Das
Sendeende zog aber keine tiefgreifenden Änderungen in den Sendeplänen
der anderen Kunden von T-Systems nach sich. Tatsächlich wird aktuell
vor allem der umgesetzte 100-kW-Sender an der alten dreh- und schwenkbare
RBI-Antenne eingesetzt, während die 500-kW-Sender erst einmal verstummt
sind. Dies dürfte nicht unbedingt so bleiben.
Mit dem Sendeende der Deutschen Welle
hat Nauen zum 1. Mai 2007 folgende Belegung:
01.00-05.00: 9925 (100 kW, 325°) Hrvatski
Radio
10.30-11.00: 7285 (100 kW, 100°) Polskie
Radio
12.00-13.00: 11850 (100 kW, 360°)
Polskie Radio in Englisch
14.01-14.16: 15205 (250 kW, 104°)
Di Do Pan American Bc.
14.01-14.16: 15205 (250 kW, 090°)
Sa Pan American Bc.
14.16-14.31: 15205 (100 kW, 090°)
Pan American Bc., So ab 14.01
14.31-14.46: 15205 (250 kW, 090°)
So Pan American Bc.
16.00-16.30: 13810 (100 kW, 145°)
Mo Mi Sa So Bible Voice Bc.
16.30-17.59: 13810 (100 kW, 145°)
Bible Voice Bc.
18.00-18.30: 13810 (100 kW, 145°)
Fr-So Bible Voice Bc.
18.30-19.00: 13810 (100 kW, 145°)
Fr+So Bible Voice Bc.
17.30-17.59: 15600 (125 kW, 145°)
IBRA Radio
19.00-21.00: 6175 (100 kW, 280°) The
Overcomer
Bemerkenswert ist die Frequenz für
Polskie Radio. Hier hätte nämlich im Sommerhalbjahr ab 25. März
2007 7140 kHz aus Pori eingesetzt werden sollen. Diese Planung wurde aber
offenbar nie realisiert. Gegenüber den Sendungen von Polskie Radio
aus Wertachtal gibt es eine Verzögerung, so dass offensichtlich verschiedene
Satellitenzuspielungen genutzt werden.
| ©
Dr. Hansjörg Biener 0309
jüngste Bearbeitung 0705 Eingangsseite |
AM-Rundfunksender
in Mitteleuropa
Auslandsdienste in deutscher Sprache Weitere internationale Sender Religiöse Sender und Sendungen |