© Dr. Hj. Biener
Wiederau

Nach der ersten Rundfunksendung aus Berlin am 29. Oktober 1923 schlug am 1. März 1924 die Geburtsstunde des zweiten deutschen Rundfunksenders in Leipzig. Trotz mehrerer Standortwechsel und Verstärkungen war der Empfang unbefriedigend und so entschloss man sich zum Bau eines Großsenders 20 km vor Leipzig.

Im September 1931 war der Baubeginn, am 28. Oktober 1932 wurde die Sendeanlage von der Firma Lorenz übergeben. Als damals größte Sendeanlage Deutschlands verfügte Wiederau über einen 100 kW-Sender und zwei 125 m hohe Antennentürme, die damals die größten Funktürme in Holzbauweise waren. Die Sendungen auf  770 kHz waren jedoch nur in einem 80 km-Umkreis wirklich gut zu empfangen, so dass es bald zu Umbauten kam. Die Antennentürme wurden nach einem Brand bereits 1935 durch einen 150 m-Mast ersetzt. Der Sender war bis 1963 in Betrieb.

1939 wurde eine zweite Sendeanlage mit 100-kW-Sender und Dreieckflächenantenne errichtet, die bis in die neunziger Jahre in Betrieb war. Von 1940 bis 1945 war Leipzig II der Muttersender für alle im Gleichwellenbetrieb angeschlossenen Sender.

Am 12. April 1945 verstummte die Sendeanlage, am 16. April besetzten US-amerikanische Soldaten das Sendegelände.
 
Wiederau auf Kurzwelle

Die Geschichte des Kurzwellenstandorts Wiederau beginnt in den vierziger Jahren. 1943 sollte hier ein 1942 von Telefunken und SFR Paris gebauter Kurzwellensender aufgestellt werden, der jedoch so nicht in Betrieb ging. Vielmehr diente die Sendeanlage bis 1945 Störsendungen gegen alliierte Flugzeuge.

Nach kurzer amerikanischer Besetzung übernahmen 1945 sowjetische Truppen den Standort. Wie es scheint, wurde der 50-kW-Sender dann in der Vor-DDR-Zeit 1947-1949 auf 9730 kHz eingesetzt.

Nach einer Erneuerung der Station strahlte sie ab Dezember 1953 in den fünfziger Jahren Radio DDR-1 aus und dann den Auslandsdienst Radio Berlin International für Europa: Sendungen in Deutsch, Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Alle Programme kamen auf der Festfrequenz 9730 kHz. In späteren Jahren wurde die Sendeanlage ausgebaut und für Sendungen der Stimme der DDR, von Radio Berlin International und Radio Moskau eingesetzt. Im Oktober 1969 begann das Funkwerk Berlin-Köpenick mit einer kompletten Überarbeitung der Anlage. Am 15. Juni 1972 wurde die Senderleistung auf 100 kW erhöht. Der alte 50-kW-Sender wurde am 15. Dezember 1985 außer Betrieb genommen. 

Mit der deutsch-deutschen Vereinigung und dem Ende von Radio Berlin International übernahm die Deutsche Welle zum 3. Oktober 1990 den Standort und setzte ihn noch einige Jahre ein. Am 14. Juni 1993 stellte die Kurzwellenstation Wiederaus die Sendungen für die Deutsche Welle ein.

Nach kurzer amerikanischer Besetzung übernahmen 1945 sowjetische Truppen den Standort. Am 2. September 1945 nahm Wiederau den Sendebetrieb auf 782 kHz wieder auf. Nach mehreren Frequenzwechseln sendete man schließlich ab den fünfziger Jahren auf 575 kHz, auf gleicher Welle mit dem westdeutschen Sender Mühlacker.
1953 war der 150-m-Holzmast gesprengt und durch einen Rohrmast ersetzt worden, der 1958-1960 auf 236 m erhöht wurde.

Am 20. Mai 1963 wurde der 1932 gebaute und nun für sowjetische Relaissendungen eingesetzte Mittelwellensender Wiederau I abgestellt und abgebrochen. An seine Stelle trat am 19. Dezember 1963 ein 100-kW-Sender des Funkwerks Köpenick Berlin.

Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Frequenzzuweisung für 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Radio DDR 1 sendete nun offiziell auf folgenden Frequenzen: 531 kHz Leipzig, 576 kHz Schwerin, 882 kHz Königswusterhausen und 1044 kHz Burg.
Ab 1980 sendeten aus Wiederau auf 531 kHz (Lorenz 1939) Radio DDR 1 und auf 1323 kHz (Funkwerk Köpenick 1963) Radio Moskau. Ferner übertrug ein 5-kW-Sender (Lorenz) bis 1990 auf 729 kHz das Programm des Berliner Rundfunks bzw. der "Messewelle", die dem Sender Leipzig ein wenig Selbständigkeit gab. Als Radio Moskau eine neue Sendeanlage in Wachenbrunn bekam, übernahm der freiwerdende Sender 1989 den Sendebetrieb für Radio DDR auf 531 kHz. Der Lorenz-Sender Baujahr 1939 wurde zum Reservesender.

Wendezeit

In der Wendezeit wurde aus Radio DDR Radio Aktuell. Am 1. Juli 1990 startete auf der Mittelwelle 729 kHz (5 kW) des Berliner Rundfunks Sachsenradio 1, das als Vorstufe zu einem öffentlich-rechtlichen Landessender Sachsens gedacht war. Am 1. Oktober bekam Sachsenradio die Mittelwellen Wiederau 531 kHz (100 kW), während Radio Aktuell bis zu seiner Abschaltung am 27. Mai 1991 mit 729 kHz vorlieb nehmen musste.

MDR

Am 1. Januar 1992 übernahm der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) die Rundfunkversorgung von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der MDR richtete neben einem dritten Fernsehprogramm drei Hörfunkprogramme für den gesamten Versorgungsbereich und jeweils eines pro Bundesland ein. Besonders innovativ verfuhr man mit den Mittelwellen, über die rund um die Uhr eine Nachrichtenwelle ausgestrahlt wurde. Der Erfinder von MDR-Info und MDR-Intendant Udo Reiter war früher beim Bayerischen Rundfunk und hatte dort B5-aktuell als Vorbild.

1995 wechselte der verbliebene Köpenick-Schranksender von 531 kHz auf die zuvor aus Burg bei Magdeburg (bis 1991 mit 1000 kW) betriebene Frequenz 783 kHz. 1998 wurde er durch einen neuen Halbleitersender (Thomson 20 kW) ersetzt.
 
© Dr. Hansjörg Biener 0308
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