© Dr. Hansjörg Biener

Religiösen Sendungen hört man oft die Herkunft nicht an. Noch mehr als bei der Morgenfeier oder Andacht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt das dort, wo religiöse Anbieter Sendezeit kaufen oder eigene Sender und Programme aufbauen. Nicht jeder katholische Anbieter ist auch die Stimme der römisch-katholischen Amtskirche. Noch weniger gilt bei protestantischen Radio- und Fernsehsendungen, dass sie mit einer traditionellen evangelischen Volks- oder Freikirche verbunden sind. Diese Internetseiten sollen zu ein wenig mehr Klarheit führen.  Für regelmäßige Informationen über die Senderszene gibt es »Medien aktuell: Kirche im Rundfunk«. Buch zur Grundinformation über die internationale Senderszene  Buch zur Grundinformation über die deutschen Radiomissionen

Radio Renascenca
Katholisch, kommerziell und erfolgreich: Radio Renascenca

Rua Ivens 14, 1294 Lisboa - das beste Haus in einer stilvollen, doch  renovierungsbedürftigen Straße in der Altstadt Lissabons und das Zuhause von Radio Renascenca. Ende der 30er Jahre gegründet, gehört die Station zu den ältesten noch bestehenden katholischen Sendern. Sie überlebte den autoritären Estado Novo, die Revolutionsjahre 1974/1975 und behauptet sich heute als Marktführer unter den Radioprogrammen Portugals. Katholisch, kommerziell und erfolgreich: Radio Renascenca zeigt, dass das geht.

Kontakt
Radio Renascenca
Emissora Catolica Portuguesa
Rua Ivens 14
PT-1249-108 Lisboa
www.rr.pt

Die Basis für die heutige Bedeutung legte Radio Renascenca in den Jahren nach dem Fall der Diktatur. Die meisten Privatsender wurden nach der Revolution der Nelken verstaatlicht und in den staatlichen portugiesischen Rundfunk eingegliedert. Radio Renascenca hingegen hatte ein anderes Schicksal. 1975 besetzten maoistische Arbeiterkomitees monatelang die Station und tobten sich vor der Rückgabe noch einmal richtig aus. Seit 1976 ist Radio Renascenca wieder auf Sendung. 1977 bekam die Station eine Entschädigung für die angerichteten Verwüstungen. In den folgenden Jahren hing Radio Portugal die staatliche Kontrolle in der Zeit der Diktatur und der Revolutionsjahre nach; andere Privatsender von landesweiter Bedeutung gab es noch nicht und Radio Renascenca erlebte einen großen Aufschwung.

Die Station gehört zu 60 Prozent dem Erzbistum von Lissabon und zu 40 Prozent der portugiesischen Bischofskonferenz. Trotz dieser Verbindung finanziert sich die Station jedoch weitgehend aus Werbung und durch einen Freundeskreis, der seit Juli 1938 den Weg des Senders spendend und betend begleitet. Der "katholische Charakter" der Station kommt am sichtbarsten natürlich in den religiösen Sendungen zum Ausdruck, die José Eduardo Borges de Pinho koordiniert. Sie machen vielleicht 5 Prozent des Gesamtprogramms aus, und das vor allem im ersten Programm. Hier gibt es neben der Kurzverkündigung und der Sonntagsmesse, wie man sie auch bei uns kennt, noch den täglichen Rosenkranz aus dem Pilgerort Fatima. Im Anschluss an dieses älteste Radioprogramm Portugals folgen "Informationen ohne Grenzen", Meldungen zu kirchlichen und sozialen Fragen. In seltenen Fällen kommt das katholisch auch im Umgang mit Werbespots zum Ausdruck, wenn man meint, dass deren Werbeideen nicht zur Grundphilosophie des Senders passen. Zum Glück von Radio Renascenca ist die Station als Marktführer da in einer ausgezeichneten Position für das Gespräch mit den Werbekunden...

Ansonsten aber präsentiert sich Radio Renascenca wie jeder andere Sender auf Suche nach einer Hörerschaft: als Vollprogramm mit Unterhaltungs- und Informationskompetenz und der ganzen Palette von Werbematerial vom T-Shirt über den Kuli bis zum Mousepad. Die Nachrichten werden von gut 70 Mitarbeitenden betreut, jeweils eine Handvoll Journalisten und Journalistinnen betreut die Internetseiten und arbeitet als Überseeredaktion. In früheren Jahren arbeitete man eng mit Auslandsdiensten wie der Deutschen Welle und der BBC London zusammen. Wegen des Abbaus bei den Auslandsdiensten hat man aber längst ein eigenes Korrespondentennetz aufgebaut und dabei eine besondere Nachrichtenkompetenz im portugiesisch-sprachigen Afrika. Bei der Berichterstattung aus Rom nutzt man die technische Hilfe von Radio Vatikan, setzt aber inhaltlich auf die eigenen Journalisten.

Beim Sendebeginn Ende der dreißiger Jahre war Radio Renascenca der einzige Sender, den man in ganz Portugal empfangen konnte. Die Hauptsendeanlage ist heute in Muge, wo je ein 100-kW-Mittel- und Kurzwellensender stehen. Über das Land verteilt gibt es über ein Dutzend weitere Mittelwellen und über 40 UKW-Sender. Ab November 1981 schaltete Radio Renascenca seine Sender zeitweise in zwei Ketten auseinander. Seit dem 1. Januar 1987 gibt es zwei klar underschiedene Vollprogramme: RR Radio Renascenca auf Mittelwelle und UKW für eine Hörerschaft über 40 und RFM auf UKW für eine Hörerschaft zwischen 25 und 40 Jahren. In den letzten Jahren ist die private Konkurrenz stärker geworden, und natürlich bindet auch historische Bedeutung noch nicht die Jugend. Infolgedessen startete Radio Renascenca im September 1998 Mega FM. Die Station für die deutlich unter 25-jährigen ist im Moment nur im Großraum Lissabon zu empfangen. Zwei kleinere Stationen in Coimbre und Oporto sind aber schon gekauft und sollen in Bälde das Jugendprogramm übernehmen. Außerdem gibt es in sieben Regionen für einige Stunden Regionalsendungen.

Impressionen aus dem Studio von RFM

Zumindest älteren Kurzwellenfreunden ist die Station nicht unbekannt. Ab den vierziger Jahren betrieb sie jahrzehntelang einen Kleinsender auf 6155 kHz. Nach den Revolutionsjahren begann Radio Renascenca am 1. November.1979 mit Kurzwellensendungen in größerem Stil. Zunächst kamen die Sendungen für Auslandsportugiesen über Radio Trans Europa in Sines (9670 kHz/250 kW) und dauerten nur eine halbe Stunde. Ende 1980 wurde mit zweistündigen Sendungen abends der eigene 100-kW-Sender in Muge in Betrieb genommen, der in den folgenden Jahren Programme für Europa, Nord- und Südamerika ausstrahlte. Radio Renascenca sendete damals über 23 UKW- und 2 Mittelwellensender für Portugal.


"Wehe, es zieht einer die Stecker raus..."

1992 ging Radio Renascenca auch auf Satellit, zunächst bei Eutelsat 2F2 10° Ost, dann ab dem 19. Dezember 1997 beim Hotbird 13° Ost. In beiden Fällen war man Teil eines Radiobouquets hinter dem portugiesischen Auslandsfernsehen, das zwei RDP-Programme, zwei Renascenca-Programme und Radio Comercial beinhaltete. Die Satellitensendungen dienen auch als Zuspielung an die Programmpartner in den früheren portugiesischen Kolonien, die die Sendungen teils direkt, teils zeitversetzt übernehmen oder auch wie eine Nachrichtenagentur nutzen. Nach der Öffnung von Ländern wie Angola und Kapverde für den Privatfunk hat Radio Renascenca lokalen katholischen Partnern mit Trainings vor Ort und in Portugal auf die Beine geholfen. Derzeit sind Journalisten aus Timor in Lissabon zur Ausbildung, denn seit dem 13. März 2000 ist Radio Kmanek. Die Station der Diözese Dili der jüngste Partner. Die anderen Stationen sind Radio Ecclesia (Angola), Radio Bombolom und Radio Galaxia Pindjiguiti (Guinea Bissau), Radio Nova (Kapverde), Radio Paz und Radio Encontro (Mocambique). Seit Mai 1997 gibt es neben dem Satellitenprogramm ein weiteres täglich einstündiges Programm, das in Kooperation mit den überseeischen Partnern produziert und per Satellit verbreitet wird.

Mit dem Schritt zum Satellit wurde auch das Ende der Kurzwelle eingeläutet. Anfang 1993 wurden alle, die das Programm noch auf Kurzwelle hörten, gebeten, sich zu rühren, sonst würden die Kurzwellensendungen aufgegeben. Wenige Jahre später wurden die Kurzwellensendungen im Oktober 1996 ohne großes Aufsehen eingestellt. Der Kurzwellensender stand nun zum halben Preis eines Neusenders zum Verkauf, ist aber immer noch in Muge. Für Secretario Geral Antonio Correa de Oliveira spielen bei den Satellitensendungen nicht nur Audioqualität, Hörerpotentiale und Moden eine Rolle. Es geht um Kosten-Nutzen-Analysen: Beim Satelliten kann man Transponder mieten und ggfs. Kündigen, Als Senderbetreiber hat man das Personal, die laufenden Kosten des Betriebs, muss Rücklagen für  Reparaturen und Investitionen bilden, und muss sich, selbst wenn man den Betrieb einstellen will, noch um Gebäude und Sendeanlagen kümmern.
Carlos Goncalves berichtet von einem Besuch im Februar 2003, dass die AM-Sendeanlage von Radio Renascenca, einige Kilometer südöstlich von Muge, keinen besonders guten Eindruck macht. Das Gelände wirkt insgesamt ungepflegt. Die Mittelwelle 594 kHz wird derzeit mit zwei 10-kW-Reservesendern betrieben und würde sonst mit ca. 60-70 kW belegt, um die letzte Röhre des 100-kW-Senders zu schonen. Jahre nach dem Sendeende der Kurzwelle stehen die rhombischen Antennen noch und sind auch frei zugänglich. Eine Wiederaufnahme von Kurzwellensendungen ist nicht vorgesehen.
 

© Dr. Hansjörg Biener 0105 mit freundlichem Dank an António Correa de Oliveira und José Eduardo Borges de Pinho, letzte Bearbeitung 0310
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