© Dr. Hj. Biener
Außer einheimischen Stationen bemühen sich gut 40 internationale Rundfunksender um eine deutschsprachige Hörerschaft. So hat man oft das Ohr am Pulsschlag der Welt, auch wenn man nicht Englisch, Französisch oder eine andere Weltsprache spricht. Über aktuelle Entwicklungen berichten neben Hobbyfachzeitschriften verschiedene Mailinglisten und Homepages. Aktuelle Meldungen von Dr. Hansjörg Biener zum internationalen Rundfunk finden sich hier bzw. werden über die e-Group Medien aktuell: Weltempfang verschickt.
Radio Ukraine International

Kontakt
Radio Ukraine International
vul. Chrestschatyk 26, 01001 Kyiw, Ukraine
rui-germany @ nrcu.gov.ua

 

Winter 2010/11

18.00-19.00: 6030 (Kharkiv 100 kW, 290°) 

21.00-22.00: 6140 (Kharkiv 100 kW, 290°) 

Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender) Programm

Dabei ist ein Gültigkeitszeitraum bis zum 27. März 2011 angegeben. Frühere Informationen, wonach der Sendebetrieb auf Kurzwelle möglicherweise am 31. Dezember 2010 eingestellt wird, sind damit aber nicht als aufgehoben zu betrachten. Radio Ukraine International erkundigte sich bei einigen Hörern nach der Empfangsmöglichkeit von WRN über den Satelliten Astra Digital 19, 2 Grad Ost. Bei großem Interesse könnte zukünftig mit einer WRN-Übertragung der RUI- Sendungen zu rechnen sein. (Aleksandr Diadischev 29.10., Wolfgang Büschel 31.10., Kai Ludwig 31.10., Bernd Seiser 31.10., R. Bulgaria 1.11.2010 BCDX)

Die Programme sind auch im Internet als Live-Stream zu hören bei 
Rtsp://real.nrcu.gov.ua:7554/encoder/rui/rm. 
Die Nachrichten sind nachzulesen unter www.nrcu.gov.ua/index.php?id=475.

Zur Geschichte der ukrainischen Auslandssendungen

Auslandssendungen aus der Ukraine gibt es, wenn man von den Sendungen ukrainischer Sender im Zweiten Weltkrieg absieht, seit den sechziger Jahren. Die deutschen Sendungen begannen dabei im Mai 1966. In der Zeit des Kalten Krieges war Radio Kiew neben Radio Moskau und dem Sender Frieden und Fortschritt der dritte sowjetische Auslandssender mit deutschen Sendungen, doch stand Radio Kiew immer im Schatten der Moskauer Sender. Von den Sendemöglichkeiten der Moskauer Sender auf dem Gebiet der früheren DDR beispielsweise hat Radio Kiew nie profitieren können.
Noch im Januar 1991 hatte der Radio Kiew nur zwei bis vier Frequenzen pro Sendung, obwohl zahlreiche ukrainische Sender für Radio Moskau eingesetzt wurden. Die ukrainischen Sender bedeuteten einen verlässlichen Ausbreitungsweg in Richtung USA, südlich des magnetischen Nordpols über Westeuropa und den Atlantik hinweg.

Radio Kiew nach dem Zerfall der UdSSR
Nach dem Zerfall der Sowjetunion griff die Ukraine natürlich zu und übernahm 1992 die Sender auf ihrem Territorium. Die Vielzahl von bis zu 20 Frequenzen pro Sendung entlastete die Hörerschaft aber nicht vom Suchen. Nicht immer wurden die angesagten Frequenzen benutzt: Manchmal fielen sie wegen Strommangel und Leitungsproblemen aus. Manchmal war die Redaktion nicht richtig informiert. Bis 1996 wurde das deutsche Auslandsprogramm auch auf der Kiewer Mittelwelle 936 kHz und anderen Inlandsmittel- und -kurzwellen übertragen. Immerhin lebten 1996 noch etwa 40000 Deutschstämmige in Ukraine, und man kann annehmen, dass die Übertragungen als Mitversorgung der deutschen Minderheit gedacht waren.

QSL-Karte von Radio Kiew 1978
Mit diesen Grußkarten bedankte sich Radio Kiew 1978 für Empfangsberichte

Radio Ukraine International in Nöten
Am 19. März 1992 benannten sich das englische Programm und der ukrainische Weltdienst von Radio Kiew zu Radio Ukraine International um. Im deutschen Programm wurde anfangs noch zwischen den Bezeichnungen gewechselt, aber auch hier hat man sich inzwischen auf den neuen Namen eingestellt.
Ab dem Frühjahr 1999 ging ein ukrainischer Sender nach dem anderen vom Netz, und Radio Ukraine International fiel aus Geldmangel auf eine bis vier Kurzwellen zurück. Insbesondere die 1000-kW-Riesen werden wegen unbeglichener Rechnungen nur noch sehr sporadisch und wenn vor allem für Nordamerika eingesetzt.

Radio Ukraine International sendet traditionell in Ukrainisch, Deutsch, Englisch und Rumänisch. Nach Angaben vom Frühjahr 2001 wollte man mittelfristig auch Sendungen in Arabisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Spanisch aufnehmen, aber bei dieser Ankündigung ist es geblieben. Im Gegenteil: In der Regel konnte sich Radio Ukraine International nur noch eine Frequenz für seine Auslandsprogramme leisten.

Radio Ukraine hat in der Briefkastensendung "Treffpunkt Kiew" am 28. November 2005 dazu aufgerufen, zu schreiben, seit wann man die Station hört und aus welchem Jahr die erste QSL-Karte stammt. Kopien und Scans alter QSL-Karten sind erwünscht. Insbesondere möchte Ludmila Andrejtschuk  wissen, was man am liebsten hört, wie die Beiträge ihrer Hörerpostsendung gefallen und ob man Verbesserungsvorschläge oder Wünsche hat. Hintergrund ist, dass die Sendeleitung beabsichtigt, die Sendung "Treffpunkt Kiew" mit einer DX-Sendung zu kombinieren, bei der wohl Übersetzungen aus anderssprachigen Redaktionen zu erwarten sind. RUI-Hörer Helmut Matt kommentiert das so: "Dass dies den Charakter der derzeitigen, wie ich meine, sehr beliebten und interessanten Sendung ganz erheblich verändern würde, ist vorhersehbar. Besonders die landesgeschichtlichen Beiträge, die sich meist aus Hörerfragen ergeben, würden durch die Aufnahme einer technischen Rubrik ganz aus der Sendung verschwinden. Nicht nur Ludmila hat erhebliche Zweifel daran, dass das im Sinne der Hörer wäre und bittet daher um Stellungnahmen, die sie sammeln und Ihrem Chef vorlegen wird." (H. Matt 29.11.2005)
Seit dem 15. Februar 2006 im deutschen Programm von Radio Ukraine International wird eine neue DX-Sendung ausgestrahlt. Das Konzept der vierzehntägigen Sendung wird noch verfeinert.

2011 Radio Ukraine International vor dem Ende

Anfang Mai war folgende Meldung auf der deutschsprachigen Webseite von Radio Ukraine International (www.nrcu.gov.ua) zu lesen:

"*Nationale Rundfunkgesellschaft der Ukraine ändert Senderpolitik auch im internationalen Bereich*

Von nun an keine speziellen Sendungen für ukrainische Diaspora. Außerdem werden deutsche, englische und rumänische Redaktionen von Radio Ukraine International schrittweise abgebaut.

Die Nationale Rundfunkgesellschaft der Ukraine (NRCU) nimmt umfassende Umstrukturierung der Senderpolitik in Angriff, wie es der Generaldirektor von NRCU, Taras Awrachow, vor laufenden Kameras erklärte. Nach seinen Worten, werde künftig das NRCU-Subunternehmen, Radio Ukraine International, das für die weltweite Diaspora auf Ukrainisch sowie auf Englisch, Deutsch und Rumänisch für andere Völker ausstrahlt, schrittweise abgebaut werden, und dieses Sendungspotential für inländische Hörerschaft zur Verfügung gestellt werden.

Jetzt fällt die ukrainische Redaktion der Umstrukturierung bzw. dem Rotstift zum Opfer, indem der spezielle Sendebetrieb für Diaspora auf Ukrainisch eingestellt wird. Dasselbe Schicksal wird auch künftig die drei weiteren besagten Redaktionen treffen. Herr Awrachow äußert sich leider nicht präziser, ob einige Sendungen noch im Internet im MP3-Format zum Herunterladen angeboten werden. Das neue Konzept der Nationalen Radiogesellschaft der Ukraine sieht eine wesentliche Aktivierung am inländischen Rundfunkmarkt vor, indem die Quantität und Qualität der Sendungen schrittweise erhöht werden soll, gab Taras Awrachow zu bedenken."

Mittlerweile ist diese Nachricht zwar wieder aus dem Nachrichten-Archiv von RUI verschwunden, trotzdem dürfte das Thema noch aktuell sein. Die 1966 begonnenen deutschen Sendungen von Radio Kiew bzw. heute Radio Ukraine International sind seit 2010 nur noch im Internet als LiveStream und als Sendung zum Herunterladen hörbar, doch wird seit der Einstellung der Kurzwellenübertragungen darüber geklagt, dass praktisch keine Hörerpost mehr bei der deutschen Redaktion eintrifft. Das spricht für sich, ist aber auch ein Aufruf, der Redaktion mit Reaktionen zu helfen.

Oliver Fülla

 

2011: Sendeende in Ukrainisch

Radio Ukraine International hat seine Sendungen in ukrainischer Sprache am 25. Mai 2011 eingestellt. Der Internetauftritt des Senders ist umgehend von allen Hinweise auf diese Programme bereinigt worden. Nach Darstellung der Nachrichtenagentur UNIAN wurde der Sender an diesem Tage durch den Intendanten der Rundfunkgesellschaft NRKU ohne Erklärungen oder sonstige Kommentare" angewiesen. Auch das staatliche Rundfunkkomitee, dem die NRKU unterstellt ist, sei nicht informiert worden. Der Sendeweg von Radio Ukraine International, das bereits seit 2010 nur noch auf dem Satelliten Astra 4A und einem Internetstream rund um die Uhr aufgeschaltet ist, enthielt zunächst außerhalb der Sendezeiten der deutschen und englischen Programme keine Modulation mehr. Inzwischen wurde offenbar dazu übergegangen, zu den bisherigen Sendezeiten des ukrainischen Programms weitere Wiederholungen dieser einstündigen Fremdsprachenblöcke auszuspielen. (Kai Ludwig 29.5.2011 RBB)

 

2011 Offener Brief von Bernd Seiser 29.7.2011
Liebe Frau Korobowa, lieber Herr Mestscherska, 
liebe Freundinnen und Freunde der deutschen Redaktion von RUI,
mehrere treue Hörerfreunde von Radio Ukraine International und zuvor auch schon langjährige Hörer von Radio Kiew machen sich große Sorgen, dass die Verbindung zwischen uns Hörern und Ihrer Station so nach und nach abbricht. Dadurch dass RUI nicht mehr auf Kurzwelle sendet kann ein großer Teil der bisherigen Hörer nicht mehr erreicht werden. Darunter sind aber auch gerade sehr treue, langjährige und aktive Hörer ohne Internetanschluss. In Deutschland ist ein Internetanschluss mit zusätzlichen monatlichen Kosten verbunden, die mit der normalen Rundfunk und Fernsehgebühr noch nicht abgegolten sind sondern dazu noch zusätzlich erhoben werden. Wir können also davon ausgehen, dass sich kein Hörer extra wegen RUI einen Internetanschluss zulegt. Genau so sieht es mit der Satellitenübertragung aus, unsere Parabolspiegel sind auf Astra 19,2 Grad Ost ausgerichtet und empfangen deshalb Ihre Position Astra 4,8 leider nicht. Warum benutzt RUI eine in der Ukraine gebräuchliche Position für seine Übertragung nach Westeuropa und nicht die im Zielgebiet gebräuchliche Position 19,2 Grad Ost? 
Die Kommunikation zwischen Sender und Hörer ist sehr wichtig, denn auf Dauer bleibt kein Sender aktiv, der keine Hörer mehr hat, aber auch andersrum, es melden sich immer weniger Hörer, wenn der Empfang zu große Umstände macht.  Das bei vielen Stationen gespart werden muss haben wir Hörer begriffen und können wir zu einem großen Teil ja auch verstehen. Aber hätte nicht auch schon eine Einschränkung der Sendezeit eine zufriedenstellende Einsparung gebracht, mussten tatsächlich alle 3 Sendestunden um 18, 20 und 23 UTC gestrichen werden? Was gibt es denn jetzt noch zu kürzen, wenn jetzt schon alle Kurzwelleneinsparungen ausgeschöpft sind? Bleiben ja wohl nur noch personelle Reduzierungen. Wird es dann überhaupt noch möglich sein, ein tägliches Programm anzubieten? 
Wir erhoffen uns durch unseren Aufruf Radio Ukraine International darauf aufmerksam zu machen, wer alles Ihre Programme auf der Kurzwelle vermisst und möchten Ihnen zeigen, das es im deutschen Sprachraum weiterhin Interesse an der Ukraine gibt. Diese Interessenten sollten Sie dann aber auch alle erreichen und nicht nur einen kleinen Teil davon, der gerade Internetzugang hat. 
Bitte überprüfen Sie was machbar ist, um ihre frühere Reichweite mit zumindest einer Kurzwellenübertragung wiederherzustellen. 
Bitte erklären Sie auch dem Generaldirektor Taras Awrachow unser Anliegen und übersetzen Sie ihm bitte dieses Schreiben. 
Im nächsten Monat begeht die Ukraine den 20. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit, das wäre doch ein feierliches Datum zur Wiederaufnahme der Kurzwellensendung.
Mit freundlichen Grüßen aus Ottenau, 
Bernd Seiser.

 
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