© Dr. Hansjörg Biener
Religiösen Sendungen hört man oft die Herkunft nicht an. Noch mehr als bei der Morgenfeier oder Andacht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt das dort, wo religiöse Anbieter Sendezeit kaufen oder eigene Sender und Programme aufbauen. Nicht jeder katholische Anbieter ist auch die Stimme der römisch-katholischen Amtskirche. Noch weniger gilt bei protestantischen Radio- und Fernsehsendungen, dass sie mit einer traditionellen evangelischen Volks- oder Freikirche verbunden sind. Diese Internetseiten sollen zu ein wenig mehr Klarheit führen.  Für regelmäßige Informationen über die Senderszene gibt es »Medien aktuell: Kirche im Rundfunk«. Buch zur Grundinformation über die internationale Senderszene-Buch zur Grundinformation über die deutschen Radiomissionen

Johannes Paul II. (1920-2005)
 
Am 16. Oktober 1978 um 18.18 Uhr sahen die Menschen auf dem Petersplatz weißen Rauch über der
Sixtinischen Kapelle. Um 18.45 Uhr verkündete Kardinal Pericle Felici die Wahl des Erzbischofs Karol Wojtyla von Krakau zum Nachfolger Petri. Um 19.15 Uhr trat der erste polnische Papst der Geschichte auf die Benediktionsloggia von Sankt Peter.

Nach einem der längsten Pontifikate der Geschichte verstarb Johannes Paul II. (84) am 2. April 2005 nach mehrtägigem Todeskampf um 21.37 Uhr.

 

Karol Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice in eine streng-katholische Familie hineingeboren. Nachdem er sich zunächst Literatur und Schauspielerei gewidmet hatte, begab er sich während des Zweiten Weltkriegs auf den Weg der Priesters. 1946 wurde er zum Priester geweiht und machte aufgrund seiner besonderen Begabung Karriere in der kirchlichen Hierarchie.

Als Karol Wojtyla 1978 zum Papst gewählt wurde, wechselte er von der einen Seite des Eisernen Vorhangs auf die andere. Der Überraschungspapst verband die Volksnähe von Johannes XXIII. mit der Prinzipientreue eines Paul VI. Die Erfahrung nationalsozialistischer und kommunistischer Diktatur machte ihn zu einem wichtigen Anwalt politischer und bürgerlicher Freiheit. Seine katholische Fundierung wiederum machte ihn einerseits zum kontroversen Anwalt der traditionellen katholischen Dogmatik und Ethik und andererseits zum Anwalt eines anderen Weges jenseits von Kommunismus, Kapitalismus und Konsumerismus.

Wer die Schlüsselgewalt beansprucht, muss auch eine Schlüsselrolle spielen. Sehr bewusst setzte Johannes Paul II., der als Pole selber die Bedeutung von Auslandsfunk und Radio Vatikan erfahren hatte, die Medien für seine Führung der Weltkirche ein. Vor allem die Reisen des Papstes bedeuteten für Radio Vatikans Berichterstattung neue Anstrengungen. In einer Zeit auseinanderstrebender Kräfte in der Weltkirche zog Johannes Paul II. durch Reisen das Interesse der besuchten Kirchen wie auch der Medien neu auf sich und stärkte so seine zentrale Rolle als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Die Massen pilgerten millionenfach zu seinen Messen und jubelten ihm  zu, die Mächtigen und Angesehenen dieser Welt verneigten sich  vor ihm. 1981 überlebte der Papst ein von osteuropäischen Geheimdiensten orchestriertes Attentat und wurde danach noch mehr geachtet und beachtet als zuvor.
Das Oberhaupt des Vatikanstaats beherrschte die Klaviatur der öffentlichen und geheimen Diplomatie, verband mit Klugheit und Geschick Religion und handfeste Politik.  Er scheute sich auch nicht, den Mächtigen ins Gewissen zu reden, Krieg und Terror, Ausbeutung der Armen undsoziale Ungerechtigkeit anzuprangern. Die Zahl der Länder, mit denen der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen unterhält, hat sich unter seinem Pontifikat auf fast 180 verdoppelt.

Der erste nicht-italienische Papst seit 455 Jahren stand 26 Jahre lang an der Spitze der römisch-katholischen Weltkirche. Nur wenige  Päpste haben die katholische Kirche ähnlich lange geleitet: Pius VII. (23 Jahre, 5 Monate, 6 Tage), Hadrian I. (772-795, 23 Jahre, 10 Monate, 24 Tage), Pius VI. (1775-1799, 24 Jahre, 6 Monate, 7 Tage), Leo XIII. (1878-1903, 25 Jahre, 5 Monate), Pius IX. (1846-1878, 31 Jahre, 7 Monate, 21 Tage).
Der Brückenschlag zum Protestantismus, Judentum und Islam, das gemeinsame Gebet mit den anderen Weltreligionen, die Rehabilitierung Galileo Galileis, die Akzeptanz der Evolutionslehre sowie die diversen Schuldeingeständnisse und Vergebungsbitten zu den Verfehlungen der Vergangenheit waren besondere Ereignisse des Pontifikats, die allerdings in keiner Weise den geistlichen Macht- und Wahrheitsanspruch des Bischofs von Rom schmälerten. Als überzeugter Marien- und Heiligenverehrer, Ausrichter des Heiligen Jahres 2000, Verfechter des Zölibats und kompromissloser Gegner von Frauenordination, Abtreibung und Empfängnisverhütung beließ der konservative Revolutionär in Sachen Dogma und Moral so gut wie alles beim Alten.

Auch in den letzten Jahren zog sich Johannes Paul II. nicht aus der Öffentlichkeit zurück, sondern setzte sich auch mit den Lasten seines Alters der Öffentlichkeit aus. War der Papst im Leben mediengewandt, so wurde sein Ableben zu seinem größten Medienereignis. Ab dem 1. Februar lag Papst Paul II. im Gemelli-Krankenhaus. Nach wochenlanger Anteilnahme am letzten Krankheitsweg löste sein Tod am 2. April 2005 ein weltweites Echo aus. In Deutschland unterbrachen ARD, ZDF, Sat 1 und RTL ihre Abendprogramme für Sondersendungen. Die Nachrichtensender n-tv (RTL-Gruppe) und N 24 (Pro7/Sat1-Gruppe) berichteten rund um die Uhr.

Papst Johannes Paul II. 2004 


Würdigung durch den Ökumenischen Rat der Kirchen
Papst Johannes Paul II.: Herausragende Persönlichkeit des modernen Christentums, einer der mutigsten geistigen Führer unserer Zeit (Zur Veröffentlichung frei - 02/04/2005)
Nachdem der Heilige Stuhl heute den Tod Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. bekanntgegeben hat, erklärt der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Samuel Kobia, mit dem Ausdruck tiefer Anteilnahme:
"Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., wird uns als einer der mutigsten geistlichen Führer unserer Zeit in Erinnerung bleiben. Seinen Mut brachte er in seiner Krankheit genauso wie in der Ausübung seines Amtes, in seinen Schriften wie auch in seinen Verlautbarungen zum Ausdruck. In der einen ökumenischen Bewegung bekannte er sich immer wieder zum tiefen und unumkehrbaren Engagement der römisch-katholischen Kirche für die Ökumene. In seiner Antwort auf die Herausforderungen, mit denen die Kirche in der Welt konfrontiert ist, eröffnete er den Dialog mit anderen religiösen Traditionen und setzte sich unermüdlich für Fragen sozialer Gerechtigkeit wie auch für moralisch-ethische Werte ein. Als Afrikaner erinnere ich daran, welche große
Bedeutung er der Afrika-Synode beigemessen hat und wie sehr er sich seelsorgerlich mit den Völkern Afrikas identifiziert hat."
Das Beileid wird geteilt vom Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, Katholikos Aram I., der betont:
"Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., wird als eine herausragende Persönlichkeit der modernen Geschichte des Weltchristentums im Gedächtnis bleiben. Mit unermüdlichem Engagement hat er sich dafür eingesetzt, das Evangelium Christi im Leben der Menschen lebendig werden zu lassen. Sein prophetisches Zeugnis lautete unbeirrt, dass menschliche Gesellschaften von moralischen Werten geleitet sein müssen. Er hat sich der Einheit der Christen zutiefst verpflichtet gefühlt. Er ist anderen Religionen mit Offenheit und einer klaren Vision von einem gemeinsamen Leben als versöhnte Gemeinschaft inmitten von Vielfalt begegnet. Er hat sich
stets als Anwalt der Gerechtigkeit, der Menschenrechte und der Freiheit verstanden. All dies hat ihn zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit gemacht, die große Dinge erreicht hat. Als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen und als armenischer Katholikos von Kilikien hatte ich das Privileg, seiner Heiligkeit bei verschiedenen Anlässen zu begegnen, und die Kraft seines Glaubens, die Tiefe seiner Weisheit und die Klarheit seiner Vision kennen zu lernen."

ÖRK-Generalsekretär würdigt Papst Johannes Paul II. (Zur Veröffentlichung frei - 03/04/2005)
Der vollständige Text der Würdigung von Papst Johannes Paul II. durch den ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Samuel Kobia, in der einige der besonderen Leistungen seines Pontifikats hervorgehoben werden:
Papst Johannes Paul II. war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte, und seine Ausstrahlung ging weit über die römisch-katholische Kirche und die weltweite christliche Gemeinschaft hinaus. Während seines Pontifikats bekräftigte die römisch-katholische Kirche ihre universale Berufung und stärkte ihren inneren Zusammenhalt. Wir werden uns stets mit Dankbarkeit an das Engagement des Papstes für soziale Gerechtigkeit und Versöhnung, für die Menschenrechte und die Würde des Menschen sowie für die Einheit der Christen und für interreligiöse Verständigung erinnern.
Wir erinnern uns auch mit Freude an den Besuch des Papstes in den ersten Jahren seines Pontifikats, 1984, am Sitz des ÖRK. Während eines gemeinsamen Gottesdienstes in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums beteten wir zusammen für die volle Gemeinschaft unter den Christen. Johannes Paul II. folgte nicht nur in den Fußstapfen seines Vorgängers Paul VI., der den ÖRK 1969 besucht hatte, sondern er sah in seinem Besuch auch einen Ausdruck seines persönlichen Engagements für die eine ökumenische Bewegung.
Karol Wojtyla, am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren, wurde 1978 zum Papst gewählt. Zeit seines Pontifikats hat er sich um Zusammenhalt und Kohärenz in der römisch-katholischen Kirche bemüht - durch seine zahlreichen Reisen, die Besuche der Bischöfe in Rom (visitatio liminum), durch sein eindrucksvolles Schriftwerk sowie durch die bewusste Inanspruchnahme kirchlicher Strukturen (z.B. der Bischofssynoden).
In der ersten Hälfte seines Pontifikats beschäftigte Johannes Paul II. besonders die Lage der Menschen, die unter kommunistischer Herrschaft lebten. Mit einer Kombination aus stiller Diplomatie und nachdrücklicher Verurteilung entwickelte er eine kirchliche und politische Ostpolitik und stärkte damit die, die sich gegen die marxistische Ideologie auflehnten, insbesondere in seiner Heimat Polen. In dieser Zeit stellte die bewusste Betonung der Menschenrechte (insbesondere in Redemptor Hominis) und der Religionsfreiheit eine solide Grundlage für die Herausforderung der marxistischen Ideologie und kommunistischen Praxis dar.
In der zweiten Hälfte seines Pontifikats setzte sich Johannes Paul II. mit den vorherrschenden Werten der westlichen Kultur auseinander, stellte die seiner Meinung nach zu nachgiebigen Tendenzen in der menschlichen Sexualität in Frage und bekräftigte eine "Kultur des Lebens" gegenüber einer "Kultur des Todes". Das kam ganz besonders in den verschiedenen Sozialenzykliken zum Ausdruck, die während seiner Amtszeit veröffentlicht wurden - Laborem Exercens, Solicitudo Rei Socialis und Centesimus Annus. Mit dieser Neubekräftigung und Weiterentwicklung des römisch-katholischen Sozialdenkens gelang es ihm, einen Dialog über geeignete Strukturen und Grundlagen für das Leben des Menschen in der Gesellschaft in Gang zu
setzen.
In der systematischen Untersuchung wichtiger Themen des christlichen Glaubens und der Probleme, denen sich die Kirche auf der ganzen Welt gegenübersieht, zeigte sich auch das Bestreben des Papstes, die zentralen Wahrheiten des Glaubens und der römisch-katholischen Kirche zu bekräftigen. Das wurde in der Veröffentlichung des Katechismus der römisch-katholischen Kirche deutlich wie auch in der Herausgabe einer Reihe von Lehranweisungen (z.B. Ad Tuendam Fidem).
Indem er bei seiner Wahl zum Papst bewusst den Namen Johannes Paul annahm, wollte Karol Wojtyla nicht nur seinen unmittelbaren Vorgänger ehren, sondern das Reformwerk von Johannes XXIII. und Paul VI. fortsetzen und zu Ende führen. Entsprechend bemühte er sich auch in seiner Arbeit, die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen zu fördern und zusammen mit ihnen nach der Einheit der Christen zu streben.
Ein unmittelbares Anliegen war ihm die Wiederannäherung an die orthodoxen Kirchen und er hat sich unablässig bemüht, die Bande zwischen den 'Nachfolgern' der Brüder Andreas und Petrus zu festigen und weiterzuentwickeln. Bei seinen Besuchsreisen in die ganze Welt hat er jede Gelegenheit ergriffen, mit Verantwortlichen anderer Kirchen zusammenzutreffen und seine römisch-katholischen Kollegen zu ermuntern, sich uneingeschränkt an örtlichen ökumenischen Initiativen und Räten zu beteiligen.
Besonders hervorzuheben ist sein Versuch, eine Vision der Einheit zu formulieren. Seine Enzyklika Ut Unum Sint stützt sich auf die Erkenntnisse und Erfahrungen, die die römisch-katholische Kirche im Laufe ihres Engagements in der ökumenischen Bewegung gewonnen hat, und enthält grundlegende Überlegungen zum Wesen von Dialog und Einheit. Diese Enzyklika ist auch insofern ungewöhnlich, als sie Berichte aus der größeren ökumenischen Bewegung zitiert – insbesondere aus der Arbeit der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des ÖRK.
Um die Schritte zur Einheit zu beschleunigen, lud Johannes Paul II. in dieser Enzyklika andere Kirchen ein, gemeinsam mit ihm über die Rolle und die Struktur des Petrusamtes im Dienst der christlichen Einheit nachzudenken. Ferner lud er seine Kirche ein, sich für die in ihrer Geschichte begangenen Sünden, die zu Spaltungen beigetragen haben, zu entschuldigen. Am sichtbarsten wurde dies während der Feiern zum Heiligen Jahr in Rom, als Johannes Paul am 13. März 2000 andere Kirchen um Vergebung dafür bat, dass sich Vertreter der römisch-katholische Kirche gegen sie versündigt hatten.
Als Bischof von Rom leitete der Papst aus Anlass des 2000. Jahrestags der Geburt des Jesus von Nazareth eine Reihe von Veranstaltungen und Reflexionen über Wirken und Sein der heiligen Dreieinigkeit ein. Dies veranlasste Christen aus unterschiedlichen Kirchen in allen Teilen der Welt, sich an einem zielgerichteten ökumenischen Prozess auf örtlicher und internationaler Ebene zu beteiligen und erwies sich als Ermutigung für die Ökumene vor Ort.
Ferner wurden während dieses Pontifikats auch Bemühungen unternommen, den Dialog mit Menschen anderer Glaubensrichtungen aufzunehmen. Zweimal hat der Papst Verantwortliche der großen Weltreligionen nach Assisi eingeladen (1986 und im Januar 2002, im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und den nachfolgenden Ereignissen), um mit ihnen für den Weltfrieden zu beten und gemeinsam für eine Friedenskultur einzutreten, die der herrschenden Kultur des Krieges entgegengesetzt werden kann.
Seinen klaren und überzeugenden Verlautbarungen und Aktionen für den Frieden, insbesondere während der zwei Golf-Kriege und im palästinensisch-israelischen Konflikt kommt besondere Bedeutung zu. Indem er dieses gemeinsame Anliegen von Kirchen auf der ganzen Welt wie auch der ganzen ökumenischen Bewegung hervorhob, verlieh er der Stimme der Christen in ihrem Engagement für Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden überall Gewicht.
Johannes Paul II. hat in seinem Pontifikat, das eine Zeit tiefgreifender Veränderungen in Kirche und Welt überspannte, großen Mut bewiesen. Eine neue Epoche und ein neues Jahrtausend haben begonnen, die von der römisch-katholische Kirche und von der ökumenischen Bewegung neue Antworten erwarten.

Die Trauerfeier als religiöses Ereignis
Nach Angaben des Zivilschutzes waren um die drei Millionen Menschen nach Rom gekommen, um Abschied vom Papst zu nehmen. Im Durchschnitt betraten 21 000 Menschen pro Stunde den Petersdom, um dem aufgebahrten Papst die letzte Ehre zu erweisen.
Während der Beerdigungsmesse waren rund 500.000 Menschen auf dem Petersplatz und der anschließenden Via della Conciliazione und noch einmal mindestens so verfolgten auf anderen Plätzen Roms das Geschehen auf Videoleinwänden. Nicht dabei waren krankheitshalber die letzten Verwandten des Papstes. Entgegen dem santo subito, "sofort heiligsprechen", das auf Plakaten gezeigt und in Rufen skandiert wurde, sprachen sich nicht nur Papstkritiker gegen eine vorschnelle Würdigung des Pontifex aus. Vielmehr denkt man auch in den Führungskreisen der römisch-katholischen Kirche nicht in Kategorien von Jahren, sondern in längeren Zeiträumen.
157 Kardinäle haben bei der Messfeier konzelebriert, rund 700 Erzbischöfe und Bischöfe waren anwesend. Kardinal Joseph Ratzinger stand als dem Dekan des Kardinalskollegiums die Aufgabe zu, der Eucharistiefeier zur Beerdigung des Papstes vorzustehen und die Predigt zu halten. Die Trauerfeier hatte auch eine ökumenische Dimension. Zum einen traten alle anwesenden Patriarchen der mit Rom verbundenen Ostkirchen vor, um mit griechischen und arabischen Gesängen dem Patriarchen des Abendlandes Lebewohl zu sagen.  Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Bartholomaios I., und der Erzbischof von Canterbury verabschiedeten sich schweigend von Johannes Paul.
Mit drei Millionen Pilgern wird die Begräbnisfeier für Johannes Paul II. als eine der größten überhaupt in die Geschichte eingehen. Ähnlich großen Zustrom fand nur die Trauerfeier für den iranischen Ayatollah Khomeini im Jahr 1989, als zwei bis vier Millionen Menschen in Teheran von dem Moslem-Führer Abschied nahmen. Zum Begräbnis Stalins in Moskau kamen 1953 über eine Millionen Menschen. Zur Beisetzung der Asche Gandhis im Fluss Ganges im Jahr 1948 über ebenfalls über eine Million.

Die Trauerfeier als Medienereignis
Rund zwei Milliarden Menschen, so schätzt man, haben das Requiem auf dem Petersplatz vor Fernseher oder Radiogerät mitverfolgt. 137 Fernsehsender haben dem Medienrat gemeldet, sie hätten die Feiern übertragen.
In Deutschland berichteten die vier großen Sendergruppen gleichzeitig, wobei die ARD mit 26,7 Prozent Einschaltquote den ersten Rang einnahm. Radio Vatikan kommentierte die Bestattung in sieben Sprachen, wozu sich mehrere hundert andere Radiostationen zuschalteten.
Bis zu 4.000 Journalisten aus aller Welt berichteten von den Beisetzungsfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II. Auch die führenden arabischen Fernsehsender Al Jazeera und Al Arabiya entsandten Reporter nach Rom entsandt.  Al Arabiya-Chefredakteur Abderrahman El Rashid begründete die Berichterstattung über das Papstbegräbnis damit, dass Johannes Paul II. auch in der arabischen Welt - "einschließlich Palästinas und des Iraks" - eine politische Rolle gespielt habe und eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sei. Im Libanon übertrug sogar der  Fernsehsender  der islamistischen Hezbollah-Bewegung die Totenmesse.
Das vatikanische Fernsehen übergab die Liveübertragung kostenlos an Stationen in 90 Ländern der Welt. In China dagegen ignorierten die Medien die Trauerfeier und kritisierte die Regierung erneut den Vatikan. Ungeachtet dessen nahmen Tausende Katholiken im ganzen Land an Messen für das verstorbene Kirchenoberhaupt teil. Sowohl die staatlich anerkannte "patriotische" als auch die romtreue, so genannte Untergrundkirche würdigten den Papst "als großen Mann des Friedens."

Die Trauerfeier als politischer Event
Auf dem Vorplatz von Sankt Peter kam es auch zu Begegnungen politischer Gegnern. Israels Staatspräsident Mosche Katzav und sein syrischer Amtskollege Baschar el Assad schüttelten sich bei der Totenmesse zwei Mal die Hände. Manche Beobachter wollen darin ein Zeichen für Tauwetter sehen. Für besondere Furore in der Presse sorgte die Nachricht, der iranische Präsident Mohammed Khatami habe seinem israelischen Amtskollegen die Hand gegeben und kurz mit ihm gesprochen. Die Staatsoberhäupter der beiden verfeindeten Länder unterhielten sich laut israelischem Radio auf Persisch über ihre gemeinsame Geburtsstadt Jezd. Der offiziellen iranischen Nachrichtenagentur zufolge hat Khatami dies aber dementiert. "Diese Nachrichten sind falsch wie alle Nachrichten von israelischen Medien", so Khatami wörtlich. "Ich habe nie eine Persönlichkeit des zionistischen Regimes getroffen".
169 ausländische Delegationen waren bei dem Begräbnis beim Begräbnisgottesdienst für Papst Johannes Paul II. anwesend, darunter 10 gekrönte Häupter, 59 Staatschefs, drei Erbprinzen und 17 Regierungschefs.

Beisetzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Die Beisetzung in der Krypta unter der Petersbasilika fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und war um 14 Uhr 20 zu Ende. Johannes Paul hatte sich ein Erdgrab gewünscht. Entsprechend liegt er in drei Särgen, die in die Erde eingelassen wurden: der schlichte Sarg aus Zypressenholz, dann eine Zinkwanne, die vor Verwesung schützen soll und außen ein Sarg aus Nussholz, auf dem Namen und Wappen des Papstes und ein Kreuz angebracht waren. Ein Stein aus weißem Marmor verschließt das Grab. Darauf steht der Name des Papstes, es ist ein Christusmonogramm zu sehen, und außerdem liest man die Daten von Wahl und Tod Johannes Pauls.  Neben den amtlichen Dokumenten und eine Kurzbiographie auf Latein wurden dem Leichnam einige Münzen, die während des Pontifikats geprägt wurden, beigelegt. Das Grab befindet sich an der Stelle, in der bis zu seiner Seligsprechung Johannes XXIII. lag.

Besonderer Einsatz der deutschen Redaktion von Radio Vatikan
Die letzten Tage von Johannes Paul II., die papstlose Zeit und die Papstwahl bedeuteten für die Redaktionen von Radio Vatikan eine erhebliche Herausforderung. Insbesondere auch die deutsche Redaktion berichtete auf ihrer Homepage nicht nur "rund um die Uhr" über die aktuellen Ereignisse, sondern stellte baldmöglichst Hintergrundmaterial zur Verfügung.
Mit dem Tod Johannes Pauls II. wurde die gesamte Programmplanung für die Hauptsendung obsolet. Bis zum Konklave erinnerte die deutsche Redaktion in Sondersendungen zu verschiedenen Aspekten des Pontifikats an den verstorbenen Papst. Dazu kam die deutschsprachige Kommentierung der verschiedenen Messen. Radio Vatikan übertrug beispielsweise am 8. April die Gedenkmesse 9.50-12.00 Uhr mit Kommentaren in Deutsch für Europa (7250 9645 kHz), Französisch für Afrika (15570 17760 kHz) und Englisch für Amerika (15330 17750 kHz). Die deutsche Kommentierung wurde dabei auch für EWTN verwendet. Redaktionsleister Pater Eberhard von Gemmingen SJ wurde zum gefragten Gesprächspartner der deutschen Medien und musste auf vielen deutschen Fernsehkanälen Rede und Antwort stehen.

Das Konklave
Das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes begann am 18. April um 16.30 Uhr mit dem Einzug der Kardinäle in die Sixtinische Kapelle. Ins Konklave zogen nur 115 von 117 wahlberechtigten Kardinälen ein. Zwei hatten sich krankheitshalber entschuldigt, nämlich Kardinal Jaime Sin, der emeritierte Erzbischof von Manila auf den Philippinen, und Kardinal Adolfo Antonio Suárez Rivera, der ehemalige Erzbischof von Monterrey in Mexiko.
Unter den wahlberechtigten Kardinälen sind auch sechs aus Deutschland:
Walter Kasper, ab 1964 Theologieprofessor und ab 1989 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart,
Karl Lehmann, ab 1968 Theologieprofessor und ab 1983 Bischof von Mainz,
Joachim Meisner, ab 1980 Bischof von Berlin und ab 1989 Erzbischof von Köln,
Joseph Ratzinger, ab 1957 Theologieprofessor, ab 1977 Erzbischof von München und Freising, ab 1993 Kardinalbischof in Rom
Georg Sterzinsky, ab 1989 Bischof von Berlin
Friedrich Wetter, ab 1964 Theologieprofessor, ab 1968 Bischof von Speyer, ab 1982 Erzbischof von München und Freising.
In seiner Predigt unmittelbar vor Beginn des Konklaves beschrieb der Noch-Kardinal Joseph Ratzinger  die Aufgabe des nächsten Papstes. Er solle die Erde von einem Tal der Tränen in einen Garten Gottes", in eine neue Welt" verwandeln. Dazu gehöre ein klarer Glaube nach dem Credo der Kirche", die sich der Diktatur des Relativismus" widersetze, die nur den Menschen als letztes Maß aller Dinge gelten lasse.
Über 6.000 Journalisten wurden beim vatikanischen Pressesaal und dem Medienrat für die Zeit des Konklaves akkreditiert.

Der Nachfolger: Benedikt XVI.
"Habemus papam" - Am Dienstag, den 19. April 2005, stieg gegen 17.47 Uhr der ersehnte weiße Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Das Konklave hatte sich für Joseph Kardinal Ratzinger entschieden. Der 81-jährige Präfekt der Glaubenskongregation war nach seiner Traueransprache für Johannes Paul II. und der Predigt zum Konklave noch mehr als einer der Favoriten gehandelt worden. Mit der Wahl wurde die Regel durchbrochen, dass wer als Papst ins Konklave geht, als Kardinal herauskommt.
Die Reaktionen auf die Wahl der Kardinäle waren sehr gemischt. Die einen würdigten den großen Theologen, der sich den Herausforderungen der Moderne stellen könnte, andere hoben seine Rolle als Präfekt der Glaubenskongregation, "früher Inquisition", hervor. Gerade auch in Lateinamerika, wo die Hoffnung auf einen Lateinamerikaner als Papst groß gewesen waren, wird der Kurs des Vatikan gegen die "Befreiungstheologie" Ratzinger angelastet. In Großbritannien und in den USA schossen sich populistische Medien auf den Hitlerjungen ein. Sicher, damals sei es Pflicht gewesen, aber hätte sich nicht ein starker Charakter entziehen können... In türkischen Schlagzeilen ging es um den Papst, der die Türkei in Europa verhindern wolle.
Josef Kardinal Ratzinger ist der 265. Papst, der 264. Nachfolger auf dem Stuhl Petri. Ratzinger nahm den Namen Papst Benedikt XVI. an.
In einer ersten programmatischen Rede am Ende seiner ersten Messe als Papst betonte Benedikt XVI. die Wiederherstellung der sichtbaren Einheit aller Christen als "vorrangige Aufgabe".  Dabei sei der theologische Dialog notwendig, aber auch die "Reinigung des Gedächtnisses". Er sei entschlossen, jede Initiative zu fördern, die die Kontakte und das Einverständnis mit Vertretern der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften fördern kann. Zugleich sicherte das neue katholische Kirchenoberhaupt auch den nichtchristlichen Religionen die Fortsetzung des Dialogs zu: "Die katholische Kirche will mit ihnen weiterhin einen offenen und aufrichtigen Dialog fortsetzen, auf der Suche nach dem echten Wohl des Menschen und der Gesellschaft." Benedikt XVI. erklärte "die Bereitschaft aller Katholiken, an einer echten sozialen Entwicklung mitzuarbeiten, die die Würde jedes einzelnen respektiert". Daher wolle er den von seinen Vorgängern eingeleiteten Dialog mit den verschiedenen Zivilisationen fortsetzen. Denn aus gegenseitigem Einvernehmen erwüchsen die Bedingungen für eine bessere Zukunft für alle.

Dank an die Medienvertreter für ihren "wichtigen Einsatz"
In einer Audienz am 23. April hat Papst Benedikt XVI. den Medien für ihren Einsatz während der letzten Wochen gedankt und die Medienvertreter gleichzeitig an ihre Verantwortung erinnert. Er wisse, dass die Journalisten in den letzten Monaten hart gearbeitet hätten und das weit entfernt von zu Hause und den Familien. "Damit die Sozialen Kommunikationsmittel einen positiven Dienst am Gemeinwohl leisten können, braucht es den verantwortlichen Beitrag aller und jedes einzelnen. Dabei ist es notwendig, immer besser die Perspektiven und die Verantwortung zu begreifen, die die Entwicklung der Medien mit sich bringt - im Hinblick auf die tatsächlichen Auswirkungen auf das Gewissen und auf die Geisteshaltung der Menschen wie auch auf die Bildung der öffentlichen Meinung. Zugleich möchte ich die Notwendigkeit eines klaren Bezugs auf die ethische Verantwortung derer hervorheben, die im Mediensektor arbeiten, besonders hinsichtlich der aufrichtigen Suche nach der Wahrheit sowie des Schutzes der zentralen Stellung und der Würde der menschlichen Person. Nur unter diesen Voraussetzungen können die Medien dem Plan Gottes gerecht werden, der sie uns zur Verfügung gegeben hat, "um die Wahrheit zu entdecken, zu nutzen, bekannt zu machen, auch die Wahrheit über unsere Würde und unsere Bestimmung als seine Kinder, Erben seines ewigen Reiches" (ebd., 14)."
Die Kirche, so der Papst, sei sich der großen Chance der Medien bewusst und versuche auch, mit ihnen zusammen zu arbeiten. In diesem Zusammenhang erinnerte Benedikt an seinen Vorgänger Johannes Paul II., der diesen offenen Dialog sehr kunstvoll geführt habe und der einige Dokumente den Fragen der sozialen Kommunikation widmete. Er selbst wolle diesen Dialog fortsetzen, so Papst Benedikt.

Amtseinführung und Audienz von Papst Benedikt XVI.
In einem feierlichen Gottesdienst am Sonntag, 24.4.2005, nahm Papst Benedikt XVI. mit dem Pallium und dem Fischersring die päpstlichen Insignien. Die deutsche Redaktion von Radio Vatikan begleitete die Eucharistiefeier zur Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. live und in voller Länge mit deutschem Kommentar. Die Berichterstattung kam ab 9 Uhr 50 MESZ auf Kurzwelle 7250 und 9645 kHz, sowie in der Umgebung Roms auf Mittelwelle 1611 kHz, im Internet außerdem auf Audiokanal 3. Den Kommentar übernehmen auch Radio Horeb München, Radio Maria, Domradio Köln, Radio Grüne Welle Bozen, Radio Stephansdom Wien sowie die Fernsehsender EWTN-TV und K-TV. Redaktionsleiter Pater Eberhard von Gemmingen war wieder einer der Experten für das ARD-Fernsehen. Erneut übertrugen die großen Sendersysteme parallel; beim Vergleich der Übertragungen war das Audiosignal von Radio Vatikan merkbar früher zu hören als in den Fernsehübertragungen.
Erneut sorgte Radio Vatikan mit Audiokanälen auf UKW, Mittel- und Kurzwelle sowie Satellit für die mehrsprachige Kommentierung. Außerden den schon erwähnten deutschen Frequenzen kam Italienisch auf 585 und 5885 kHz , Englisch auf 9745 und 11740 kHz, Französisch auf 15570 und 17760 kHz und Spanisch auf 1260, 15330 und 17750 kHz. Mit Sicherheit waren die lokalen Übertragungen auch für die Besucher in Rom wichtig, denn nicht von überall auf dem Petersplatz  gab es etwas zu hören und zu sehen. 500.000 Menschen hatten sich zu dem Gottesdienst versammelt, darunter wohl 100.000 Pilger aus Deutschland. Am Montag, 25.4.2005, empfing Papst Benedikt XVI. vormittags die deutschen Pilger in einer eigenen Audienz. Die Audienz wurde auf denselben Frequenzen wie am Sonntag übertragen.

Benedikt: "Seligsprechungsprozess für Johannes Paul sofort eröffnen"
Papst Benedikt XVI. hat sechs Wochen nach dem Tod den Beginn eines Seligsprechungsprozesses für Johannes Paul II. verkündet. Bei einem Treffen mit den römischen Klerikern verlas er am 13. Mai eine entsprechende Erklärung des zuständigen Kurienkardinals Jose Saraiva Martins. Die Ankündigung wurde mit großem Beifall aufgenommen. Dem katholischen Kirchenrecht zufolge kann ein Seligsprechungsprozess erst fünf Jahre nach dem Tod des Betreffenden eröffnet werden. Doch Papst Johannes Paul II. hatte selbst die Bestimmung über die 5-Jahre-Wartefrist gelockert: Die bisher einzige Ausnahme betraf Mutter Theresa, deren Verfahren ein Jahr nach ihrem Tod einsetzte.  Allerdings: Den Rufen nach einer sofortigen Seligsprechung des verstorbenen polnischen Papstes ist Benedikt XVI. damit nicht nachgekommen. Er hat nur grünes Licht gegeben für den Start des entsprechenden Verfahrens. Das Verfahren selbst könnte noch lange dauern.
 
© Dr. Hansjörg Biener 0503
letzte Bearbeitung 0505
Eingangsseite
AM-Rundfunksender in Mitteleuropa
Auslandsdienste in deutscher Sprache
Weitere internationale Sender
Religiöse Sender und Sendungen