"Deutschling" fesselt Zuhörer


Lyriker Nevfel Cumart bei Lesung am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium



Der deutsch-türkische Lyriker Nevfel Cumart aus Bambert bot bei seinen Lesungen am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium unterhaltsame und anrührende Literatur.

Bilder: rpe




Amberg. Dass Literatur zugleich unterhaltsam als auch anrührend sein kann, bewies der Bamberger Lyriker Nevfel Cumart am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium mit seinen Lesungen vor Schülerinnen und bei der musikalisch umrahmten Abendlesung im Rahmen der 1. DJDG-Frühlings-Buchwochen.

Nevfel Cumart ist bereits ein bekanntes Gesicht am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium, denn der deutsch-türkische Autor war bereits im letzten Jahr zu mehreren Lesungen und zu einer Schreibwerkstatt eingeladen. Auch dieses Mal gelang es Cumart, Schülerinnen und Erwachsene mit einer Auswahl seiner Gedichte in den Bann zu ziehen. Dabei wollte Cumart “eigentlich nie Schriftsteller werden”, berichtete er im Gerhardinger-Saal den aufmerksamen Zuhörern. Sein erstes Buch veröffentlichte er dann als 17-jähriger mittlerweile zählt er mit insgesamt über 1000 Gedichten, von denen nur ein kleiner Teil in den zwölf Gedichtbänden erschienen ist, zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation.

Doch Cumart reiht in seinen Lesungen nicht Gedicht an Gedicht. Mit seinen Ausführungen über seine Lebensgeschichte, angefangen von der Namensfindung, seinen Erlebnissen als einziger Junge in einer Mädchenschule bis zu seinen Freundschaften, zahlreichen Reisen, Begegnungen und Erfahrungen gelingt es ihm, Schriftstellertum und Literatur anschaulich zu vermitteln und greifbar werden zu lassen. Dabei verbindet er Persönliches, Nachdenkliches und Selbstironisch-Humorvolles. Auch dass es nicht immer leicht war für jemanden wie ihn, der zwischen mehreren Kulturen lebt, weiß er zu berichten in der Türkei ein “Deutschling”, hier ein Türke, über den auch die deutschen Eltern seiner jeweiligen Freundinnen gar nicht begeistert waren.

Bereits in den frühen Gedichten, von denen eine Auswahl im Herbst des letzten Jahres erschienen ist (“Ich pflanze Saatgut in Träume”), zeigt sich die Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, wie z.B. in seinem Gedicht “verfolgte”:

    “wir flohen / nach deutschland / weil wir / in unserer heimat / gejagt wurden
    konnten wir / ahnen / daß unsere / häscher / schon vorausgeeilt waren?”

Zahlreiche Literaturpreise belegen inzwischen eindrucksvoll, dass Cumart als Dichter mit individuellem Stil und einer eigenen literarischen Sprache seinen Platz in der deutschen Literatur gefunden hat - der Applaus und der Ansturm auf vom Autor signierte Bücher nach den Lesungen zeigten deutlich, dass er auch einen Platz in den Herzen vieler Amberger erobern konnte.


Amberger Zeitung, 30. März 2001