Setzwein lauschen



Bücherfrühling: Autor am Decker-Gymnasium zu Gast



Bernhard Setzwein las aus seinem Roman DAS BUCH DER SIEBEN GERECHTEN.

Amberg. (rpe) Mit Bernhard Setzwein hatte das Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium im Rahmen des alljährlichen „DJDS-Bücherfrühlings“ wieder einen profilierten Autor zu Gast, der mit seinen 46 Jahren auf ein dreißigjähriges literarisches Schaffen zurückblicken kann. Die direkte Begegnung mit einem Schriftsteller war gedacht als Werbung für das Lesen und für das Verständnis von Literatur, und die Reaktion der Oberstufen-Schülerinnen während und nach den beiden Lesungen zeigte, dass das Vorhaben auch gelang.

In einem einführenden Part las Setzwein, der seit 1990 in Waldmünchen lebt und arbeitet, jeweils frühe Mundartgedichte aus den beiden Sammlungen „Hobdz mi gern“ und „Vareck“, die er noch selbst als Oberstufenschüler verfasste und mit deren skurrilen Humor er schnell die Zuhörerinnen gewinnen konnte.

Anschließend stellte der Autor seinen Roman „Das Buch der sieben Gerechten“ aus dem Jahr 1999 vor, in dem Setzweins Geburtsort München im Mittelpunkt steht. Die Stadt, bedroht von Strafgericht und Untergang, kann nur gerettet werden, wenn sieben „Gerechte“ gefunden werden, die in der Stadt gelebt oder sich in ihr aufgehalten haben. In einem Geflecht von Handlungssträngen und verschiedenen Zeitebenen stellt ein Nachwuchsautor und Hobbyhistoriker die Geschichten von Leuten vor, die im Sinne der göttlichen Forderung als „Gerechte“ gelten könnten.

Die Episode, die Setzwein las, spielt während des Dritten Reichs und rankt sich um einen dieser sieben Gerechten, den jüdischen Kommerzienrat Lehmann, der 1933, schon verhaftet, doch wieder freikommt. Eine gewichtige Rolle bei dieser Aktion spielt dabei Hanni, die Verlobte eines Mitglieds des NS-Studentenbundes, die ihr menschliches Verhalten gegen den stupiden und blinden Antisemitismus ihres Bräutigams setzt. Die im Anschluss an die Lesung folgende Aussprache brachte eine Fülle von Fragen zur Romanhandlung, zur materiellen Situation eines freien Schriftstellers und zu weiteren Werken und Vorhaben, die zeigten, dass es Setzwein ausgezeichnet gelungen war, die Schülerinnen anzusprechen.



Amberger Zeitung vom 19. Mai 2006
Bilder: djd