Bericht
Gemeinderatssitzung Gebenbach vom 18.11.2002

zurück

Ganz im Zeichen der Umsetzung des Agenda21-Leitbildes der Gemeinde Gebenbach stand die Sitzung des Gebenbacher Gemeinderates. So haben die Räte beschlossen, die neue Schulheizung mit  erneuerbarer Energie aus Pflanzenöl zu betreiben und ein Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk zu installieren. Unterstützt wird dabei die Gemeinde vom Projekt "Abkürzung" der Volksschule Hirschau. Weiterhin genehmigten die Gemeinderäte den Bauantrag von Andreas Flierl. Er widmet im Sinne der Agenda 21 und Dorferneuerung Gebenbach ein landwirtschaftliches Gebäude seiner alten Hofstelle als Wohnung und Lagerhalle um.

Das Thema Erneuerbare Energien für die Grundschule Gebenbach stand ganz oben in der Tagesordnung des Gebenbacher Gemeinderates. Bürgermeister Peter
Dotzler konnte hierzu die Herren Brühschwein und Künzel von der Volksschule Hirschau, die Ingenieure Zipfel und Kaelke vom Planungsbüro Ecotopia und Herrn
Stellv. Landrat Dr. Klaus Schwinger als Stellv. Vorsitzender des Vereins RegEn Opf. e.V. und Sprecher des AOVE-Arbeitskreises Erneuerbare Energien begrüßen. So betreut Ekkehard Brühschwein als Lehrer das Projekt "Abkürzung" der Volksschule Hirschau. Herr Künzel, er hat als ehemaliger Schüler die Hauptschule Hirschau in diesem Jahr verlassen, überreichte Bürgermeister Peter Dotzler symbolisch das neue Energiekonzept für die Grundschule Gebenbach im Wert von ca. 5.500 EURO. Es wurde vom Projekt "Abkürzung" der Volksschule Hirschau in Auftrag gegeben und mit Preisgeldern aus ökologischen Projekten an der Schule finanziert. Es soll dazu dienen, die bisher von der Schule ausgehende CO²-Belastung von ca. 49 to pro Jahr einzusparen. Bürgermeister Dotzler bedankte sich für dieses Konzept und übergab das Wort an die Verfasser des Werkes, die Herren Zipfel und Kaelke vom Planungsbüro Ecotopia. Diese erläuterten den Gemeinderäten die aktuelle Situation in der Grundschule Gebenbach.

So sei die jetzige Ölheizung aus dem Jahre 1975 mit 244 KW Leistung völlig überdimensioniert, veraltert und mit in Krafttreten der neuen Abgasgrenzwerte im November 2004 nicht mehr zugelassen. Die Gemeinde ist deshalb gezwungen diese Heizungsanlage zu ersetzen. Die Fa. Ecotopia hat nun in zwei Schritten zum einen das Gebäude aus dem Jahre 1959 untersucht und mögliche Energiesparmaßnahmen vorgeschlagen. Im zweiten Teil wurde speziell die Heizungsanlage untersucht und die Wirtschaftlichkeit von drei möglichen Varianten errechnet. Als Energiesparmaßnahmen am Gebäude ermittelten die beiden Ingenieure die Isolierung des Mauerwerkes mit einem Einsparpotential von 18 %, die Erneuerung der Heizkörperthermostate und Änderung der  Steuerung mit 14 %, neue Fenster am Gebäude mit 4 % und die Verbesserung der Deckenisolierung mit 2 % Energieeinsparpotential. Bei den drei alternativen Heizungsvarianten verglichen sie eine Niederthemperatur-Ölheizung, ein Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk mit 24 KW thermischer Leistung unterstützt durch einen Spitzenlast-Pflanzenölbrenner und ein Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk mit 40 KW thermischer Leistung und einem zusätzlichen Pufferspeicher von 3000 Litern als Spitzenlastreserve. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung armotisieren sich die Mehrkosten der Variante 3 mit dem größeren Pflanzenöl-BHKW bereits nach 5 bis 7 Jahren. Dies geschieht über die zusätzliche Stromeinspeisung des BHKW's, während eine reine Ölheizung nur Kosten verursacht und keine Erträge erzielt. Zusätzlich
wirkt sich Pflanzenöl als Brennstoff CO²-neutral aus. Also können mit dieser Heizungsvariante im Jahr über 49 to des schädlichen Treibhausgases eingespart werden. Diese Einsparung bringt die Gemeinde zusätzlich in den Genuss eines zinsgünstigen KfW-Darlehens für die Umbaumaßnahme am Schulgebäude.

Zweiter Bürgermeister Karl Erb wies daraufhin, dass Pflanzenöl bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung preislich nicht zu niedrig einzuschätzen, da bei steigenden Heizölpreisen auch mit steigenden Pflanzenölpreisen zu rechnen sei. Gemeinderat Andreas Wendl fragte bei den Ingenieuren nach anderen Alternativen bei den erneuerbaren Energien, wie Hackschnitzel-, Holzpellets- oder Getreideverbrennung nach. Dies wurde von der Fa. Ecotopia auch beleuchtet. Aufgrund der fehlenden Möglichkeit eines Blockheizkraftwerkes rechnet sich bei diesen Varianten die Wirtschaftlichkeit nicht. Gemeinderat Wolfgang Kredler stellte die Frage nach der Betriebssicherheit eines BHKW's mit Pflanzenöl. Hier konnte Herr Brühschwein aus seiner Erfahrung berichten. Er betreibt sein BHKW bereits seit 6 Jahren und hatte noch keine nennenswerte Störungen. Dr. Klaus Schwinger nannte das Pflanzenöl als Energie der kurzen Wege mit regionaler Wertschöpfung. So seien in der näheren Umgebung bereits Ölpressen installiert und auch für die nahe Zukunft neue Projekte in Planung. Ebenso werde diese Energieart in einer Langzeitstudie wissenschaftlich begleitet und als sicher eingestuft. So beschloss der Gemeinderat einstimmig, die alte Schulheizung mit einem Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk zu ersetzen und energiesparende Maßnahmen am Schulgebäude durchzuführen. Als Überraschung für den Gemeinderat übergab Herr Künzel einen Gutschein im Wert von 10.000 EURO an Bürgermeister Dotzler. Dieser Gutschein ist nach erfolgreicher Installation der neuen Heizung beim Projekt Abkürzung der Volksschule
Hirschau einzulösen. Das Gemeindeoberhaupt bedankte sich für die großzügige Unterstützung und nannte es einen Dominoeffekt, wenn von einer Nachbargemeinde zur anderen neue ökologische Projekte ins Leben gerufen werden. Mitinitiator Ekkehard Brühschwein freute sich über den Gemeinderatsbeschluss. Ihm ist es ein Anliegen die Bevölkerung über die neuen Möglichkeiten zu informieren. Dies ist mit der Präsentation der neuen Heizung in Gebenbach verstärkt möglich.

Sehr positiv wurde der Bauantrag von Andreas Flierl, Gebenbach vom Gemeinderat eingestuft. Er baut ein landwirtschaftliches Gebäude an der Bahnhofstraße als Wohnung und Materiallager für eine Trockenbau- und Malerbetrieb mit drei Beschäftigten um. Dieser Bauantrag ist ganz im Sinne der Dorferneuerung und dem Agenda21-Leitbild. Er wurde einstimmig mit Auflagen genehmigt.

Eine nichtöffentliche Sitzung schloss sich an.

Bürgermeister Dotzler, Lehrer Brühschwein und der ehemalige
Schüler Künzel aus Hirschau bei der Übergabe eines Gutscheins im Wert von 10.000 EURO.