Die liturgischen Haltungen

Das Stehen

Stehen ist eine Körperhaltung, die von allen Tieren und Lebewesen nur der Mensch einnehmen kann. Sie signalisiert Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Bereitschaft. Wenn Menschen Wache halten, sich für etwas bereit halten, oder etwas ganz genau beobachten wollen, stehen sie.
Auch stehen wir auf, wenn wir einem anderen zum Gruß die Hand reichen, oder ihn Ehren wollen. Folglich ist das Stehen auch eine Haltung der Ehrfurcht.
Wenn wir auf die Urkirche zurückblicken, werden wir feststellen, dass bei deren Gottesdiensten nur stehend gebetet wurde. Damit wollte man bereit sein, für das Kommen des Herrn, Wache halten, für die Ankunft Jesu. So heißt es auch im eucharistischen Hochgebet: Wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen.
Unsere Ehrfurcht vor dem Wort Gottes drücken wir auch bei der Verkündigung der Frohen Botschaft aus, da wir auch hierbei mit Blick zum Ambo gerichtet stehen.
Auch beim Credo stehen wir, um unsere Bereitschaft auszudrücken, unser Leben nach dem Glauben zu leben, und für unseren Glauben Zeugnis abzulegen.

Das Sitzen

Eine Haltung des aufmerksamen Zuhörens ist das Sitzen. Wenn es etwa darum geht, in der Schule dem Lehrer zuzuhören, sitzen wir. Im Gottesdienst sitzen wir bei der Predigt und bei den Lesungen, um aufmerksam das Wort der Schrift und die Auslegungen des Priesters zu hören.
Doch früher saßen auch Lehrer beim Unterricht vor der Klasse, und der Platz wo er saß, wurde Katheder bzw. Lehrstuhl genannt. Daher ist das Sitzen auch eine Haltung des Lehrens. Früher saßen auch Priester und Bischöfe beim Verlesen der Predigt. Heute noch wird der Platz, von dem aus sie sprachen, der Predigt-Stuhl genannt.

Die Kniebeuge, das Knien

Ein Zeichen tiefer Verehrung ist die Kniebeuge. Wir machen uns klein vor Gott und bekennen unsere Einfachheit vor der Größe und Herrlichkeit Gottes. So machen wir beim Betreten der Kirche, am Anfang des Gottesdienstes, als auch vor dem Auszug eine Kniebeuge. Der Priester macht zur Verehrung der Gegenwart Gottes auch noch bei der hl. Wandlung und vor der hl. Kommunion eine Kniebeuge.

Die Verneigung

In einigen Ländern wie z.B. Japan zu den normalen Umgangsformen und wird meist als Gruß verwendet. Sie symbolisiert hier Achtung und Dankbarkeit. Für uns ist die Verneigung neben der Kniebeuge ein weiteres Zeichen der Verehrung Gottes, da sie Ehrfurcht und Dankbarkeit ausdrückt. In der Liturgie gibt es die kleine und die große Verneigung. Die kleine Verneigung (auch Kopfverneigung genannt) wird zum Beispiel bei Zureichen der Gaben bei der Gabenbereitung, bei der Handwaschung, oder nach den Inszensen gebraucht, während die große Verneigung (Körperverneigung) der Verehrung von Kreuz und Altar dient.

Die Händehaltung

Der Mensch schafft sich seine Umwelt mit den Händen. Er braucht sie im täglichen Leben für alles Brauchbare und Schöne. Genauso kann er die Hände zum Ausdruck von Gefühlen und sogar zur Sprache werden lassen. Etwa wenn man die Hand zum Gruß erhebt, oder einem Freund / einer Freundin, der man begegnet zuwinkt. Daher ist nicht verwunderlich, dass sich auch in der Kirche Handhaltungen herausgebildet haben, mit denen wir unsere innere Haltung vor Gott zeigen wollen.
Dabei wäre als erstes das falten der Hände zu nennen. Dieses will ausdrücken, dass wir ganz für unseren Gott da sein wollen.
Die geschlossenen Hände bei der Gebetshaltung zeigen sind Zeichen von Besinnung beim Gebet.
Die ausgebreiteten Hände des Priesters beim Tagesgebet, Gabengebet und Schlussgebet, bei der Präfation, bei dem Kanon und beim Vater Unser zeigen Verlangen nach der Hilfe Gottes und Hingabe an Gott. Die offene Handhaltung ist Ausdruck des demütigen Rufens um Erhörung.