Heimatserie
von Josef Popp
veröffentlicht am
20.10.2008 in der Mittelbayerischen Zeitung
Vils und Lauterach prägen das
Leben
Rund 1000 Jahre ist es her, dass Schmidmühlen als smidimulni
in einer Schenkungsurkunde auftaucht.
Im Rückblick geht die Besiedelung Schmidmühlens natürlich
schon weiter zurück. Schon aus der Zeit vor 8000 Jahren lassen sich erste
Fundstücke datieren. Der Keltenwall am Kreuzberg ist ein weiteres sicherer
Beweis dafür, dass bereits vor Christi Geburt das Gebiet um die Mündung der
Lauterach in die Vils besiedelt war. Die Festlegung des Jahres der ersten
urkundlichen Nennung war gar nicht so einfach. Voran gegangen sind nochmals
Recherchen, denn das exakte Jahr lässt sich nicht festlegen, aber der Zeitraum:
1010 bis 1028.
Das Land um Schmidmühlen war um das Jahr 1000 im Besitz der
Marktgrafschaft Hohenburg. Die Landgrafenswitwe Philifrieda vermachte –
wie es damals weitverbreitete Sitte war – die Besitztümer zum Seelenheil
ihres Mannes an das Kloster St. Emmeram. Der Abt ließ die Schenkung in das
Traditionsbuch des Klosters einschreiben. In dieses Buch wurde zwar leider
nicht das Datum der Schenkung eingetragen, wohl aber, dass diese Schenkung
während der Regierungszeit des Abtes Richboldus geschah. Dieser Abt regierte
das Kloster Emmeram in den Jahren 1010 bis 1028. Bereits der große
Heimatforscher und Verfasser des Heimatbuches Franz – Xaver Eichenseer
beschrieb die erste urkundlichen Nennung „um 1010“. Nachdem die
Recherche seitens der Marktverwaltung ergab, dass dies auch so war und dass vor
allem keine neuen Erkenntnisse bezüglich eines genaueren Datums vorliegen, fiel
die Entscheidung für das Jahr 1010.
Territorial gesehen gehörte Schmidmühlen rechts der Vils
ursprünglich zum Gebiet der Grafen von Hohenburg. Als deren Ministerialen saßen
in der Wasserburg an der Stelle des heutigen Oberen Schlosses die „von
Schmidmühlen“ (erwähnt von 166 bis 1367). Sie führten das gleiche Wappen
wie der Mark heute: das Schild gespalten, links ein schwarzer Schmiedehammer
auf Silber, rechts am Spalt ein halbes goldenes Mühlrad auf rotem Feld. Die
Lage an der Lauterach bzw. an der Vils war wohl die Grundlage für die
Besiedelung. Mühlen und die Eisenhämmer dürften über Jahrhunderte hinweg neben
der Landwirtschaft die Lebensgrundlage für die Bevölkerung sein. Die Bedeutung
Schmidmühlens dürfte im frühen Mittelalter schon recht angewachsen sein, denn
im Jahr 1270 wird Schmidmühlen als „Markt und Amt“ geführt. Das
Schmidmühlener Amt schien recht klein. Es bestand 1283 aus dem Markt
Schmidmühlen, dem Vogteihof Harschhof, dem Hof Ettsdorf und dem Hof Härbenthal.
1326 fehlt dieser Hof, der zwischen Schmidmühlen und Emhof gelegen war.
In Schmidmühlen wurden im Laufe der Jahrhunderte drei
Schlösser gebaut. neben dem Hammerschloss ist für den Markt natürlich das Obere
Schloss von großer Bedeutung, da es seit vielen Jahrzehnten als Rathaus dient.
Ursprünglich befand sich an der jetzigen Stelle des Oberen
Schlosses eine Wasserburg. Auf der Burg selbst saßen bis 1270 Ministeriale der
Hohenburger Grafen, dann wurde sie wittelbachisch. Etwa um 1353 erfolgte durch
den letzten Schmidmühlner (Karl von Schmidmühlen) entweder ein Neubau oder eine
umfangreiche Neugestaltung. Das heutige Schloss ist um 1600 durch Hans Jakob
Hausner von Winbuch erbaut worden. In diesem Schloss befand sich auch im
Erdgeschoß eine kleine Kapelle, die jedoch bereits vor langer Zeit zugeschüttet
und zugemauert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten immer wieder die
Besitzer. Bei einer wissenschaftlichen Erfassung um 1900 war das obere Schloss
unbewohnt. Es diente, so der Bericht, seit vielen Jahrzehnten zur Aufbewahrung
von Hopfen und Getreide. 1919 verkaufte es Josef Rubenbauer an einen Nürnberger
Architekten mit Namen Jakober, der es wieder gründlich renovierte und bewohnbar
machte. Im Jahre 1937 ging es in den Besitz der Marktgemeinde Schmidmühlen
über. Das Schloss wurde anschließend als Rathaus verwendet.
Zum Prädikat „berühmtester Sohn Schmidmühlens“
hat sich sicher Erasmus Grasser verdient. Der Künstler dürfte wohl um 1450 in
Schmidmühlen geboren sein. Grasser waren damals in Schmidmühlen nachweisbar.
Ein Hans Grasser wird mehrfach genannt. Über den jungen Künstler weiß man
wenig. Es darf vermutet werden, dass er seine Ausbildung in Amberg erhalten
haben dürfte. 1474 erscheint Erasmus – Grasser in den Akten der Münchner
Sankt – Lukas – Zunft, welcher er als Bildhauer angehören musste.
In unserem Raum ist er vor allem aufgrund seiner geschnitzten Moriskentänzer
bekannt. So grüßt im Schlossgarten des Oberen Schlosses der Jüngling die Bürger
und Gäste.
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Erasmus
Grasser: Jünglich am Rathaus |
Gerettet:
der alte Grabstein erinnert an die Kirchengeschichte |
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die Vils und die Lauterach prägten schon immer das Leben
der Schmidmühlner - heute noch als Blickfang |
Tore waren in unsicheren Zeiten wichtig - wie hier das
letzte Tor im Hammerviertel |