Heimatserie

von Josef Popp

 

veröffentlicht vom 21.10.2008 in der Mittelbayerischen Zeitung

 

 

Sitt und Tracht der Alten (der Trachtenverein)

 

Fragt man in Schmidmühlen jemanden spontan auf der Straße, wer wohl der Verein ist, der die Heimatgeschichte am besten repräsentiert oder lebt, so erhält man mit Sicherheit eine einhellige Antwort: der Heimat- und Volkstrachtenverein. Und mit dieser Antwort liegt man sicher richtig.

Es ist schon eine große Verantwortung, die hier auf den beiden Vorsitzenden Sepp Kalteis und Gerald Stauber sowie der Vorstandschaft liegt. Ein Erbe in Ehren zu halten ist eine große Herausforderung und man muss froh sein, dass es noch verantwortungsvolle Idealisten gibt, die sich den Aufgaben in den Vereinen stellen. Es ist sicher nicht einfach, Geschichte und Tradition so zu leben und auch zugleich am Leben erhalten, wie es die Vorfahren gelebt haben. Dies schaffen die Trachtler aus Schmidmühlen seit Jahrzehnten bravourös.

 

Der Lebensstil einer Epoche oder einer Region drückt sich vor allem auch in der Kleidung aus. In der Monatszeitschrift „Die Oberpfalz“ aus dem Jahre 1911, herausgegeben vom Verlag Laßleben aus Kallmünz, kann man nachlesen: „Wohl jeder, der die im Festzug vorgeführten prächtigen Trachten der Oberpfalz sah, wird bedauern, daß diese immer mehr verschwinden. Möchten daher diejenigen, die noch die Tracht der Eltern und Großeltern tragen, sich nicht beirren lassen, und wer noch solch´ Trachten im Besitz hat, möchte sie wieder hervorsuchen und in Ehren tragen.“ (Quelle: Zitiert aus der Gauchronik der oberpfälzer Heimat- und Trachtenvereine). Dieser Appell fand rund 18 Jahre später auch offene Ohren in Schmidmühlen – der Heimat und Volkstrachtenverein wurde gegründet und entwickelte sich zu einer festen Größe in Schmidmühlen. Mit über 300 Mitglieder ist er fest in die Ortsgemeinschaft integriert und eine wertvolle Stütze im Gemeindeleben. Eigentlich könnte der Verein im nächsten Jahr seine 80 jähriges Jubiläum feiern. Dies wird er aber erst im Rahmen der 1000 Jahrfeier im Jahr 2010 mit dem Gautrachtenfest tun.

Eine gute Entscheidung und es wird sicher einer der Höhepunkte in Schmidmühlens Jubiläumsjahr werden. Für Sepp Kalteis und Gerald Stauber geht nicht nur der Blick zurück auf eine traditionsreiche Vergangenheit, sondern auch im Blick in die Zukunft. Stolz verweisen sie  wie auch Ehrenmitglied Hermann Weigert auf das Motto der Trachtenbewegung, das auf der Vereinsfahne steht: „Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten.“ Tracht hat nichts mit der aktuellen Landhausmode zu tun, so Sepp Kalteis. Tracht ist Kontinuität, nichts Schnelllebiges und Tracht ist etwas Wichtiges für den Verein –– immerhin prägt das Wort ja schon den Vereinsnamen:

Trachten - verein. Tracht hat etwas mit Heimattreue und Tradition zu tun, ist Ausdruck des Volkssinns und bodenständiger Lebensart. Wer aktiver Trachtler werden will, muss sich diesem Motto verschreiben, so Sepp Kalteis. Dabei fühlt sich der Schmidmühlener Trachtenverein auch dem Brauchtum verpflichtet, das sich aus einer ländlichen Gegend auch aus dem jahreszeitlichen Arbeit der Bauern und auch Handwerker ergibt. Brauchtum und Tracht hängen eng miteinander zusammen. Heimatabende, heuer das großartige Musikantentreffen, das Heimatfest, öffentliche Auftritte mit Tanzvorführungen und natürlich die Festzüge in der ganzen Oberpfalz tragen dazu bei, Brauchtum zu leben. Bereits den Kindern bringen wir das Typische der Oberpfalz bei, wie zum Beispiel die typischen Tänze wie die Zwiefachen, betont der Trachtenvorstand. Und wir reden den oberpfälzer Dialekt. Auf noch etwas legt man beim Heimat- und Volkstrachtenverein großen Wert: auf die gemütliche Geselligkeit. Und das soll so blieben – auch in Zukunft.

 

> Am 21. Juli 1929 trafen sich erstmals mehrere Freunde der Heimatkunde in einem Gasthaus in Schmidmühlen, um den Trachtenverein zu gründen. Zu dieser Versammlung waren auch Trachtler aus Amberg gekommen, um ihre Solidarität mit dem Verein aus zu drücken.

> Noch am gleichen Tag traten 18 Männer und zwei Frauen dem neuen Heimat- und Volkstrachtenverein bei.

> Bereits im Jahr 1930 beteiligte sich der neu gegründete Verein mit ersten Figurentänzen am Heimatfest. 

> Der zweite Weltkrieg stoppte die Entwicklung des Vereins zu nächst jäh. Doch ein Jahr nach Kriegsende 1946 wurde der Verein wieder zu einem neuen Leben erweckt. In den darauffolgenden drei Jahrzehnten erlebte der Trachtenverein seine große Blütezeit .

> 1949 wurde eine neue Fahne geweiht. Im Jahre 1954 feierte der Trachtenverein mit vielen Umsiedlern und Bürgern sein 25 jähriges Vereinsjubiläum.

> Auch die Pflege der Volksmusik wurde groß geschrieben. Im Jahr 1965 gewannen die Gesangsgruppen des Trachtenvereins zahlreiche Auszeichnungen.

> Unvergessen in Schmidmühlen ist aber immer noch das 40. Vereinsjubiläum im Juli 1969. Schirmherr war damals der bayerische Ministerpräsident Dr. h. c. Alfons Goppel sowie Regierungspräsident Ernst Emmerig. Eine besondere Ehre war es auch für die Mitglieder des Jubelvereins, Prinzessin Hella von Bayern zum Festzug  begrüßen zu können. Beim Heimatabend traten der unvergessene Roider Jackl und Erni Singerl auf.

> 1979 stiftete der Verein der Marktgemeinde ein kleines Heimatmuseum. In den 90iger Jahren wurde es etwas ruhiger um den Verein. Dies ist vor allem auf das Fehlen eines geeigneten Vereinsheimes zurückzuführen.

> 2003 konnte das neue Trachtenheim bezogen werden.

 

Stolz auf die Fahne: Sitt und Tracht der Alten - wollen wir erhalten

vlnr: Josef  Kalteis, gerald Stauber, Hermann Weigert

 

Trachtenjugend - beim Marktfest

 

Viele Erinnerungsgaben erinnern im wahrsten Sinne des Wortes an viele Veranstaltungen - Bild Karl - Heinz Kalteis

 

Trachtenpionier Anton Espach

 

Josef Vogl links und Johann Dobler rechts