Heimatserie

von Josef Popp

 

veröffentlicht vom 22.10.2008 in der Mittelbayerischen Zeitung

 

 

 

Voneinander lernen (die Schule)

 

Eigentlich ist Rektor Franz Fuchs, Schulleiter der Erasmus – Grasser – Volksschule Schmidmühlen recht zufrieden. Nicht nur eigentlich - er ist es auch. Dies kann er auch sein, denn er leitet noch eine der wenigen kompletten Volksschulen im Landkreis Amberg - Sulzbach. Komplett heißt in diesem Fall: von der 1. bis zur 9. Klasse.

Fast wäre in diesem Schuljahr die Schulfamilie nicht mehr komplett geblieben. Noch nicht vergessen ist der Kampf um einen Schüler / eine Schülerin, um die 7. Klasse der Hauptschule zu retten. Dies gelang – gemeinsam mit Schule, Eltern, der Politik und der Medien. Diese drei Wochen im August und September bleiben vielen unvergessen, vor allem auch im Kultusministerium.

Sehr gute Voraussetzungen, um einen guten Schulabschluss zu erreichen, finden die Kinder in der Schmidmühlener Schule vor. In drei großen Bauabschnitten wurden in den letzten Jahren die Heizungsanlage, die Fenster und die Türen oder auch Böden und Beschattungsanlagen erneuert. Jetzt sind die Lehrer und die Kinder am Zug. Eine wichtige Neuerung gibt es seit heuer an der Volkschule mit der Mittagsbetreuung. Seit diesem Jahr können die Kinder freiwillig zur Mittagspause und am Nachmittag an der Schule bleiben und dort ihre Hausaufgaben zu machen. Damit leistet man auch in der Lauterachtalgemeinde einen wichtigen Beitrag zu Leistungsoptimierung und zur Chancengerechtigkeit. Das Angebot wurde gut angenommen.

 

Nicht ohne stolz verweist Schulleiter Franz Fuchs auf die guten Schulabschlüsse der Neuntklässler - sie kommen aus den Gemeinden Schmidmühlen und Hohenburg – beim Qualifizierenden Hauptschulabschluss. Wir gehören Jahr für Jahr zu den besten Schulen, was sicher am Fleiß und der Leistungsbereitschaft der Schüler liegt, aber auch die Lehrer und Fachlehrer leisten hier „ihren“ Beitrag zum Erfolg, lobt der Schulleiter. Fleißig sind die Kinder allemal. In der 1. Klasse haben die Buben und Mädchen schon viel gelernt. Mit den Buchstaben Mm, Aa, Ii und Oo kann man schon eine ganze Menge lesen - wichtige Wörter wie Mama, Mimi oder Omi. Und rechnen können die Kinder auch schon nämlich bis 6. Viel versprechend sind auch schon die Berufsvorstellungen. So möchte Lukas ein Fußballspieler beim SV Schmidmühlen werden – wenn es geht auch als Profi. Linda hingegen möchte Pferdereiterin werden – sicherlich auch ein schöner Beruf. Pia sieht sich schon als Lehrerin, während Lukas doch Tierarzt werden. Tier liegen ihm am Herzen: „Da kann ich den kranken Tieren helfen“, ist er voll überzeugt. Turnen und Basteln, aber auch Lesen und Schreiben stehen in der Kategorie „Lieblingsfächer“  bei den Erstklässlern ganz oben.

Etwas konkreter sind da schon die Berufsvorstellungen der Neuntklässler. Sie machen heuer im Juli den Abschluss – mit Sicherheit auch alle den Qualifizierenden Hauptschulabschluss. Die Aussichten sind gut. Qualifizierte Schulabgänger der Hauptschule – insbesondere aus Schmidmühlen - sind gefragte Azubis. Hier reicht das Spektrum der ins Auge gefassten Ausbildungsberufe vom Landwirt über den technischen Zeichner bis hin zum Industriemechaniker oder zur Hotelfachfrau. Keine Frage, dass die Leser der Mittelbayerischen Zeitung bei den bevorstehenden Bewerbungen den Schülerinnen und Schülern die Daumen drücken. Nicht nur kognitive Lerninhalte lernen die Schüler an der Volksschule Schmidmühlen, sondern auch viele soziale Kompetenzen. Und je länger die Kultuspolitiker die Schulfamilien beisammen lassen, umso mehr gilt der Satz: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“. So können der große vom kleinen und der kleine vom großen Mitschüler lernen. Eben wie ein einer richtigen Familie.

 

 

Die Geschichte des Schulwesens beginnt in Schmidmühlen schon früh – wohl im 13. Jahrhundert.  Kaufleute und Handwerker legten schon damals einen großen Wert auf Bildung und Ausbildung. Das Hammerwerk, der Hafen, reisende Händler und Kaufleute oder auch viele Adelige waren sicher damals schon die Garanten, dass es eine Schule gab – in welcher Form auch immer. Bereits 1566 gab es einen konkreten Hinwies auf eine Schule in Schmidmühlen.  In einem Visitationsbericht von 1566 wird darüber geklagt, dass der Lehrer in Schmidmühlen nur deutsch lesen und schreiben lehrte. 1575 gingen 15 Knaben und acht Mädchen, im Jahr 1610 60 Knaben und 20 Mädchen in die Schule. 

Die erste Schule wurde in den Jahren 1863 / 1864 erbaut. Dieses Gebäude stand vor der Pfarrkirche direkt am Dorfplatz. Nach Meinung des verstorbenen Heimatchronisten Fran Xaver Eichenseer  dürfte hier schon immer die Schule gewesen sein. „Das Schulhaus kann keinen anderen Standort gehabt haben, als unser bis 1960 benutztes“. Bis 1883 war dort auch die Gemeindeverwaltung untergebracht. Die eine Hälfte des Schulhauses war Eigentum der katholischen Kirchenstiftung, die andere Hälfte gehörte dem Markt Schmidmühlen (Schulsprengel). Das gesamte Schulgebäude wurde 1967 abgerissen und als Kirchenvorplatz gestaltet. Von 1947 bis 1960 waren im Oberen Schloss zwei Schulklassen untergebracht. Die neue Schule in der Dr. Pfab – Straße wurde 1960 fertig gestellt. Im Jahr 1959 wurde in Anwesenheit vieler Honoratioren und Gästen das Richtfest gefeiert. Die neue Schule kostete damals 560.000 DM. In den Jahren 1973, 1980 und 1987 / 88 und letztlich in den letzten sechs Jahren wurde die Schule wiederholt erweitert und umgebaut.

 

Pause ist immer noch das schönste Unterrichtsfach

 

1. Klasse

 

Schulbild 1938: Die Geburtsjkahrgänge 1928 / 1929 / 1930  mit Lehrer Hemrich

 

Schulhaus um 1960