Heimatserie
von Josef Popp
veröffentlicht vom
23.10.2008 in der Mittelbayerischen Zeitung
Schmidmühlener Sammler
„Es saugt und bläst der Heinzelmann wo Mutti sonst nur
saugen kann.“ Wer kennt ihn nicht den Spruch aus Loriots Feder. Und genau
an diesen Spruch fühlt man sich erinnert, wenn man in das Reich von Tobias
Fleischmann kommt. Staubsauger (zumindest auf dem Dachboden) soweit das Auge
reicht. Es sind nicht die neuesten Technikwunder des Saugens, sondern es sind
die alten, die es Tobias Fleischmann angetan haben. „Ich liebe die
50iger“ und man fühlt sich als Besucher schon etwas in diese Zeit
zurückversetzt. Denn es sind nicht nur die Staubsauger, sondern es sind auch
Möbel, Plattenspieler, Schallplatten, Mixer und vieles Mehr, die mittlerweile das
halbe Jahrhundert auf dem Buckel haben. Jeder Museumsdirektor könnte da vor
Neid erblassen. Seit seinem 16. Lebensjahr sammelt Tobias Fleischmann.
„Technik hat mich schon immer begeistert und wenn man etwas hat, kann man
sich von ihm nicht trennen“, gesteht Tobias Fleischmann. Es ist
tatsächlich eine ganze Zeitepoche, die er mit und in seiner Sammlung festhält.
Wer glaubt, Loriots saugender und blasender Staubsauger wäre
eine Erfindung des genialen Schriftstellers, der wird beim Blick in die
Sammlung schon eines besseren belehrt. Da ist zum Beispiel der Staubsauger
Piccolo, der eigentlich gar kein so richtiger Staubsauger ist. Denn genau
genommen ist es ein Haushaltsmotor, der zugleich eine Küchenmaschine, ein
Schnitzelgerät mit Frischsaftzentrifuge, eine Kaffeemühle, eine rotierende
Bohnermaschine, ein Schmirgel- und ein Poliergerät, ein
Universalreinigungsgerät, ein Spritzgerät und letztendlich – man höre und
staune – ein Shamponiergerät ist. Geht man auf die Bedienungsanleitung,
so war der Piccolo zu seiner Zeit die meistgekaufte Küchenmaschine
Deutschlands. Jeder vierte Haushalt hatte diese Universaltechnikwunder. Wer
sagts denn. Kommt man beim Anblick dieses Wundergerätes schon ins Schwärmen, so
wird sogar so manch rasender Reporter beim Anblick einer Graetz Grazioso
Musiktruhe langsam und ruhig - noch dazu, wenn aus dem Lautsprecher Elvis
Presleys „Musi denn zum Städele hinaus...“ ertönt.
„Nichts kann ich hergeben“, gesteht Tobias
Fleischmann, „an jedem Stück – wie zum Beispiel Schwester Simpertas
alten Plattenspieler, hängt mein Herz.“ Nur mit dem Platz hapert es a
bisserl, gesteht Tobias Fleischmann. Platzprobleme haben grundsätzlich alle
Sammler, sieht man von Briefmarkensammler einmal ab.
Erinnerungsstücke der besonderen Art sammelt Hans Rubenbauer -
auch er braucht Platz. Als erstes fällt der Blick auf Schnupftabakdosen, die es
in den Anfangsjahren der Wildwochen noch gegeben hat. Einen konkreten Wert
haben sie nicht, meint Hans Rubenbauer, eben einen Erinnerungswert an
„alte Zeiten“. Diese spiegeln auch so manche Bierkrüge wieder.
Überall wo ich hingekommen bin und ein Bierkrügerl hat mir gefallen, hab ichs
mitgenommen, erinnert sich Hans Rubenbauer an den Beginn seiner
Sammlerleidenschaft. Dabei sind auch viele von den örtlichen Vereinen, von der
Feuerwehr, den Schützen und vor allem auch von den Fußballern. In einem sind
die ganzen „Spitznamen“ eingraviert – eine tolle Erinnerung.
Doch auch alte Bierflaschen, die ihm in die Hände geraten sind, landen bei Hans
Rubenbauer im Sammlerregal. Eine ganz heiße Sache war scheinbar die Sache mit
dem Haustrunk, bei dem bei Zuwiderhandlung sogar der Zoll und der Staatsanwalt
drohten. Und noch eine Rarität hat Hans Rubenbauer in seinem Fundus –
einen oberpfälzer Wolperdinger. Die gibt es hier immer wieder, so Hans
Rubenbauer. Es hat doch einige Zeit gedauert, bis er das gehörnte und
teilgefiederte Tier fangen konnte, versicherte Hans Rubenbauer glaubhaft.
Es ist halt eben nur alles eine Frage der Zeit. Und über
diese kann Theo Singer aus Emhof recht ausführlich Auskunft geben. Er ist quasi
in der Gemeinde Schmidmühlen der Herr über die Zeit, eigentlich Herr der Uhren.
Theo Singer sammelt Uhren: große und kleine, alte und neue. Uhren haben mich
schon immer fasziniert, gesteht der aktive Pensionist, der jetzt schon tolle
Sachen für den Adventsmarkt bastelt (Zeit: 28 November – vormerken).
Zugegeben – für einen Laien ist die Sache mit den Uhren wie ein Brief mit
sieben Siegeln. Es sind die Nuancen, die Kleinigkeiten und die Feinheiten, die
nur ein Fachmann wie Theo Singer kennt. Viele Uhren waren arg
reparaturbedürftig und bei der einen oder anderen Uhr hat es Wochen gedauert,
bis sie wieder tipp topp waren. Bei einer Uhr wird Theo Singer etwas
melancholisch – es ist die Uhr seiner Eltern. Und er weiß auch wie sie in
den Besitz seiner Familie gekommen ist: Es war Kirchweih in Emhof, als meine
Eltern beim (Gasthof) Kellermeier mit der Dorfgemeinschaft beieinander saßen,
als ein Hausierer kam und die Uhr an meine Eltern verkaufte. 10 Mark mussten
sie anzahlen, 40 Mark hat sie damals gekostet. Eine stolze Summe. Einmal im
Jahr zieht Theo Singer alle Uhren auf – an Silvester, wenn für ein Jahr
die Zeit abgelaufen ist. Dann ticken alle Uhren - alles eben zu seiner Zeit.
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vielseitig verwendbar - der Staubsauger Piccolo hilft der
Hausfrau - mit Tobias Fleischmann |
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was kann es schöneres geben - eine Musiktruhe von Graetz
namens Grandioso und einer echten Elvis - Single mit Musi denn zum .... |
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Herr über viele Krüge und Krügerl - Hans Rubenbauer |
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mit einem Haustrunk musste man vorsichtig umgehen - der
Zoll und Staatsanwalt drohte |
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seltene
Tierarten finden immer einen Sammler - wie hier der Wolperdinger, der auch in
schmidmühlen vorkommt |
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weiß
immer wie spät es ist - Theo Singer - er sammelt Uhren |
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