Heimatserie
von Josef Popp
veröffentlicht vom 28.10.2008
in der Mittelbayerischen Zeitung
Qualifizierte
Fachkräfte sind wichtig
Ohne Lernen und Fleiß gibt es keinen erfolgreichen Abschluss.
Martin Spies, Metzgermeister aus Schmidmühlen
„Lernen, lernen, lernen“ – dies ist die
einhellige Antwort, die die jungen Auszubildenden in verschiedenen
Ausbildungsbetrieben Schmidmühlens den nächsten
Schulabgängern mit auf den Weg geben möchten. Aus eigener Erfahrung in ihren
Ausbildungsbetrieben und in der Berufsschule finden sie täglich mit dem
konfrontiert, was ihnen die Lehrer in den allgemeinbildenden
Schulen mit auf den Weg geben, nämlich, dass das Lernen mit der Schule nicht
aufhört und dass an Haupt- und Realschule die Basis für ein erfolgreiches
Berufsleben gelegt wird.
Die Mittelbayerische Zeitung besuchte exemplarisch fünf
Betriebe in Schmidmühlen, die junge Leute ausbilden. Erfreulich ist, dass noch
viele andere Betriebe qualifizierte Ausbildungsplätze anbieten und so den
jungen Menschen einen erfolgreichen Start in das Berufsleben ermöglichen. Ein
Blick in die Statistik zeigt, dass es derzeit in Schmidmühlen rund 350
Arbeitsplätze gibt. Etwa 110 Schmidmühlener finden in
ihrem Heimatort eine Arbeit, etwa 140 Arbeitnehmer pendeln von auswärts ein.
Vor drei Jahren wohnten in Schmidmühlen 822 sozialversicherungspflichtige
Beschäftigte, von denen ein Großteil in das Umland und Städte wie Amberg,
Schwandorf oder auch Regensburg auspendelten.
Das Verhältnis dürfte sich in den vergangenen Jahren auch
nicht deutlich geändert haben. Schmidmühlen selbst ist
ein wirtschaftliches Kleinzentrum. Darunter versteht man Städte und Gemeinden,
die durch ihre zentrale Lage im Raum das Netz der höherrangigen zentralen Orte
ergänzen und für die Bevölkerung ihres Verflechtungsbereiches (Nahbereich) die
Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des häufig wiederkehrenden
Grundbedarfs gewährleisten. Sie bieten Standortvoraussetzungen für die
Entwicklung von Gewerbe und Wohnungsbau.
Im Ort Schmidmühlen hat sich in den letzten Jahren eine
wesentliche Veränderung gegeben: Die landwirtschaftlichen Betriebe sind aus dem
Hauptort verschwunden. Die beiden letzten Landwirte, die ihre Landwirtschaft in
der unteren Hauptstraße hatten, gaben in den letzten Jahren auf. In den
umliegenden Ortschaften wie Markhof, Harschhof, Sinzenhof oder auch Winbuch
gibt es noch hauptberufliche Landwirte. Man kann die Arbeitsplatzsituation
sicher unterschiedlich einschätzen, aber 350 Arbeits- und Ausbildungsplätze
sind für einen kleinen Markt wie Schmidmühlen doch recht ordentlich, auch wenn
man immer nach Verbesserungen streben kann. Erst im letzten Jahr hat der Markt
Schmidmühlen ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen, in dem sich bereits drei
Betriebe angesiedelt haben.
In der heutigen Berufswelt kann man ohne qualifizierte
Arbeitnehmer nicht existieren, dies war die einhellige Meinung aller besuchten
Ausbildungsbetriebe und deshalb bilden sie auch selbst aus. „Die Zeiten,
in denen ein KFZ – Mechaniker nur etwas rumschrauben musste, sind längst
vorbei.“ So beschreibt Peter Segerer vom
örtlichen Ford – Autohaus die Anforderungen an einen Fachmann. Sein
Betrieb bildet vier junge Leute aus und zwar zum KFZ – Mechatroniker. Für die beiden Azubis Stefan (2.
Ausbildungsjahr) und Martin (4. und letztes Ausbildungsjahr) sind dies ihre
Traumberufe. Sie waren zu Beginn ihrer Ausbildungsphase schon etwas
„vorbelastet“. Beide haben zuhause schon mal an dem einen oder
anderen Auto rumgeschraubt und gebastelt. Ohne ein technisches Grundverständnis
geht nichts, meint Stefan. Zu komplex sind die Zusammenhänge. Beide haben ihren
Schulabschluss an der Hauptschule in Schmidmühlen gemacht. Lieblingsfächer
waren das Physik und die arbeitspraktischen Fächer. Aber auch Deutsch ist
wichtig, betont KFZ – Meister Peter Segerer.
Gebrauchsanweisungen, Stromablaufpläne oder auch Fachausdrücke müssen gelesen
und verstanden werden.
Weniger rationale Physik als künstlerische Kreativität ist
beim Beruf der Friseurin gefragt. So ist es keine Frage, dass bei den beiden
Auszubildenden Katharina (15) und Jessica (19) das Fach Kunst eines der
Lieblingsfächer war. Jessica pendelt aus Amberg ein, Katharina wohnt in
Schmidmühlen – auch sie hat an der örtlichen Hauptschule einen guten
Qualifizierenden Hauptschulabschluss gemacht. Sozial- und Personalkompetenzen
sind in dem Beruf besonders wichtig, betont Friseurmeisterin Ottilie Graf, die
die beiden jungen Damen in ihrem Haarstudio ausbildet. Drei Lehrjahre müssen
absolviert werden, dann müssen die Azubis bei einer Prüfung ihr Können unter
Beweis stellen. Für ihre Berufswahl waren die Praktika der Hauptschule
besonders wichtig, betont Katharina, die nun die Möglichkeit hat, in ihrer
Heimatgemeinde ihre Berufsausbildung zu machen.
In einem anderen Genre macht Lisa – Marie eine
Ausbildung. Sie absolviert ihre Lehre
als Bankkauffrau in der Raiffeisenbank Unteres Vilstal.
Dies ist eine sehr komplexe und intensive Berufsausbildung, wie
Ausbildungsleiter Paul Böhm erklärt. Er weiß, von was er spricht, denn er ist
Mitarbeiter im IHK – Prüfungsausschuss. Neben der Ausbildung in der
örtlichen Bank erfolgt noch die Ausbildung in der Berufsschule
(Blockausbildung) und ausbildungsbegleitend in der
Akademie der Bayerischen Genossenschaften in Beilngries bzw. Grainau. Buchhaltung, Steuerrecht, Bankbetriebslehre oder
auch Versicherungswesen sind die Ausbildungsinhalte, die Lisa – Marie in
den nächsten zweieinhalb Jahren lernen muss. Sie findet ihren zukünftigen Beruf
ganz toll und interessant. Kein Wunder, denn das Tätigkeitsfeld in einer Bank
ist breit gefächert. „Die Raiffeisenbank Unteres Vilstal
bildet kontinuierlich aus“, wie Vorstand Karl Schlagbauer hervorhob.
„Und nach einem erfolgreichen Abschluss stehen die jungen Leute nicht auf
der Straße, sondern werden übernommen. Wir bilden bedarfsgerecht aus“, so
der Bankvorstand. Im Übrigen bietet das Unternehmen regelmäßig Praktikumsplätze
auch beispielsweise für Fachoberschüler an.
Diese Möglichkeit besteht übrigens auch in der
Gemeindeverwaltung. 40 Auszubildende zum Metzger haben in der Metzgerei Spies
schon ihre Ausbildung absolviert. Eine stolze Leistung für einen kleinen
Handwerksbetrieb. „Auch hier steigen die Anforderungen an die Ausbildung
beständig, ohne Lernen und Fleiß gibt es keinen erfolgreichen
Berufsabschluss“, so Metzgermeister Martin Spies. Qualität geht über
alles, und so müssen die Azubis bei ihrer Arbeit konzentriert und motiviert an
die Arbeit gehen. Hygiene und das Lebensmittelrecht sind wichtige Bereiche, mit
denen sich Azubi Thomas aus Winbuch beschäftigen muss. Ihm gefällt der Beruf
des Metzgers.
Fachwissen, Service und Kundenkontakte sind die wichtigsten
Säulen der Ausbildung zum Verkäufer oder zum Einzelhandelskaufmann /- frau. Auch der Netto – Discountmarkt in Schmidmühlen
bildet junge Leute aus. Andi (19) hat bereits die Stufe 1, (Ausbildung zum
Verkäufer) absolviert und macht jetzt die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.
Jasmin und Jennifer, beide 17, (sie machten übrigens auch den Qualifizierenden
Hauptschulabschluss in Schmidmühlen), befinden sich in der Phase 1. Derzeit
sind 15 Mitarbeiter beim Nettomarkt in Schmidmühlen beschäftigt, so Kerstin Ehbauer, davon sind vier Auszubildende. Und die sind
glücklich, beim Netto eine passende Ausbildungsstelle gefunden zu haben. Kein
langweiliger Job, wie alle drei unisono berichten, sondern echt
abwechslungsreich.
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Links blond Stefan (2. Lehrjahr) und Martin (4. Lehrjahr)
werden KFZ - Mechatroniker zusammen mit Chef Peter Segerer und ganz rechts Ausbilder Karl Brogl |
Katharina
(15, 1. Ausbildungsjahr) und Jessica (19, letztes Ausbildungsjahr) werden
Friseurin - mit Chefin Ottilie Graf - von links |
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Mittlerweile
schon 40 Azubis als Metzger ausgebildet - Metzgermeister Martin Spies mit
Azubi Thomas Fleischmann |
Gefragt:
Lisa - Marie - Ausbildungsbeginn am 1. September mit Ausbilder Paul Böhm und
Bankvorstand Karl Schlagbauer bei der Raiffeisenbank Unteres Vilstal Zentrale Schmidmühlen |
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Erst
Ausbildung als Verkäufer / in und dann als Einzelhandelskaufmann/ frau - beim Netto in Schmidmühlen mit Anderl (19), Jasmin (17 und Jennifer (17) mit Kerstin Ehbauer |
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