Heimatserie
von Josef Popp
veröffentlicht vom 30.10.2008
in der Mittelbayerischen Zeitung
Marterl und
Geschichtliches
Freund, wo gehst du hin?
Vergiss nicht, dass ich dein Erlöser bin,
dass ich soviel gelitten habe für dich,
daher bleib stehn
und grüße mich.
(Inschrift am Kreuz zwischen Eglsee und Höchensee)
Wer
sich mit der Heimat, in der er lebt, auseinandersetzt, der kommt an der
Kirchengeschichte nicht vorbei. Gerade in Schmidmühlen bestimmt die Ägidus
– Pfarrkirche den Ortskern und das Leben im Ort. Doch es ist nicht nur
diese große Kirche, die jedes Wochenende Versammlungsort für die katholischen
Christen in der Gemeinde ist, sondern es sind die kleinen oder größeren
Kapellen, die augenscheinlichen oder unscheinbaren Bildstöcke oder Marterl, die
ebenfalls interessante Geschichten erzählen.
Diese
sind tatsächlich auch so wichtig, dass sich mit Blick auf die 1000 – Jahr
– Feier und das neue geplante Heimatbuch ein Arbeitskreis mit den
Bildstöcken und Flurdenkmälern beschäftigen wird. Sie stehen meist unscheinbar
am Rande von Straßen oder Wegen, in Büschen oder im Wald. Man trifft oft
unerwartet auf sie oder sieht sie schon von weitem.
So
wie das große Holzkreuz zwischen Eglsee und Höchensee
– das den Wanderer zur Ehrfurcht mahnt. Wer von Burglengenfeld nach
Schmidmühlen fährt, dem fällt nur ein kurzer Blick auf die Marienkapelle in
Eglsee. Der Blick richtet sich auf die enge Fahrbahn. Doch sie ist es Wert,
einmal an- und inne zu halten. Wann genau diese kleine, schmucke Kapelle
erstmals gebaut wurde, weiß man nicht so genau. Ursprünglich stand hier eine
Holzkapelle, die irgendwann abgetragen wurde. An einem Wiederaufbau wurde nicht
gedacht. Erst als es immer wieder „umging“, wurde die jetzige
Kapelle gebaut.
Oft
hört man in den Überlieferungen, dass „das Jenseits“ ein Marterl
oder eine Kapelle einfordert. So etwa von dem Kreuz, das in Winbuch Richtung
Galching führt. Dieses errichtet Josef Schwendtner
aus Winbuch im Gedenken an seinen im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn. Es stand
– als hölzerner Bildstock - ursprünglich an der Stelle, an der heute das
Feuerwehrgerätehaus steht. Da dieser hölzerne Bildstock hinderlich war, riss
ihn Josef Weigert um 1940 weg - er hatte inzwischen den Grund gekauft –
und errichtete dafür vor seiner Scheune ein Kreuz. Es soll aus dem Friedhof von
Vilshofen stammen. Man erzählt, dass früher öfters ein Licht, das aus der
Scheune kam, zu dem alten Bildstock gegangen sein soll. Brachte man früher
einen Verstorbenen von Winbuch nach Vilshofen, so hielt man vor dem Bildstock
an und sprach ein Ablassgebet.
Ähnlich
Geheimnisvolles rankt sich um einen Bildstock in der Nähe von Winbuch. Es
erinnert an einen Mann, den man Ende des 19. Jahrhunderts erschlagen
aufgefunden hat. Das Armenseelenbild, das auf einen unerwarteten Tod hinweist,
bestärkt diese Geschichte. Da von dem Ort, wo man den Toten gefunden hat und
das Marterl hat errichtete, regelmäßig ein Licht den Hang hinauf zu Straße
gegangen und immer an der gleichen Stelle stehen geblieben sein soll, versetzte
man einige Zeit später den Bildstock dorthin. Selbst daraufhin soll noch öfter
ein Licht umgegangen sein.
Auf
der Straße von Schmidmühlen nach Winbuch steht ein zweiter Bildstock. Früher
stand an der Stelle ein Baum, an dem ein blechernes Bild hing. Dies war
angeblich ein Pestbild, wohl eher aber ein Armenseelenbild. Nach dem der Baum
dürr geworden war, schlug ihn Ludwig Koller aus Winbuch um und errichtete an
seiner Stelle einen Bildstock.
So
haben viele Marterl ihre Geschichte und erzählen
Geschichten von Leid, aber auch von Freud. Viele Vereine haben mittlerweile
selbst Marterl errichtet und kümmern sich auch um diese. Zu nennen sind hier
vor allem das Trachtenkreuz am Theilberg, das
Ambrosiuskreuz zwischen Markhof und Hammerberg, das der Imker Alois Fuchs für
den Imkerverein aufstellte, das Flurkreuz des Gartenbau- und Ortsverschönerungsvereins bei der Schule oder das kleine schmucke Holzkreuz des
Kulturvereins am Spielplatz an der Hohenburger Straße. Besonders lobenswert ist
das Engagement der Reservistenkameradschaft, die seit letztem Jahr die
Patenschaft über die Heimkehrerkapelle übernommen hat. Letztere errichtete der
verdiente Heimatpfleger Franz – Xaver Eichenseer aus Dank für seine
wohlbehaltene Rückkehr aus dem Krieg. Sie steht genau an der Stelle, von der aus
er seinen Heimatort als erstes wieder gesehen hat.
Marterl und kleine Kapellen gibt es in der ganzen Gemeinde Schmidmühlen. So gehörte die kleine Kapelle in Pettenhof zum Schloss beziehungsweise zum Hirtenhaus. Zum Schutze des Viehs errichteten wohl auch die Schlossbesitzer von Emhof die Kapelle am südlichen Ortsende, die schon seit rund einem Jahrhundert von der gleichen Familie gepflegt wird. Warum der wunderschöne Bildstock beim Hirschberg steht, kann man nicht mehr sagen. Aber sie wird in großen Ehren gehalten und erhielt vor drei Jahren nach einer grundlegenden Sanierung wieder den kirchlichen Segen. Überhaupt kümmern sich viele Bürger und Vereine aus dem Markt Schmidmühlen um die Kreuze, Bildstöcke oder die kleinen Kapellen. Ihnen sind die lange Geschichte der Marterl und die Geschichten um die Schicksale oder auch um so manche freudigen Ereignisse wirklich etwas Wert.
Im Jahre 1431 wurde in Schmidmühlen eine Marienkirche errichtet und ein Kaplan angestellt, der die nötigen Einkünfte aus Zinsstiftungen der Bewohner bezog. Patronatsherr war der Abt von Ensdorf.
Der Markt Schmidmühlen hatte vor der Einführung des Luthertums keinen eigenen Pfarrer. Zwei Drittel der Einwohnerschaft standen unter dem Pfarrer von Adertshausen in der Herrschaft Hohenburg, welche Eigentum des Bischofs von Regensburg war. Ein Drittel der Bürgerschaft gehörte in die Pfarrei Vilshofen. Diese lag zwar in der „jungen Pfalz“, war jedoch dem kurpfälzischen Benediktinerstift Ensdorf inkorpiert worden.
Der Pfarrer von Adertshausen, an seiner Stelle der Kaplan, musste an allen Sonn- und Feiertagen des Jahres „zu Schmidmühlen in St. Gilgenkirchen das göttlich Amt der Meß singen und predigen“ sowie an den Wektagen Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag nach Schmidmühlen reiten oder gehen und dort „das göttlich Amt und Meß halten und die hochwürdigen Sakramente reichen.
1573 wird Schmidmühlen Calvinistisch.
Im Oktober 1616 stirbt der lutherische Pfarrer Johannes Oberndorfer. Die Pfarrstelle wird nicht mehr besetzt.
Die Ägidien – Pfarrkirche ist als Gilgenkirche schon sehr früh erwähnt worden und wurde wahrscheinlich um 1486 erbaut sowie im 18. und 19. Jahrhundert umgebaut.
Sie war von einem Friedhof umgeben, etwa bis 1600.
Am 28. Mai 1807 am Fronleichnamstag stürzte der Kirchturm ein. Er wurde 1833 / 34 an neuer Stelle wieder neu aufgebaut.
1933 wurde die Kirche vollständig – bis auf den Turm – abgerissen und neu aufgebaut.
In den knapp 100 Jahren waren bzw. sind vier Priester tätig: Johann Ries (1911 – 1924), Hermann Haertle (1925 – 1952), Otto Gillitzer (1952 bis 1973) und seit 1974 Pfarrer Georg Braun.
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Wegkreuz nach Höchensee Familie Lautenschlager |
Geheimnisvolle Geschichten ranken sich um die Kapelle in
Eglsee |
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Wunderschöner
Bildstock in Hirschberg |
Bildstock
in Richtung Winbuch |
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Trachtenkreuz
Schmidmühlen |
Imkerkreuz
"St. Ambrosius" |
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Versteckt
und unauffällig in Winbuch |
Bildstock
bei Markhof erinnert an ein Unglück |
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Altarbild
der Kapelle in Emhof |
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