Heimatserie
von Josef Popp
veröffentlicht vom 29.10.2008
in der Mittelbayerischen Zeitung
Feuerordnung des
Königlichen Marktes Schmidmühlen
(Genehmigt
durch hohe Regierungsentschließung vom
17.September
1861, Nummer 38299)
§ 1 Ein
entstandener Brand, es mag derselbe gefährlich oder nicht gefährlich
erscheinen, darf nie verheimlichet werden, vielmehr ist ungesäumt Lärmen zu
machen, und die Nachtwächter sind verpflichtet, wenn sie während ihrer
Patroullien Spuren eines Brandes wahrnehmen, solche zu verfolgen, und über die
Entdeckung ungesäumte Anzeige zu erstatten.
§ 2 Bei
Ausbruch eines Feuers im hiesigen Markte wird sofort mit sämtlichen Glocken im
Glockenhaufe der Kirche durch die zum Läuten bestellten Personen geläutet, die
Tambours der Landwehr, sowie drei Trompeter derselben, haben im ganzen Markte,
sowie am Brunlaut und Langbruck, und der Nachtwächter mit dem Horne das Zeichen
so lange zu geben, bis der Brand abnimmt.
Ganz so dramatisch wie in den ersten Paragraphen der
Feuerordnung aus dem Jahre 1861 ist es mittlerweile im (nicht mehr königlichen)
Markt Schmidmühlen nicht mehr. Doch eines hat sich in den vergangenen
Jahrhunderten nicht geändert: die Angst vor dem Ausbruch eines Feuers und der
damit verbundene Schaden an Sachgütern, Tieren oder gar Menschen. Heute erfolgt
die Alarmierung zu einem Feuerwehreinsatz nicht mehr emotional und sicher in
großer Aufregregung mittels Kirchenglocken „im Glockenhaufe“ oder
durch einen Nachtwächter, eine Sachlichkeit ist an diese Stelle in Form einer
akustischen Feuersirene oder die Funkwecker getreten. Eines ist auch noch
gleich geblieben: Im Notfall können sich die Bürger auf ihre Feuerwehr
verlassen. Die Freiwillige Feuerwehr Schmidmühlen hat es in ihrer Geschichte
immer wieder geschafft, sich den Veränderungen der Zeit anzupassen. Damit ist
nicht nur die Ausrüstung gemeint, sondern auch das Miteinander der Generationen
in der Wehr. Viele Jugendliche sind mittlerweile in der FFW Schmidmühlen aktiv,
während sich die alt gedienten Florianjünger bei einem Seniorennachmittag über
die Arbeit der Wehr informieren können.
In kaum einem anderen Verein ist die Vereinsgeschichte mit
historischen Geräten oder Fotos so lückenlos dokumentiert wie bei der
Feuerwehr. So hat man noch die alten Spritzenwagen aus dem Jahr 1718 und 1921
im Besitz. Durchaus zeit füllend sind die Geschichten, die vor allem seit der
Motorisierung mit einem Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) im Jahr 1964 begann.
Was heute räumlich und ausrüstungsmäßig ein guter Standard ist, musste sich über
Jahrzehnte hart erarbeitet werden. Nachdem das TSF seinen Dienst zwei
Jahrzehnte getan hatte, kaufte der Markt 1974 das „LF 8 leicht“ der
FFW Vilshofen, ein Fahrzeug, nicht unbedingt bestens motorisiert. So kam es
schon mal vor, dass es im Schritttempo bei Blaulicht und Martinshorn bergauf
ging.
Schon damals waren die Gerätewarte mit die
wichtigsten Personen, die für die Einsatzbereitschaft der Wehr sorgten. Eine
deutliche Verbesserung verschaffte der Kauf eines LF 16 mit Atemschutz und
Rettungsschere. Heute gehört die FFW Schmidmühlen mit einer bestens
ausgebildeten und motivierten Truppe sowie ihrem LF 16 und einem
Mehrzweckfahrzeug zu den zuverlässigsten Feuerwehren im südlichen Landkreis.
Doch nicht nur was den Übungsbetrieb und die
Einsatzbereitschaft anbelangt, braucht die Wehr keinen Vergleich zu scheuen. In
den 70iger Jahren erlebte der Verein einen echten Mitgliederboom, und ab dem
Jahre 1976 konnten sich die Wehrmänner auch um eine neue Vereinsfahne
versammeln.
1980 stand ein weiterer Höhepunkt an: Das neue Gerätehaus
konnte bezogen werden. Das bisherige entsprach wahrlich nicht mehr den
Anforderungen. Beim Einparken des LF 8 mussten Spiegel und Antenne eingeklappt
werden, die Geräte lagerten in einem gerade einmal zwei Quadratmeter großen
Lagerraum. Der Feuerwehrverein ist aus dem Gemeindeleben nicht mehr
wegzudenken. Letztmals feierte die FFW Schmidmühlen im Jahr 1995 das 125
jährige Bestehen mit einem großen Fest. Jedes Jahr lädt die FFW zu ihrem
traditionellen Johannifeuer auf den Theilberg ein, hilft beim
Allerseelenschiffchen, sichert die Fronleichnamsprozession oder den Martinszug
oder feiert bei ihrem Hallenfest ins Gerätehaus mit der Bevölkerung. Mit der
Vereinsfahne ist man bei jedem kirchlichen und weltlichen Fest dabei,
verstorbenen Kameraden gibt man das letzte Geleit.
Durchaus zufrieden können Vorstand Thomas Birner sowie die
beiden Kommandanten Jürgen Ehrnsberger und Mathias Huger sein. Sie können sich
auf ihre Mitglieder verlassen. Was über viele Jahrzehnte hinweg oder andernorts
nicht denkbar ist: Bei der FFW Schmidmühlen sind mittlerweile viele Mädchen und
Frauen aktiv. Martina Vierl ist sogar die Frauenbeauftragte im zuständigen KBI
– Bezirk. Sie stellen auch bei Einsätzen „ihren Mann“. Fragt
man bei den Jugendlichen nach was nun den Reiz der Feuerwehr in Schmidmühlen
ausmacht, so erhält man eine ehrliche Antwort: Neben den Einsätzen und die
Übungen vor allem auch die Kameradschaft. Jeden Dienstag treffen sich die
Aktiven zum gemeinsamen Üben und einem Kameradschaftsabend im Gerätehaus. Denn
nicht nur die Ausrüstung und die Ausbildung müssen stimmen, sondern auch das
Miteinander und Füreinander. Denn der Anspruch den sich Schmidmühlens Feuerwehr
gesetzt hat ist hoch: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Da muss schon alles
passen.
In der Chronik geblättert
> 1870 gründen 15 Bürger im Gasthaus „Regensburger
Hof“ die Feuerwehr Schmidmühlen. Diese Vereinsgründer entstammen alle dem
Turnverein.
> Neben dem Übungsbetrieb gehörten Theaterabende oder
Christbaumversteigerungen zum Vereinsprogramm. Mit den Einnahmen sollte die
Ausrüstung finanziert werden.
> 1914 / 1918 erlebte die Wehr eine schwierige Zeit:
Dreiviertel der Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen.
> 1921 erhält die Wehr eine neue Feuerwehrspritze und 50
Meter Schlauch.
> 1925 wurde die Sterbehilfekasse gegründet.
> 1939 bis 1945 ruhte das Vereinsleben.
> Am 30. April 1949 lebt auf Initiative von Bürgermeister
Büchl das Vereinsleben wieder auf.
> 1950 wird eine neue Fahne geweiht.
> 1963 legt die erste Löschgruppe der Wehr ein
Leistungsabzeichen ab.
> 1964 wird ein Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft.
> von 1959 bis 1973 unterhielt man einen Spielmannszug.
> Mit der Landkreisreform 1974 kommen neue Mitglieder aus
den neu eingegliederten Ortschaften zum Verein.
> 1976 wird eine neue Fahne geweiht.
> Am 19. Oktober 1980 bezieht man das neue Gerätehaus.
> 1995 feierte der Verein sein 125jähriges Bestehen.
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Die alte und die neue Vereinsfahne
werden in Ehren gehalten |
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Frauen
und Mädchen sind mittlerweile komplett in den FFW - Dienst integriert |
Die
beiden Kommandanten Mathias Huger und Jürgen Ehrnsberger vor den beiden
Fahrzeugen einem Mehrzweckfahrzeug und dem LF 16 |
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Im
letzten Jahr angeschafft: neuer Rettungsspreitzer und Rettungsschere -
Vorsitzender und Maschinist Thomas Birner erklärt |
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Die
"ganz" alte Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1718 |
Die
Feuerwehrspritze aus dem Jahre 1921 |
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Einsatzfotos |
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