Die Hochwasserfreilegung Schmidmühlen
(Amberger Nachrichten v. 14.04., Amberger Zeitung v. 17.04.2004)
 
Hochwasserfreilegung Schmidmühlen – WWA Amberg stellt Bauabschnitt 2 vor

Nach einer kurzen Winterpause wurden die Bauarbeiten zur Hochwasserfreilegung in Schmidmühlen vor Ort wieder aufgenommen. Baudirektor Günther Schobert und Diplomingenieur Bernd Georgi vom Wasserwirtschaftsamt Amberg informierten in Beisein von Bürgermeister Peter Braun und den Vertretern des beteiligten Planungsbüros, Ingenieurbüro A. Weiss ausNeunburg, DiplomingenieurHans Böckl über die für heuer geplanten Baumaßnahmen. Über die derzeit laufenden Kanalbaumaßnahmen informierte das Ingenieurbüro Renner, Dipl. Ing. Georg Birner. Der 2. Bauabschnittder Hochwasserfreilegung umfasst den Bereich zwischen den neugebauten Lauterachbrücken und der Vils. Im Wesentlichen sind heuer folgende Baumaßnahmen geplant: Bau der Flutmulde mit einer Sohlgleite und einer Hochwasserschutzmauer entlang des Zieglerweges sowie der Abtrag eines Retentionsraums (etwa zwischen Zimmerei Fischer und Vils) undeiner Sohlrampe bei der Einmündung der Flutmulde in die Vils, der Bau eines Leitwehrs („Insel“) in die Vils in Höhe der Einmündung des Hammerbaches und eines Fußwegs durch die Flutmulde zum Zieglerweg sowie die Verlegung des Hammerbaches. Hand in Hand gehen die Baumaßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes mit dem Ausbau des Zieglerweges durch den Markt Schmidmühlen. Die Kosten für den 2. Bauabschnitt belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Euro zuzüglich einer halben Million Euro für den Ausbau des Zieglerweges. Ein Großteil der Finanzmittel stammt aus dem Fördertopf der Europäischen Union, ohne deren kräftige finanzielle Beteiligung die Maßnahme so nicht möglich wäre.

Auch in diesem Jahr wird sich das Ortsbild durch die Baumaßnahmen erheblich verändern. So wird unterhalb der neuen Lauterachbrücken die Flutmulde mit einem naturnahen Ausbau fürNiedrigwasser erstellt. Mit diesem Bau der Flutmulde werden auch die zwei alten zusammengebauten Häuser am Zieglerweg („Moosburgerhaus“) mit allen Nebengebäuden abgerissen. Ebenso werden alle Gartenhäuschen und Zäune der Hochwasserfreilegung weichen müssen. Die Obstbäume werden gerodet. Erhaltenswerte Bäume werden umgesetzt; für die alten Obstbäume wird als Eingrünung der Flutmulde eine Ersatzpflanzung vorgenommen. Die Abbrucharbeiten sollen bis spätestens Ende Mai abgeschlossen sein. 

Etwa in Höhe des Häusertraktes, wo jetzt etwa der Holzschuppen steht, mündet dann ein Fußweg in den Zieglerweg. Dieser Fußweg wird von der Hammerbrücke auf kürzestem Weg zum Zieglerweg gebaut.Dieser Fußwegverläuft zunächst durch einen Grünstreifen vom Zieglerweg getrennt neben dieser Straße (etwa 100 Meter) Richtung Süden (Emhof). Im Bereich des ehemaligen Marterls mündet der Fünf – Flüsse – Radweg in den Zieglerweg ein. Die Hochwasserschutzmauer wird entlang des Zieglerweges (linke Seite) gebaut und endet etwa in Höhe des Anwesens Balk. Hier wird die neue Höhe des Ziegelweges so verlaufen, dass eine Schutzmauernicht mehr notwendig sein wird. 

Die Höhe der Hochwasserschutzmauer, so Diplomingenieur Bernd Georgi, wird maximal 1,10 Meter betragen und wird zur Wasserseite hin angeböscht. Etwa in Höhe der jetzt noch bestehenden Häuser wird eine Sohlgleite gebaut. Diese soll bei Hochwasser ein sicheres und ungehindertes Abfließen des Wassers gewährleisten. Da der Boden hier sehr weich ist, wird ein entsprechender Bodenaufbau mit Steinen vorgenommen, um „im Ernstfall“ eine Ausspülung zu verhindern.

Der Hammerbach wird ein neues Bachbett erhalten. Ein Teil dieses neuen Bachbettes wurde bereits hergestellt. Bevor das alte Bachbett „trocken gelegt“ wird, sollen möglichst alle Mühlkoppen, Bachneunaugen, Forellen und Äschen in das neue Bachbett umgesetzt werden. Bis dies geschehen ist, wird der Bach nur zum Teil im neuen Bachbett fließen. Die bereits abgebaute „Mutter – Gottes - Grotte“ wird nach Fertigstellung der Bauarbeiten in diesem Bereich wieder einen würdigen Standort bekommen. Im Bereichder Einmündung des Hammerbaches wird im Uferbereich der Vils eine Sohlrampe gebaut. Diese soll ebenso wie die Sohlgleite ein sicheres und ungehindertes Abfließen des Hochwassers in die Vils ermöglichen. In diesem Bereich wird in die Vils ein Leitwehr („Insel“) eingebaut, die die Aufgabe hat, das gegenüberliegende Ufer zu schützen und das Gewässer vielfältiger zu gestalten.Unterhalb der Zimmerei Fischer wird schließlich ein Retentionsraum (Rückhalteraum) entstehen. Mit dem Bau dieses Retentionsraumes soll, so Bernd Georgi, ein Teil des verlorengegangenen Überschwemmungsgebietes ausgeglichen werden. Die Ergebnisse der bisherigen Ausschreibungen, so Baudirektor Günter Schobert abschließend, zeigen, dass man mit den für heuer geplanten Baumaßnahmen auch imgesteckten Finanzrahmen bleibt. Und auch in diesem Jahr gilt: Man will die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich halten. Bei Problemen oder Wünschen können sich betroffene Bürger sowohl an das Wasserwirtschaftsamt Amberg oder die Gemeindeverwaltung wenden. 

Bereits im Zuge des Brückenneubaus im letzten Jahr zeigte es sich, dass das Wasserwirtschaftsamt Amberg nicht nur an der technischen Durchführung der Baumaßnahme „Hochwasserfreilegung“ interessiert ist, sondern auch großen Wert auf eine ökologische und auch optisch sehr gefällige Gestaltung Wert legt. So fügen sich die mit Natursteinen verblendete Ufermauer mit der dahinter liegenden Hochwasserschutzmauer gut in das Ortsbild ein. Damit ist es aber noch nicht getan. In den nächsten Tagen werden Landschaftsgärtner mit der Bepflanzung des Pflanzstreifenszwischen den beiden Mauern beginnen. Hier ist eine abwechslungsreiche Bepflanzung mit Sträuchern und Stauden geplant.Der Beginn der Maßnahme ist aber Wetter abhängig. 

Die spätere Flutmulde im Bereich der Hammerbrücke und der im letzten Jahr gebauten Brücken soll in Zukunft ein kleines „Naherholungsgebiet“ für die Bürger von Schmidmühlen werden. Um hier in diesem Bereich ein Spazieren gehen zu ermöglichen, wurde eine Treppe an der Südostseite derDoppelbogenbrücke angebaut. Sie führt von der Brücke zur Flutmulde. Etwa zehn Meter unterhalb der Brücke ist auch eine „Ablegestelle“ für die Allerseelenschiffchen vorgesehen. Vermutlich wird man in diesem Jahr nochmals die Allerseelenschiffchen am linken Lauterachufer starten lassen, denn der Bereich zwischen den Brücken wird bis in den Spätherbst hinein eine Baustelle sein. Noch nicht entschieden wurde über die Gestaltung des Kunstwerkes, das auf der Doppelbogenbrücke stehen wird. Nicht realisieren ließ sich der Behelfsarm der Lauterach als ständiger kleiner Nebenarm. Hier wäre ein neues wasserrechtliches Verfahren notwendig geworden, was letztendlich einen Stillstand der Baumaßnahme bedeutet hätte. Aber in diesem Bereich wird es in der Flutmulde eine Vertiefung geben, in der sich unter Umständen im Winter Wasser ansammeltund so Schlittschuhlaufen möglich ist, meinte Bürgermeister Peter Braun.

In den nächsten Monaten wird einer der Schwerpunkte der Ausbau des Zieglerweges sein. Der Kanal wird eingebaut, die Wasserleitung erneuert, die Straße erweitert und ein Gehweg gebaut. Hinter dem Anwesen Braun werden entlang des Zieglerweges alle Schuppen, kleinere Gebäude und Zäune im Zuge der Hochwasserfreilegung abgerissen. Auch die Obstbäume werden der Hochwasserfreilegung weichen müssen Erhaltenswerte Obstbäume werdenumgepflanztoder durch Ersatzpflanzungen entlang der Flutmulde ersetzt. Direkt hinter dem Anwesen Braun entstehen sechs PKW - Stellplätze für Friedhofsbesucher. Nach Abschluss der Baumaßnahmen beim Zieglerweg sollen weitere Stellplätze entstehen. Hierzu müssen aber erst die jetzt laufenden Baumaßnahmen abgeschlossen werden, informierte Bürgermeister Peter Braun.

Der Hammerbach erhält ein vorläufiges Bachbett. Der kleine Bach rückt zum Bau des Kanales um einige Meter nach links in die jetzigen Hammerwiesen hinein. Wie Diplomingenieur Bernd Georgi erläuterte, werden allerdings der endgültige Bau des Hammergrabens erst nach Fertigstellung der Flutmulde vorgenommen werden.Zum zweiten und damit wohl zum letzten Malwerden die Mühlkoppen, Bachneunaugen, Forellen, Äschenund sicherlich auch viele Amphibien umgesetztund werden im neuen Bachbett eine neue Heimat finden. Der Hammerbach ist ein wichtiges Laichgewässer für die Forellen und Äschen als Strömungslaicher. Bis die Umsetzung erfolgt ist, läuft der Hammerbach noch einige Zeit zweigeteilt auch im alten Bett. Aber bereits jetzt ist der Bereich des vorläufigenBachlaufes gutzu erkennen. 

Wo wird die Hochwasserschutzmauer, die entlang dem Zieglerweg verlaufen wird, enden? Diese Frage wird in Schmidmühlen immer wieder diskutiert. Bei der Vorstellung der Baumaßnahme gab es von Baudirektor Schobert die Antwort: Die Schutzmauer wird in Höhe des Anwesens Balk enden. Ab dort etwa wird der Zieglerweg so ausgebaut sein, dass eine Schutzmauer nicht mehr notwendig sein wird. Es wird hier ein „fließendes Übergehen“ geben. Während der Umbaumaßnahme wird links neben dem jetzigen „alten“ Hammerbach eine Behelfsstraße gebaut. Der gesamte Zieglerweg wird in diesem Bereich zum Bauraum, so Diplomingenieur Bernd Georgi. Betroffen von den Baumaßnahmen werden auch die Radfahrer auf dem Fünf – Flüsse – Radweg sein. Sie müssen dann ihr Rad durch die Baustelle schieben, so Bürgermeister Peter Braun bei der Begehung. Dies ist mit der Polizei so abgesprochen.

 
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