Die Hochwasserfreilegung Schmidmühlen
 
Kleine Sensation – riesige Flusskrebspopulation in Lauterach entdeckt
(Mittelbayerische Zeitung  / Amberger Zeitung vom 27.07.2005)


Es war als ein Routinearbeitseinsatz für die Mitglieder des Fischereivereins an der Lauterach gedacht. Seit Beginn der Bauarbeiten zur Hochwasserfreilegung rückten immer wieder die Aktiven des Fischereivereins an, um vor allem die gefährdeten Fischarten wie Bachneunauge oder Mühlkoppe, aber auch Forellen und Äschen aus einem abgesperrten Teil der Lauterach zu bergen und in einen anderen Gewässerteil umzusetzen. Entsprechend waren auch die etwa 30 Helfer auf ihren Arbeitseinsatz eingestellt.
 Was sie aber nach dem Leerpumpen des Lauteracharmes in Höhe des Oberen Schlosses entdeckten, war fast unglaublich. Es wimmelte nur so von Flusskrebsen. Es waren nicht Duzende – es waren Hunderte der Scherentiere. 
Zwar tauchte immer wieder ein Krebs in den kleineren Mühlbächen der Lauterach auf und bei den Umsetzaktionen am rechten Lauteracharm wurden vereinzelte Stücke geborgen. Aber mit einer derart riesigen Flusskrebspopulation hatte niemand - auch nicht die eingefleischtesten Lauterachkenner - gerechnet. Die Zahl der umgesetzten Krebse wird auf etwa eintausend geschätzt, ein detailliertes Zählen war nicht mehr möglich. Dabei ist der trockengelegte Flussabschnitt gerade einmal etwa 80 Meter lang. Rechnet man die vorgefundene Besatzdichte hoch, so dürften wohl im linken Lauteracharm noch mehrere tausend Flusskrebse leben. Eine echte ökologische Sensation. 
Natürlich stellt sich die Frage, warum gerade in diesem Lauteracharm so viele Flusskrebse leben. Die Antwort – Weil sie hier so offensichtlich so gute Lebensbedingungen finden. – wäre wohl zu allgemein. 
Fakt ist, dass der Flusskrebs unter Steinen lebt, wo er seinerseits wieder Schutz vor Feinden findet. Dies war in diesem Flussabschnitt sehr ausgeprägt der Fall. Die Mitglieder des Fischereivereins drehten jeden Stein im wahrsten Sinne des Wortes mehrfach um und wurden fast unter jedem Stein fündig. Nahrungstiere standen beziehungsweise stehen offensichtlich auch genügend zur Verfügung: Mühlkoppen und Bachneunaugen. Einige der geborgenen Krebse hatten sich in Mühlkoppen verbissen. Tatsache ist, dass auch in diesem Flussabschnitt erfreulicherweise wieder viele Mühlkoppen und Bachneunaugen vorgefunden und umgesetzt wurden, aber eben nicht so viele wie in anderen Lauterachregionen. Das lässt den Schluss zu, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Jägern (Flusskrebs) und Beutetieren (Mühlkoppen) vorherrscht. Bei der Mühlkoppe handelt es sich um einen Kleinfisch, der keine Luftblase besitzt und ebenfalls vor seinen Fressenfeinden, vor allen den Forellen und Saiblingen, unter Steinen Schutz suchen muss. Und dort eben auch auf einen weiteren Fressfeind, den Flusskrebs stößt. 

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Die bisherigen Umsetzaktionen gaben einen wohl so nicht möglich gewesenen Einblick in die Flora und Fauna der Lauterach. Er zeigt sich, dass es sich bei der Lauterach um ein ökologisches Kleinod nicht nur im südlichen Landkreis Amberg – Sulzbach, sondern in der gesamten Oberpfalz handelt. Alleine diese große Flusskrebspopulation mit dem großen Angebot an Beutefischen macht diesen Flussabschnitt in Schmidmühlen so wertvoll. Die Fischereiaufseher des Fischereivereins Schmidmühlen, die diese Fang- und Umsetzaktion fachlich leiteten, bezeichneten diese große Flusskrebspopulation wohl als einzigartig in der Oberpfalz. Mit Nachdruck kritisierte der Vorsitzende des Fischereivereins Ingo Weiß die immer noch laufenden Bemühungen der Stadt Neumarkt aus dem Hallerbrunnen Wasser zu entnehmen, das schließlich der Lauterach fehlten wird. Die Auswirkungen dieser umweltpolitisch nicht zu verantwortenden Maßnahme sind ungewiss, dass sensible Gleichgewicht wohl in großer Gefahr. Eine Genehmigung der Wasserentnahme aus dem Hallerbrunnen wäre nach Ansicht der Vorstandschaft des Fischereivereins ein ökologischer Offenbarungseid der zuständigen Behörden und Politiker. 
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Öffentliche Anerkennung gebührt wieder einmal den etwa 30 Helferinnen und Helfern des Fischereivereins Schmidmühlen. Sie hätten sicher auch etwas Besseres zu tun gehabt als am Sonntag „Drecksarbeit“ im engeren Sinne zu leisten. Doch unser Gemeinwohl funktioniert wohl noch so gut, weil wir viele Idealisten in den Vereinen und Gemeinden haben, die unendgeldlich und ehrenamtlich hervorragende Arbeit leisten. Sicher ist, dass allen Helfern und Zuschauern dieses „Flusskrebs – Erlebnis“ noch lange in Erinnerung bleibt. Alle geborgenen Tiere wurden in nicht von der Hochwasserfreilegung betroffene Gewässerabschnitte umgesetzt. Der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes war ebenfalls von der Flusskrebspopulation sehr beeindruckt. Er sicherte zu, dass nach Abschluss der Teilbaumaßnahme die besten Voraussetzungen für eine Wiederbesiedelung für diesen Gewässerabschnitt geschaffen werden.


Flusskrebs

Der Flusskrebs besiedelte vor etwa einhundert Jahren in rauen Mengen die Flüsse und Bäche. Dies traf auch für die Lauterach und die Vils zu. Heute kommt der Flusskrebs nur noch vereinzelt in sauberen Fließgewässern vor.Der Krebs ernährt sich von Würmern, Schnecken, kleinen Fischen und auch Pflanzen. Der Krebs hat vier Schreitbeine. Er schreitet vorwärts und schwimmt rückwärts. Die Jungkrebs schlüpfen im Frühjahr. Da sie sehr schnell wachsen, müssen sie sich sehr oft häuten und werden so leichte Beute für Raubfische. Nach drei Jahren sind die Krebse geschlechtsreif. Die Weibchen tragen die Eier während es Winters am Hinterlaib mit sich. Die Jungkrebse schlüpfen im Juni.

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