Die Hochwasserfreilegung Schmidmühlen;
Rückblick auf den 3. Bauabschnitt und Ausblick auf den 4. Bauabschnitt
(Amberger Zeitung / Mittelbayerische Zeitung vom 30.12.2005)
 

von Josef Popp
 

Man hatte sich viel vorgenommen und man hat viel geschafft – diese Bilanz kann man guten Gewissens für den dritten Bauabschnitt zur Hochwasserfreilegung ziehen. Wie bei den ersten beiden Bauabschnittenhat sich das Ortsbild wieder enorm geändert.

Ein kurzer Rückblick

Ein Blick zurück. Begonnen haben die millionenschweren Bauarbeiten im Frühjahr 2003. Kaum jemand hat sich in Schmidmühlen vorstellen können, wie sich das Ortsbild verändern wird, was genau ein Klappenwehr ist oder wie ein Hochwasserverschluss aussieht.Bereits im ersten Bauabschnitt gab es die ersten großen Einschnitte in das Ortsbild. So wurde die Lauterachbrücke abgerissen und durch eine Doppelbogenbrücke über die Lauterach sowie einer Spannbetonbrücke über die Flutmulde gebaut. Das an sich in dem Ortsteil dominante Fochtneranwesen wurde in diesem Zuge abgerissen. Mit diesen Maßnahmen wich die doch weit verbreitete Skepsis der Bürger. Heute wird die Hochwasserfreilegung weitgehend positiv gewertet und die Umgestaltungen im Zuge der Anlagen für den Hochwasserschutz als ein Gewinn für den Ort betrachtet. 
Zwei weitere Häuser sollten ein Jahr später im Jahr 2004 – beim zweiten Bauabschnitt – folgen: das Schuh- und das Moosburgerhaus. Der komplette Zieglerweg wurde vom Markt Schmidmühlen neu erschlossen und dabei der Kanal eingebaut und die Versorgungsleitungen erneuert. Der Hammerbach wurde verlegt, die kleine Brücke abgerissen. Eine direkte Verbindung von der Hammerstraße zum Zieglerweg existierte nicht mehr. Letzterer wurde eine „Sackgasse“ mit einem Wendehammer in der Nähe der Hammerkapelle. Zugleich wurde entlang des Zieglerweges eine Hochwasserschutzmauer gebaut. Im vergangenen Jahr wurde auch mit dem Ausbau der Flutmulde begonnen. Ab der Lauterachbrücke wurde eine Sohlrampe gebaut. Der Mündungsbereich des Hammerbaches in die Vils wurde mit einer Sohlrampe neu gestaltet.

Der dritte Bauabschnitt

In diesem Jahr entstanden drei wichtige Bauwerke: zwei Hochwasserverschlüsse sowie ein Klappenwehr. Die dazwischen vorgesehenen Hochwasserschutzmauern wurden fertiggestellt. Die Hochwasserverschlüsse neben dem Anwesen Scheuerer und im Bereich des Oberen Schlosses haben die Aufgabe, bei Hochwasser den Zufluss in den Ort zu verhindern und in die Flutmulden umzuleiten. Das Klappenwehr – es ersetzt auch die kleine „Schütze“ - hat zukünftig die Aufgabe, den Wasserspiegel im Bereich der Flutmulde auf gleichmäßiger Höhe zu halten. Bei Hochwasser legt sich die Klappe automatisch um und gibt den Hochwasserfluten den Weg frei. Erst bei größeren Hochwasser soll zusätzlich das Wasser über das Ufer in die Flutmulde laufen. Neben dem Klappenwehr fließt auch der Hammerbach als ein Umgehungsbach. Über das Klappenwehr führt auch der Verbindungsweg, der den Zieglerweg und die Hammerstraße als Fußweg verbindet.
Dieser Bereich ist sicher ebenso wie die neuen Brücken eine echte Aufwertung für den Ort. Dies haben nicht nur die Fachleute sondern auch die Anwohner bestätigt. Überhaupt dürfte der Flutmuldenbereich – wenn in einigen Jahren die letzten Narben verheilt sind - für Spaziergänger und Naturfreunde ein kleines Paradies werden. In aller Erinnerung ist noch die Abfischaktion des Fischereivereins, bei der aus dem rechten Lauteracharm Hunderte von Flusskrebsen geborgen wurden. Erwähnt sollte auch noch eine dramatische und vor allem vorbildliche Rettungsaktion werden. Als im Sommer ein Kind in die Lauterach stürzte und so in Lebensgefahr geriet, ließen die Bauarbeiter, die den Vorfall sahen, alles liegen und stehen, sprangen dem Kind nach und retteten es.

 

Ausblick

Im kommenden Jahr werden die Arbeiten ab etwa April / Mai wieder fortgesetzt. Dann stehen der Ausbau des Wendehammers in der Hammerstraße und die Fertigstellung des Hochwasserschutzdammes im Vordergrund. Die Zufahrt zum Sportheim wird dann asphaltiert und fertiggestellt.
Ferner wird die Mauer bei der Zimmerei Fischer gebaut. Im vierten Bauabschnitt liegt die Hauptaufgabe darin, das Schöpfwerk im Bereich der „Alten Vils“ zu erstellen. Die Mauern und Deiche an der Vils schließen die Baumaßnahme ab.

 

Die beteiligten Planungsbüros:

Auf Grundlage der Planung des Wasserwirtschaftsamtes Amberg erfolgte die weitere Ausplanung des Vorhabens. Im Rahmen eines EU – weiten Wettbewerbes erhielten die Ingenieurbüros Bau + Plan aus München sowie Weiß und Partner aus Neunburg vorm Wald als Arbeitsgemeinschaft den Auftrag.


 

Die beteiligten Baufirmen 

BA 1: 
Brückenbau Fa. Donhauser, Schwandorf
Behelfsbrücken, Fa. Lachner, Stützengrün
Abbruch, Fa. Scheibinger, Regensburg

BA2

Ingenieurtiefbau, Fa. Steininger Neunburg v.W.

BA 3

Ingenieurtiefbau, Fa. Steininger, Neunburg v. W.

Stahlwasserbau, Fa. BIS – Burger, Nersingen

Die Finanzierung

Das Vorhaben wird im Rahmen einer EU – Förderung kofinanziert. Anfallende Kosten sind wie folgt aufzuteilen:
Freistaat Bayern 51 Prozent ,davon kofinanziert durch die Europäische Union mit 50 Prozent
Bezirk Oberpfalz 29 Prozent
Markt Schmidmühlen 20 Prozent

Die finanzielle Hauptlast an dem Vorhaben trägt nach der Europäischen Union der Bezirk Oberpfalz.

 

 
 
Der Hochwasserverschluss im Bereich des Oberen Schlosses (Rathaus)
Das Klappenwehr im Bereich der Hammerstraße
Blick auf den Hochwasserverschluss und das Betriebsgebäude des Wasserwirtschaftsamtes an der Hammerstraße
Die neue Hammerbrücke
Der Umgehungsbach um das Klappenwehr

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