Die Hochwasserfreilegung Schmidmühlen;
Allgemeiner Bericht (02.09.2006)
von Josef Popp
|
|
|
Blick auf die Baustelle zur
Errichtung des Kombinationsschutzwerkes an der Lauterachmündung |
|
|
|
|
|
Bau der
Schutzdämme obere Hälfte des Bildes und Flutmulde untere Hälfte des Bildes |
|
Beide Fotos von Bernd Georgi, Wasserwirtschaftsamt Weiden ,
Servicestelle Amberg |
Die
Hochwasserfreilegung in Schmidmühlen gehört zu den derzeit größten Baumaßnahmen
des Bezirks Oberpfalz. Mittlerweile befindet sich die Baumaßnahme im vierten und
letzten Bauabschnitt. Zum Abschluss wird die Maßnahme allerdings erst im
nächsten Jahr kommen. Nicht nur der Bezirk Oberpfalz, auch der Markt
Schmidmühlen ist ein Auftraggeber und natürlich auch an den Kosten (20 Prozent)
beteiligt. Die Baumaßnahme schlägt mit rund neun Millionen Euro zu Buche, von
denen die Europäische Union die Hauptlast trägt. Die finanzielle Hauptlast an
dem Bauvorhaben trägt nach der Europäischen Union der Bezirk Oberpfalz mit 29
Prozent. Wie bei jedem Bauvorhaben dieser Größenordnung wird von den Planern
und vor allem von den Fachleuten vor Ort eine große logistische und
handwerkliche Leistung verlangt.
Bei einem
Baustellentermin stellte Diplomingenieur (FH) Siegfried Dettmann,
Geschäftsführer und zuständige Abteilungsleiter der Baufirma Steiniger aus
Neunburg vorm Wald und Diplomingenieur Bernd Georgi vom Wasserwirtschaftsamt
Weiden, Servicestelle Amberg insbesondere die logistischen und technischen
Herausforderungen bei diesem Projekt vor. Diese gelten vor allem für das dem
Baugrund zuzurechnende Material Wasser und Erdreich sowie den Baustoff
„Beton“.
Die Liebe
zum Detail ist dabei kein Luxus, so Siegfried Dettmann, mit Blick auf das
kombinierte Schutzbauwerk an der Lauterachmündung, das zurzeit aktuell
errichtet wird. Dieses Kombinationsbauwerk wird verschiedene Aufgaben erfüllen:
Verschlussbauwerk, Schöpfbauwerk, Brücke, Schaltwarte. Das
„Rahmengebäude“ wird vor Ort aus Beton gefertigt. Alle weiteren
Teile werden fertig angeliefert. Teilweise kommt es bei der Erstellung auf jeden
Zentimeter an. Hier sind die Spezialisten, die qualifizierten Baufachleute,
gefordert, die Präzisionsarbeit, zum Teil Millimeterarbeit, leisten müssen.
Zwar kann man bei vielen notwendigen Schalungsarbeiten auf eine fertige
Systemschalung zurückgreifen, aber das reicht bei diesem diffizilen
multifunktionalen Bauwerk nicht aus. Echte Hand (werks) arbeit ist gefragt.
Derzeit
arbeiten für die Firma Steininger aus Neunburg vorm Wald neben dem Polier Franz
Weigl vier ausgebildete Schalungszimmerer und vier Fachwerker in Schmidmühlen.
Ohne entsprechende Ausbildung von jungen Leuten könnten zukünftig derartige
anspruchsvollen Arbeiten gar nicht mehr geleistet werden, betont Siegfried
Dettmann. So bildet die Firma derzeit 24 junge Leute aus, um für spätere Jahre geeignete
und qualifizierte Fachkräfte zu haben.
Ein Element
unterscheidet diese Baumaßnahme von den meisten anderen – die Baustelle
liegt direkt im Mündungsbereich der Lauterach in die Vils. Die Bauarbeiten zum
Kombinationsbauwerk werden - genau genommen - im Flussbett ausgeführt. Gerade
das Element Wasser ist bei derartigen Baumaßnahmen immer ein
Unsicherheitsfaktor, so Diplomingenieur Bernd Georgi vom Wasserwirtschaftsamt,.
Die Lauterach führt – auch nach den vielen Regenfällen - zurzeit relativ
wenig Wasser: 3000 Liter in der Sekunde. Es gibt nun einmal keine
„Wasserampel“, die man auf Rot schalten könnte und das Wasser
bleibt stehen. So musste jedes Mal eine Lösung gefunden werden. Um die vielen
Bauwerke errichten zu können, wurde mittlerweile die Lauterach fünfmal
umgeleitet. Auch da musste alles bestens getimt sein, vor allem auch das
Umsetzen vieler Fisch- und Krebsarten. Mittlerweile sind die Baumaßnahmen mit
Verschlussbauwerken und Klappenwehr soweit fortgeschritten, dass die
Bauarbeiten nur bei größeren Hochwasser behindert werden.
Eine der
größten logistischen Herausforderungen waren bisher wohl die Erdarbeiten, so
Siegfried Dettmann. So mussten alleine im ersten Bauabschnitt 40.000 Kubikmeter
Erdreich abgetragen, transportiert, zwischengelagert und wieder verbaut oder
auf einer Deponie entsorgt werden. Es galt, Tausende von LKW – Fahrten zu
koordinieren, mit der Vorgabe, die Belästigungen und Beeinträchtigungen für die
Anwohner möglichst gering zu halten. Beste Voraussetzungen zum Erdabtrag ist
natürlich trockenes Wetter, mit der Folge, dass es enorme Staubentwickelungen
gibt. Werden diese Arbeiten bei Regenwetter (nasses Erdreich) durchgeführt, hat
dies beim Abtransport sehr verschmutzte Straßen zur Folge. Doch auch diese
Herausforderungen wurden bewältigt. Ein Großteil des Erdabtrages wird derzeit
im Bereich der Hohenburger Straße für den Dammbau verwendet.
Eine
erfolgreiche Durchführung ist immer auf eine gute Kooperation angewiesen. So
findet einmal in der Woche eine Baustellenbesprechung statt, bei der sich alle
Behörden und Institutionen, der Markt Schmidmühlen, die Planungsbüros und die
Baufirmen treffen und die einzelnen Maßnahmen abstimmen. Eine wichtige Funktion
und Verantwortung hat bei derartigen Maßnahmen immer der „Chef der
Baustelle“, der Polier. Und hier waren sich alle einig, dass man mit
Franz Weigl in Schmidmühlen einen hervorragenden Polier vor Ort hat.
|
|
|
Weit fortgeschritten sind die Arbeiten zum Hochwasserschutzdamm hier an der Hohenburger Straße – das letzte Stück |
|
|
|
|
|
Das Kombinationsbauwerk
an der Lauterach ist eine kleine technische Herausforderung und erfordert
hohe handwerkliche Fertigkeiten: auf dem Bild Siegfried Dettmann,
Firmenleitung , Polier Franz Weigl, Bernd Georgi vom Wasserwirtschaftsamt
Weiden Servicestelle Amberg |