Für Hochwasserfreilegung werden drei Wohngebäude und eine Brücke abgerissen
Mit dem obligatorischen ersten Spatenstich begann in Schmidmühlen die Hochwasserfreilegung, ein Vorhaben des Bezirkes Oberpfalz unter Beteiligung des Marktes Schmidmühlen, gefördert vom Freistaat Bayern und kofinanziert von der Europäischen Union.
Dieses Projekt ist für den Markt Schmidmühlen ein Jahrhundertereignis, belaufen sich die Gesamtkosten doch immerhin auf 7,5 Millionen Euro, die auf verschiedene Schultern verteilt werden. Allein die Baukosten machen rund 8,25 Millionen Euro aus. Der nun anstehende erste Bauabschnitt (Brücke) ist mit zwei Millionen Euro veranschlagt. Die Baumaßnahme soll, so sieht es die Planung vor, in fünf Bauabschnitten durchgeführt werden.
Die Pläne sehen die Errichtung einer Flutmulde mit Dämmen und Schutzmauer vor, wobei die Abführung eines 100-jährlichen Hochwassers unter
Beibehaltung eines Freibords von mindestens 0,50 Meter zu Grunde gelegt wird. Im Bereich der Flutmulde sind der Abbruch von drei Wohngebäuden einschließlich Nebenanlagen erforderlich. Die Länge der bedeichten Flutmulde beträgt 795 Meter. Unter und oberhalb werden Schutzanlagen bis zum Anschluss an hochwasserfreie Gelände weitergeführt.
Die Brücke über den rechten Lauteracharm im Zuge der Kreuzbergstraße wird erneuert, wobei in der Weiterführung eine neue Brücke über die Flutmulde errichtet wird. Die Zufahrt zum Zieglerweg über die verlängerte Hammergasse wird aufgelassen und durch einen Fußweg ersetzt.
Der erste Bauabschnitt umfasst im wesentlichen den Abbruch der bestehenden Lauterachbrücke und einem Brückenneubau. In diesem Zuge wird auch das Fochtner-Anwesen, ein dominanter landwirtschaftlicher Bau im erweiterten Ortskern, abgerissen. Um den Baustellenverkehrsicherzustellen wird eine Behelfsbrücke über die zwei Lauteracharme errichtet. Für Fußgänger wird der Schulweg durch eine behelfsmäßige Brücke(Schlossgarten) über die Lauterach aufrechterhalten. Bevor mit dem Bau der Brücke begonnen wird, werden Abbruch- und Kabelarbeiten durchgeführt.
Die Fertigstellung der Behelfsbrücken ist bis etwa 12. Mai geplant. Während des Neubaus der Ersatzbrücke wird die Lauterach in Höhe des Oberen Schlosses in Richtung Kreuzberg verlegt und beim Anwesen Altenbuchner wieder in den alten Arm geleitet. Die Lautarsch wird dann durch die Wiese beim Fochtner-Anwesen fließen. Bei diesem ersten Bauabschnitt wird es zu den meisten Behinderungen kommen. Sollten Probleme auftreten, so steht der Markt Schmidmühlen jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.
Im Zuge des ersten Bauabschnitts wird das ehemalige Fochtner-Anwesen abgerissen.
Dort wird zeitweilig dann die Lauterach fließen.
Start einer Jahrhundert-Maßnahme
Ein Spatenstich für Hochwasserfreilegung Schmidmühlens-Gesamtkosten:
7,5 Mil. Euro
Mit dem gemeinsamen ersten Spatenstich der Ehrengäste wurde die Baumaßnahme offiziell in Angriff genommen.
Eine Jahrhundert-Baumaßnahme wurde an einem Donnerstag in Schmidmühlen offiziell mit dem ersten Spatenstich in Angriff genommen: die Hochwasserfreilegung des Marktes.
Dieses Projekt darf mit Fug und Recht historisch genannt werden, denn es dauerte fast ein ganzes Jahrhundert -1909 nach dem verheerenden Hochwasser wurde das Vorhaben erstmals angedacht, bis die Planungen zur Hochwasserfreilegung nun abgeschlossen werden konnten. Die Baumaßnahme wird den Ortskern in den kommenden fünf Jahren in weiten Bereichen wesentlich verändern.
"Ausgereifte Lösung"
Baudirektor Günther Schoben vom Wasserwirtschaftsamt betonte in seinem Grußwort, dass mit der jetzigen Planung "eine vernünftige und ausgereifte Lösung gefunden worden ist". Immerhin stellten so Schobert, Hochwässer auch in der heutigen Zeit immer noch für die Betroffenen ein schwerwiegendes Unglück dar. Der Markt Schmidmühlen seit in den letzten Jahrhundert immer wieder von kleineren und größeren Hochwassern heimgesucht worden. Eines hob der Baudirektor hervor: "Die Hochwasserfreilegung ist ein Projekt in und für Schmidmühlen." Als möglichen Termin der Fertigstellung stellte er das Jahr 2007 in Aussicht.
Bezirkstagspräsident Ruppert Schmid zollte dem Markt und dem Freistaat Bayern großen Dank. Mit Blick auf die schwierige finanzielle Situation der Kommunen sei es keine
Selbstverständlichkeit mehr, dass solche Projekte in Angriff genommen werden, so Schmid. So müssten teilweise Mittel der Europäischen Union zurückgeben werden, weil die Gemeinden selbst ihren finanziellen Anteil an den geplanten Projekten nicht mehr aufbringen könnten. Nicht so in Schmidmühlen - der Bezirkstagspräsident wörtlich:" Wir haben keinen Tag zu spät angefangen." Er glaube nicht, dass in zwei Jahren die Verwirklichung des Projektes finanziell noch möglich gewesen wäre.
Die solide Finanzierung, die auf vielen Schultern lastet, lobte Regierungsvizepräsident Johann Peißl. Auch würdigte er die gute Zusammenarbeit vieler verschiedenen Stellen. Die Realisierung des Projektes, so der Regierungsvizepräsident, habe zwar lange auf sich warten lassen, "aber die Hochwasserfreilegung ist eine gute Sache".
Landrat Armin Nentwig erinnerte an die letzten Jahrzehnte, als die verantwortlichen fachlichen Stellen bereits Einiges zum Hochwasserschutz geleistet hätten. Ausdrücklich nannte er dabei die US-Armee als Nachbar Schmidmühlens, die durch den Bau von Wasserrückhaltebecken bereits viel Wasser im Truppenübungsplatz zurück gehalten habe. Sein Dank galt auch dem Bundesforstamt. Eine erste wesentliche Verbesserung der Hochwassersituation sei mit der Verrohrung des Schlegelgrabens erreicht worden. "Das war Musterbeispiel für die gute Zusammenarbeit einer Anliegergemeinde und dem US-Truppenübungsplatz Hohenfels", so der Landrat.
Den wirtschaftlichen Aspekt dieser Jahrhundert-Baumaßnahme
beleuchtete der Landtagsabgeordnete Heinz Donhauser. In einer Zeit, in
der viele Projekte mangels Finanzkraft der Gemeinden nicht realisiert werden,
könne dieses Projekt gar nicht hoch eingeschätzt werden. Immerhin
würden die Gesamtkosten auf rund 7,5 Millionen Euro geschätzt.
Der Freistaat Bayern beteilige sich mit 51 Prozent an den Gesamtkosten.
"Lang gehegter Wunsch"
Bürgermeister Peter Braun stellte heraus, dass mit diesem Spatenstich als Startschuss für die Hochwasserfreilegung in Schmidmühlen ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehe.
Sein Dank galt vor allem dem Wasserwirtschaftsamt mit Baudirektor Günther Schobert und Diplom-Ingenieur Bernd George für ihre Arbeit und ihren "langen Atem".
Im Zuge des Ersten Bauabschnitts wurde das ehemalige Fochtner-Anwesen
abgerissen.
Dort wird zeitweilig die Lauterach fließen.