Die Hochwasserfreilegung Schmidmühlen;
vor dem Abschluss  (07.09.2007)

 

 von Josef Popp

 

Noch einmal werden bei der Hochwasserfreilegung die Bagger in Schmidmühlen zum Einsatz kommen, dann nämlich, wenn die Behelfsbrücken in der Flutmulde abgebrochen werden.

Dann aber ist nach knapp fünf Jahren Bauzeit endgültig Schluss mit den Arbeiten, bei denen große Baumaschinen zum Einsatz kommen. Einige Restarbeiten stehen noch an, aber die können in nächster Zeit – unauffällig - erledigt werden.

Im kommenden Jahr erfolgen dann noch Ersatzanpflanzungen im Bereich der Flutmulde.

 

Kaum eine andere Baumaßnahme hat in den letzten Jahrzehnten das Ortsbild so verändert wie die Hochwasserfreilegung. Eine ähnliche Wirkung –allerdings nicht mit dem vergleichbaren Kostenrahmen – hatte die Ortskernsanierung der 80iger Jahre, als Straßen und Plätze in Schmidmühlen neu gestaltet wurden. Am nachhaltigsten veränderte sich das Ortsbild im Bereich der Kreuzbergstraße und des Zieglerweges. Hier verschwanden drei dominante Häuser aus dem Ortsbild – in allen Häuser wohnten seit Jahren keine Personen mehr.

Entstanden ist im Gegenzug mit der kombinierten Doppelbogen- und Spannbetonbrücke ein neues großes Bauwerk. Insbesondere die Ausgestaltung der Lauterachbrücke als Doppelbogenbrücke kommt historisch gesehen sicher auch der Bedeutung als Torbrücke (bis in die 50iger Jahre stand hier das letzte Befestigungstor) am nächsten. Von beiden Brücken aus kann man weit in die Flutmulde blicken. Hier ist von den Spuren der Bagger und anderen schweren Baumaschinen nichts mehr zu sehen.

Auch der Hammerbach hat sein neues Bachbett „angenommen“. Wie in früheren Jahren sind hier die Mühlkoppen und Bachneunaugen wieder heimisch, Wasser- und Uferpflanzen haben ihr Terrain zurückerobert. Einen sicher ökologischen wichtigen Einblick in die Flussökologie haben die vielen Umsetzungsmaßnahmen von Fischen und Amphibien durch den Fischereiverein Schmidmühlen gebracht. Im Bereich von Schmidmühlen ist die Lauterach ein wichtiges Refugium für die Mühlkoppen und Bachneunaugen, die immer noch auf der Roten Liste auf den vom Aussterben bedrohten Tieren stehen. Erst vor wenigen Jahren wurde die Mühlkoppe zum „Fisch des Jahres“ gewählt. So kann man auch in der Fachliteratur nachlesen, dass die Mühlkoppenbestände in Deutschland bis auf wenige kleine Restbestände zurückgegangen sind. Alleine bei der letzten Abfischaktion vor zwei Wochen wurden auf einem Streckenabschnitt von etwa 100 Metern etwa 1500 Mühlkoppen (alleine beim Nachsuche am zweiten Tag waren es nochmals 500) gefangen und umgesetzt. Die Bauchneunaugen konnten schließlich nur noch geschätzt werden. Diese vorbildliche Kooperation von Wasserwirtschaftsamt und Fischereiverein hat den in Deutschland wohl einmaligen Bestand erhalten.

Mit dem Schöpfwerk, den Hochwasserverschlüssen und dem Multifunktionswerk sind nochmals vier neue Bauwerke entstanden, die sich gut in das Ortsbild einfügen.

 

Blick auf die Doppelbogenbrücke – der „Marktbrille“ als ein neues Wahrzeichen – neues Bauwerk,

die in ihrem Erscheinungsbild auch an die Stadtbrille in Amberg erinnert. Der Blick auf die Doppelbogenbrücke ist übrigens höchst geschichtsträchtig. So fällt der Blick auf das (gelbe) Torbogenhaus, an das sich das letzte Stadttor Schmidmühlens anschloss. Dieses Tor wurde in den Fünfziger Jahren abgerissen. In der Mitte erkennt man das Obere Schloss aus dem 16. Jahrhundert sowie rechts ein altes unter Denkmalschutz stehendes Ackerbürgerhaus, in dem noch bis in die sechziger Jahre Vieh und Familie unter einem Dach lebten.

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