Amberger Nachrichten v. 20.04.2002

Schifffahrt löste sogar einen
Überfall aus
Somit
bot die Vils für die Schifffahrt früherer Jahrhunderte günstige
Voraussetzungen. Der genaue Zeitpunkt des Beginns der Vilsschifffahrt ist nicht
bekannt. Tatsache ist aber, dass Floß und Einbaum .wesentlich ältere
Verkehrsmittel sind als Karren und Wagen. Diese hatten die von Menschen
geschaffenen Wege zur Voraussetzung, während die Verkehrswege der
Wasserfahrzeuge naturgegeben waren.
Eng verbunden mit der
Vilsschifffahrt ist mit Sicherheit die Gründung
und die Entwicklung Schmidmühlens. Der Ort
Schmidmühlen wurde erstmals urkundlich um das Jahr 1010 genannt. Das Land um
Schmidmühlen war um das Jahr 1000 in Besitz der Marktgrafschaft Hohenburg. Die
Landgrafenwitwe Philifrieda vermachte- was damals
weit verbreitete Sitte war- die Besitztümer zum Seelenheil ihres Mannes an das
Kloster St. Emmeram Es wird berichtet, dass dem Kloster
eine Ladestätte (Anlegestätte für Schiffe) am Fluss „vilsiagesmidimulni"
geschenkt wurde.
An
dieser Anlegestelle befanden sich sicher auch Häuser. Noch heute beurkunden
stattliche Bürgerhäuser und alte Speicher im
Flussabwarts
betrieb man Personenverkehr. Vom Frühjahr bis zum Einbruch des Winters
verkehrten Schiffszuge zwischen Amberg und Regensburg. Die Vilsschiffer kamen
mitunter auf der Donau mit ihren Schiffen bis Ulm und auch nach Wien und
Budapest. Schmidmühlen hatte schon seit frühester Zeit eine eigene Ladestätte
und eigene Schiffe, davon hier aus durch den Zusammenfluss der wasserreichen
Lauterach mit der Vils größere Schiffe verwendet
werden konnten.
Die Schiffsgröße wird
folgender maßen beschrieben: Länge 80 Schuh, Breite 11 Schuh und Tiefe 3,5
Schuh (auch 3 bis 6 Zoll). Dies entspricht den heutigen Maßen von einer Länge
von 24 Metern, einer Breite von 3,30 Metern und einer Tiefe von 1,05 Meter. An
beiden Enden lief es spitz zu. Für so ein Schiff hat man 10 Kubikmeter Holz
verarbeitet. Die Baukosten eines Schiffes betrugen im Jahre 1821 rund 341
Gulden. Eigentümer der Schiffe waren bis 1614 die Schiffsmeister,
von 1614 bis 1757 die Stadt Amberg bzw. der
Die
Ladekapazitätumfasste 112 Fässer, zu je 160 Pfund Salz, bei guterm Wasserstand konnten 120 Fässer geladen werden. Mehr
als 50 Zentimeter Tiefgang wird man mit Sicherheit vermieden haben. Anders als
bei den größeren Flüssen hat man auf Untiefen und Furten Rücksicht nehmen
müssen.
Die Schifffahrt war eine für damalige Verhältnisse
doch recht koste, zeit und personalgünstige Angelegenheit. Sechs Schiffsleute
reichten aus, um eine Fracht von 400 Zentnern nach Regensburg innerhalb von nur
12 Stunden zu bringen. Für die gleiche Menge hätte man mit Gespannen angesichts
der miserablen Straßen und Wege mindestens zwei Tage benötigt.
Weniger
günstig war die Bergfahrt. Die Schiffe hatten dabei höchstens 240 Zentner Salz
geladen. Vier Tage war man bei den Fahrten flussaufwärts unterwegs, während die
Fuhrwerke die Rückfahrt in zwei Tagen schafften. Die Schiffe fuhren
flussaufwärts (Afferfahrt) im Schiffzug mit je vier
Schiffen, die von 12 bis 16 Pferden gezogen wurden. An Personal waren für die
Affenfahrten außer den Reitern ein Schiffsmeister, der Kondukteur und 36 Mann
erforderlich.
Ganz ungefährlich war die
Vilsschifffahrt nicht. So gerieten im I5. und 16. Jahrhundert immer wieder
Vilsschiffe in Seenot. So wird berichtet, dass zur Zeit Herzogs Alprecht
(um 1480) der Schiffsmeister
Jakob „ein Schiff mit Eisen bei Ebenwiesen versenkt, ein Schiff bei Dietldorf,
ein Schiff mit Getreide bei Heitzenhofen und ein
Schiff mit Salz,. bei Schmidmühlen".
1757
gründete die kurbayerische Regierung ein Salzamt
in Amberg. Sie entzog der Stadt Amberg und such dem
Zu
jedem Schiff gehörten sechs Mann Besatzung flussaufwärts noch dazu vier
Zugpferde mit einem Reiter sowie einem Vorder- und Hinter Rösler. Der
Schiffsmeister war der Leiter des Schiffszuges. Er war für die reibungslose
Durchführung des Gesamtverkehrs verantwortlich. Seine Befehlsgewalt erstreckte
sich, mit Ausnahme des ,,Konduktörs", über die
ganze Schiffsbedienung. Der Kondukteur regelte Ein- und Verkauf, kassierte die
Frachten, vollzog die Auszahlung an die Pferdebesitzer und gab Sonderzuweisungen
an die Mühl und Werkbesitzer, worüber er für
das Salzamt Buch zu führen hatte.
Leiter
jedes einzelnen Schiffes war der Seeßhalter.
Sein Platz auf dem Schiff war auf dem Kranz in der Nähe der Sterzstange. Er
dirigierte die Bemannung des Schiffes und die dazugehörigen Pferdeknechte. Hinter
ihm befand sich der Vorderpartitur oder Seilträger, der das „Geben und
Ziehen", das heißt das Verlängern und Verkürzen des Zugseiles, auszuführen
hatte. Sein Gehilfe, der auch zum Schieben des Schiffes eingesetzt werden
konnte, hieß Drittelmann. Auf dem Hinterteil des Schiffes betätigte sich der
Kehre, oder Steuerer. Sein Gehilfe war der Hinterpanitzer oder Nebensteuerer.
Der sogenannte Wachmann konnte zu jeder
anfallenden Hilfeleistung herangezogen werden. Der Reiter wurde in der Regel
vom Stallbesitzer gestellt.
In
den Heimathäfen Schmidmühlen und Amberg überwinterten
die Schiefe, da im Winter der Schiffsbetrieb eingestellt wurde. Die Schifffahrt
auf der Vils wer auch gleichzeitig Ursache der meint sehr gespannten
Beziehungen zu Amberg und Schmidmühlen. Immer wieder kam es zu großen Streitigkeiten.
So klagten die Amberger im späten 14. Jahrhundert, dass „die von Schmidmühlen
den Gästen Zentnergut" auf ihre Schiffe zuladen lassen, was den,
Salzherren großer Schaden" wäre. Ärgerlich war für die Amberger auch, dass
die Nürnberger die Ladestätte an der Lauterach zehr häufig aufsuchten und dort
und eben nicht in Amberg ihre Waren lagerten bzw. Salz und Wein abholten.
Am
Peter und Paulstag 1504 überfielen die Amberger mit gewaltiger Obermacht den
Marktflecken und eroberten Schmidmühlen. 85 Gefangene, 150 Wagen voll Beutegut und
natürlich auch das Schiff ihrer „Kriegsgegner brachten sie in die kurpfälzische
Hauptstadt zurück. Man hatte also. die „feindliche Flotte“ aus Schmidmühlen
ausgeschaltet. Trotzdem verzichteten die Schmidmühlner
nicht auf die Schifffahrt. 1553 luden die Hämmer Ettmannsdorf, Vilswörth, Hohenburg Rosenberg und Lauf ihre Erzeugnisse
auf das Marktschiff. Die Unstimmigkeiten zwischen Amberg und Schmidmühlen
nahmen kein Ende, solange beide Orte Schifffahrt betrieben. Amberg konnte die
angestrebte Monopolstellung nie erringen. Und Schmidmühlen, das ja damals im
Ausland lag und sich auf den Schutz der Münchner Herzöge und später der Neuburger verlassen konnte, behauptete
seine Schifffahrtsrechte. Die Schifffahrt auf der Vils endete im Jahr 1826.