Bayern und Böhmen- eine über tausendjährige Geschichte

Das Haus der Bayerischen Geschichte und die Stadt Zwiesel veranstalteten von Juni bis Oktober 2007 die Bayerische Landesausstellung zum Thema "Bayern – Böhmen". Für unseren  Förderkreis, dessen Arbeit sich an der historischen Route der „Goldenen Straße“ Kaiser Karl IV. orientiert, war es eine große Ehre, von den Organisatoren zu diesem grenzüberschreitenden Projekt eingeladen zu werden.

Mit den Beiträgen aus unserem Nachbarland Tschechien, aus  Luxemburg und der Wojwodschaft Niederschlesien (Polen) wollten wir bewusst zeigen, dass die bayerisch-böhmischen Gemeinsamkeiten auch im heutigen Polen und in Luxemburg ihren Niederschlag fanden. So freuten wir uns ausdrücklich über die Beiträge unserer Partnerschulen aus diesen beiden Ländern. Festgehalten wurden die Verbindungen im zweisprachigen Buch  „Mal bayerisch- mal böhmisch- Geschichten, die Brücken bauen“, den Weg einer erfolgreichen Partnerschaft fortzusetzen.

Hier wurde es uns allen bewusst: Die Vielfältigkeit der Gemeinsamkeiten Bayerns und Böhmens sind unerschöpflich. Zitieren möchte ich die Erklärung der Deutsch-Tschechischen und Deutsch- Slowakischen Historikerkommission vom 29. April 1995:

„Das jahrhundertlange Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden in einem Land, die tausendjährige Nachbarschaft von Deutschen, Tschechen und Slowaken in unterschiedlichen staatlichen Organisationsformen müssen im unbefangenen Rückblick trotz aller Spannungen als für alle Seiten förderlich bezeichnet werden.

Im Zusammenhang der europäischen Geschichte gesehen, war das historische Miteinander in den böhmischen Ländern, im habsburgischen Vielvölkerstaat und der regionalen Nachbarschaft zwischen Bayern, Sachsen und Schlesien ein unverzichtbarer Bestandteil der Entwicklung ihrer Völker“  (1995 Collegium Carolinum bzw. Deutsch-tschechische und -slowakische Historikerkommission).

Glas und Musik gehören in Bayern und Böhmen zusammen..., nicht selten kommen und kamen  Musikanten aus den Glashütten, wie hier der Sterr Sigi aus Altenstadt an der Waldnaab mit seiner Diadonischen.

Wenn am Sonntag das "gute Porzellan" am Tisch stand, da kamen die die bayerische- böhmischen Familien in ihrer Tracht vom Kirchbesuch. Prächtig die Egerländer Trachten, die heute nicht mehr im Ursprungsland zu finden sind. Das war einmal, das wird auch Europa nicht mehr bringen. Doch, eine Ausnahme gibt es, im Chodenland um Domazlice, da tragen die Familien ihren Trachten bis heute. Der Grund: Hier ging der tschechischsprachige Siedlungsgürtel bis an die Grenze nach Furth i.Wald und Eschlkam.

Der Heilige Nepomuk ist "der Intergrationsheilige" zwischen Bayern, Böhmen oder Niederschlesien. Kaum eine historische Brücke ohne den Heiligen, unzählige Barockkirchen in Bayern und Böhmen sind ohne Johannes von Nepomuk, der eigentlich ein Franke ist, undenkbar. Ja sogar in Luxemburg ist er zu finden. Mehr dazu auf eigner eignene Seite.

 

Statue auf der Dominsel in Breslau, Nepomuk vor der Burg Neuhaus (Foto H.Popp)

Weitere Heilige, die über die Goldene Straße bei uns bekannt wurden.

 Anna Selbtritt, Heiliger Wenzel, Heilige Gunter(Dobra voda_Brevnov, Prag)

Nach den ersten Siedlern aus den deutschen Landen, holten die Premyslidenfürsten die Orden ins Land.

Segensreich wirkten die Benediktiner(Foto Hl. Benedikt Kloster Breunau bei Nachod) oder die Zisterzienser in Plasy, Nepomuk oder Sedlec bei Kuttenberg und viele anderen Orden in den Böhmischen Ländern. Es war einmal, den ersten Todesstoß versetzte den Orden Kaiser Josef II. durch die Säkularisation, den Rest gaben ihnen die Kommunisten 1949, alle Orden wurden aufgelöst, die Mitglieder in Konzentrationslager verschleppt, umgebracht oder des Landes verwiesen. Situation heute: Ein wenig Frühlingsstimmung ist zu spüren: Brevnov Kloster, Bila Hora mit Benediktinerinnen, Franziskaner in Prag, Kloster Tepla plus ein komplett neues Kloster bei Tepl.....

Eine typische Bayerische- Böhmische Verbindung, die Akanthusaltäre des Barocks, von Böhmen her kamen sie in die katholischen Anrainerländer: die Oberpfalz, Österreich und Niederschlesien.

Unsere Bilder: links Kirche im Schloss Nebilovy bei Pilsen und der "Hufeisenakathusaltar in der Wallfahrstkirche St. Qurin bei Ilsenbach im Lkrs Neustadt/WN.

Der Barock in beiden Ländern beflügelte die Baumeister, Maler und andere Künstler, rege der Austausch.

links: Asam Deckengemälde im Kloster Ensdorf und das Prager Jesulein, das die Verehrung der Menschen und die Karmeliter weit über die grenzen Bayerns bekannt machten.

Blechschnittkreuze

Auch die Volkskunst der ärmeren Schichten hinterließ ihre Spuren in beiden Ländern. Dazu gehören die Blechschnittkreuze.

 Fotos: rechts Prag, daneben Johannes von Nepomuk, links Waldthurn, Lkrs. NEW

Eine eigene Homepage ließe sich zum Thema Gemeinsamkeiten füllen, lassen wir es bei diesen Beispielen.