900 Jahre Kloster Kladruby-1115 gegründet durch Benediktiner Mönche aus Zwiefalten

 

Pilsen Barock Kladruby-Zwiefalten - ein Projekt Pilsen2015

Eine 900jährige Verbindung: Die ehemaligen Benediktinerklöster Kladruby und Zwiefalten wurden aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt. Mit dem Projekt Pilsen/Barock 2015 und der Unterstützung des Bayerisch-Böhmischen Koordinierungszentrums Bavaria Boehemia in Schönsee ist am 31.05.2014 ein Märchen wahr geworden.

Historische Fakten einer 900jährigen Verbindung

Zwiefalten und Kladruby (Gründung 1115), zwei Klöster, rund 400 km entfernt, blicken 2015 auf eine 900jährige Geschichte zurück.  1089 wurde Zwiefalten aus dem Reformzentrum Hirsau besiedelt. Anfang des 12. Jahrhunderts nahm Zwiefalten personell maßgeblichen Einfluss auf das neu gegründete Kloster Kladruby in Böhmen. Dynastische Beziehungen der gräflichen Familie von Berg, Wohltäter und Vögte der Abtei Zwiefalten, bildeten die Brücke nach Böhmen. Wie lange der Kontakt zwischen den Zwiefalten und Kladruby bestand, ist offen. Beide Klöster fanden ihr Ende in der In Kladrau stiftete Herzog Vradislav II. das Kloster im Jahr 1115 und stattete es mit viel Vermögen aus. Ehe der Konvent eigenständig alle seine Aufgaben erfüllen konnte, mussten aus Zwiefalten dreimal Mönche geschickt werden, die es gewohnt waren, nach den strengen Hirsauer Bestimmungen zu leben. Die Vermittlung kam durch Herzogin Richinza zustande, eine Adelige aus der Nähe von Zwiefalten, deren Familie dem dortigen Kloster Schenkungen machte. Die böhmischen Herzöge und Könige förderten das Kloster Kladruby, weil sie es zur Verwaltung Westböhmens brauchten.

links: Münster Zwiefalten  rechts Konvent des Klosters Kladruby (Kladrau)

Beide Kloster wurden in der Zeit der Säkularisation aufgelöst.

Foto rechts: Im neuen Glanz erstrahlt das Konventgebäude, das bis 1945 von der Familie Windischgrätz genutzt wurde.

Zur Vorgeschichte der neuen Kontakte

Ein tschechischer Priester und eine geheimnisvolle Frau aus Stribro halfen mit, die Verbindungen nach 600 Jahren aufzunehmen

1.    Ein Versprechen 

Die Neubelebung der Kontakte verdanken die beiden Orte dem tschechischen Priester Monsignore Jaroslav Kubovec. Im März 1949 flüchtete der Kaplan, Jaroslav Kubovec (zuletzt in Potvorov bei Pilsen) nach Deutschland. Die Geheimpolizei wollte ihn und seinen Pfarrer verhaften. Über Würzburg kam er nach Schwaben, J. Kubovic war in Dürrenwaldstetten 45 Jahre als Pfarrer tätig. Er starb 1997, sein größter Wünsch, den er an den Bürgermeister von Zwiefalten richtete: „Sollte der Eiserne Vorhang einmal fallen, nehmen Sie bitte die alten Kontakte der beiden Klosterorte wieder auf“. Weitere Bitten zur Unterstützung dieser Verbindung kamen an Herrn Riedlinger vom Cousin des Monsignore, Pater Vladislaus Sysel, aus Loučim bei Domažlice. Er schreibt am 29.11.1996: „Ich wäre froh, wenn eine freundschaftliche Zusammenarbeit und sogar Unterstützung zwischen Zwiefalten und Kladrau zustande kommen würde und die geschichtlichen Verbindungen von Zwiefaltener Benediktinern und den Anfängen von Kladrau in der Bevölkerung und Öffentlichkeit neu belebt würden.“ Pater Kubovec lebte auch in Deutschland nicht sicher, eines Tages erhielt er ein anonymes Paket, darin versteckt eine Bombe, zum Glück hat er es nicht geöffnet. Mehr dazu in der Dokumentation.

Der Geschichtsverein Zwiefalten griff diese  Idee auf und machte sich ans Werk, die Beziehungen der beiden Klöster Zwiefalten in Württemberg und Kladruby in Böhmen näher zu untersuchen und beide Klosteranlagen miteinander zu vergleichen.Eine Dokumentation, die auf zweisprachigen Tafeln in Deutsch und Tschechisch gedruckt nach Kladruby gebracht werden sollen.

2.    Eine geheimnisvolle Frau

"Kladbara", die geheimnisvolle Frau aus den Bergwerkstollen in Stribro im  D/CZ Buch der Partnerschulen aus Stribro, Kladruby und Altenstadt, machte es möglich. Durch Zufall fädelte sie über den Kuraufenthalt eines Altenstädters und einer Kladrauerin in Bad Kötzting einen Kontakt von Altenstadt zum Rathaus Zwiefalten ein, der weitreichende Folgen haben sollte. In der Woche nach den Osterfeiertagen 2008 reisten Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger aus Zwiefalten mit seiner Ehefrau Anita und dem damaligen Rektor der Grundschule Altenstadt, Rainer Christoph, zum Denkmalamt Pilsen und ins Rathaus in Kladruby. Ziel der Reise: Vorstellen des Projekts über eine 900jährige Verbindung der Orte Zwiefalten / Kladruby.

3. Projektentwicklung auf deutscher Seite

Erste Schritte: Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger konnte für die Projektidee der Klosterverbindung  ein  kunsthistorisches Seminar mit Studenten von Professor Dr. Hubert Krins im Jahre 1998 gewinnen. Dieses Seminar war wiederum Orientierung für den „Projektpionier“ Dr. Reinhold Halder, der die Textmaterialien  von Tübinger Studenten sichtete, auswertete und in der Folge die Texte zu den Tafeln mit Bildvorschlägen entwarf. Dr. Halder ist ein profunder Kenner der Zwiefalter Kloster- und   Baugeschichte. Seine Beiträge zur "Bau und- und Kunstgeschichte des alten Zwiefalter Münsters" und zum Baumeister des aus der Oberpfalz stammenden  Baumeister des  Münsters, Johann Michael Fischer, Erbauer des Zwiefaltener Münsters, zeugen hiervon.

Im Juli 2008 fand in Kladruby ein drittes Treffen mit Vertretern aus Zwiefalten, dem Denkmalamt Pilsen und der Klosterverwaltung Kladruby statt. Ziel: Vereinbarung der weiteren Vorgehensweise der Dokumentation, koordiniert durch das Denkmalamt Pilsen. Ehrenamtliche Arbeit benötigt Zeit und so  beriet durch eine personelle Veränderung eines wichtigen Mitarbeiters in Zwiefalten das Projekt stecken. Die Stadt Kladruby mit der Bürgermeisterin Mgr. Svatava Štěrbová unterstützte das Projekt engagiert.
Große Fortschritte haben die Renovierungsarbeiten durch die kontinuierliche Betreuung des Denkmalamtes Pilsen gemacht. Seit 2012 ist Herr Direktor Petr Pavelec vom Nationalen Denkmalamt Budweis für das Kloster zuständig. In ihm fanden die Initiatoren ebenfalls  starke Unterstützung.

4. Ausstellung und Begleitbuch

Am 31. 05. 2014 konnte die Ausstellung in den neu gestalteten Räumen der alten Lateinschule des Klosters Kladruby eröffnet werden. Gleichzeitig wurde ein von der EUERGIO EGRENSIS über das EU projekt Ziel3 ein Begleitbuch durch den Förderverein Goldene Straße mit den Initiatoren aus Zwiefalten erstellt. Erweitert wurde es durch einen Exkurs der Beziehungen des Projekts zur Oberpfalz.

 

Ausstellungseröffnung am 31. 05. 2015.

4.2 Erstmals Weinruach Konzert in der ehemaligen Klosterkirche Kladruby am 20.06.2015

Diese Abstimmung erfolgte mit dem Projektbüro der Kulturhauptstadt Pilsen und dem Rathaus Kladruby. Die Schirmherrschaft übernahmen drei Bischöfe: Frantisek Radkovsky Pilsen, Rudolf Voderholtr Regensburg und Bischof Fürst Rottenburg-Stuttgart.

Herr Peteřik aus Střibro und Rainer Christoph konnten Herrn Direktor Miroslav Brejcha von der Musikhochschule Pilsen gewinnen, das Orchester für das Weinrauch Konzert  2014 zur Verfügung zu stellen. Mitwirkende: Gemischte Chöre der Basilika Zwiefalten und  La Tessoualle Frankreich (Partnerstadt von Zwiefalten), sowie Orchester der Musikhochschule Pilsen.                  

Zur Aufführung kam ein Konzert des Komponisten. Ernest Weinrauch, am 17. Oktober 1730 in Donauwörth/Bayern als Sohn eines Handwerkers geboren. Bereits Mit sieben Jahren kam er in das Kloster Zwiefalten und hat es bis zu seinem Tod die Benedik-tinerabtei Zwiefalten 1793 nicht mehr verlassen.  Als er dort mit der Profess im Jahre 1748 ins monastische Leben eintrat, stand das oberschwäbische Kloster bereits in seiner vollen barocken Blüte.

 

Weinrauchchor mit französischer Unterstützung

Bis zu seinem Tode am 9. April 1793 bekleidete Ernest Weinrauch die Ämter des Subpriors und Ordenskapitulars; als Chorregent machte er es sich zur Aufgabe, den um die Jahrhundertmitte erbauten Kirchenraum des Zwiefaltener Münsters mit Musik zu füllen. In seinem Wirkungskreis war Ernest Weinrauch als hervorragender »Kontrapunktist, Orgelspieler und Kompo-nist« bekannt. Er widmete sich - so der heutige Stand der Forschungen, ausschließlich der Kirchenmusik. Erhalten sind eine große Messe in C-Dur, das Oratorium »Kain und Abel«, eine Fülle kleiner Kompositionen, sowie das Requiem in c-Moll und die Messe in g-Moll, die am 2. November 1997 im Zwiefaltener Münster erstmals wieder aufgeführt wurden.

 

Prächtige Kulisse  Applaus stehend Hubertus-Jörg Riedlinger, Initiator des Projekts

deutsch- tschechische Dirigenten rund 500 Besucher aus der Oberpfalz und der Umgebung

Schirmherr Bischof Rudolf von Regensburg mit Reinhold Halder und Rainer Christoph

Ende September 2015 Projektabschluss mit dem 250. Münsterfest in Zwiefalten


Zwiefalten und Peterstor, Ort der Ausstellung 900 Jahre Kladraugründung, mit dabei eine kleine Delegation aus Tschechien und der Oberpfalz.

Münsterfest in Zwiefalten

Festakt in der Prälatur mit dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und der Bürgermeisterin von Kladruby, Svatlana Sterbova.