Kleine Hexe stärkt deutsch-tschechische Partnerschaften

Otfried Preußlers Bestzähler stand im Mittelpunkt der Begegnungstage von Partnerschulen aus Weiden/ Tachov, Grafenwöhr /Myto, Altenstadt/WN / Stribro, Waldsassen und Sokolov.

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Hexenprojekt  in Tachov und Weiden

Die Einwohner im Zentrum der Stadt Tachov (Tachau)  staunten nicht schlecht. Aus einem Bus mit Weidener Kennzeichen  sprangen rund 30 kleine Hexen heraus und verschwanden in der Kostelni Schule hinter der Kirche. „Was ist denn hier los, Fasching und Walburgisnacht sind doch längst vorbei?“, fragte eine Passantin erstaunt.

Grund für diese Kostümierung war ein Leseprojekt zweier Parterschulen, der Clausnitzer Schule Weiden und der Kostelni Schule in Tachov. Ihr Thema,  „Kleine Hexe“, denn das  Buch von Otfried Preußler gibt es auch in tschechischer Sprache, hier heißt es „Mala carodejnice“. Wer kennt sie nicht, die kleine mutige Hexe. Heimlich tanzt sie mit beim Hexenfest auf dem Felsenberg, obwohl es die Oberhexen verboten haben. Prompt erwischt sie die böse Nebelhexe und bestraft sie. Ohne ihren Besen muss sie nach Hause laufen - und das ist vom Felsenberg aus schrecklich weit. Nur wenn sie die Hexenprüfung besteht, darf sie  im nächsten Jahr mitfeiern. Aber das Zauberbuch ist schrecklich dick. Und sie hat mit ihren 127 Jahren  gerade mal 13 Kapitel gelesen. Eine große Hilfe ist ihr Freund der Rabe Abraxas. Mit seiner Hilfe lernt sie von Stund` an tüchtig zaubern. Und weil sie eine richtig gute Hexe sein will, hilft sie überall - dem traurigen Blumenmädchen oder den Tieren im Wald. Am Tag der Prüfung jedoch gibt es eine böse Überraschung. Die Nebelhexe klagt die gelehrige Schülerin an. Was dann so alles passiert, das haben die Kinder und Lehrer der Partnerschulen aus Weiden vielfältig umgesetzt. Sie malten Bilder, verkleideten sich, schrieben neue Geschichten. Die Tachauer Kinder holten bei ihren Eltern und Großeltern alte Kleidungsstücke aus Truhen und Schränken und bauten lebensgroße Hexen aus Stroh. Masken wurden geformt, in der Stadtbibliothek Tachov wurden die Bilder ausgestellt und es die schönste Hexe gekürt.

In der Schule kam es zu einem bunten Treiben, über 100 Kinder und Ihre Lehrer bastelten Hexenhüte, kleideten sich um und schminkten sich. Sogar die Lehrerinnen machten mit. Und am Ende kam es zu einem regelrechten Volksfest mit Hexentänzen und Liedern, bei dem der sprichwörtliche Teufel los war. Silvia Bäumler, Rektorin der Clausnitzer Schule war begeistert: „Toll, was die Schule hier auf den Weg gebracht hat. Ihrer Kollegin Mgr. Jarmila Muchová überreichte sie ein selbstgestaltetes Buch der Kinder zum Thema. In allen Klassenzimmern der Grundschule standen  die kleinen Hexen im Mittelpunkt. Bei allem Spaß versuchten sie manchmal auch eine finstere Atmosphäre zu verbreiten. Und mit ihren Spitzhüten, Hexennasen, Besen und anderen Accessoires zeigten sich die Kinder von ihrer perfekt kostümierten Seite.  Gemeinsam wurde in tschechischer Sprache ein  extra für diese Begegnung komponiertes Hexenlied gesungen. In der Turnhalle gab es nach dem Hexentanz natürlich die Wahl der“ Miss der Hexen“ und die Finalisten mussten einen Flug auf dem Besen zeigen.

Liebesgeschichte zweiter Raben zwischen Grafenwöhr und Myto

Ein ähnliches Bild zeigte sich in der vergangenen Woche in der Stützelvilla in Windischeschenbach und in der Grundschule Altenstadt.  Im Jugendgästehaus des Landkreises tobten zeitweise über 50 Hexenkinder aus Grafenwöhr und der Partnerschule und Myto bei Pilsen durch den Park und das Jugendstilhaus. Bei einem dreitägigen Aufenthalt vertieften die Lehrerinnen beider Schule das Projekt „Kleine Hexe“ unter der Leitung von Lehrerin Ingrid Schmidt.  Ihr Ziel, ein neues deutsch-tschechisches Hexenbuch entstehen zu lassen.  Das wurden die Aufgaben verteilt und Besprechung angesetzt, wie Gestaltung der Gemeinschaftsseite oder die Weiterarbeit an der Buchgestaltung, sowie Auswahl und Überarbeitung der Textbeiträge umgesetzt werden können.

So hatte Anna aus Grafenwöhr die Idee, eine Liebesgeschichte zu schreiben. Inhalt, Abraxas der Rabe der kleinen Hexe aus Deutschland, verliebt sich in Abraxina, der Rabendame der kleinen tschechischen Hexe bei einem Treffen.Bei einer Wanderung ins „Waldnaabtal“ wurde trockenes Holz gesammelt und am Abend kam es dann bei lauen Frühlingstemperaturen zu einem  „Hexenfest“ mit „Buntem Abend“ und stimmungsvollen Lagerfeuer um das die Hexen tanzten.

Schattenspiel zur Kleinen Hexe an der Grundschule Altenstadt

Die Grundschule Altenstadt und ihre Partnerschule in Stribro  hatten sich zum Ziel gesetzt, das Thema spielerisch umzusetzen. Unter der Leitung von Marie-Luise Vollath und ihrer Kollegin Ludmila Frankova hatten die Schüler an ihren Schulen das Buch im Vorfeld gelesen und beschlossen ein Schattenspiel zu gestalten. So wurden beim Besuch der Schule die Schattenspielfiguren Entwürfe und hergestellt und am Ende nach einem Manuskript das Spiel deutsch-tschechisch aufgeführt.

Jahresprojekt „Kleine Hexe“ in Waldsassen

Ein riesiges Hexen-Projekt entwickelte sich in diesem Schuljahr 2011/12 innerhalb der Partnerschaft zwischen der Markgraf-Diepold-Grundschule Waldsassen und der Schule aus Sokolov. Sowohl auf deutscher als auch tschechischer Seite wurde bereits im Oktober 2011 damit gestartet. So lasen die Kinder der Klasse 3a unter Anleitung ihrer Lehrerin Frau Birgitta Hösl  das Buch als Klassenlektüre. Die Arbeitsgemeinschaft Schulhausgestaltung bastelte zusammen mit Fachoberlehrerin Johanna Maurer tolle Hexen. Mitte Januar diesen kam es dann zum ersten Treffen. 17 SchülerInnen aus Sokolov mit drei Lehrkräften besuchten die Grundschule in der Klosterstadt.  Hier lernten die Schüler und Schülerinnen anhand der gebastelten Hexen Wörter wie Nase, Ohren, Augen, Mund, sowohl in deutscher als auch in tschechischer und englischer Sprache spielerisch kennen. In der anderen Gruppe bastelten die Kinder mit Hilfe der Fachlehrerin Inge Schmidkonz kleine Hexen als Lesezeichen, die sie mit nach Hause nehmen konnten. Unterstützt wurde sie dabei von Frau Irena Zandt, Tschechischlehrerin.

 Bei einem Besuch in Sokolov fand  das Thema im Winter seine Fortsetzung, dort  führten die tschechischen Freunde einige kleine Zaubertricks vor. Die bereits gelernten Begriffe zum Thema  wurden everteift und erweitert und in der Tonwerkstatt der Schule entstanden  kleine Hexen, die dann im Mai gebrannt und glasiert nach Waldsassen mitgebracht wurden. Mit dabei Lehrerin Birgitta Hösl, Schulleiterin Maria Piendl und der ehemaligen Rektor  Manfred Brunner.

Der  Abschluss des Projekts erfolgte letzte Woche im Rahmen eines deutsch-tschechischen Begegnungstages in Waldsassen. 16 Kinder aus der Partnerschule in Sokolov kamen mit zwei Lehrkräften auf Besuch und die Kinder der Klasse 3a freuten sich schon auf das Wiedersehen. Gezeigt wurde am Anfang  ein kleiner Ausschnitt aus dem Zeichentrickfilm zur Kleinen Hexe, jedes  Kind bekam einen „Hexenpass“. Bei einem Stationenlauf, den  jeder Schüler durchlief kam  am Ende eine „gute Hexe“ heraus. So lernten die Kindern  einen Hexentanz, bei der nächsten Station musste in der Turnhalle einen Hexenparcours durchlaufen werden. Dritte Station, hier  lernten die Schüler ein tschechisches Lied und an der letzten Station bastelten alle zusammen eine Hexenmaske. Und am Ende gab es nur“ gute Hexen“.

               

Bayerisches Schullandheimwerk und Förderverein Goldene Straße bahnten 2011 deutsch-tschechisches Gemeinschaftsprojekt für Partnerschulen an

Wie wichtig Sprachförderung und Leseerziehung in Grund-und Hauptschulen ist, zeigten die nicht gerade positiv abgeschnitten Ergebnissen der bayerischen und tschechischen Schüler beim internationalen PISA-Test 2011, der die Fähigkeiten und Kenntnisse der Schüler im Lesen bewertet. Ein Grund warum die beiden Institutionen im März 2011 im Schullandheim Gleißenberg unter der letung von Rainer Christoph mit 30 deutschen und tschechischen Lehrkräften ein Leseprojekt entwickelten. Gefördert wurde es aus EU Mitteln über die Euregio Egrensis, den Deutsch-Tschechischen Fond in Prag und die Akademie für Schullandheimpädagogik.

Für die Grundschulen wurde die  kleine Hexe von Otfried Preußler, für die Mittelschulen das Buch der „Rote Nepomuk - Cerveny Nepomuk“ von Josef Holub ausgewählt, beide sind in tschechischer Sprache aufgelegt. Ziel der Partnerlehrer war es, Ablaufmöglichkeiten und Umsetzung für ein deutsch-tschechisches Literaturprojekt zu suchen.

Möglichkeiten zur Umsetzung sollten durch eine inhaltliche Auseinandersetzung erfolgen: Lesen, vorlesen, zuhören, Dialoge lesen, Fortsetzungsgeschichten schreiben. Wichtig war den Lehrern beider Länder die kreative Erarbeitung und darstellendes Spiel: Zaubersprüche erfinden und in „Zauberbuch“ zusammen fassen, Die „Kleine Hexe“ oder Abraxas nachbilden (Ton), malen, zeichnen, Collagen anfertigen, ein eigenes Hexenbuch anzufertigen, Theaterspiel, Tanz, Lieder einbinden. Einen gemeinsamen  Schullandlandheimaufenthalt zweier Partnerklassen zur Vertiefung durchführen. Mit diesem Projekt erfuhren Kinder Fantasiewelten  und erlebten intensive Leseerlebnisse. Eine gemeinsame Präsentation des Leseprojekts ist geplant.

Hilfen durch Staatsinstitut für Förderlehrerausbildung in Bayreuth und Tschechischlehrerinnen

Unterstützt wurden die Projekte der genannten Partnerschulen durch zirka 30 Studierende aus dem Förderlehrerinstitut in Bayreuth.  Die ehemalige Lehrerin aus Waldsassen, Dr. Beatrix Dürrschmidt, sei drei Jahren in Bayreuth tätig, hatte diese Kooperation organisiert und damit bei den Studierenden einen praxisbeto ten Beitrag für ihren spätere Arbeit an den Schulen gelegt. Große Unterstützung kam auch durch die Einbindung der Tschechischlehrerinnen der Oberpfälzer Schulen: Lenka Uschold, Irena Zandt, Dana Pflaum und Katerina Wimmer. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen: Mit großem Engagement haben die Lehrer die Ideen umgesetzt und thematisiert. Grundtenor war stets, es hat Spaß gemacht, die Kinder waren voll eingebunden und Otfried Preußler kann als ehemaligen Schulleiter stolz auf dieses grenzüberschreitende Projekt sein.