Husmuseum in Konstanz

Magister Jan Hus - eine tragische Person in der Geschichte

Jan Hus                     Jan Hus in der Schlosskirche in Wittenberg

Im Herbst des Jahres 1414 zog der tschechische Reformator Jan Hus mit seinem Gefolge auf der Goldenen Straße über Bärnau nach Konstanz. Eine Rückkehr gab es nicht, das Konzil verurteilte ihn zum Tod am Scheiterhaufen. Kaiser Sigismund, Sohn Karl IV., hatte ihm zwar freies Geleit versprochen, vor dem Feuertod konnte er ihn nicht retten. Hus wurde auf der Reise entlang der Goldenen Straße in allen Orten der Oberpfalz und Mittelfrankens und Württembergs wohlwollend und mit Hochachtung aufgenommen.

Jan Hus auf dem Weg von der Burg Krakovec bei Rakovnik über Bärnau.....

Unterkunft in Biberach an der Riß - Husturm in Konstanz- heute Steigenberger Hotel

Bei den Diskussionen mit Ratsherren und Geistlichen erfuhr er stets viel Zustimmung. Das machte leichtsinnig und er beging einen Fehler. Statt, wie vereinbart, nach Speyer zu reisen, um mit Kaiser Sigismund und dessen Gefolge in Konstanz einzuziehen, machte er sich ohne den Geleitbrief im Gepäck mit seinen Begleitern auf den direkten Weg über Ulm, Biberach, Ravensburg nach Konstanz am Bodensee auf. Unter dem damaligen Papst Johannes XXIII., der in Konstanz weilte, ist er verurteilt worden. Dieser Papst  ist aus den Analen der katholischen Kirche gestrichen worden. Er floh gegen Ende des Konzils aus Konstanz, wurde verfolgt, verhaftet und zeitweise bei Konstanz und in Heidelberg in den Kerker geworfen. 1960 gab sich erneut ein Papst den Namen "Johannes XXIII.", damit sollte endgültig der alte Papstname getilgt sein.

Das Kapitel der Hussitenkriege ist eine oft verfälschte Geschichte, die eine Bereinigung erfahren muss. So entschuldigte sich Papst Johannes Paul II. in Rom für die damals ungerechte Verurteilung von Jan Hus.

Hussitenkkriege

Die nachfolgenden Hussitenkriege tangierten den bayerischen Grenzraum bis Nürnberg und Bamberg, aber auch Sachsen, Brandenburg, das ehemalige Niederschlesien und Teile Österreichs.

"Kommt der Böhme in das Land, zittert der Nagel an der Wand", diese Schreckensnachricht verankerte sich in den berühmten Schauspielen des "Further Drachenstichs" oder dem "Hussenkrieg" in Neunburg vorm Wald. Die heutigen Neuinszenierungen distanzieren sich aber längst von dieser Ansicht, denn es war eben nur die halbe Wahrheit.

Dem Reformator Hus die Greueltaten eines Jan Zizkas zuzuschreiben, davon muss stark abgerückt werden. Jan Hus hatte mit den Taten der extremen Taboriten nie etwas zu tun. Der Begriff "Hussiten" wurde in Deutschland und von der damaligen Katholischen Kirche als Schimpfwort geprägt. Hus selbst wurde in den vergangenen Jahrhunderten stets zum Spielball unterschiedlichster Interessensgruppen. Seine Ideen - er gilt als Wegbereiter Luthers -"der Reformierung der Kirche" stießen in der Oberpfalz und anderen Landesteilen auf fruchtbaren Boden. Dies zeigten Professoren, wie Ferdinand Seibt und Peter Hilsch eindeutig auf. Namentlich sind eine Reihe von Anhängern im deutschen Raum bekannt, die ebenfalls den Feuertod sterben mussten.

  

Bild: Jan Ziska-Denkmal am Marktplatz in Tabor, Ausstellung des Fördervereins  Goldene Straße in Tabor und Nachod

Die Schlacht von Hiltersrieth ( Bild das Denkmal an die Schlacht) wurde in der Vergangenheit militärisch überbewertet.

Neunburg vorm Wald Schuaspiel vom Hussenkrieg alljährlich im Juli/August

Mit der Schlacht am Weißen Berg beendeten die Habsburger jegliche Reformbewegungen, vertrieben oder töten Lutheraner und gemäßigten Husanhänger, die Utraquisten. Alle Versuche, Reformen im Sinne eines Jan Hus durchzuführen, scheiterten stets am Widerstand Roms, auch Kontaktversuche zur Orthodoxen Kirche verliefen im Sande. Erst 1919 kam es zu einer Renaissance der hussitischen Kirche in Böhmen. Nach 300 Jahren erfolgte am 8. Januar 1920, eine erneute Kirchengründung. Im Sinne hatten die Gründer eine tschechische Staatskirche, doch der Staat selbst hielt sich aus internationalen Gründen zurück. Heute bekennen sich rund 96000 Tschechen zum Hussitentum (Stand: August 2009), das somit drittstärkste kirchliche Kraft im Lande ist.

Nach dem 1. Weltkrieg sammelten die Tschechen für das Husdenkmal am Altstädter Ring in Prag

Das Thema Hus und Husitten faszinierte schon immer die Menschen

In Zusammenarbeit des Förderkreises und der ehemaligen Landesbildstelle Bayreuth mit dem Filminstitut Hahn bei Bamberg wurde ein Unterrichtsfilm über Hus gedreht. Drehorte waren in Bärnau und Konstanz aus Anlass eines historischen Zuges von Tabor nach Konstanz 1995. Der Film wurde 1996 in Prag vorgestellt.

Im Bild links, der ehemalige Außenminister Tschechiens, Cyril Svoboda, rechts Dieter Hartmann Bayreuth,Mitte Rainer Christoph, Altenstadt/WN

Bild rechts: Hussitischer Kampfwagen, nachgebaut von Schülern aus Tiefenbach und der Partnerschule in Stenovice. Ergebnis einer Lehrerfortbildung 2005 im Kloster Tepl.

Jan Hus vor dem Elternhaus in Husinec bei Prachatice