Die  Weite der Elblandschaft in Nordostböhmen, im HIntergrund das Gebirge der Sudeten

Die Mittelböhmische Region, tschechisch Středočeský kraj

Sie ist flächenmäßig die größte der 14 Regionen des Lande. Sie deckt einen großen Teil des westlichen Tschechiens ab, der Kern, das Stadtgebiet von Prag , ist politisch gesehen unabhängig und verwaltungsmäßig eine selbstständige Region. Inklusive Prag entspricht die Region der historischen Region Mittelböhmen.

Die Region besteht aus 1.148 Gemeinden, die sich auf zwölf Bezirke aufteilen. Den größten Bezirk bildet Benesov, der bevölkerungsreichste istKladno (69.000 E.). Die jeweilige Anzahl der Gemeinden ist in Klammern angegeben.

In Mittelböhmen liegt auch die kleine Gemeinde Lidice (450 Einw.), bekanntgeworden durch das am 9. Juni 1942 verübte Massaker der Nationalsozialisten als Reaktion auf das Attentat tschechischer Widerstandskämpfer auf den "Reichsprotektor von Böhmen und Mähren"Reinhard Heidrich.

Klima: Gekennzeichnet durch warmes, angenehmes Klima mit der wärmsten Gegend von Böhmen in den Tälern von Moldau und Elbe bildet gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Negativ wirken sich jedoch in der letzten Zeit trockene Sommer aus.

Wirtschaft. Die Region hat einen hohen Anteil an Industrieansiedlungen, ist aber vor allem mit einer ertragreichen Gegend im Elbtal (Weizen, Korn, Zuckerrüben, Obst und Gemüse) auch landwirtschaftlich bedeutsam. Im Bereich der Dienstleistungen ist in den letzten Jahren ein erhöhter Zuwachs zu verzeichnen. Viele fanden Beschäftigung in Verwaltungen, im Handel, im kulturellen Bereich sowie in Sporteinrichtungen.

Von größter Bedeutung im Industriesektor ist das Automobilwerk Skoda in Malada Boleslav, das eine besondere Bedeutung auch für viele Zulieferer in der Gegend hat. Hinzu kommen einige große Maschinenbauer, chemische Industrie, Lebensmittelindustrie, Druckindustrie sowie Glas- und Keramikhersteller. Zurückgegangen ist die Bedeutung bei  Stahl- und Kohle.

Tourismus: Das ganze Gebiet bietet viele Urlaubsmöglichkeiten, insbesondere an den Flüssen Berounka, Sazava und der Moldau. Für Tschechen beliebte Wochenendurlaube.

Die höchste Konzentration an Denkmälern findet man bei Kutna Hora (Dom der Hl. Barbara, Vlašský Dvůr (Welscher Hof), Beinhaus in Sedlec). Ein Teil der Kulturdenkmäler wird durch dieUNESCO geschützt. Geschützte Denkmäler findet man auchin Kolin. Bekannt sind die Burgem Karlstein, Tocnik, Krivoklat, Cesky Sternberg, Burg Kost bei Mladá Boleslav und Kokocin bei Melnik. Bedeutende Schlösser finden sich in Konopiste, Zleby, Kacina, Lany, Nelahozeves (Lobkowitz). Bedeutendste Ruinen sind Trosky, Zebrak, Okor, Wertvolle Naturlandschaften findet man in der Gegend von Křivoklát mit biosphärischen Reservaten, im Naturpark Kokorin, Cesky Kras, Cesky raj  und Naturpark Blanik.

Foto: Schloss Nelahozeves wieder im Besitz der Familie Lobkowitz

Verkehr Die Mittelböhmische Region hat neben Prag das dichteste Verkehrsnetz, das aber auch die höchste Überlastung in der Republik aufweist. Neben dem Straßenverkehr und der Eisenbahn spielt auch der Wasserverkehr eine bedeutende Rolle. Von der gesamten Wasserlogistik im Land werden etwa drei Viertel in der Mittelböhmischen Region abgefertigt.

Geschichte:  Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung in der Region gehen in die jüngere Steinzeit zurück. Die ältesten Funde aus der Gegend um Beroun stammen aus der Zeit vor 1,5 Mio. Jahren. Ungefähr im 2. - 1. Jahrhundert v. Chr. betraten das Böhmische Becken die keltischen Stämme. Von dem Kelten- stamm der Boier wurde auch die lateinische Bezeichnung für Tschechien Bohemia abgeleitet. Spuren  der Kelten finden sich auf dem Berg Závist oberhalb von Zbraslav (Prag-West) oder in Stradonice an der Berounka. In mittelböhmen finden wir Orte, die eng mit der Geschichte des tschechischen Landes und Volkes verbunden sind. Die Fläche der Region ist fast identisch mit dem Gebiet des tschechischen Staates im 10. Jahrhundert unter der Herrschaft des heiligen Wenzels, des Patrons der Böhmischen Länder. Das Kloster in der Stadt Sázava (Sassau) war einst ein wichtiges Kultur- und Schrifttumszentrum. Die böhmischen, in Kutná Hora (Kuttenberg) geprägten Groschen waren im ganzen mittelalterlichen Zentraleuropa ein beliebtes Zahlungsmittel.

Burg Kokrin im gleichnamigen Naturpark, nördlich von Melnik

An die ruhmreiche Ära der Herrschaft Karls IV. erinnern die Burgen Karlštejn und Křivoklát. Aus der Zeit der Hussitenkriege im 15. Jahrh. ist die Schlacht bei Lipany zu erwähnen, die das Ende der Hussitenrevolution bedeutete. Der letzte Zufluchtsort der Hussiten war die Burg Sion in Kutná Hora. Aus Mittelböhmen stammte auch der bekannte Politiker der Zeit nach Hussitenkriegen, König Georg von Poděbrady. Im Jahr 1757 ereignete sich bei der Stadt Kolín einer der wichtigsten Kämpfe des Siebenjährigen Krieges (Preußen-Habsburg).

Nennenswert ist auch der letzte bewaffnete Konflikt des Zweiten Weltkrieges in Europa, der am 11. 5. 1945 bei Milín, 7 km von Příbram entfernt, stattfand. Es war die letzte große Schlacht des Zweiten Welt -kriegs auf dem Gebiet der tschechischen Länder. Im Mai 12.11 1945 wehrten sich weit über 6000 deutsche Soldaten verzweifelt gegen die Partisanen und Soldaten der Roten Armee.

Am 7. Mai 1945 wurde allen deutschen Truppen befohlen, sich zu ergeben. Feldmarschall Ferdinand Schörner, der Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte in Böhmen befahl jedoch seinen Einheiten ihren Weg nach Westen zu erzwingen um sich den US-Streitkräften zu ergeben.
Am 9. Mai 1945 erreichten die deutschen Truppen das Gebiet zwischen den Dörfern Milín, Slivice (jetzt Ortsteil Milín).

Am 11. Mai griffen Partisanengruppen unter der Führung eines sowjetischen Offiziers die Deutschen an. Unterstützung bekamen sich von ukrainischen Soldaten. In der Nacht brach die Verteidigung zusammen und um 3 Uhr morgens unterzeichnete General von Pückler-Burghauss die Kapitulation. Ein anwesender amerikanischer Unterhändler weigerte sich, den General und seine Familie aufzunehmen, er fürchtete die Rache der Russen und wäre selbst erschossen worden. Über 6000 Soldaten und eine große Anzahl von Fahrzeugen wurden gefangen genommen.

Im Jahr 1970 ein Denkmal für die Schlacht war in Slivice enthüllt. Seit 2001 wird im Museum die Schlacht  im Modell nachgestellt.

Quelle: Cech Tourismus