Der Böhmische Karst -

europäisch geschützes UNESCO Biosphärenreservat mit den Burgen Karlstein und Krivolkat (Pürglitz)

 

Das Kalksandsteingebirge, das die Ufer der Berounka umsäumt, ist ein romantisches durch Erosion zerklüftetes Plateau, in dessen Mitte die Burg Karlstein und der Ort Srbsko liegen. Dieses Gebiet ist hervorragend geeignet für Wanderer um sich von einer einzigartigen Natur begeistern zu lassen. Der böhmische Karst zählt zu den attraktivsten Gebieten Mittelböhmens, dessen Erforschung der Franzose Barrande vornahm.

                       

Vor 600 - 500 Millionen Jahren entstand der geriffelte Kalkstein in einem flachen Meer mit einem Kalkanteil von 98 Prozent. Hier fand man erstmals auf der Welt Fossilien von Tieren, wie Kopffüßler.

Die zwei Naturschutzregionen Krivoklátsko (= Mischwälder) und Cesky Kras (= Höhlen) verstärken die Bedeutsamkeit dieses Gebietes. Ein Großteil des Karstes ist zum biosphärischen Schutzgebiet durch die UNESCO ernannt worden. Abwechslungsreich und zu jeder Jahreszeit eine Augenweide die überwiegend vorherrschenden Laubwälder. Auf den kahlen Kalksteinen finden sich Küchenschelle, Teufelsauge oder Federgras. An Tieren hausen in den Karsthöhlen Dachs, Marder, Uhu und viele Arten von Fledermäusen. Die Wanderwege durch den Karst sind übersichtlich und perfekt ausgeschildert.

Tetin - die Mordburg

Nach Beroun, ein Stück weit im Berountal, sieht man rechts auf den Karstfelsen den Ort Tetin, hier stand einst die Felsenburg von Teta, der Schwester Libussas. Sie war Schauplatz mörderischer Familienpläne. Hier wurde 921 Ludmilla, die Witwe des ersten christlichen Böhmenherzogs Boriwoj I. heimtückisch mit ihrem eigenen Schleier erdrosselt. Wallreste des Wohnsitzes von Ludmilla befinden sich auf einer ehemaligen Uranabbaustelle mit Blick ins Tal. Die gemauerte Burg Wenzel II. ist bereits verfallen, Reste sind auf einem Felsenvorsprung neben der St.-Johann-Nepomuk-Kirche zu entdecken.

Das Kloster zum Heiligen Jan

In einem Seitental des Karstes lebte der Heilige Iwan, nach dem das Benediktinerstift benannt ist. Er soll in einer Höhle, die noch zu sehen ist, als Einsiedler gelebt haben. 1030 stiftete Herzog Bretislaw das Benediktinerkloster. Von Hussitenheeren zerstört, bauten  die Mönche das jetzige Kloster wieder auf.

Die Kirche des Hl. Johannes des Täufers stammt aus dem Jahre 1661, als Architekt fungierte der Italiener Carlo Lurago. Der weiche Kalkboden führte bald zu gefährlichen Rissen im Bauwerk. 1712 baute Christof Dientzenhofer die Kirche im barocken Stil um.

Über dem Altar ist ein großes Holzkreuz zu sehen. Gestiftet haben es die Bürger der Prager Altstadt, es hatte einst seinen Platz auf der Karlsbrücke. Der Grabstein des Hl. Iwan befindet sich in der Mitte der Kirche. In einem versilberten Kasten werden die Reliquien des Heiligen aufbewahrt. Hoch über dem einstigen Kloster ist im Osten die Iwanhöhle zu sehen. 1785 wurde das Kloster von Kaiser Josef II. aufgelassen, das Vermögen versteigert.

1949 übernahmen die Kommunisten das Kloster und formten es auf Grund seiner abgeschirmten Lage in ein Zwangsarbeiterlager um. Aus gleichen Gründen dürfte die Umfunktionierung des Gebäudes in ein Gefängnis von 1951 - 1955 erfolgt sein. Danach diente es 30 Jahre als Sitz für den tschechischen Geheimdienst. Seit 1985 wird es als Archiv und Lehrerfortbildungsanstalt genutzt.

Budnany, der Vorort von Karlstein

Budnany, so heißt heute die Gemeinde Karlstein unterhalb der Burg. Während der Bauzeit der Burg befanden sich hier die Unterkünfte der Handwerker (Buden der Handwerker), wovon sich der Ortsname ableitet.

Sehenswert das alte Pfarrhaus, in dem ein ganzjährig geöffnetes Krippenmuseum untergebracht ist. Im Dachgeschoss steht seit 1998 eine bewegliche Krippe mit Figuren der böhmischen Geschichte.

Fotos: Links König Podibrady, rechts Kaiserin Maria Theresia in die Krippe integriert.

Vor dem unmittelbaren Weg zur Burg zieht es viele Besucher in ein bemerkenswertes Wachsfigurenkabinett mit den Personen der tschechischen Geschichte bis hin zum braven Soldaten Josef Schwejk. Die Gastronomie mit fantasievollen Gerichten und einem Karlsteiner Wein, die Reben ließ Karl IV. anpflanzen ist überaus zu loben. Der Weg zur Burg kann nur zu Fuß, mit einem Klein- bus oder mit Pferdedroschken vom gut bewachten Parkplatz aus erfolgen.

 

Burg Karlštejn - Karlstein - Meditationsort Karl IV.

 

Unter Kennern zählt sie zu den schönsten Burgen Böhmens, wenn nicht sogar Europas. Nie wurde sie eingenommen, mit ihren zum Teil sechs Meter starken Mauern trotzte sie allen Anstürmen. Inmitten einst undurchdringlicher Wälder, hoch über dem Tal der Berounka ließ sie Karl IV. von Matthias Arras errichten, den Grundstein legte Karls Freund, Erzbischof Ernst von Padubritz im Jahre 1348.  Der Kaiser gab ihr seinen Namen, Karlstein.  

 

Die Burg hatte keine Wächterfunktion über eine vorbeiziehende Straße, sondern diente einzig und allein den Sammlungen der Reliquien und der Kronjuwelen, aber auch der Meditation, der Empfänge oder der Jagd für den Kaiser und seine Gäste.

 

Foto: Die Goldene Kapelle (Tschech. Toursimusverband)

Die Goldene Straße von Nürnberg nach Prag lief zirka 20 Kilometer nördlich an ihr vorbei.

 

"Wer auf Burg Karlstein heiratet, so heißt es, dessen Ehe hält ewig"- in der Tat es gibt viele Hochzeiten an den Wochenenden.

 

Nördlich von Beroun schließt sich das Pürglitzer Gebiet mit einer ebenfalls sehenswerten Burg an

 

Krivolátsko -Das Pürglitzer Gebiet

900 Jahre feierte die Burg 2010

Wer den südlichen Teil des böhmischen Karstes mit der Burg Karlstejn bereits kennt, dem sei von Beroun aus ein kurzer Abstecher nach Norden zur Burg Krivoklát ( Pürglitz) empfohlen. Gelegen im Pürglitzer Gebiet „Krivolátsko“,  einem mittleren Hügelland in dem sich der Fluss Beraun (Berounka), durch ein stellenweises schmales, zwischen steilen Felshängen gelegenes schlangenförmiges Tal zwängt. Kenner wissen es, auch diese Gegend zählt mit zu den schönsten Landschaften in Böhmen. Bereits von Kelten besiedelt, gründeten Germanen darin die Burgstätte Stradovice. Vermutungen behaupten, dass hier vor der Völkerwanderung der sagenumwobene Markomanenfürst Marbod seinen Sitz hatte.

Wanderung in der Gegend von Chlum

Fotos Dorfstraße in Chlum und die typische Bauweise der Region, ein schmuckes Haus, es gehörte einst einem Professor aus Pilsen. Innen liebvoll eingerichtet.

Bekanntester Ort ist das Städtchen Pürglitz (Krivoklát), die gleichnamige Burg erbauten die böhmischen Könige. Da die jeweiligen Herrscher gerne hier weilten, wurde die Burg auch immer wieder umgebaut. Im Mittelalter galt sie als eine der stolzesten und bestens befestigten Burgen im ganzen Land. Im Flussgebiet der Berounka hatten die Premysliden ihr Jagdrevier. Auch Karl IV. und besonders sein Sohn Wenzel hielten sich mit Vorliebe in ihren Mauern auf.

 

Ihre heutige Gestalt verdankt die Burg Křivoklát/ Pürglitz dem böhmischen König Wladislaw Jagiello, der sie um 1500 grundlegend baulich umgestalten ließ. Die Kapelle der Krönung Jungfrau Marias bildet ein einmaliges Beispiel mitteleuropäischer spätgotischer Kunst. Später wurde die Burg durch einen Brand beschädigt, dann wurde sie zum gefürchteten Gefängnis. Erst die letzten Inhaber, die schwäbische Adelsfamilie der Fürstenberg, die Křivoklát bis 1929 besaß, ließen sie von Neuem rekonstruieren.

Fotos: links Burgkapelle. rechts die Bibliothek der Fürsten.

Die Besucher werden in Rahmen von Führungen durch den Königlichen Saal und Rittersaal, die mehr als 50 000 Bände umfassende Bibliothek, das Fürstenbergische Museum und Bildergalerie, Hungerkammer und Kerker mit Folterinstrumenten, den monumentalen Großen Turm mit Jagdtrophäen und durch den Turm Huderka mit der schwarzen Küche und Aussichtsterrasse geleitet.

Foto: Burgeingang für die Besichtigungstour. Im goßen Burghof finden das Jahr über

ständige Veranstaltungen statt; vom Weihnachtsmarkt bis zu Herbstmärkten.

 Burg Krakovec

Von der versteckt liegenden Burg Krakovec im Norden des Karstes führte der Weg von Jan Hus, nachdem ihm Wenzel IV. seine Gunst entzogen hatte, 1414 nach Konstanz. Krakovec war Hus Exil, als er exkommuniziert durch König Wenzel IV. nicht mehr geschützt werden konnte. Diese Burg gehörte einem Burghauptmann aus Prag.

     

Bild: Die Burg ist heute eine Ruine, der steinerne Kelch erinnert an Hus.